Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Nördlich von Valdivia am Pazifik
                 

Das südliche Chilenische Seengebiet

Nachdem wir Puerto Montt verlassen haben, folgen wir der Straße nach Süden entlang der Bucht Seno Reloncavi. Wir verbringen einige Tage im Parque Nacional Alerce Andino. Ein schönes Plätzchen am Fluss – wir sind vollkommen allein, denn die chilenische Sommersaison endete schon vor ein paar Wochen - und gutes Wetter gibt uns Gelegenheit zum Wäschewaschen, Entspannen und zu Spaziergängen.

Dann zieht es uns nach Norden in das chilenische Seengebiet. Der erste See ist der Lago Llanquihue, den wir bis Ensenada umfahren werden. Er ist der zweitgrößte See Chiles, und in seinem blauen Wasser spiegelt sich der schönste Vulkan Chiles mit seiner perfekten Kegelform, der 2660 m hohe Osorno. Es waren Deutsche, die Mitte des 19. Jh. hier den Wald rodeten und sich um den See ansiedelten. Die Gründung der wichtigsten Orte gehen alle auf diese Zeit zurück, und bei flüchtiger Betrachtung glaubt man sich manchmal in einer deutschen Kleinstadt. Die Kirche in Puerto Varas ist die Kopie einer Marienkirche aus dem Schwarzwald. Man kann die Wurstfabrik Mödinger besichtigen oder mit dem Schiff "Capitan Haase" eine Rundfahrt machen. Wir übernachten mit Genehmigung des Club-Präsidenten auf dem Gelände des "Club Gimnastico Aleman" in Llanquihue mit super Sanitärräumen. Am nächsten Tag besuchen wir den sehr deutschen Friedhof des Ortes. Dort lernen wir Senor Werner kennen, der uns erzählt, wie stolz man hier auf seine deutschen Vorfahren und deren Leistungen ist. Es gibt deutsche Schulen, und die deutsche Sprache ist auch in der 5. Generation noch selbstverständlich.

In Frutilar Bajo besuchen wir das Museo Colonial - ein Freilichtmuseum, das die deutsche Kolonisierung idealisiert und nichts über das äußerst harte und entbehrungsreiche Leben der Siedler in der Anfangszeit berichtet (witzigerweise sind die Exponate spanisch und englisch beschriftet, nicht etwa deutsch! Die meisten Besucher sind US-Amerikaner!). Trotzdem ist es eine schöne Reiseabwechslung, und während in der Museumsschmiede Emil, der schon etwas betagtere Schmied, ein Hufeisen mit unseren Namen versieht, genießen wir im Café „Otto Fisch“ Kaffee und Apfelstrudel. Im Lago Llanquihue wird das erste Mal auf dieser Reise gebadet!

Wir umrunden den Lago Llanquihue im Norden, passieren den Fuß des Osornos und kommen zum von dichtem Wald und steil aufragenden Bergen umgebenen Lago Todos los Santos. Schöne Wanderungen bringen uns zu den Wasserfällen Saltos de Petrohue und zu den Aschehängen des Vulkans Osorno. Er ist noch aktiv, und die Vorstellung, dass so ein Gigant jederzeit wieder spucken könnte, gibt uns ganz komische Gefühle in der Magengegend! In der Nacht vor unserer Abfahrt hat es geregnet, und müssen wir erst einmal einige Straßenbauarbeiten leisten, um durch die Furt zu kommen.

Noch einige Tage bleiben wir im Seengebiet und im Parque Nacional Puyhue, bevor wir uns auf den Weg nach Westen Richtung Küste machen. Auf der Ruta 215, ca. 25 km vor der Stadt Osorno, besuchen wir das einzige Automuseum Chiles. Bernado (Bernd) Eggers und seine Frau haben es 1995 gegründet und liebevoll gestaltete Ausstellungsräume geschaffen. Seit seiner Kindheit fasziniert Bernado die US-amerikanische Automarke Studebaker, schließlich war das erste Auto seines Vaters ein Studebaker. Er erzählt uns in sehr gutem Deutsch seine interessante und unterhaltsame Lebensgeschichte und wie die weltweit größte Studebaker-Sammlung entstanden ist. Hier lernen wir auch Bibi und Max aus Regensburg kennen, mit denen wir anschließend im angeschlossenen Café noch einige interessante Stunden verbringen.

Hinter Osorno folgen wir einer Piste entlang des Rio Rahue durch landwirtschaftliches Gebiet, in der es riesige Fundos (Estancias) mit durchaus herrschaftlichen Anwesen gibt. Wir erreichen den winzigen Ort Trumao, wo uns die Carabineros einen sehr idyllischen Nachtplatz am Rio Bueno zeigen. Das vermeintliche Wildschwein, das uns in den Wagen scheucht, entpuppt sich dann doch als zahmes Hausschwein. Wie überall um diese Jahreszeit, sind auch hier die Brombeeren reif und schmecken köstlich.

 
    Optimist unter dem Vulkan...  

Mehr Bilder gibt es HIER!!

 
     

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Pazifikküste, nördliches Seengebiet, zurück nach El Bolsón und ab nach Hause

Wir steuern Valdivia an, deren Innenstadt vom Rio Calle Calle durchflossen wird, der als Rio Valdivia ein paar Kilometer weiter in den Pazifik mündet. Hier am Rio Valdivia liegt nicht nur der Flusshafen, sondern auch der lebendige Markt der Stadt (Mercado fluvial) mit seinem reichhaltigen Angebot an Fisch und Meeresfrüchten sowie Obst und Gemüse. Hier macht das Einkaufen Spass! Ein stabiles Gitter am Ufer hindert die hungrigen Seelöwen (nun wissen wir auch, warum sie so heißen, denn die Männchen haben mit ihrer Mähne wirklich große Ähnlichkeit mit Löwen!) daran, bis auf den Markt vorzudringen. Aber die Fischverkäufer haben ein Herz für Tiere, und so fliegen immer mal wieder Fischabfälle über den Zaun. Auch die Kormorane, die mit ihren Schwimmfüßen auf dem Zaun balancieren, gehen nicht leer aus und sind oft sogar schneller beim Ergattern der Häppchen! In Valdivia tun wir auch etwas für unsere Bildung, indem wir zwei Museen besuchen, die sich der deutschen Einwanderung und den Ureinwohnern, den Maputche widmen.

Es geht weiter zur atemberaubend schönen Steilküste und den schönen Stränden am Pazifik. 8 unvergessliche Tage verbringen wir hier bei strahlendem Wetter nördlich von Niebla. Wir machen lange Spaziergänge an endlosen Stränden, schauen den niemals langweilig werdenden, immer noch mit der Aufzucht der Jungen beschäftigten Seevögeln zu, haben viel Freude an den Seelöwen, die ganz zweifelsfrei ausschließlich aus Spaß in der hohen Brandung surfen – und genießen das schöne Wetter. Der Abschied fällt uns sehr schwer!

Doch wir müssen langsam wieder nach Osten, und deshalb geht es nun in das nördliche Seengebiet Chiles, das uns weitere schöne Seen und Landschaften, Regenwälder und spektakuläre Pisten, aber auch einige Tage schlechtes Wetter beschert. Bei so einem Wetter sind die Thermalbäder, die hier in dieser vulkanisch sehr aktiven Regionen recht zahlreich sind, der geeignete Ort zum Verweilen. Von der einfachen Naturquelle bis zum exklusiven Spa ist alles vorhanden. Wie besuchen u. a. die nur über eine sehr schlechte Piste zu erreichenden traumhaften "Termas Geometricas". Ein chilenischer Stararchitekt hat in der engen Schlucht Cajon Negro inmitten des Regenwaldes ein originelles und harmonisches Konzept verwirklicht. Holzstege verbinden auf 500 Metern 16 mit Naturschiefer verkleidete Becken (bis zu 39 Grad warmes Wasser), dazwischen stürzen Wasserfälle in die Schlucht. Der Regen rauscht, und wir aalen uns in den dampfenden Becken. So richtig schlecht geht es uns trotz des Wetters nicht!

So erholt, folgem wir einem Tipp von Bibi und Max. Wir besuchen bei Neltume den Wasserfall Salto Huilo Huilo, der zur Zeit nicht so sehr durch seine Wassermassen, sondern durch die sanft abgerundeten Felsformationen und das glasklare, in Grün- und Blautönen schimmernde Wasser beeindruckt. Anschließend genießen wir Kaffee und Kuchen in dem im Dezember eröffneten Luxushotel "Montana Magica", einem beeindruckenden, fantasievollen Komplex aus Holz mit eleganter, geschmackvoller Inneneinrichtung. Den Eingangsbereich bildet ein Gebäude in Form eines Vulkans, aus dessen Zentrum nicht Rauch, sondern Wasser entweicht, das an dem Gebäude hinunter stürzt!

Unsere Zeit in Chile muss nun enden, und deshalb folgen wir über Pucón und Curarrehue der hiernach sehr schlechten, aber bei gutem Wetter landschaftlich fantastischen Piste zum Grenzübergang Mamuil Malal. Wir haben leider sehr schlechtes Wetter, und ab 1000 Höhenmeter fahren wir durch Schneegestöber auf einer geschlossenen Schneedecke bis zur Grenze. Aber Araukarien und Bambus in weiß sehen sehr hübsch aus. In Argentinien, hinter dem Anden-Hauptkamm, haben wir am nächsten Tag super Wetter, so dass wir Wanderungen zum Fuss des Vulkans Lanin und entlang des Lago Tromen machen. Nachts ist es wieder sehr kalt, die Treppenstufen unseres Unimogs sind vereist, und es schneit wieder, aber wir sind ja schließlich auch auf 1100m Höhe. Und es ist Herbst, wie uns die herabrieselnden Blätter der Pappeln klarmachen wollen!

Es wird Zeit, dass wir nach Hause kommen! Wir folgen der Straße entlang des Rio Malleo und dann der Ruta 23 nach Süden bis San Martin de los Andes am Lago Lacar, ein Ort, den wir bereits im Oktober letzten Jahres besucht haben. Dieses Mal zeigt er sich jedoch bei strahlendem Wetter, und wir genießen den freundlichen Ort und einen wunderschönen Standplatz am See. Langsam bummeln wir über Lago Traful, Tronador und Lago Steffen weiter nach Süden, nach El Bolsón, wo wir unseren Wagen bei Klaus und Claudia abstellen werden. Im Herbst, nach 4 Monaten "Heimaturlaub", werden wir von dort zu neuen Abenteuern im Norden aufbrechen – doch davon ein anderes Mal mehr!

 
Neuschnee auf dem Lanin      
Mehr Bilder gibt es HIER!!
     
     

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Bis dahin - wir wünschen Euch (und uns) einen schönen Nordhalbkugelsommer - viele Grüßen von


Bettina & Rolf