Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Adélie-Pinguine "On the Rocks"
                 

Feuerland

Heute werden wir ausschließlich von unserer Zeit auf Feuerland (Tierra del Fuego) und in der Antarktis berichten, wo wir uns zusammen genommen fast einen Monat aufgehalten haben! Vorab: Es hat uns in diesem Teil der Welt sehr gut gefallen, einiges findet sich bereits in unserem letzten Bericht.

Einige Tage verleben wir auf dem Campingplatz  "La Pista del Andino" oberhalb von Ushuaia mit toller Aussicht über die Stadt und treffen sowohl bekannte Reisende, machen aber auch interessante neue Reisebekanntschaften. Es ergeben sich (fast immer, denn es gibt auch den Typ von Reisende, der kann nur erzählen, aber nicht zuhören) nette Gespräche und Erfahrungen werden ausgetauscht. In diese Zeit fallen auch Udos und Marions Geburtstage, die wir in Ab- und Anwesenheit der Geburtstagskinder gebührend feiern. In Ushuaia darf man u. a. auch das “Museo del Fin del Mundo“ nicht auslassen, das die Natur- und Kulturgeschichte von Feuerland zeigt. Überhaupt ist hier in Ushuaia alles "El Fin del Mundo" (Das Ende der Welt), ob Museum, Restaurant, Menu, Gebäck, Bar, Kirche, Kneipe, Straße!

Wir verbringen auch einige Tage im Nationalpark einige Kilometer westlich von Ushuaia. Die Landschaft mit den Seen, Flüssen und Tälern ist faszinierend, und wir machen bei überwiegend gutem Wetter (starker Wind, aber trocken, Temperaturen um 15 Grad) einige Wanderungen entlang des Beagle-Kanals. Und der Panamerican Highway, die berühmte (in Mittelamerika bis heute unterbrochene) Überlandverbindung zwischen Alaska und Feuerland, hier in Argentinien die Ruta 3, führt mitten in den Park bis an die Bahia Lapataia, wo ein Schild auf sein/ihr Ende hinweist. Dies ist der südlichste Punkt auf der Erde, den man mit einem normalen Landfahrzeug erreichen kann! Jeder Reisende, der etwas auf sich hält, macht von sich und diesem Schild mit Selbstauslöser ein Foto.

Drei Estancias besuchen wir. Die älteste ist die Estancia Harberton, die 1886 von dem Briten Thomas Bridges gegründet wurde und sich bis heute im Familienbesitz befindet und bewirtschaftet wird. Berühmt wurde Thomas Bridges und seine Estancia durch den Schutz, den er hier den letzten überlebenden Ureinwohnern Feuerlands gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewährte. Auf der Estancia Viamonte, wo wir anklopfen, ob wir hier die Nacht verbringen könnten, überrascht uns der Hausherr mit guten Deutschkenntnissen  - seine Mutter ist Deutsche! Trotzdem ist die Familiensprache immer noch Englisch, Spanisch hin oder her, denn die Gründung der großen Estancias hier unten geht fast ausschließlich auf englische/schottische Siedler zurück, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, von den Falklandinseln kommend, hier Fuß gefasst haben. Auf der Estancia Maria Behety, die für sich fast schon einen kleinen Ort bildet und angeblich die größte Schaf-Estancia der Welt ist, können wir den Arbeitern bei der Schafschur zusehen. Erstaunlich, wie schicksalsergeben die armen Kreaturen die Prozedur über sich ergehen lassen!
Ushuaia bei Nacht  

Mehr Bilder gibt es HIER!!

 

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In die Antarktis

Tja, und dann müssen wir uns entscheiden: Entweder das Lenkrad wieder Richtung Norden einzuschlagen oder noch weiter nach Süden vorzustoßen, allerdings - trotz unseres Allesüberwinders - mit einem alternativen Verkehrsmittel, nämlich per Schiff. Bekanntlich starten fast alle Antarktiskreuzfahrten hier unten in Ushuaia und wie es nun einmal ist, stornieren immer mal wieder Gäste ihre Passagen, die dann für vergleichsweise kleines Geld hier als “Last Minute“ angeboten werden. Antarktis – was für ein Klang von Abenteuer, Ruhm und Entbehrung! Wir können nicht widerstehen, und schon sind wir mit der “MS ANDREA“ weiter Richtung Süden unterwegs!

Die Antarktis ist eine der letzten Wildnisse der Erde und hat sich, seit vor ca. 200 Jahren die ersten Walfänger und Entdecker hier landeten, kaum verändert. Die Antarktis ist der kälteste, windigste, trockenste, eisigste und höchste aller  Kontinente und noch um einiges größer als Australien. Es ist der Kontinent mit den längsten Nächten und längsten Tagen und die Heimat der größten Konzentration von Wildlife. Das, was wir auf unserer Kreuzfahrt zu sehen bekommen, ist, auch im wahren Sinne des Wortes, nur "die Spitze vom Eisberg", nämlich nur ein kleiner Teil der Antarktischen Halbinsel mit ihren vorgelagerten Inseln. Und dennoch, es ist fantastisch!

Von Ushuaia aus durch den Beagle Kanal, vorbei an Kap Horn, durch die berüchtigte Drake-Passage - das Wetter ist uns wohlgesonnen - sind es 1000 km bzw. 48h bis zur Nordspitze der Antarktischen Halbinsel. Hier nun befindet sich das größte Brutgebiet der Antarktis von Seevögeln, Robben, Seeelefanten und Pinguinen, wovon wir uns bei unseren Landgängen persönlich überzeugen können.

Während der gesamten Reise hält das tatsächlich qualifizierte Expeditionsteam zahlreiche Vorträge über Geologie, Geografie und Tierwelt des Kontinents und, hochinteressant, die Geschichte der Camps früher Entdecker und der Walfangstationen, von denen wir einige besuchen. Während der gesamten Kreuzfahrt herrscht fast ausnahmslos gutes Wetter. Der Service an Bord ist ausgezeichnet (Oh, die Pfunde! Die Entbehrung kommt mit dem Verzicht auf Nachtisch!). Die Anlandungen werden mit Schlauchbooten durchgeführt, und es sind immer nasse Landungen bei fast immer um die 0 Grad. Gummistiefel und dicke warme Kleidung sind also ein Muss! Die nervige An- und Auskleideprozedur dauert also entsprechend lange - viel schlimmer als beim Skilaufen!

Wir sehen Hundertausende von Pinguinen – es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die Weltherrschaft übernommen haben! Und wir werden nicht müde, die kleinen watschelnden Vögel und deren Jungen zu bestaunen und zu fotografieren (Tonnen, nein, GBytes von Fotos sind anschließend zu sichten)! Sie sind erstaunlich behende auf den oft beschwerlichen Wegen, und im Schnee nutzen sie ihren Bauch auch mal als Schlitten. Das Hinauf- und Herabspringen von Eisschollen scheint ihnen Spaß zu machen. Aber sie müssen auch ihre Jungen gegen große Seevögel verteidigen, was nicht immer gelingt.

Die Kolonien von Seeelefanten aus allernächster Nähe zu betrachten, ist zwar ein höllisch stinkendes, aber dennoch tolles Erlebnis. Riesige Kolosse wälzen sich hin und her, machen leider auch mal einige Pinguingelege platt, und oft gibt es auch Streit. 

Die vielen Seevögel sind fast immer in Schwärmen anzutreffen. Die Kormorane haben ebenfalls bereits Junge, die für eine Übergangszeit größer als die Eltern und entsprechend hungrig sind.

Diese Kreuzfahrt ist natürlich wieder einmal keine Erholung, sondern harte Arbeit! Es gilt, Vorträge anzuhören, zwei Landgänge pro Tag sind zu machen, manchmal geht es schon um 6 Uhr morgens los. Und während der Fahrt gibt es viel zu sehen und abzulichten: Buckelwale, fantastisch-bizarre Eisberge, riesige Gletscherabbrüche – Tausende von Kilometern, Packeis in den engen Passagen. Es ist einfach unglaublich exotisch und schön.

In der alten britischen Station Port Lockroy auf Wiencke Island, unter dem Antarktisvertrag heute als Museum deklariert, werfen wir Post ein (es gibt eigene Briefmarken, herausgegeben von der British Antarctic Survey!), die von hier zu den Falkland-Inseln, dann nach London und von dort weiter zu den Bestimmungsorten gebracht wird. Mal sehen, wann unsere Karten ankommen! Klingt nach einem netten Touristen-Gag, hat aber einen ernsten Hintergrund: Viele Staaten zeigen die eine oder andere Art von Präsenz in der Antarktis (Briefmarken verkaufen ist eine davon), juristisch vorbereitet für den Tag, an dem der Antarktisvertrag das Zeitliche segnet und der Run auf die Ressourcen losgeht! Für den heutigen neutralen Charakter der Antarktis ist die Armeepräsenz markant: Wir sehen unterwegs drei “Staatsyachten“, Segelyachten der kanadischen, britischen und ukrainischen Marine, die garantiert hier nicht zum Vergnügen herumschippern!

Unsere letzte Station ist Deception Island, ein riesiger Vulkan, dessen Kraterwand bei einem Ausbruch an einer Stelle weggesprengt wurde, so dass große Schiffe in den nun gefluteten Krater einlaufen können. Hochinteressant die Reste einer alten Walstation und die dampfenden Uferbereiche als Folge des heißen Untergrundes. Hartgesottene (nicht wir!) nutzen die Gelegenheit zum Baden bei 0 Grad Außentemperatur!

Und dann geht es wieder zurück und wie schon während der Herfahrt, meint es die Drake-Passage, berüchtigt dafür, auch den härtesten Seefahrern den Magen aus dem Leibe schütteln zu können, auch diesmal wieder gut mit uns. Vorbei an Kap Horn legen wir nach 3.650 km = 2000 Seemeilen sicher wieder in Ushuaia an. Es war toll, und wir können jedem, den es in der Antarktissaison (Oktober bis März) nach Ushuaia verschlägt, nur empfehlen, es uns gleichzutun!

     
    Ushuaia: Wir sind startbereit!  
Mehr Bilder gibt es HIER!!
 

Nun geht es aber unwiderruflich wieder nach Norden, endlich auch in wärmere Gefilde. Doch darüber demnächst mehr!

Bis denne,
Bettina & Rolf