Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Schwarze Ibisse fliegen zu ihren Schlafplätzen
                   

Von Iguazú ins brasilianische Pantanal

Unser letzter Bericht endete in Puerto Iguazú, wo wir 7 Tage bleiben, obwohl uns der kleine Ort zuerst gar nicht gefällt. Aber wenn man erst einmal weiß, wo und wann der Bus fährt, wo es ein gutes Bier und leckeres Eis gibt, wird so mancher Ort immer sympathischer ......!

Nach einigem Hin- und Herüberlegen entschließen wir uns, doch nach Brasilien ins Pantanal zu fahren - in der Hoffnung, dass dort die Regenzeit noch nicht eingesetzt hat und die Lage in Bolivien, unser nächstes Reiseziel, nicht weiter eskaliert. Ohne Probleme überqueren wir die Grenze nach Foz de Iguacu, der brasilianischen Schwesterstadt. Sehr überraschend für uns: in der Stadt, aber auch in dem Teil Brasiliens, den wir besuchen werden, ist es im Vergleich zu Argentinien sehr sauber! Insbesondere liegt kaum Müll herum! Selbst die ärmlichsten Behausungen der Wanderarbeiter machen einen vergleichsweise ordentlichen, sauberen Eindruck – unglaublich!

Erste Enttäuschung: das Land ist vollständig gerodet. Wir fahren auf meist guten Asphaltstraßen an riesigen Fazendas (so heißen hier die Estancias) vorbei, die entweder von Rinderhaltung oder vom Zuckerrohranbau leben. Nun benötigt die Menschheit nicht soviel Zucker, also wird er vergoren und der entstehende Alkohol u. a. dem Treibstoff beigemischt: Brasilianischer Vergaserkraftstoff enthält 25% Alkohol, Diesel ist angeblich alkoholfrei (hoffentlich, jedenfalls hatten wir keine Probleme mit Brasilien-Diesel), zusätzlich kann man – vorausgesetzt, das Fahrzeug wurde entsprechend umgerüstet - deutlich preiswerteren reinen Alkohol tanken!

Die Auswirkungen des Biotreibstoff-Wahns zu Hause erkennt man an den namhaften europäischen Firmen, die sich in die hiesigen Destillationsfirmen eingekauft haben. Nach den ersten 1000 Kilometern, vorbei an Gütern, die jede Kolchose zu Briefmarkengröße degradieren, haben wir keine Zweifel, dass die Brasilianer jeden verbleibenden Waldquadratmeter ihres Landes für Rinder, Soja, Zuckerrohr, Tabak, Reis etc. opfern werden, vorausgesetzt, es rechnet sich!

Nach allem, was wir wissen, liegt das Kriminalitätsniveau in Brasilien deutlich höher als in den Ländern, die wir bisher bereist haben. Wild campen sollte man möglichst vermeiden, und daher übernachten wir in Guaira neben der Feuerwehr und sonst auf Tankstellen - nicht gerade idyllisch-ruhige Plätze! Aber es gibt Banos, Duchas und kaltes Bier! In Rio Brilhante wird die Ipranga-Tankstelle von Valdomiro Dalfert geleitet, dessen Familie vor vier Generationen Reutlingen verlassen hat. Er ist sehr hilfsbereit, freut sich über Gespräche in deutscher Sprache, die er immer noch sehr gut beherrscht, und er zeigt uns Fotos von seiner ersten und bisher einzigen Reise nach Deutschland vor 16 Jahren.

 
Brasilien!?  

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Unterwegs im südlichen Pantanal

Nach 4 Tagen Fahrt erreichen wir den südlichen Teil des Pantanal, ein riesiges Gebiet von 450 (N-S) mal 350 (O-W) Kilometern, das sich die Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul teilen. Das Pantanal ist kein Binnendelta, sondern das größte Süßwasserüberschwemmungsgebiet der Welt und Zustromgebiet so großer Flüsse wie der Rio Paraguay. Zur Regenzeit steht das Wasser bis zu 3m höher als jetzt zum Ende der Trockenzeit, die glücklicherweise noch anhält. Dann wird das Gebiet unbefahrbar.

Das Pantanal ist für seinen Tier-, insbesondere Vogelreichtum berühmt, gleichzeitig wird es intensiv landwirtschaftlich genutzt. Es bleibt abzuwarten, ob und wie es mit dem Naturschutz weitergeht. Bis heute ist nur ein sehr kleiner Bereich als Nationalpark ausgewiesen, die Haltung von Rindern nimmt zu, Reis wird grossflächig angebaut, und im nördlichen Mato Grosso muss immer mehr dem Anbau von Sojabohnen für die Vegetarier dieser Welt weichen. Gute Gründe, es heute zu besuchen! Denn noch ist es ein ideales Gebiet, um Südamerikas wilde Tiere zu beobachten und einer der besten Plätze der Welt für Vogelliebhaber.

Schon von weitem hören wir die Schreie der Brüllaffen („Nichts ist unmöglich – Toyota!“). Auch die inzwischen von uns ins Herz geschlossenen Wasserschweine sind oft zu sehen. Kaimane liegen zu Hunderten an den Wasserstellen, die, Dank des Überangebotes an Fischen, das reinste Schlaraffenland sind. Büsche und Bäume sind voller Vögel: Eisvögel, Tukane, Reiher, Löffler, Sittiche, Papageien und Störche einschließlich des Jabirus, dem größten Storch der Welt. Abends sammeln sie sich alle in riesigen Schwärmen an ihren Schlafplätzen. Auf einer Nachttour (Scheinwerfer auf!) sehen wir Ameisenbären, Ozelots (leider keine anderen Großkatzen wie Jaguare, auch ein Tapir wäre nett gewesen), Füchse, Sumpfhirsche, Eulen und die gelb leuchtenden Augen der Kaimane. Aus einer organisierten (igitt!) Bootstour machen unsere Mitpassagiere leider eine Angeltour auf Piranhas, um sie anschließend an die bereits wartenden Kaimane zu verfüttern - nicht zu empfehlen.

Unsere Fahrt auf einer tiefsandigen Piste ins tiefe Rio Negro-Pantanal ist ein besonderes Erlebnis: 42 Gatter sind von der Beifahrerin zu öffnen und wieder zu schließen - sehr sportlich! Rolf freut sich über die Sandtauglichkeit des Unimogs, denn wir fahren nur noch auf zertrampelten Viehtriebpfaden. Die äußerst wenigen Menschen hier draußen sind sehr zurückhaltend, fast abweisend, genauso wie die Gauchos, die eine Rinderherde ca. 100 Kilometer bis zur nächsten Verladestation treiben müssen.

10 Tage bleiben wir - auf Fazendas und im Busch. Und obwohl das Reisen hier draußen nicht unbedingt erholsam ist - die Temperaturen liegen am Tage über 40 Grad, nachts sinken sie nicht unter 27 Grad, die Luftfeuchtigkeit muß bei 98% liegen, und die Moskitos fressen uns auf - sind wir froh, hierher gekommen zu sein!
Schau mir in die Augen, Kleines!  
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Vom Pantanal durch Paraguay nach Salta/Argentinien

Nach allem, was wir in Erfahrung bringen können, sind Boliviens Ostprovinzen immer noch unruhig (unser Wissen stammt bestimmt nicht von der "Deutschen Welle"; es ist unmöglich, sich von den sehr dünnen Radionachrichten des deutschen Vorzeigesenders ein Bild der Weltlage zu machen!). Und da wir reisen und kein Survival-Training machen wollen, beschließen wir, über Paraguay nach Nordwest-Argentinien zurückzukehren. Bolivien werden wir zu einem späteren Zeitpunkt besuchen, wenn die politische Lage sich wieder stabilisiert hat.

Wir verlassen also das Pantanal wieder in Richtung Süden, mit einem 3-Tage-Stopp in Bonito in der Serra da Bodoquena. Dort besuchen wir die Höhle "Lago Azul", zu deren 75m tief liegenden blauen See wir heruntersteigen. Und wir haben Spaß daran, in den kristallklaren Flüssen zusammen mit fast handzahmen großen bunten Fischen zu schwimmen. Große Lust zum Weiterfahren haben wir nicht!

Aber dann heißt es endgültig: „Gentlemen, start your engines!“ In Ponta Pora reisen wir am bisher ersten und einzigen Chaotengrenzübergang Südamerikas nach Paraguay ein, das wir magels markanter Sehenswürdigkeiten zügig durchfahren. Wir erreichen den argentinischen Chaco, eine Gegend, die sich auch nicht gerade durch touristische Höhepunkte auszeichnet. Wir geben Gas (naja ….!), und 6 Tage, nachdem wir Bonito verlassen und wiederholt den Wendekreis des Steinbocks überquert haben („rin inne Tropen, rut ut de Tropen“) treffen wir in Salta ein.
Begegnung im Chaco

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In Salta

Hier in 1.200 m Höhe herrscht mit 25 Grad und trockener Luft ein wesentlich angenehmeres Klima als in Brasilien und im Chaco! Auf dem Camping Municipal treffen wir Karin und Coen wieder, die wir bereits im vorigen Jahr in Patagonien kennengelernt haben, und wir lernen neue Reisende kennen. Wir haben einen Monat lang keine anderen Reisenden getroffen und können endlich ’mal wieder einen ausschnacken!

Salta ist die Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz mit schönen Kolonialgebäuden, einer in rosa gestrichenen Kathedrale und einem wunderschönen, mit großen Palmen bepflanzen "Plaza 9 de Julio". In den Cafés kann man wunderbar entspannen, die Menschen beobachten und sich nebenbei die Schuhe putzen lassen. In der belebten Markthalle " Mercado Municipal" lassen wir uns köstliche Empanadas schmecken und kaufen Obst für neue Marmelade.

Aber es ist auch Arbeit angesagt. Rolf baut eine Zusatzpumpe für unsere Heizung ein, damit diese auch in Höhen über 2000m noch arbeitet, denn ab jetzt wollen wir hoch hinaus. Wir müssen in eine Mercedes-Werkstatt, da unser Kupplungsservo seinen Geist aufgegeben hat. Zum Glück kann ein Ersatzteil aus Buenos Aires besorgt werden, aber der Austausch gestaltet sich sehr „schwierig“ – wer kann, sollte Mercedes-Benz in Salta meiden! Zur Krönung wird statt Bremsflüssigkeit irgendein Öl ins Kupplungssystem eingefüllt, das nach einigen Tagen dem Kupplungsgeber-zylinder das Lebenslicht ausbläst! Einen ganzen Tag verbringen wir in der Werkstatt, und Bettina nutzt die Zeit zum Marmeladekochen. Plötzlich zieht ein köstlicher Duft durch die Werkstatthalle, und die Schrauberjungs wundern sich!

Neue Freunde in Salta

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8 Tage bleiben wir in Salta, aber nun geht es erst einmal weiter zu neuen Abenteuern in den Hochanden, von denen wir Euch demnächst berichten werden.

Hasta luego,

Bettina & Rolf