Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
                   

Von Salta/Argentinien nach Calama/Chile

Nachdem wir im Januar und Februar zwei wunderschöne, aber auch kalte und viel zu kurze Monate mit Familie und Freunden in der Heimat verbracht haben, treffen wir am 5. März wieder in Salta in Nordwest-Argentinien ein. Bei Heike und Frank finden wir unseren Unimog in bester Verfassung vor. Nach einem gemeinsamen Kaffee verabschieden wir uns von den beiden und fahren zum Camping Municipal, wo Nicol und Renato schon auf uns warten. Die Wiedersehensfreude ist groß, da wir uns lange, das letzte Mal vor einem Jahr in Patagonien, nicht gesehen haben. Auch Anne und Matthias und Wally und Jochen treffen wir hier wieder - alles "alte Bekannte" aus stürmischen Patagonien-Zeiten. Selbst Chico, der Camping-Kater, hat Dank Katzenfutter keine Mühe, uns sofort wiederzuerkennen. Eine Woche bleiben wir in Salta, denn neben dem Zusammensein mit den Reisefreunden gibt es allerhand zu erledigen: einkaufen, Wartungsarbeiten durchführen usw. usw.. Doch dann heißt es Abschiednehmen von Nicol und Renato, Anne und Matthias, Wally und Jochen und natürlich auch Chico.

Die Ruta 51 führt uns durch die Quebrada del Toro gen Nordwesten viel zu schnell wieder auf 3.200 m, was Bettina nicht gut bekommt. Wir bleiben deshalb 2 Tage auf dieser Höhe in Santa Rosa de Tastil. Ein winziger Ort, dessen Attraktion eine beeindruckend große Prä-Inka-Siedlung ist, die strategisch das ganze Tal beherrschte. Dann geht es Dank Coca-Tee (ein Kräutertee und nicht zu verwechseln mit anderen Erzeugnissen aus dieser Pflanze!) und Höhenanpassung wieder besser und weiter nach San Antonio de los Cobres. Von dort machen wir einen Abstecher in die Sierra de Pastos Grandes, bevor wir über den Paso de Sico zum chilenischen Grenzposten Campo El Laco an der gleichnamigen wunderschönen Laguna mit Flamingos und Vicuñas gelangen. Durch traumhaftes Bergpanorama und entlang wunderschöner Lagunen geht es nun langsam wieder hinunter, und schon bald ist in der Ferne, noch weit unter uns, der uns schon bekannte Salar de Atacama zu sehen. Auch der Vulkan Lincancabur grüßt uns als alter Bekannter, diesmal mit schneebedecktem Gipfel.

Die Grenzformalitäten in San Pedro de Atacama verlaufen reibungslos. In San Pedro ist die Saison jedoch schon zu Ende, und der Campingplatz „Los Perales“ hat geschlossen. Wir übernachten deshalb auf dem Parkplatz am Eingang zum Valle de la Luna, gemeinsam mit den Schweizern Severin und Laurent, mit denen wir Infos austauschen. Entlang der Ruta 23 geht es weiter nach Calama, wo wir die auf 3.000 m Höhe liegende größte Tagebau-Kupfermine der Welt – Chuquicamata – besichtigen. Sie ist ein riesiges Loch - 5 km lang, 3 km breit und in Terrassen ca. 1 km tief, der Rand gespickt mit Industrieanlagen. Täglich werden hier mehrere hunderttausend Tonnen Gestein gesprengt, mit gigantischen Baggern auf noch gigantischere Lkws verladen, zu den Aufbereitungsanlagen gekarrt und dort je nach chemischer Bindung des Kupfers (Oxyd oder Sulfit) in zwei unterschiedlichen Prozessketten aufgearbeitet. Erst bei der nachgeschalteten Elektroverhüttung treffen sich die beiden Stränge wieder. 99% des Gesteins werden anschließend zu unglaublich großen Abraumgebirgen aufgetürmt – der Kupfergehalt beträgt nur magere 1%! Nur wenige Kilometer entfernt gibt es zwei weitere dieser Tagebauen. Zurzeit arbeitet man an einem „Durchstich“ zwischen zweien dieser drei Minen, eine Zusammenführung aller drei ist für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Danach wäre das größte menschengemachte Loch in der Erde entstanden! Die alte Minenarbeiterstadt Chuquicamata, die auf die Minenanfänge im Jahre 1917 zurückgeht, ist nur noch ein Museum, denn sie musste dem Durchstich weichen. Teile des Ortes sind bereits von neuen Abraumhalden verschüttet. Deshalb und wegen massiver Umweltprobleme (noch nie in unserem Leben haben wir so geballt so viele riesige Güterzüge mit Schwefelsäure-Tankwaggons gesehen!) wurden die Bewohner 2005 ins benachbarte Calama umgesiedelt. Trotz sehr viel Staub, Dreck und Lärm - ein hochinteressanter, eindrucksvoller Besuch!

Zur Not wechseln wir auch dieses Rad!
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Von Calama/Chile nach Antofagasta/Chile

Wir wollen endlich den Pazifik wieder sehen und folgen der Ruta 25, später der Ruta 5, nach Südwesten. Hinter Sierra Cora fahren wir an Ruinen unzähliger alter Salpeterstädte vorbei. Bei Chacabuco halten wir an. Hier befand sich von 1924 bis 1938 eine große Salpeterstadt. Unter Pinochet diente sie von 1973 bis 1975 als Konzentrationslager. Stacheldraht und Schilder warnen den Besucher vor dem immer noch nicht geräumten umgebenden Minengürtel. Ein dunkles Kapitel chilenischer Geschichte.

Nach Überquerung der Cordillera de la Costa liegt endlich der Oceano Pacifico mit der Hafenstadt Antofagasta vor uns. Nach all der Atacama-Dürre endlich Wasser, eine frische Brise, Palmen, blühender Oleander (alles nur Dank künstlicher Bewässerung!) – welch ein Anblick! Wir folgen der Costanera nach Süden zum Camping „Las Gamuzas“ direkt am Pazifik: Strand, Brandung, Muscheln zum Sammeln, Seelöwen, Pelikane, Kormorane, Möwen, super Wetter. Und zum Abendessen gibt es Jacobsmuscheln in Weißwein-Sahnesauce mit Salat und frisch gebackenem Brot. Was will man mehr?

Am nächsten Tag nehmen wir uns Zeit, der Stadt einen Besuch abzustatten. Es gibt eine wunderschöne Plaza Colón, deren Uhrturm eine verkleinerte Nachbildung des Big Ben darstellt (ein Geschenk der angelsächsischen Gemeinde der Stadt aus dem Jahre 1910), eine neogotische Kathedrale und zum alten Hafen hin einige alte Gebäude und den alten Bahnhof. Und 16 km nördlich der Stadt das Wahrzeichen von Antofagasta: La Portada – ein hoch aus der Brandung des Pazifiks aufragendes Felsentor. Aber am schönsten ist es, auf  der Plaza auf einer Bank unter Bougainvilleas zu sitzen und Menschen, Straßenhunde und Tauben zu beobachten.

         
        Neue Freunde in Antofagasta

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Südlich Antofagasta/Chile

Einige Tage bleiben wir in der Gegend und besuchen u. a. das ca. 130 km südlich von Antofagasta auf dem 2.600 m hohen Cerro Paranal gelegene ESO-Observatorium Paranal, bei dem wir uns vor 2 Wochen per Mail angemeldet haben. Durch die interferometrische Kombination von 4 Spiegeln mit je 8,2 m Durchmesser und 3 weiteren kleineren Hilfsspiegeln ergibt sich die Auflösung eines (virtuellen) 200 m-Teleskops. Theoretisch könnte man damit eine Frau auf dem Mond (der Mann auf dem Mond wurde ja inzwischen als Fiktion entlarvt) sehen. Die Anlage ist 100% Hightech, hoch beeindruckend und die Führung (auf Englisch) sehr interessant.

Wir fahren durch die Sierra del Muerto weiter nach Süden und erreichen beim Fischerdorf Paposo 200 km südlich von Antofagasta wieder das Meer. Einer grottengrottengrottenschlechten Küstenpiste folgen wir in den nächsten Tagen nach Norden. Die felsige, bizarre und meerestierreiche Küste bietet viele hübsche Plätze zum Verbleiben. Immer wieder treffen wir auf einfachste, oft ärmliche Behausungen von Algensammlern und Fischern. Ca. 80 km vor Antofagasta endet die Küstenpiste, und wir müssen wieder über das 1.800 m hohe Küstengebirge, um zurück nach Antofagasta zu gelangen.
Tangsammler südlich von Antogasta      

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Von Antofagasta/Chile nach Iquique/Chile

Wir folgen der Ruta 1 nach Norden und einer Empfehlung von Marion und Bernd und fahren zur Nordspitze der Halbinsel Mejillones – ein traumhafter Platz oberhalb der Felsenküste. Ohne Übertreibung: Tausende von Seelöwen, Pelikanen, Kormoranen und Möwen, dazu einige Austernfischer, bevölkern die Küste. Unerwartet treffen wir hier auch die Empfehlungsgeber! Wir verbringen einige Tage zusammen, machen ausgedehnte Spaziergänge, können uns nicht satt sehen an den verspielten Seelöwen und feiern Rolfs 49L. Geburtstag. (Danke für die vielen lieben Beileidsbekundungen!).

Dann trennen sich unsere Wege wieder, denn Marion und Bernd wollen zügig weiter nach Norden, und wir können uns Zeit lassen. Wir folgen also langsam weiter der Ruta 1 über Tocopilla bis Iquique mit wunderschönen Ausblicken auf den Pazifik und die Atacama-Küste, die nach Norden hin immer sandiger wird. Unterwegs treffen wir auf kleine Fischer- und Algensammleransiedlungen, oft nur eine Handvoll Pappmaché-Hütten, Ruinen alter, durch Erdbeben und Flutwellen zerstörte Häfen, aufgelassene Friedhöfe und sehr ungewöhnliche, absolut grasfreie Sand-Golfplätze. Mit quietschenden Reifen hält ein Pickup neben uns. Teresa, Henry und Alejandro springen aus dem Wagen und drehen begeistert 5 Runden um unser Gefährt. Henry und Alejandro sind selbständige Mineure und haben in ihrem Fuhrpark einen uralten Unimog 404, der immer noch hart arbeiten muss. Keine Schraube an unserem Vehikel, die nicht ihr Interesse findet! Wir tauschen E-Mail-Adressen aus und setzen unsere Fahrt nach Iquique fort. Einige Kilometer vor der Stadt überholen uns die Schweizer Esther und Hanspeter und zwecks Klönschnack am Straßenrand steigen wir in die Eisen. Sie empfehlen uns den Campingplatz „Las tres Islas", wo wir einige Tage gemeinsam verbringen: warme Dusche, Swimmingpool, die Señora wäscht unsere Wäsche – das Leben könnte härter sein ….. wie wir am nächsten Tag in der Stadt fast erleben! Auf der Suche nach einer Werkstatt, die den fälligen Motorölwechsel an unserem Wagen vornimmt, verfahren wir uns in einer etwas finsteren Gegend. An einer T-Kreuzung springt ein junger Bursche auf der Beifahrerseite auf und versucht, durch das offene Fenster alles, was ihm wertvoll erscheint, an sich zu reißen. Es entsteht ein Handgemenge, das erst durch brutales Einkuppeln zu beenden ist. Wir haben Glück gehabt, denn bis auf ein verbogenes Brillengestell haben wir keinen Schaden zu beklagen. Der Schreck sitzt aber ganz schön tief, und bei der Weiterfahrt sind die Türen verriegelt und die Fenster nur noch einen spaltbreit geöffnet!

Dass Iquique laut Reiseführer zu den schönsten Städten Chiles gehören soll, möchten wir nicht bestätigen. Aber es gibt eine hübsche Plaza mit einigen alten Gebäuden und eine restaurierte historische Straßenzeile, in dem sich auch das Museo Regional befindet, das einen guten Überblick über Natur- und Kulturgeschichten der Region bietet. An der Mole im Hafen sitzen dicke Seelöwen und streiten sich mit den Straßenhunden. Wir besuchen natürlich auch die riesige Freihandelszone (Mall Zofri). In Hunderten von Läden gibt es fast alles zu kaufen – von umweltgerecht entsorgten Pkws aus Japan bis zu Silikon-Busen. Wir kaufen neue Batterien für unseren Wohnkoffer (hier gibt es die rüttelfesten „Optima/Yellow Top“, und Rolf kann nicht widerstehen) und einen Außenspiegel für unseren Unimog als Ersatz für den im brasilianischen Pantanal zerdepperten. Nach 6 Tagen verabschieden wir uns von Esther und Hanspeter und verlassen Iquique.

     
   

Seelöwen, soweit das Auge reicht!

     

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Von Iquique/Chile nach Arica/Chile

Wir fahren weiter nach Norden, nicht ohne 50 km östlich von Iquique die alten Museums-Salpeterstädte Humberstone und Santa Laura zu besichtigen. 40 km weiter nordöstlich, am Cerro Unita, einem isoliert in der Atacama-Hochebene stehenden Hügel, ist an dessen Westseite ein Geoglyph zu bewundern: Der „Gigante de Atacama“ ist mit einer Länge von 86 m das größte bisher gefundene Abbild einer menschlichen Figur. An der Ostseite des Hügels finden wir einen wunderschönen Nachtplatz zwischen kleinen Dünen.

Am nächsten Tag geht es auf der Panamericana weiter nach Norden. Wir müssen mehrere sehr tief eingeschnittene Täler queren, d. h. Abstieg von 1800 Höhenmetern und auf der anderen Seite auch wieder hinauf! Zum ersten Mal nach vielen Wochen sehen wir wieder bewachsene Talböden! Östlich von Arica durchfahren wir das gut bewässerte Lluta-Tal, weshalb hier reichlich Obst und Gemüse angebaut werden kann. Ein surrealistischer Anblick: links und rechts die hochaufragenden Wüstenberge, dazwischen das herrlich grüne Tal! In der Nähe von Poconchile kommen wir an einem Gehöft mit einigen merkwürdig aussehenden Gebäuden vorbei. Wir klopfen an, ob wir hier über die Ostertage campen könnten – und landen in einem Hari Krishna-Ashram mit zuckerhutförmigen Lehmhütten und strengen Vorschriften: kein Fleisch, kein Fisch, kein Alkohol, keine Zigaretten! Als wir versprechen, unser Fleisch hier nicht zu verzehren, ist man für 10.000 Pesos zu einem Kompromiss bereit: Wir dürfen bleiben! Am Abend findet eine spirituelle Zeremonie mit Sauna, Gesang, Urschrei, Trommeln usw. statt, an der wir uns aber nicht beteiligen müssen ….. uff!

El Gigante de Atacama    
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In Arica erledigen wir Einkäufe und lassen 560 Liter Diesel in unsere Tanks fließen: Wir haben unsere Reisepläne geändert und werden vorerst nicht nach Peru einreisen, sondern uns aufgrund der guten Straßenverbindung zwischen Arica und La Paz erneut auf den Weg nach Bolivien machen. Doch darüber ein anderes Mal mehr!

Hasta luego,

Bettina & Rolf

(La Paz/Bolivien im April 2009)