Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Magellanpinguine lieben es, fotografiert zu werden!
                   

Von der Halbinsel Valdés nach Puerto Deseado (an der Atlantikküste nach Süden)

Nachdem wir Valdés verlassen haben, geht es auf einer recht guten (für uns bedeutet das: max. 60 - 70km/h auf der mit Kieseln geschotterten - man fährt wie auf Kugellagerkugeln!) Piste weiter Richtung Süden nach Rawson und von hier aus zum gleichnamigen kleinen Fischerhafen. Einer der wenigen Fischereihäfen Argentiniens, denn die Argentinier haben es nicht so mit Fisch - leider! Neben den Trawlern hat sich eine Kolonie Seelöwen niedergelassen, die auf die Fangabfälle der hereinkommenden Boote lauern. Verblüffend, dieses Miteinander von Fischindustrie und Tierwelt!

 

Auf der "Ruta 1" geht es weiter Richtung Süden bis Punta Tombo, einem Naturreservat für Magellanpinguine. Es ist mit bis zu 2 Mio Tieren die größte Ansiedlung dieser Tiere auf dem argentinischen Festland. Wir laufen stundenlang zwischen den Pinguinen herum und sind total begeistert! Die Tiere mit ihrem watschelnden Gang sind total süß, und man kommt wirklich so nahe an die Tiere heran, dass man sie anfassen könnte. Jedes Jahr Ende August kommen erst die Männchen zur Vorbereitung oder Renovierung der Nester, die sich bis zu 800 m vom Wasser entfernt befinden können. Es sind also lange beschwerliche Wege zurückzulegen. Dann kommen die Weibchen, die Anfang Oktober meist 2 Eier legen, die in ca. 40 Tagen ausgebrütet werden. Einige Küken sind bereits geschlüpft, und die Möwen lauern bereits auf eine Unachtsamkeit der Eltern! Andere Pinguine sind noch auf Partner- oder Wohnungssuche oder gerade mit der, ahem... Familienplanung beschäftigt. Zwei Tage bleiben wir hier und können uns nicht satt sehen! Anschließend sind Tonnen von Fotos zu bearbeiten!

Aber dann geht es weiter, immer Richtung Süden, nach Cabo Raso, wo wir wieder einmal Land und Meer für uns allein haben. Bei super Wetter genießen wir die Ruhe und machen Spaziergänge längs der menschenleeren Küste. Cabo Raso ist ein historischer, sehr einsamer Ort; hier befindet sich eine kleine, heute zerfallene Ansiedlung mit einem alten Friedhof. Die Bewohner der Estancia haben hier einst Schieferplatten aus einem Steinbruch abgebaut.

Durch eine sehr schöne, abwechslungsreiche hügelige Landschaft führt unser Weg weiter nach Süden bis Camerones und dann auf die vorgelagerte Halbinsel, wo uns entlang der Küste wiederum eine traumhafte Landschaft empfängt. Camerones ist ein winziges Kaff, wo jährlich im Februar ein Lachs-Festival stattfindet. Dann tummeln sich hier die Angler, doch jetzt ist der Ort wie ausgestorben. Aber auch er hat seine historische Bedeutsamkeit: 1535 landete hier eine spanische Expedition und gründete eine Stadt, Nuevo León, die jedoch bald wieder aufgegeben wurde. Ein Denkmal am Hafern erinnert daran. Wir folgen der Küstenpiste auf der Halbinsel bis Cabo dos Bahías, wo uns noch einmal eine große Pinguin- und Seelöwen-Kolonie empfängt. Die felsige Küste ist voller Muschelberge, folglich gibt es viel zu sammeln. Drei Tage bleiben wir auf der Halbinsel bei super Sonnenschein und freuen uns ab Windstärke 5 über die Windstille! Ansonsten setzen wir den Wagen in der Nacht alle paar Stunden auch schon 'mal um, Motorhaube immer wieder in den Wind, weil wir sonst wegen der extremen Schaukelei und Geräusche kein Auge zubekommen! Und wir treffen hier Marion und Bernd, Ingrid und Leo und Jutta und Lothar wieder - ja, das riesige Argentinien ist hinsichtlich der Reisebekanntschaften winzig klein: Man trifft sich immer 'mal wieder, denn alle steuern die markanten Sehenswürdigkeiten an, aber fast immer auf verschiedenen Wegen. Und da wir bisher ausnahmslos sehr nette Leute kenngelernt haben, ist die Freude auch jedesmal groß! Schnacken, Informationen austauschen, Wein kosten (kennst Du die Bodega schon?) - die Tage vergehen wie im Fluge!

Unsere Reise geht Kurs Süd ca. 250 km durch eine ziemlich öde Halbwüste bis Comodoro Rivadavia, einer unattraktiven Stadt inmitten eines Ölfördergebietes (Pferdekopfpumpen, soweit das Auge reicht), die wir nur zum Einkaufen nutzen. Wir fahren sofort 25 km weiter, nach Rada Tilly, die Schlafstadt der Öl-Manager aus Comodoro, mit Häuschen, die auch in Maschen eine gute Figur machen würden! 2 Tage lassen wir uns auf dem Campingplatz nieder, um "det Zeuch 'mal wedder in Ordnung zu bringen": u. a. kleinere Reparaturen am Auto, Wäsche waschen, Brot backen .... und bei super Wetter in der Sonne sitzen. So warm, um die 25 Grad, haben wir es seit Wochen nicht mehr gehabt, aber abends und in der Nacht wird es immer empfindlich kühl!

Auf unserem weiteren Weg nach Süden, zum Cabo Blanco, machen wir für eine Nacht einen Zwischenstopp an einem Salzsee und genießen die Einsamkeit und hören die Stille. Über Pisten, die extrem einsam sind und weit draußen liegende Estancias mit der Außenwelt verbinden, und wo sie noch komplette mumifizierte Pumas als abschreckenden Zauber auf die Zäune spießen, erreichen wir am nächsten Tag Cabo Blanco, wo wir mit sehr viel Wind und Sonne empfangen werden. Wir klettern die Stufen zu einem der ältesten Leuchttürme Argentiniens hinauf und beobachten auf den steilen Klippen die Pelzrobben unter uns, die sich auf den Felsen sonnen und im Meer herumtollen. Hier befindet sich die größte Kolonie Argentiniens, und zwischen Dezember und Januar werden hier die Jungen zur Welt gebracht. Aber auch Schwärme von Kormoranen, Möwen sowie Austernfischern bevölkern die Felsen. Einfach traumhaft - und spaßig, die an Land sowieso ungelenken Seelöwen auch noch abschüssige Felsen hinaufklettern zu sehen. Es gefällt uns so gut, dass wir 2 Tage bleiben.

Unser letztes Ziel an der Atlantikküste ist Puerto Deseado, ein kleines Städtchen mit einem Fischereihafen, gelegen an der Mündung des Río Deseado, der im Westen, in den Anden in den Lago Buenos Aires entwässert. Der Atlantik drückt ca. 40 km Seewasser landeinwärts, so dass ein ideales Rückzugsgebiet für viele Tierarten entstanden ist. Hier befindet sich ein wunderbares Naturreservat, das Ría Deseado, mit Magellanpinguinen, Seelöwen, verschiedenen Arten (hier verlies uns bei den Erläuterungen unser Spanisch) von Kormoranen, Seeschwalben und Delfinen. Während einer Bootstour bei top Wetter bekommen wir alle Tiere zu sehen. Auf dem am Fluss liegenden Campingplatz fühlen wir uns wohl und feiern nach einem überraschenden Wiedertreffen (Argentinien ist klein!) Bernds Geburtstag mit einem kleinen Privatfeuerwerk.

Magellan-Pinguin  

Mehr Bilder gibt es HIER!!

_____________________________________________________________________________________

Morgen geht es wieder nach Westen, zurück in die Anden, doch darüber beim nächsten Mal mehr!

 

Es grüßen Euch,

Bettina & Rolf