Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Die "Feuchte Pampa"
                   

Buenos Aires-City und die Pampa

Also, nach der Ankunft in Buenos Aires (BA) fahren wir erst einmal bei bestem Wetter auf einen Campingplatz im nördlichen Vorort Tigre. Dieser Platz ist zwar schön am Río Luján gelegen, aber ansonsten schon sehr bizarr. Alles ist mehr oder weniger verfallen. Das Klo kann man zwar benutzen, aber Wasser gibt es nur sporadisch. Es steht jedoch eine Regentonne bereit, und so muss man eben zum Nachspülen 'mal kurz mit dem Eimer nach draußen zum Regenwasserholen. Die Duschen befinden sich im gleichen Raum wie das Klo, so dass alles gleichmäßig nass wird - wie praktisch, dass man die Hygieneschritte so harmonisch miteinander verbinden kann! Es gibt entweder nur kaltes oder nur kochendes Wasser. Die Eigentümerin Betty ist sehr rege und hilfsbereit, gegen den Matsch auf dem Platz durch den heftigen Regen, der am nächsten Tag einsetzt, helfen jedoch auch nicht die Sägespäne, die sie in die Pfützen streut. Es ist alles ein bißchen wie Afrika, fast vertraut, wenn auch nicht erwartet. So auch das Taxi, dass uns mit nur sporadisch funktionierendem Scheibenwischer im Blindflug in die Stadt bringt. Unsere Begeisterung für BA - wie für die meisten großen Städte - hält sich in Grenzen, dennoch bleiben wir einige Tage, denn wir müssen einkaufen, beim Automobilclub ACA Landkarten besorgen, eine neue Batterie beschaffen usw.. So sehen wir von BA sehr wenig und beschließen, erst vor unserer Heimreise nach Deutschland der Stadt etwas mehr Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen.

Nach 5 Tagen Vorbereitungen verlassen wir bei strömendem Regen die Stadt Buenos Aires und fahren durch die Provinz Buenos Aires nach Süden, bis wir bei Tandil dann für die nächsten 1500 Kilometer nach Westen abbiegen werden. Wir fahren durch die sprichwörtliche Pampa, genau genommen durch die "Pampa Humeda", die "Feuchte Pampa", sehr flaches, grünes Land mit Rinderherden bis zum Horizont. Durch reichhaltige Niederschläge stehen riesige Weideflächen unter Wasser, was vielen Rindviechern hoffentlich kein Rheuma, aber nasse Hufen, vielen Wasservögeln aber auch einen temporären Lebensraum beschert: Reiher, Löffler, Schwarzkopfschwäne, Störche, Greifvögel, riesige Schwärme schwarzer Ibisse. An vielen Morgen liegt Rauhreif auf den Wiesen, 3 Grad, doch sobald die Sonne herauskommt, ist es schon warm genug, draußen frühstücken zu können. Tandil ist für argentinische Verhältnisse mit 80.000 Einwohnern eine Mittel- bis Kleinstadt, hat einige Einkaufsstraßen mit allen Errungenschaften der Konsumwelt, einige hübsche Reste (neo-) kolonialer Architektur, ist gemütlich. Das unterscheidet sie von den durchschnittlichen Pampa-Kleinstädten, durch die wir kommen: eine asphaltierte Hauptstraße mit den allerwichtigsten Versorgungsmöglichkeiten, nur noch, je nach Wetterlage, staubige oder schlammige Erdstraßen links und rechts davon, uralte, klapperige Ford-Pickups, das eine oder andere Pferdefuhrwerk - noch gemütlicher!

Einlaufen in Buenos Aires!  

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Durch die Pampa zum Nationalpark Lihué Calel

Weiter geht die Fahrt Richtung Südwesten in die Sierra de la Ventana, ein Mittelgebirge um die 1200 Meter und die höchste Erhebung in der Provinz Buenos Aires. Während wir hier 2 Tage im Regen versaufen, ändern sich weiter westlich Wetter und Landschaft markant: Wir kommen in die "Trockene Pampa" mit nur noch 400 mm Jahresniederschlag. Immer noch bretteben, liegen nun Hunderte von Kilometern Dornbuschsteppe vor uns. Einige sehr wenige Rinder und Schafe, das ist es. Die wenigen offenen Gewässer sind oft brackig, wir sichten die ersten Flamingos dieser Reise. Wir bleiben 2 Tage im Nationalpark Lihué Calel: flaches Dornbuschwerk und freiliegende, markante Granitfelsen, die ersten Guanako-Herden, Meerschweinchen - total süß, Füchse, Gürteltiere, viele hübsche Vögel, auch weniger hübsche Geier. Die ersten Blumen blühen - es wird Frühling!

Durch die "Trockene Pampa"  
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Die westliche Pampa - Mekka aller Saurier-Freaks

Die Route durch halbwüstenartiges Land führt uns nach Neuquen, eine moderne Stadt und eine Oase, bekannt für ihre Obstplantagen. Endlich wieder Grün! Und wirklich reiht sich hier eine Obstplantage, i. W. Äpfel, Birnen und Wein, an die nächste. Es ist Sonntag, und hier beobachten wir die Argentinier bei ihrem Volksvergnügen: Kollektivgrillen auf großen öffentlichen Grillplätzen! Der Besuch im Internetcafé (das Geschäft im infrastrukturell unterversorgten Flächenstaat) bringt am nächsten Tag viele Geburtstags-Mails für Bettina zu Tage, worüber sie sich riesig freut! Am gleichen Tag geht es weiter nach Südwesten bis Villa El Chocón, weltweit das Mekka aller Dinosaurier-Interessierten am riesigen Stausee "Embalse Exiquiel Ramos Mexia". Hier sind in den letzten 30 Jahren einige spektakuläre Saurierfunde gemacht worden. Natürlich besichtigen wir das "Museo Municipal Ernesto Bachmann", in dem das Skelett eines vor ca. 100 Mio Jahren lebenden fleischfressenden Dinosauriers ausgestellt ist (13 m lang, 5 m hoch, 10 to schwer), der "Gigantosaurus Carolinii", größer, als sein bekannterer nordamerikanischer Artgenosse "Tyrannosaurus Rex". Der Entdecker, Senor Carolini, ist gerade anwesend und führt durch die Ausstellung. 80 % des ausgestellten Dinos besteht aus originalen Knochenfunden! Sehr beeindruckend! Überhaupt ist das gesamte Museum sehr liebevoll hergerichtet. Die zu besichtigenden versteinerten Spuren eines Dinos am Ufer des Stausees sind für unseren Geschmack jedoch eher enttäuschend. 70 km weiter westlich in Plaza Huincul besuchen wir das "Museo Carmen Funes", in dem die Knochen des größten je gefundene pflanzenfressenden Dinosauriers ausgestellt sind. Dieser Dino war 40 m lang und ca. 90 bis 100 to schwer - gigantisch! Er muss Tag und Nacht gefressen haben, um überhaupt satt zu werden!

 
      Kollektivgrillen in Neuquen  

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Ins nördliche argentinische Seengebiet

Durch eine trockene Landschaft geht es weiter nach Westen und bei Zapala sehen wir in der Ferne zum ersten Mal die schneebedeckten Anden - unter einem traumhaften Himmel! An der Laguna Blanca, bereits von schneebedeckten Bergen umgeben, sollen uns laut Reiseführer Hunderte von brütenden Schwarzhalsschwänen erwarten. Statt dessen gibt es nur einige Möwen und einen einsamen Kormoran. Wie wir später erfahren, wurden hier Forellen eingesetzt, die das ökologische Gleichgewicht und damit die Nahrungskette der Schwäne zerstört haben. Tja, ganz schön beratungsresistent, der Mensch. Ein Blick nach Australien und auf die dortigen Erfahrungen mit eingeführten Tierarten hätte vielleicht etwas geholfen!? Es fegt ein unglaublich heftiger und kalter Wind über das Land - ja, wir sind bereits in Patagonien! Wir finden jedoch einen schönen Platz direkt an der Lagune und werden nach Sonnenuntergang, als sich auch der Wind abrupt gelegt hat, mit einem traumhaften Himmel belohnt. Und am nächsten Morgen ist die Lagune spiegelglatt, und die Sonne scheint vom blauem Himmel - bei 5 Grad Außentemperatur! Patagonien ist nichts für Weicheier mit schlechter Ausrüstung! Aber bald ist es mit 15 Grad so warm, dass wir draußen frühstücken können.... Bettina bereitet einen Brotteig zum Backen vor. Die durch große Einwanderungswellen aus dem Mittelmeerraum sehr mediterran angehauchte argentinische Brotbackkunst schafft auf Dauer jede deutsche Darmflora, da muss mit Bordmitteln gegengesteuert werden! Ja, Traveller-Alltag! Ihr glaubt doch etwa nicht, dass wir im Urlaub sind?!

Über Zapala fahren wir weiter nach Westen in die Anden, die ersten 50 km noch auf Asphalt, dann beginnt in Primeros Pinos unsere erste lange und staubige Schotterstrecke. Die ersten Araukarien-Bäume sind zu sehen, die über 1000 Jahre alt werden können - wenn man sie läßt! Und wir erreichen die Schneegrenze und machen eine Schneeballschlacht in 1835 m Höhe. Wunderschöne Landschaft, schneebeckte Berge, Flusstäler und immer wieder diese bizarren Bäume. So haben wir uns Argentinien vorgestellt! In Villa Pehuenia erreichen wir den Lago Aluminé und damit den Nordteil des argentinischen Seengebietes. Die Campingplätze haben noch geschlossen, aber auf einem dürfen wir uns für eine Nacht abstellen - bei geschlossenen Sanitäranlagen. Nun zeigen sich die Vorteile von Rolfs handgeschnitztem und demnächst noch zu patentierendem Klappklo. Die Haare werden draußen gewaschen, bevor nachts der Bodenfrost wieder zuschlägt. Wir bleiben erst einmal in der schönen Gegend, heutige Heimat der Mapuche-Indianer und lassen uns an einem kleinen idyllischen See nieder, machen Spaziergänge durch die traumhafte Landschaft vulkanischen Urspungs. Es fängt wieder an zu regnen und später an zu schneien. Die Berge ringsherum sind mit Neuschnee puderzuckerartig bedeckt.

Die Straße westlich des Lago Aluminé nach Süden ist wegen Schneefalls gesperrt, also nehmen wir das wunderschöne Tal des Río Aluminé. Es wird wärmer, die Bäume grüner, einzelne blühen schon - auch hier nimmt der Frühling Anlauf. Nach Einkauf in Junín de los Andes (es gibt übrigens bis jetzt überall alles, es mangelt uns an nichts bei der perfekten Versorgungslage!) geht es nach Westen in den "Parque Nacional Lanin" zum Lago Huechulafquen, wo wir einen Campingplatz am See mit Familienanschluss finden. Wir sind die einzigen Gäste, dafür genießen wir die Gesellschaft von Töchterchen Camilla neben Kühen, Schafen, Enten, Hühnern, Putern und Hunden und vielen Wildvögeln. Es ist wieder kalt und windig geworden, wir sind eben in Patagonien. Erst am nächsten Tag werden wir, umgeben von schneebedeckten Bergen, mit blauem Himmel, Sonne und einer grandiosen Bootstour auf dem Lago Huechulafquen und dem Lago Epulafquen entschädigt. Die Bootstour führt uns auch zu einer Lavazunge, die hier beim Ausbruch des Volcán Achen Niyeu auf der chilenischen Seite, die Grenze liegt nur wenige Kilometer weiter westlich, über 6 km lang und 3 km breit zum Teil in den See geflossen ist. Und der "schönste" Berg Argentiniens - der Volcán Lanin - zeigt sich in seiner ganzen Pracht: vor strahlend blauem Himmel der perfekt geformte Konus mit seiner 100 m dicken Eiskuppe. Die 6-jährige Tochter Camilla der Familie, die den Campingplatz betreibt, isst gern mit uns, und lehrt uns etwas Spanisch. Insgesamt kommt Bettina ganz prachtvoll mit ihrem Spanisch zurecht, während ich dagegen mit meinem phonetischen "dos cervesas, por favore" irgendwie stagniere....! Bei super Wetter bleiben wir erst einmal hier, machen herrliche Wanderungen, u.a. zu einem wunderschönen Wasserfall "Cascada Encantada" unterhalb des Lanin. Bernd und Marion hält es jedoch nicht so lange an einem Ort (Räder müssen rollen....), wir wollen noch bleiben, und so trennen sich hier erst einmal unsere Wege. Am Abend füllt sich der Campingplatz doch glatt mit einem weiteren Paar aus Buenos Aires, Georgelina und Santiago, das uns in die Zeremonie des Mate-Tee-Trinkens einweist. Wir sind hinsichtlich des Geschmacks geteilter Meinung. Mir (Rolf) ist er zu bitter.

 
      Laguna Blanca    

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Durch das argentinische Seengebiet nach Süden

Nach 3 Tagen geht es bei immer noch schönem Wetter Richtung Süden bis San Martín de los Andes, ein kleiner Ort in den Anden in 642 m Höhe, der architektonisch sehr an Alpendörfer erinnert. Wir lesen und beantworten einige E-Mails in einem Internetcafe mit super langsamen Computern (gepulste Wasserleitung), trinken Café con leche und kaufen leckere Schokolade ein. Und dann wird es schlagartig windig, es bewölkt sich und fängt an zu regnen. Mit dem guten Wetter ist es erst einmal vorbei. Das ist Patagonien! Wir übernachten wild irgendwo am Lage Meliquina und machen 'mal wieder die Heizung an. Am nächsten Morgen ist das Wetter noch schlechter, und so setzen wir unsere Fahrt am Lage Meliquina entlang fort. Wir gelangen auf einer bergigen, nur etwas rutschigen Piste mit abenteuerlichen Brücken (zumindest dann, wenn man auf ca. 8 to hockt), entlang an bizarren Felsformationen über den 1.300 m hohen Paso de Córdoba in eine wunderschöne Landschaft. Bei Confluencia gelangen wir wieder auf Asphalt und erreichen bald San Carlos de Bariloche, wo wir uns am Lago Nahuel Huapi auf einem Campingplatz niederlassen. Das Wetter soll schlecht bleiben, und am Sonntag soll es schneien!

Bariloche ist die größte Stadt am Ostrand der patagonischen Anden und liegt wunderschön am Ostufer des riesigen Lago Nahuel-Huapi. Sie ist Ausgangspunkt für viele Touren in den Nationalpark "Nahuel-Huapi" und eines der wichtigsten Ski-Zentren der Anden. Außerdem, als Folge der starken Einflusses deutscher und schweizer Einwanderer, ist es auch die Stadt der Schokolade, die in vielen Varianten und Geschmacksrichtungen angeboten wird. Die ganze Gegend wird daher auch die Schweiz Argentiniens genannt. In Hotels wie "Edelweiß" oder "Tirol" stehen auch Schokoladen- und Käsefondues auf der Speisekarte. Der Tourismus ist folgerichtig eine der wichtigsten Einnahmequellen. Einige Tage halten wir uns in und um Bariloche auf. Bei schlechtem Wetter nutzen wir die Gelegenheit, um in der Stadt Geld auszugeben und im Internetcafé unsere Mails zu lesen und zu beantworten. Wir machen eine Rundfahrt in den Parque Nacional Llao Llao und trinken Café con leche im gleichnamigen schicken Hotel, das auf einem Hügel oberhalb des Puerto Panuelo liegt, mit einem super Blick über den Lago Nahuel-Huapi und die umgebenden schneebedeckten Berge. Wir besuchen das Dorf "Colonia Suiza", wo sich zu Beginn des 20. Jh. viele Schweizer niedergelassen haben. Die Häuser, mit den Wappen der ehemaligen Heimatkantone an den Giebeln, erinnern an die Schweiz, allerdings mit einer deutlichen argentinisch Patina.

Eine Tagestour führt uns nach Villa la Angostura. Von hier aus unternehmen wir eine Bootstour über den Lago Nahuel Huapi zum "Bosque de Arrayanes" - der weltweit einzige dichte Wald aus Myrtenbäumen, deren zimtfarbene, samtartige Baumrinde einen märchenhaften Eindruck hinterläßt. Auf dem Parkplatz am See begegnen uns wieder Santiago und Georgelina, unsere Mate-Trinklehrer. Kleine Welt, dieses riesige Argentinien! Abends trinken Nicol und Ivo aus der Schweiz, die schon seit fast 2 Jahren unterwegs sind, und die wir am Bootsanleger kennengelernt haben, mit uns einen Wein.

Wir kehren nach Bariloche zurück und verlassen die Stadt in Richtung Süden. Am Abend erreichen wir 15 km nördlich von El Bolsón das Anwesen von Claudia und Klaus, vielen in Deutschland bekannt durch ihre Dia-Vorträge und ihr Buch über ihre 16-jährige Marathon-Weltreise in den 80ern und 90ern. Vor drei Jahren haben sich die beiden mit ihren Kindern Mona und Anna hier in der Nähe von El Bolsón niedergelassen und sind Globetrottern eine verläßliche Anlaufstelle. U. a. haben wir über Klaus günstig unsere Autoversicherung bei einem argentinischen Versicherungsunternehmen abgeschlossen. Interessenten wenden sich vertrauensvoll per Mail an "info@abgefahren.info". 3 Tage bleiben wir bei der Familie, führen bei gemeinsamen Abendessen in ihrem gemütlichen Heim interessante Gespräche, gewinnen Einsichten in die argentinische Gesellschaft, die dem Touristen üblicherweise verborgen bleiben und erkunden El Bolsón. Ein wunderbares Bergpanorama umgibt das Tal, das Piltiquitrón-Massiv auf der einen und die ferneren Andengipfel auf der anderen Seite. Ein angenehmes Mikroklima herrscht hier, in dem sogar Erdbeeren reifen. Und es war und ist die "Hippie- und Aussteiger-Stadt Argentiniens", wovon wir uns beim Besuch des Kunsthandwerksmarktes überzeugen können! Erinnerungen an die 70er Jahre werden wach - selbst gestrickte Pullover aus dicker bunter Wolle, handgefertigter Schmuck, T-Shirts im Batik-Look. Das muss man einfach etwas kaufen! Das aus im Tal angebauten Hopfen gebraute Bier probieren wir selbstverständlich auch. Es schmeckt sehr gut, etwas auf der süßlichen Seite, was wir aber mögen.

Auch Bernd und Marion sind inzwischen in El Bolsón eingetroffen, und wieder gemeinsam geht es bei gutem Wetter weiter nach Süden in den Parque Nacional los Alerces. Wir folgen den Spuren von Butch Cassidy und Sundance Kid, die sich in diesen abgelegenen Tälern in den Jahren 1901-1905 in der Nähe von Cholila versteckt hatten. Wir durchqueren den Park mit den bis zu 2.300 m hohen Bergen und zahlreichen wunderschönen Seen in einer traumhaften Landschaft. Der Ginster, der hier zahlreich wächst und baumähnliche Größe erreicht, fängt gerade an zu blühen. In Trevelin, einem Ort mit walisischer (Wales/UK, nicht Wallis/Schweiz!) Vergangenheit, genießen wir im bekannten Tea-room "Nain Maggie" den traditionellen Té Galés, eine walisische, äußerst reichhaltige Teetafel.

Wir verlassen Trevelin in Richtung Esquel. Die Stadt war der Endpunkt des berühmten Patagonien-Express "La Trochita", der die wichtigsten Estancias in der Region verband und von Paul Theroux in seinem Reiseroman "Der Alte Patagonien-Express" liebevoll beschrieben wurde. Die Strecke war mehr als 400 km lang, um die beiden nur 260 km voneinander entferten Orte Ingeniero Jacobacci und Esquel zu verbinden. Heute verkehrt "La Trochita" nur noch für Touristen zwischen Esquel und Nahuel Pan. Gerne würden wir mitfahren, aber leider sind alle Plätze ausgebucht. Und so werfen wir einen Blick auf die Landkarte und verfolgen als Paparazzis das von einer in Deutschland gebauten Dampflokomotive (Henschel/Kassel, Bj. 1922) gezogene Schmalspurbähnlein eine Zeitlang mit unserem Wagen!

Am Paso Cordoba

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Zurück zum Antlantik

Ab jetzt geht es nun endgültig wieder nach Osten, zur Halbinsel Valdés, bevor die Wale sich endgültig vom Acker machen! Ein letzter Blick zurück auf die schneebedeckten Anden ist großartig, doch dann tauchen wir wieder in eine unendlich erscheinende trockene Pampa ein! Hinter Paso de los Indios endet die Monotonie, es erwartet uns ein wunderschönes gleichnamiges Tal mit grandiosen bunten Felsformationen, das der Río Chubut tief eingeschnitten hat. Direkt am Fluss verbringen wir die Nacht. Am nächsten Tag geht es weiter durch diese schöne Landschaft aus weiteren Schluchten. Unterwegs kommen uns die beiden Schweizer Paare entgegen, die wir in Tigre kennen gelernt haben, Ruth und Peter sowie Margrit und Eddy. Kleines Riesenland! Es gibt ein fröhliches Wiedersehen, Erfahrungen werden ausgetauscht und Tipps gegeben. Weiter geht es durch das Tal Valle de los Martires und zur Übernachtung zum Stausee Embalse Florentino Ameghino, wo wir wieder einen schönen Platz in der Schlucht des Río Chubut finden. Und am nächsten Tag kommen wir nach einem Großeinkauf in Trelew endlich auf der Península Valdés an. Die patagonischen Winde wehen vorwiegend aus Westen, also hatten wir bei der Fahrt von Ost nach West permanent Gegenwind, auf der Fahrt nach Valdéz dagegen immer Rückenwind. Ein kurzer Check unseres Treibstoffverbrauchs bestätigt das: der pendelte auf dem Ost-West-Schenkel so um 22l/100km, auf dem Rückweg zum Atlantik sinkt er auf sensationelle 17l/100km! Was allerdings bei Kosten von umgerechnet 36 bis 40 Eurocent/Liter Diesel die Reisekasse nur in übersichtlichem Maße entlastet....!

Valdés ist eine 3.625 qkm große Halbinsel, die durch den schmalen Istmo Ameghino mit dem Festland verbunden ist. Sie ist weitgehend eine Wüstenregion, in deren Zentrum 3 Salzseen liegen. Die Salinas Grandes bilden mit 35 m unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt Argentiniens und angeblich auch Südamerikas. Die gesamte Halbinsel ist ein Naturreservat und befindet sich im Privatbesitz diverser Estancias, die mit Pferde-, Rinder- und überwiegend Schafzucht und zunehmend Tourismus versuchen, über die Runden zu kommen. Es gibt ein reiches Tierleben auf der Halbinsel, vor allem Meeres- und Küstenbewohner: Seelöwen, Seeelefanten und Pinguine und vor der Küste und im Golfo Nuevo Wale. Die Orcas (Zahnwale) leben ganzjährig an der offenen Atlantikküste und die Bartenwale, hier vertreten durch den "Ballena Franca Austral (Südkaper)" kommen zwischen September und Dezember in den Golfo Nuevo zur Paarung und um ihre Jungen zu werfen. Dieser Wal kann bis zu 16 m Länge und ein Gewicht von 30-40 to erreichen. Im Landesinneren sind Guanakos, Nandus, patagonische Hasen, Gürteltiere und viele Vogelarten zu Hause. Eine Woche bleiben wir auf der Halbinsel, davon einige Tage an einem sehr schönen Platz am Golfo Nuevo, Punta Pardelas. Sensationell - von unserem Standplatz am Strand können wir jeden Tag Wale beobachten - Mütter mit ihren Babys - die Männer haben sich bereits verabschiedet und sind schon wieder auf dem Zwutsch...! Manchmal nähern sich die Tiere bis auf wenige Meter dem Ufer! Man braucht ein Weitwinkelobjektiv, um das ganze Tier zu erfassen! Zusätzlich starten wir in Puerto Pirámides zu einer Walbeobachtungsbootstour, die ebenfalls grandios ist. Ein Wal schwimmt lange Zeit direkt neben dem Boot, bläst, taucht mal auf, wedelt mit der Schwanzflosse - tolles Erlebnis! Wir hätten nur Herrn Schätzings "Der Schwarm" nicht unbedingt vorher lesen sollen...! Wir machen Ausflüge über die große Halbinsel. Bei Punta Norte, dem nördlichen Kap, wo der Golfo San Matias und das Mar Argentina zusammenfließen, können wir von der Steilküste Kolonien von Seeelefanten beobachten. Sie haben zur Zeit Junge und liegen ziemlich faul am Strand herum. Manchmal kommt es jedoch auch zu spielerischen Auseinandersetzungen zwischen den Halbstarken. Unglaublich, wie dann der Blubber wogt! Aber auch an der gesamten Ostküste bis Punta Delgada hinunter sind immer wieder große Kolonien von Seeelefanten und Seelöwen zu sehen. Auch Magellan-Pingunine nisten hier von November bis März in Kolonien und sind deshalb auf Armeslänge gut zu beobachten. Sie sind recht klein, max. 50-60 cm groß und nur ca. 5 kg schwer. Wir haben großes Glück und sehen bis auf Orcas alle genannten Tiere! Das Wetter ist äußerst patagonisch-wechselhaft, mal heftiger Wind mit viel Regen (die Pisten die reine Schlammschlacht!), mal strahlend blauer Himmer und Sonne und schöne Sonnenuntergänge.

Valdés ist ganz klar ein Höhepunkt unserer bisherigen Reise durch Argentinien! Unbedingt jedem zu empfehlen, der einmal den Gegensatz zwischen relativer Ödnis an Land und prallem Leben am und im Wasser kennenlernen will! Wie überhaupt - uns hat Argentinien bisher gut gefallen! Die Menschen sind zu Ausländern freundlich und hilfsbereit, die Landschaften und auch die Tierwelt sind grandios und das Reisen durch eine exzellente Versorgungslage (mit deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten als zu Hause) und überwiegend gute Infrastruktur unkompliziert. Nur das Wetter, ja, das wäre ggf. verbesserungsfähig! Aber ab jetzt fahren wir ja weiter nach Süden, da kann es ja nur wärmer werden, oder ..... ööhh!?

           
          Totes Südkaper-Jungtier auf Valdés          
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So, Ihr Lieben, das war es erst einmal wieder! An die niedrige Aktualisierungsfrequenz werdet Ihr Euch leider gewöhnen müssen, denn Ihr glaubt nicht, wie wenig Zeit uns für so einen Luxus wie Homepage-Pflege bleibt! Wir werden Euch beim nächsten Mal die typische Woche eines Travellers schildern, damit Ihr das besser nachvollziehen könnt!

Bis dahin grüßen Euch - Bettina & Rolf