Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Iguazú-Fälle
                   

Von Hamburg nach El Bolsón

Über einen Monat sind wir nun schon wieder auf Reisen, und es ist Zeit für einen weiteren Bericht! An einem grauen Tag Anfang September fliegen wir von Hamburg los und landen am Abend in Buenos Aires. Am nächsten Morgen geht es mit der chilenischen LAN (empfehlenswert) weiter nach Bariloche, wo uns Kälte und Schnee empfangen. Die letzten 120 km nach El Bolsón bewältigen wir mit dem Bus, wo unser Unimog bei Klaus und Claudia auf uns wartet. Bis auf einen halbplatten Reifen ist alles in Ordnung. Wir bleiben 3 Tage, um uns mit den beiden auszutauschen, einzukaufen und den Wagen reisefertig zu machen. Ehe man sich so zurecht getüddelt hat, vergeht doch eine Weile! Und dann schneit es auch hier, und der Pass nach Norden ist gesperrt. Aber am nächsten Tag ist er wieder frei, wir verabschieden uns, und es geht auf der Ruta 40 nach Norden.

 
In El Bolsón nehmen wir unseren Wagen unversehrt wieder in Empfang!

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Auf der Ruta 40 nach Norden

Die Ruta 40, die legendäre, die einst Che Guevara mit seinem Motorrad befahren hat. Che wurde 1928 geboren, und verbrachte den größten Teil seiner Jugend in Alta Gracia, wo wir später durchkommen werden. 1956 traf er Fidel Castro in Mexiko. Ihre Idee, ein ideales sozialistisches System zu etablieren, begannen sie, in Bolivien umzusetzen. Im August 1967, Che war 39, wurde er von bolivianischen Truppen festgenommen und hingerichtet. Er liegt heute in Kuba begraben.

Wir fahren diese Strecke nicht zum 1. Mal, aber so verschneit haben wir sie noch nicht erlebt – sehr, sehr schön! In Confluencía trinken wir unseren ersten Cafe con leche und essen die ersten leckeren Medialunas dieser Reise. Wir folgen in den nächsten Tagen immer der Ruta 40 nach Norden durch die uns vertraute Pampa der Voranden. Es ist immer noch sehr kalt. Über die Sierras der Anden, vorbei an schneebedeckten Vulkanen, fahren wie zeitweise auf fester Schneedecke. Die Übernachtungsplätze sind eisig. Die wenigen Polizeikontrollen sind harmlos. Eigentlich möchten die Jungs nur reden und unseren Wagen fotografieren. Wir driften langsam nach Osten ab, und es wird allmählich wärmer - in Malargüe blühen die ersten Kirschbäume. Hinter Chas Malal verlassen wir endgültig Patagonien, das wir schon bald vermissen werden: Die überwältigende Landschaft der Anden und die endlose, menschenleere, sanft-hügelige Landschaft der Pampa, die wir so mögen und die beruhigend auf die Seele wirkt.
Entlang der Ruta 40
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Von den Anden nach Villa General Belgrano

Die Anden verschwinden im Rückspiegel. Es geht weiter nach Osten über San Rafael zum Río Diamante, wo das erste frische Grün der Weiden eine Wohltat für unsere Augen ist. Weiter geht es auf der Ruta 146 nach Nordosten durch eine endlos weite, flache und nun wieder trockene Pampa. Und man glaubt es nicht! Mitten in der Pampa steht am Straßenrand ein sandfarbener Toyota mit Winsen/Luher-Kennzeichen, und eine junges Paar winkt mit allen Armen. Freudiges Wiedersehen mit Marion und Bernd!

Die folgenden 2 Tage verbringen wir zusammen im Parque Nacional Sierra de las Quijadas 125 km nordwestlich von San Luis. Es ist im Sommer eines der heißesten und trockensten Gebiete Argentiniens mit markantem Kakteenwuchs. Die Hauptattraktion "El Potrero de la Aguada" ist ein Erosionskrater, ein riesiges Amphitheater, umgeben von steilen roten Sandsteinwänden.

Unser nächstes Ziel ist Villa General Belgrano. Wir kommen von Norden über Alta Gracia, der Jugendstadt Che Guevaras, durch die Berge entlang des Stausees Embalse Los Molinos. Alles grünt und blüht, und die Apfelsinen sind schon reif. Auf dem Campingplatz "La Florida" in Belgrano, der von Bettina und Ralf, ursprünglich aus Pinneberg, vorbildlich betrieben wird, verbringen wir 6 erholsame Tage. Belgrano wurde 1932 von Deutschen gegründet, die hier Land kauften und dieses in Deutschland zwecks Start einer deutschen Kolonie zum Wiederverkauf anboten. Ferner ließen sich viele ehemalige Besatzungsmitglieder der "Graf Spee" nach dem Ende des 2. Weltkriegs hier nieder. Man muss sich Villa General Belgrano ein wenig wie einen deutschen Themenpark im Disneyland-Stil vorstellen: mit Bierkellern und Schokoladengeschäften, Bäckereien mit Dresdner-Stollen, einem landesweit bekannten Oktoberfest, mit aus Holz geschnitzten Schildern überall und rustikaler alpiner Architektur. Und trotzdem – uns gefällt es, und der Apfelstrudel im Café Rissen (Großmama, die Gründungsfinanzieuse, stammte aus dem gleichnamigen Stadtteil Hamburgs!) schmeckt super! Und auch das Kassler mit Sauerkraut im Restaurant „Cerva Roja“ (Roter Hirsch) lassen wir uns munden. Ralf bringt uns hausgemachte Leberwurst mit -köstlich! Überhaupt wird Leberwurst nun zu einem unserer Lieblingsbrotaufstriche. Ja, das, was man zu Haus eher ablehnt, kann in der Ferne wie Marzipan schmecken! Mit dem Bus machen wir einen Ausflug in das ca. 70 km entfernte Cordoba, eine der ältesten (Kolonial-)Städte Argentiniens mit einer schönen Altstadt. Die Jacaranda-Bäume blühen wunderschön.
Kathedrale von Córdoba

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Von Villa General Belgrano zum Chaco-Nationalpark

Am nächsten Tag heißt es wieder Abschiednehmen von Marion und Bernd, denn die beiden fahren weiter nach Osten. Wir folgen der Ruta 95 nach Norden und später der Ruta 16 nach Osten. Eine sehr langweilige Strecke und eine gute Gelegenheit, mit Socken-Stricken zu beginnen. Endlos ziehen sich Felder und flaches Weideland dahin, bis wir endlich im Parque Nacional Chaco ankommen, wo man uns gleich wieder wegschicken will, da es kein Wasser gibt. Wir weigern uns und bleiben 2 Tage, um uns zu erholen. Alles ist sehr trocken. Der Río Negro führt kaum Wasser und ist mit Pflanzen überwuchert. Einige hübsche, für uns neue Vögel sind zu sehen. Wir treffen ein nicht mehr ganz jugendliches australisches Paar, das mit dem Rucksack unterwegs ist und sich zum Ziel gesetzt hat, bis zu seinem Tode je die Hälfte aller bekannten Vogelarten und Rifffische persönlich in Augenschein zu nehmen. Ja, das ist ja auch ein Lebensziel!

Nationalpark Chaco

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Durch Nordost-Argentinien

Unser nächstes Ziel ist Corrientes. Wir überqueren den Paraná und fahren an der Uferstraße in die Stadt, von der wir jedoch nicht viel sehen, da wir mit der Polizei und einer geplatzten Luftleitung kämpfen müssen. Wir gewinnen beide Kämpfe. Im nahegelegenen Paso de la Patria übernachten wir am Río Paraná, gegenüber liegt Paraguay. In der Nacht regnet es, was wir am folgenden Tag auf den durchweichten Erdpisten zu spüren bekommen. Wir müssen einmal umkehren, und nur mühsam gelangen wir zum Parque Nacional Mburucuyá (Passionsblume). Aber wir werden entschädigt! Es ist wunderschön hier. Wir sind die einzigen Besucher, und auf unseren Wanderungen zu alten Palmenhainen und Lagunen begegnen uns Meerschweinchen, Wasserschweine, Gürteltiere und Hirsche. In den Lagunen sehen wir die ersten Kaimane. Und es gibt viele, uns unbekannte Vögel. Wir bleiben 2 Tage, um dann zu den Esteros del Iberá zu fahren. 1/3 der Piste von Concepción nach Chavarría ist ziemlich übel, der Rest zu Rolfs Vergnügen tief sandig. Bis Mercedes gibt es dann eine kleine Erholung auf Asphalt, bevor es die letzten 110 km auf einer Allwetterpiste weitergeht. Riesige Eastancias zu beiden Seiten. Der umstrittene Douglas Tompkins hat auch hier riesige Ländereien aufgekauft, um das Land zu naturschützen und es Argentinien nach Anerkennung als Nationalpark (womit die Argentinier sich schwertun) zu überschreiben.

Und dann liegen die Esteros del Iberá ("Glänzendes Wasser" in der Guaraní-Sprache) vor uns. Dieses 13.000 qkm große Naturreservat ist Heimat einer erstaunlichen Anzahl von Vögeln und Tieren, von denen wir einige auf Wanderungen und Bootstouren zu sehen bekommen. 20-30 % des Gebietes sind mit Wasser bedeckt; es gibt über 60 Lagunen, die nicht mehr als einige Meter tief sind. Die größte ist die Laguna Iberá, an der der kleine verschlafene Ort Colonia Carlos Pellegrini liegt. In der Posada de la Luna, eine Art Rustik-Hotel, finden wir einen Standplatz. Von der Señora bekommen wir ein frisches ca. 1 kg schweres Ñandu-Ei geschenkt. Was macht man nun mit 1 kg Ei? Auf Nachfrage wird uns gesagt, dass es 2 Std. kochen muss. Was für ein Energieverbrauch! Aber da müssen wir durch. Zum Abendessen wird das Ei dann geköpft, was bei der harten Schale gröberes Werkzeug erfordert. Na, unser Geschmack ist es eher nicht, und unser Weinverbrauch ist an diesem Abend etwas höher als üblich.

Nach 3 wunderschönen Tagen geht es über die Ruta 12 weiter nach Norden bis San Ignacio. Wir befinden uns nun in der Provinz Misiones, ein Wurmfortsatz Argentiniens im äußersten Nordosten des Landes, im Westen zu Paraguay durch den Rió Paraná begrenzt und nach Osten zu Brasilien durch den Río Uruguay. Rote Erdpisten ziehen sich durch grünen Dschungel, durch Pinienpflanzungen zur Holzgewinnung und durch riesige Yerba-Plantagen – hier wächst das Kraut für Argentiniens Nationalgetränk, den Mate-Tee. Und hier entstanden im frühen 17. Jh. einige sehenswerte Jesuiten-Missionen, von denen wir die in San Ignacio besuchen. Es sind nur noch die - allerdings gut erhaltenen - Ruinen zu sehen. Die Architektur ist der damalige koloniale Barock-Stil. Vor der Mission wird Handwerkskunst der Guaraní angeboten - wir können nicht widerstehen. Am Río Paraná finden wir einen schönen Platz unter Palmen an der Playa de Sol. Das warme, sonnige Wetter lädt sogar zum Baden ein.

Nationalpark Mburucuyá

   

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Durch die Provinz Misiones zu den Iguazú-Fällen

Nach Kultur- und Strandleben zieht es uns wieder in weniger bekannte Ecken. Bei Jardin América geht es durch die wunderschöne Sierra de Misiones über San Vicente nach El Soberbio Richtung Osten, wo wir den Río Uruguay und die Grenze zu Brasilien erreichen. Bis zum Parque Provincial Moconá sind nur die letzten 20 km schlechte Piste. Der Park ist nicht sehr frequentiert. Das wird sich wohl ändern, wenn die Asphaltstraßen, an denen zur Zeit gebaut wird, bis hierher fertiggestellt sind. Ein großes modernes, jetzt noch verwaistes Besucherzentrum wartet bereits auf Gäste. Jetzt sind wir jedoch allein hier, genießen die Stille, beobachten Meerschweinchen, Vögel und Unmengen bunter Schmetterlinge und werden von Mücken zerstochen.

Am nächsten Tag folgen wir einer Piste zum Río Uruguay zu einem beachtlichen Naturschauspiel, dem Wasserfall "Gran Salto del Moconá. Der Fluss teilt sich hier in 2 Arme: der eine folgt seinem natürlichen Gefälle, der andere einem 10 m tiefer liegenden 3 km langen Kanal. Auf recht abenteuerlichem Weg durchs Wasser auf sehr glitschigen großen Felsen hangeln wir uns an Seilen (soweit noch vorhanden!) ca. 1/2 km bis zur Abbruchkante des Wasserfalls und landen mehrfach im nicht wirklich warmen Wasser - und dann fängt es auch noch an zu regnen! Aber Aufgeben wäre ja auch zu blöd! 2 1/2 Std. brauchen wir für die Hin- und Rücktour dieses etwas anderen Wanderwegs. Sehr zu empfehlen, wenn man blaue Flecken nicht scheut!

Obwohl es in der folgenden Nacht mehr als reichlich regnet und man dann eigentlich 3 Tage warten soll, bis die Piste abgetrocknet ist, fahren wir am nächsten Morgen los. Unser Unimog wird es schon schaffen. Und er schafft es - langsam, aber sicher. Für eine Steigung benötigen wir 4 Anläufe – beinahe hätte sie uns zu einem Pistenabtrocknungszwangsaufenthalt genötigt. Da wir so langsam sind, überholen uns sogar die Schmetterlinge: für 60 km benötigen wir 7 Std.! Der Vorteil: die Beifahrerin sieht mehr!

Schließlich, 5000 km nach unserem Start in El Bolsón, erreichen wir das argentinische Puerto Iguazú. Bei Traumwetter besuchen wir am folgenden Tag die argentinische Seite der berühmten Wasserfälle. Die Cataratas de Iguazú sind die größten Wasserfälle Südamerikas. Insgesamt gibt es 275 Fälle, die in einem Halbkreis von 2,7 km Länge aus einer Höhe bis zu 70 m hinabstürzen. Die Hauptattraktion ist der grandiose Gargante del Diabolo, der sich Gischt sprühend in die Tiefe stürzt. Von den perfekt angelegten Wegen und Stegen hat man unvergesslich schöne Aussichten auf Dutzende von Einzelfällen - Regenbögen sind allgegenwärtig. Der subtropische Regenwald, zusätzlich begünstigt durch die feuchte, gischtgeschwängerte Luft, ist reich an Flora und Fauna. Ganze Wolken wunderschöner bunter Schmetterlinge begleiten uns ständig. Einen ganzen Tag verbringen wir an den Fällen, die großen Eindruck bei uns hinterlassen.

Iguazú-Fälle    
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Das war nun unser erster neuer Reiseabschnitt, der uns von den Schnee bedeckten Anden mit Eiseskälte zum subtropisch-heißen Regenwald geführt hat. Mal sehen, wie es weitergeht.

Hasta luego,
Bettina & Rolf