Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
                 

Von Salta/Argentinien nach San Pedro/Chile

Nachdem wir uns in Salta von alten und neuen Reisefreunden verabschiedet haben, wenden wir uns nach Süden. Die Fahrt führt uns durch die Schlucht "Quebrada de las Conchas" ("Muschel-Schlucht"). Das satte Grün der Büsche und der blühenden Kakteen kontrastiert wunderbar zu den schokoladenbraunen, manchmal aber auch roten, gelben und grünen Bergen, und der Rio de las Conchas mäandert tief unten im Tal. In Cafayate muß Rolf die von der Mercedes-Benz-Werkstatt in Salta durchgeführte Reparatur reparieren: u.a. hat man dort statt Bremsflüssigkeit Öl in das Kupplungssystem eingefüllt! System entleeren, reinigen, Kupplungsgeberzylinder tauschen, denn der hat sich durch das Öl bereits verabschiedet, Kupplung entlüften - eine Schweinearbeit! Danach kommt der Besuch einer kleinen Bodega im Ort zwecks Erholung von der Arbeit gerade recht: das Gebiet um Cafayate herum ist für seine Weine weltberühmt. Von hier stammen die sogenannten "Höhenweine", Weine von Trauben, die in Höhenlagen um 2500 m wachsen! Der weiße Torrontes schmeckt köstlich, und wir decken uns im Sinne einer maßvollen Vorratshaltung mit einigen Fläschchen ein.

Richtung Norden, durch das Tal des Rio Calchaqui mit bizarren Felsformationen, folgen wir nun wieder der Ruta 40, die wir vor 2 Monaten 1000 km weiter südlich in El Sosneado verlassen haben. Die "Quebrada de las Flechas" ("Pfeil-Schlucht") macht durch die spitzen Felsformationen ihrem Namen alle Ehre. Die ersten Berge der schneebedeckten Hoch-Anden sind zu sehen. In Molinos, mit seiner wunderschönen alten Kolonialkirche, besuchen wir eine Vicunas-Farm. Auf einen herrlichen Schal aus der weichsten und teuersten Wolle der Welt verzichtet Bettina bei einem Preis von 850,- EUR (ufff...)!

Die Ruta 40 führt uns durch eine spektakuläre Landschaft, hinauf zum 4.895 m hoch gelegenen Paso Abra del Acay. Neben vielen Vicunas sind auch die niedlichen Viscachas (auf  Deutsch - total süß - "Hasenmaus") hier heimisch, und alle schauen sie dem in dieser Höhe fürchterlich qualmenden ("Briketts statt Feinstaub!"), so ziemlich seiner Leistung beraubten Unimog hinterher. Vom Paso windet sich die Piste hinunter zum staubigen Minenort San Antonio de los Cobres, der immer noch auf 3500 m liegt. Kalt und windig ist es hier. Wir kämpfen mit der Höhenkrankheit, überlegen ernsthaft, wieder auf geringere Höhen abzufahren - und beißen die Zähne zusammen! Wir bleiben auf der Ruta 40, die zunächst der Eisenbahnlinie "Tren a las Nubes" ("Zug zu den Wolken") folgt, um sie dann unter dem "Viaducto La Polvovilla", eine 224 m lange und 63 m hohe Eisenbahnbrücke, zu queren. Der Bau der Eisenbahnlinie, der 1921 begann und 20 Jahre dauerte, hat seinerzeit massiv den Handel über die Anden zwischen Nordwestargentinien und Chile beflügelt. Heute fährt nur noch ein Mal pro Woche ein Güterzug über die Grenze. Ansonsten bringt der "Tren a las Nubes" Touristen in nur wenigen Stunden aus Salta (1200 m) bis zum Viadukt (4000 m) und wieder zurück - Höhenkrankheit fast schon garantiert!

Durch die Schlucht des Rio Pastos Chicos fahren wir über ein weite, auf 4500 m liegende Hochebene zum kleinen Ort Susques mit einer sehr hübschen Kolonialkirche von 1598. Die Höhenkrankheit haben wir überwunden, aber die ungewohnte Höhe läßt uns immer sehr schnell aus der Puste kommen!

Schließlich erreichen wir das Nordende der Salina Olaraz. Über dem zur Boraxgewinnung genutzten Salzsee flimmert die Luft gegen den blauen Himmel. Bald schon erreichen wir die argentinisch-chilenische Grenze und den Paso de Jama auf 4.750 m. Die sehr gute Asphaltstraße verharrt die nächsten 165 km auf dieser Höhe und führt uns, vorbei an weich geformten Bergen in Braun- und Sandtönen, skurrilen Felsformationen und türkisfarbenen Lagunen, zum perfekt geformten Vulkan Lincancábur, der sich auf der Grenze zu Bolivien erhebt. Dann fällt die Straße nahezu ohne Kurven auf nur 42 km Länge um 2000 Höhenmeter auf 2.400 m hinunter zum bekanntesten Wüstenort Chiles, nach San Pedro de Atacama. Wer hier nicht umsichtig fährt, bringt blitzschnell seine Bremsscheiben zum Glühen und seine Bremsflüssigkeit zum Kochen!

Am Paso de Jama  

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San Pedro und Umgebung

San Pedro hat eine sehr schöne Kirche aus der Kolonialzeit und ein berühmtes Museum mit Fundstücken der Atacama-Kultur. Es war insbesondere berühmt für seine gut erhaltenen präkolumbianischen Mumien, deren Zurschaustellung für die indigenen Einheimischen aber jahrelang ein Stein des Anstoßes gewesen ist. Der Streit endete 2007, als man die Mumien in den Keller vebannte, wodurch das Museum leider viel von seiner Attraktivität verloren hat!

 

Der Ort ist sehr touristisch, aber eine gute Basis zum Erkunden der abwechslungsreichen Umgebung. Er liegt am Nordende des mit 3.000 qkm größten Salars Chiles, umgeben von vielen mächtigen Vulkanen. Einen davon, den "Láscar", beobachten wir besonders aufmerksam. Zuletzt 2006 und davor ein- oder zweimal jedes Jahr ist er ausgebrochen! Er ist überfällig und raucht permanent vor sich hin! Wir folgen dem Salar mit seinen Flamingos nach Süden. In die Schlucht "Quebrada de Jérez" hat ein kleiner Fluss eine grüne Oase gezaubert - eine Wohltat für unsere Augen nach vielen Tagen zwischen und auf vegetationslosen Bergen. Durch kleine Dörfer führt uns die Piste durch ein wunderschönes Bergpanorama schon bald wieder auf 4.200 m zu den blauen Lagunas "Miscanti" und "Miniqaues" zu Füßen der gleichnamigen Gipfel. Eine hübsche Möwenart - die Gaviota Andina - brütet hier. Und passend zur Umgebung gibt es zum Abendessen die Bettina-Eigenkreation "Pasta Andina".

Bei San Pedro besuchen wir das "Valle de la Luna", ein Tal mit einer bizarren Formenwelt aus Sand, Salz und Lehm. In den Norden führt uns eine schreckliche Piste durch eine traumhafte Berglandschaft, vorbei an den Thermen "Banos de Puritama" und wunderschönen Lagunen voller Wasservögel. Unser Ziel ist das auf 4.300 m gelegene höchste Geysirfeld der Welt "El Tatio", umgeben von der gleichnamigen Cordilllera. Bei -10 Grad stehen wir um 6 Uhr auf, denn im frühen Morgenlicht und bei niedrigen Lufttemperaturen ist der austretende Dampf aus den heißen Erdlöchern vor dem blauen Himmel am besten zu sehen. Die Touristenbusse sind nur am Vormittag hier. Danach wird das Geysirfeld wieder von den Vicunas zurückerobert. Und den Pool mit dem heißen Thermalwasser haben wir für uns allein. Wunderbar! Müssen wir diese Naturbadewanne wirklich verlassen?

 
El Tatio-Geysire - endlich geht die Sonne auf!
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Doch noch nach Bolivien

Zurück in San Pedro entschließen wir uns doch noch zu einem Besuch in  Bolivien. Die Lage soll sich beruhigt haben, Schönheit und Exotik des Landes sind legendär, und wer weiß, ob sich die Lage im nächsten Jahr nicht wieder zum Schlechten wendet? Die Ausreiseformalitäten in San Pedro sind schnell erledigt. Dann kämpfen wir uns auf 42 km wieder 2000 m hoch in Richtung Paso de Jama bis zum Abzweig zur Laguna Verde und zur Grenze nach Bolivien. Bolivien ist ein Synonym für Korruption, und prompt müssen wir den bolivianischen Immigrationsbeamten erst ein wenig davon überzeugen, dass wir für das Fehlen eines von ihm kreierten Fantasiepapieres (Nachweis der Fahrzeugausreise aus Chile) kein Geld zahlen werden! Es braucht einiges an Stehvermögen unsererseits, bis er endlich unsere Pässe stempelt.

Aber dann sind wir (unser Wagen ist noch ohne Segen des bolivianischen Zolls!) in Bolivien eingereist und schnell an der Laguna Blanca mit vielen Flamingos und den uns schon bekannten "Taguas Gigantes" ("Riesenblessralle"). An der unter dem Vulkan Lincancábur liegenden Laguna Verde erwartet uns ein tolles Naturschauspiel. Ab Mittag, wenn Wind aufkommt, färbt sich das bleigraue Wasser der Laguna langsam smaragdgrün. Es beginnt mit einem schmalen Streifen, und nach 2 Stunden leuchtet die ganze Lagunenoberfläche tiefgrün!

Eine grottenschlechte Piste bringt uns zur bereits 100 km weiter im Norden und auf sage und schreibe 5.020 Höhenmetern liegenden Zollstation Apacheta - nun ist auch unser Unimog eingereist. Während uns nach nur wenigen Schritten zum Zollbüro sofort die Zunge aus dem Hals hängt, spielen die Jungs vom Zoll draußen gerade Fußball!

Über das hier 4.500 m hohe Altiplano gelangen wir zur Laguna Colorada, die ihrem Namen dank der roten Algen alle Ehre macht. Dazu rundherum die bunten Berge, der blaue Himmel, viele Flamingos und Lamas - traumhaft!

Vorbei an vom Wind erodierten bizarren Felsen und über Pisten, die allem, was wir jemals in Afrika befahren haben, locker die Hand reichen können, erreichen wir durch die Siloli-Wüste drei Tage später Uyuni - kein wirklich schöner Ort! Es gibt keinen Campingplatz - direkt vor der Kaserne ("Unter der Laterne ....") finden wir einen sicheren Nachtplatz. Als der Strom in der ganzen Stadt für 36 Stunden ausfällt, sind wir die einzigen im Ort mit elektrischem Licht! Aber die Attraktion der Umgebung ist natürlich nicht der Eisenbahnfriedhof, auf dem unzählige Dampfloks vor sich hin rosten, sondern der auf 3.650 m gelegene "Salar de Uyuni", der größte Salzsee der Erde (160 km x 135 km, die Dicke der Salzkruste zwischen 2 und 7 m). Auf einer super (Salz-)Piste, ohne Staub und Wellblech, steuern wir eine der zahlreichen Inseln im Salar an, die "Isla Incahuasi". 2 Tage bleiben wir, besuchen das alte, mitten auf dem Salar im Nichts stehende, ganz aus Salz gebaute Hotel "Playa Blanca", bewundern die bis zu 1.200 Jahre alten und bis zu 12 m hohen Kakteen auf der Insel und genießen die unweltliche Ruhe.

Ungern verlassen wir den Salar, aber über den umliegenden Bergen regnet und schneit es bereits, und mit Wasser auf dem Salar kann es recht gefährlich werden. Legionen von Autofahrern haben bereits ihre Fahrzeuge im Salzschlamm versenkt! Wir kehren zurück nach Uyuni, um anschließend Richtung Nordosten weiter nach Potosi zu fahren. 3 Tage brauchen wir für die 165 km! Durch viele Straßenbauaktivitäten ist die Strecke eine große Baustelle, die sich durch die Regenfälle der letzten Tage in eine widerliche Rutschbahn verwandelt hat, aber die Landschaft ist wieder einmal traumhaft. 40 km vor Potosi treffen wir an der Piste auf Isa und Jürgen aus HH und beschließen spontan, den Abend gemeinsam zu verbringen. Insgesamt treffen wir in Bolivien nur zwei Paare, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind!

Potosi liegt auf 4.065 m und ist somit die höchstgelegene Großstadt (120.000 Einwohner) der Welt. Ihre Existenz und die Tatsache, dass sie im 17. Jahrhundert die größte und reichste Stadt auf dem amerikanischen Doppelkontinent war, verdankt sie den einstigen reichen Silbervorkommen des Hausbergs "Cierro Rico de Potosi". Wir bummeln durch die Gassen mit wunderschönen Kolonialbauten und besuchen die alte Münze "Casa Real de la Moneda", wo 250 Jahre lang Silberdollar für das Spanische Weltreich geprägt wurden.

3 Tage später rasen wir mit einer für uns ungewöhnlich gewordenen Hochgeschwindigkeit von 70 km/h auf einer der ganz wenigen Asphaltstraßen nach Sucre, der formalen Hauptstadt Boliviens - der Regierungssitz ist in La Paz. Wir fühlen uns wohl hier auf einer angenehme Höhe von nur noch 2.790 m. Die Stadt besitzt viele Kolonialgebäude, eine schöne Plaza, und es gibt endlich wieder Lebensmittel zu kaufen, die wir lange vermisst haben. Wir bummeln durch die Stadt, besuchen ein interessantes Textilmuseum, das alte und neue Webarbeiten zeigt, und wir fahren mit dem "Dino-Truck" zu einer im Norden gelegenen Zementfabrik, auf deren Gelände an einer freigelegten 1500 m langen Felswand unzählige versteinerte Spuren verschiedener Dinosaurier entdeckt wurden.

Drei Tage bleiben wir in Sucre. Auf der tollen Asphaltstraße fahren wir zurück und biegen kurz vor Potosi auf eine Piste nach Süden ab. Die Navigation ist schwierig, und es ist ein Problem, Nachtplätze zu finden: als wir wild campen wollen, empfehlen uns Einheimische, aus Sicherheitsgründen in Dörfern zu übernachten. Und so verbringen wir eine Nacht vor dem Hospital in Puna, und in Las Carreras schlafen wir vor dem Bürgermeisteramt. Ab Isayachi beginnt eine spektakuläre, atemberaubende Fahrt auf sehr schmaler Piste durch die Berge - nichts für schwache Nerven, wenn man ein größeres Fahrzeug fährt! Schließlich erreichen wir die Grenzstadt Villazon, wo uns Demonstranten  empfangen, die die Brücke zur Grenze blockiert haben. Erst nach Einbruch der Dunkelheit, um uns herum brennen schon die Reifen, gelingt es uns, die Blockade zu durchbrechen und zur Grenze nach Argentinien zu gelangen. Ganz zum Schluss, nach einer überwiegend problemlosen wenn auch anstrengenden Reise, verpasst uns Bolivien noch einen ziemlichen Schrecken!

Auf dem Salar de Uyuni

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Wieder in Argentinien

Und nun sind wir wieder in Argentinien - zurück in der "Zivilisation": Asphalt, lesbare Straßenbeschilderungen und - Zäune. Uns bleiben nur noch einige Tage bis zu unserem Heimflug, und wir nutzen sie, um argentinisches Rinderfilet und die wunderschöne Landschaft der Schlucht "Quebrada de Humahuaca" zu genießen. Wir erleben, wie Argentinier Weihnachten feiern - mit Gesang, Tänzen und Outdoor-Konzerten bei sommerlichen Temperaturen. Und deshalb gibt es auch für uns am Heiligabend statt Glühwein weißen Torrontes zum Stollen aus Villa General Belgrano. Selbstverständlich erst, nachdem wir unseren Unimog abstellfertig gemacht haben. Auf unserem Weg nach Salta bietet uns die Ruta 9  hinter Jujuy dann noch eine schöne Überraschung: Nach all den schönen, aber schrecklich kahlen Bergen der letzten zwei Monate führt uns die Straße durch einen satten grünen Regenwald. Ein schöner Abschluss unserer Reise.

Weihnachten bei Sparthmanns

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Heimreise nach Hamburg

In der Nähe von Salta stellen wir unseren Wagen bei Heike & Frank ab, die im Januar und Februar ein scharfes Auge auf unseren Reiseuntersatz haben werden. Anfang März werden wir zurückkehren und unsere Reise nach Norden, nach Peru, Ecuador und Kolumbien fortsetzen - doch darüber ab Ende März mehr!

Bis dahin - hasta luego,

Bettina & Rolf