Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Puno/Peru - die schwimmenden Inseln der Uros
                       

Als wir in Puno am Titicaca-See eine Autoversicherung für Peru abschließen, maximal für 2 Monate, schauen wir uns an: ja sicher, das ist mehr als genug Zeit! So lange werden wir nicht im Lande bleiben! Jetzt sind die 2 Monate bereits herum, wir haben unsere Versicherung schon verlängert, und wir sind noch nicht über Cusco hinausgekommen! Außerdem hängen wir hier zur Zeit fest! Ist etwas schief gelaufen, oder haben wir die neue Langsamkeit entdeckt….!? Lest doch einfach weiter .....!

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Puno und Umgebung

Zuletzt hatten wir uns aus Copacabana, Bolivien, gemeldet. Von dort geht es endlich weiter nach Peru. Nach problemlosem Grenzübergang fahren wir immer entlang des Titicaca-Sees nach Puno, wo wir auf dem Parkplatz des Hotels Posada del Inca einen Stellplatz finden. Die Stadt selbst ist bis auf die Kathedrale und ein nettes Café nicht weiter beeindruckend, hat eher den Ruf, ein gefährliches Pflaster zu sein. Doch wir sind ja hier, um die Schilfinseln der Uros und Taquile, die Insel der strickenden Männer, zu besuchen.

Eine Tagesbootstour über den See bringt uns zuerst zu den 43 schwimmenden Inseln im nordwestlichen Schilfgürtel, von denen wir zwei besuchen. Natürlich ist alles sehr touristisch, aber im Gegensatz zu dem, was in vielen Reiseführern steht, leben die Uros immer noch hier, denn der See und auch die Touristen liefern ihnen vieles von dem, was sie zum Leben brauchen. An Land, ohne Grundbesitz, müssten sie ihren Lebensstandard erheblich reduzieren. Uns gefallen die Inseln mit den bunt gekleideten Menschen, die uns ihre Handwerkskunst präsentieren und zum Kauf anbieten. Da können wir natürlich nicht widerstehen. Auf uns wirken die Inseln wie ein gut restauriertes Bauwerk: nicht identisch aber authentisch. Ausführlich werden wir über den Baustoff der Uros – das Totora-Schilf – informiert, aus dem die Inseln, die Hütten und die Boote gebaut werden. Es gibt heute Solaranlagen auf den Inseln, und der ganze Stolz einer Familie ist ein kleiner Fernseher oder ein Radio. Ein bisschen wackelig ist es schon auf den Inseln, speziell auf den kleinen Aussichtstürmen, von denen die Ankunft der Touristen gemeldet wird.

Weiter geht es zur Insel Taquile, die nicht nur für ihre strickenden Männer, sondern auch für die über 3000 Jahre alten Terrassenanlagen berühmt ist. Wir genießen ein gutes Mittagessen, haben Spaß an den vorgeführten Tänzen, den Strickerzeugnissen der Männer, und Dank einer uralten 536-Stufen-Treppe können wir uns auch sportlich betätigen. Ein schöner Ausflug.

Abends, in der Bar unseres Standplatz-Hotels, gibt es dann Pisco Sour in der Gesellschaft der Reisefreunde Franziska & Fabian und Reni & Siggi – auch nicht schlecht.

 
Mädchen von der Taquile-Insel  

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Von Puno nach Arequipa

Nach reiflicher Überlegung ändern wir erneut unsere Reisepläne. Statt auf dem kürzesten Wege nach Cusco weiterzufahren, wollen wir nun doch zuerst Arequipa ansteuern. Eine gute Asphaltstraße bringt uns von Puno zu den Begräbnistürmen (Chullpas) von Sillustani, die auf einer Halbinsel am Lago Umayo liegen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an hübschen Adobe-Siedlungen vorbei. Auf den Dächern sind Keramik-Stiere befestigt, die Menschen und Haus schützen und Glück bringen sollen. Wir werden später in Cusco auf dem Markt nicht widerstehen können, zwei von diesen Stieren zu kaufen. Schutz und Glück kann man schließlich immer gebrauchen.
Die ersten Chullpas aus einfach aufeinander geschichteten Feldsteinen wurden ca. 1200 n. Chr. von dem Präinka-Volk der Collas errichtet. Nach der Unterwerfung der Collas 1445 n. Chr. haben die Inkas deren Begräbniskult in diesem Teil des Reiches übernommen und die Chullpa-Bautechnik, der größte Chullpa war immerhin einst 12 m hoch, verfeinert: hier begegnen uns die ersten der perfekten Inka-Mauern (“….. keine Rasierklinge zwischen die Steine zu bekommen ….“), von denen wir später in Cusco und Machu Picchu viel mehr sehen werden.

Auf der Ruta 35 geht es über Juliaca durch die Berge über einen 4.910 m hohen Pass nach Chivay in die Colca-Region, eines der wichtigsten Landwirtschaftsgebiete Perus und weiter zum Colca Cañon, zweittiefste Schlucht der Erde. Die tiefste, die Cotahuasi-Schlucht, befindet sich ebenfalls in Peru, nur ca. 150 km nordwestlich von hier. Die Fahrt entlang der Südseite des Cañons zum „Cruz del Condor“ ist zutiefst beeindruckend und einer der Höhepunkte unserer bisherigen Reise. Tausende kunstvoll angelegte, uralte Terrassen an den steilen Cañon-Hängen sind zu bestaunen. Am „Cruz del Condor“, hier liegt der Cañon-Boden 1200 m unter uns (dagegen ist der Grand Canyon in den USA ein Fliegenschiss!), und man kann ihn sehen, verbringen wir zwei schöne Tage mit Reni und Siggi. Wir haben großes Glück: Viele der berühmten Anden-Kondore mit ihrer bis zu 3,20 m-Flügelspannweite sind zu sehen, die sich frühmorgens mit Hilfe der Thermik aus der tiefen Schlucht bis in 5000 m Höhe tragen lassen.

Dann heißt es erst einmal Abschied nehmen von Reni und Siggi, die direkt nach Cusco weiterfahren. Wir folgen einer üblen Piste entlang des Río Colca und kommen erst 1 ½ Tage später in Arequipa an, wo wir uns auf dem Hof des Hostal Las Mercedes einquartieren.

Kondor im Colca-Canyon  
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Arequipa

Arequipa liegt auf 2.353 m Höhe unter den Vulkanen Misti (5.821 m) und Nevado Chachani (6.075 m) und ist die zweitgrößte Stadt Perus. Bei sehr gutem Wetter erkunden wir die Stadt ausführlich, und sie gefällt uns sehr gut. An der Plaza Principal kann man in gemütlichen Cafés sitzen, die Kathedrale mit 70 Fassadensäulen nimmt die gesamte Nordseite der Plaza ein und erschlägt den Betrachter geradezu. Im Museo Santuarios Andinos ist die berühmte Mumie „Juanita“ ausgestellt, die 1995 auf dem 6.310 m hohen Vulkan Ampato gefunden wurde und wahrscheinlich vor 500 Jahren nach einem Vulkanausbruch dem Berggott geopfert wurde. Natürlich besuchen wir auch das wunderschöne im maurischen Stil erbaute Kloster Santa Catalina (Baubeginn 1579), in dem heute nur noch ca. 30 Nonnen abgeschieden leben. Das Kloster ist wie eine kleine Stadt in der Stadt angelegt und ermöglichte ein völlig autarkes Leben.

Arequipa, überragt von 2 Vulkanen

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Von Arequipa nach Nasca

Nach 5 Tagen verlassen wir Arequipa auf der Panamericana, um einige Stunden später wieder einmal am Pazifik anzukommen. Unterwegs gibt es eine fröhliche Begegnung mit Franziska und Fabian, die uns entgegenkommen. Bis Puerto Inca ist es eine lange Fahrt immer am Meer entlang, durch fruchtbare Küstenstreifen, längs hoher Steilküsten und an riesigen Sanddünen vorbei. Wir sind froh, als wir endlich in Puerto Inca ankommen. Der Flecken besteht nur aus einer Ruinenanlage und einem Hotel gleichen Namens, in dem wir einen schönen Platz direkt am Strand finden. Die Ruinen waren ein alter Inkahafen, die wir während der nächsten zwei Strandtage besichtigen. Von hier haben Läufer innerhalb von 24 Stunden frischen Fisch an den Inkahof in Cusco gebracht!

An straßenbegrabenden Sanddünen vorbei geht es bis Lomas weiter am Pazifik entlang, bevor uns die Panamericana ins Landesinnere und schließlich nach Nasca bringt. Der Ort liegt auf 620 m Höhe in einem fruchtbaren Tal. Außer den weltberühmten Bodenzeichnungen (“Geoglyphen“, Weltkulturerbe) bietet das Gebiet weitere Sehenswürdigkeiten: da ist zum einen der Friedhof "Cementario Chauchilla", ein riesiges Gräberfeld in der Küstenwüste aus der Präinka-Zeit mit 12 freigelegten Grabkammern (nun haben wir aber genug Mumien gesehen!). Zum anderen gibt es in Cantayoc Entlüftungsschächte ("ojos)" mit grafisch ungemein reizvollen wendelförmigen und bis zu 20 m tiefen Revisionseinstiegen zu einem unterirdischen Kanalsystem aus der Inkazeit. Es wird noch heute genutzt, um Wasser aus den Anden in die Küstenebene zu leiten.

Aber wir sind natürlich hauptsächlich hier, um frühmorgens einen Rundflug über die Nasca-Geoglyphen zu machen. Hinterher sind wir froh, dass wir vor dem Flug das Frühstück ausgelassen haben! Der Pilot wirft das kleine Flugzeug ruckartig von der rechten auf die linke Flügelspitze und wieder zurück, um jedem und allem, auch unseren Mägen, eine gute Sicht zu ermöglichen! Es ist wie eine Kombination aus Fahrstuhlfahren, Ballonfahren und Hochseesegeln! Die Figuren, zwischen 25 und 200 m groß, sind deutlich zu erkennen. Es handelt sich bei den Linien und Umrissen der bildhaften und geometrischen Figuren um Furchen in der verwitterten dunklen Bodenoberfläche, wodurch die tieferliegende hellere Sandschicht zum Vorschein kommt. Es wird angekommen, dass das Präinka-Nasca-Volk 400 v. Chr. mit den Arbeiten an den Geoglyphen begann und nachfolgende Völker die Arbeiten über weitere 1000 Jahre fortgeführt haben. Die deutsche Mathematikerin Dr. Maria Reiche hat seit 1946 über 40 Jahre lang fasziniert die Nasca-Linien erforscht und war schließlich überzeugt, dass es sich um einen riesigen astronomischen Kalender handelt. Es gibt jedoch auch andere Meinungen. Vielleicht waren es rituelle Prozessionspfade oder wie Herr Däniken meint (er ist übrigens, man glaubt es kaum, seit 1979 Ehrenbürger von Nasca!), der Weltraumhafen Außerirdischer, dessen Landebahnen und Positionsmarken man heute noch erkennen kann! Ohne halbwegs befriedigende Erklärung bleibt bis heute, wie Figuren mit einer Größe, deren Ganzheitlichkeit sich nur aus großer Höhe erschließt, von bodengebundenen Völkern geschaffen werden konnten. Da wurde dem Nasca-Volk auch schon der Ballonflug angedichtet! Alles Vermutungen, viel Fantasie – egal, wir sind mehr als beeindruckt!
Wasserrevisionsschacht bei Nasca

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Von Nasca nach Cusco

Nach zwei Tagen geht es nun endlich nach Cusco, d. h. auf der Ruta 26A wieder in die Berge. Dank Coca-Tee haben wir diesmal keine Probleme mit der Höhenanpassung. Auf einer sehr schlechten Restasphaltstraße quälen wir uns bis Puquio, wo wir im Hinterhof eines Privathauses übernachten. Danach wird die Straße besser, trotzdem geht es nur langsam voran, denn es sind über enge Serpentinen immer wieder hohe Pässe (bis 4.390 m) zu überwinden, um anschließend wieder auf 2000 m hinabklettern zu müssen. Immer wieder tun sich wunderschöne Panoramen mit schneebedeckten Bergen vor uns auf. Wir durchqueren in den Tieflagen aber auch grüne Flusstäler mit subtropischem Klima, wo Bananen und Papayas wachsen. Nach Querung der Hochebene des Anta-Tals und einem weiteren Anstieg sehen wir endlich Cusco vor uns liegen. Schnell finden wir den Weg zu unserem Quartier für die nächsten Wochen: Camping Quinta Lala, vorbildlich geführt von den Niederländern Gunna und Helmie. Wir fühlen uns hier, oberhalb von Cusco auf einer grünen Wiese, umgeben von anhänglichen Hühnern, Katzen und Hund Nino, auf Anhieb wohl!

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Cusco-Stadt


Cusco - der Name leitet sich von dem uralten Quechua-Wort „Qosqo“ ab (heute übrigens wieder der offizielle Stadtname!), was “Nabel“ oder auch “Zentrum des Tawantinsuyo (Herrschaftsgebiet der Inka)“ bedeutet - liegt im Tal des Río Watanay auf 3.430 m Höhe. Die ehemalige Inka-Hauptstadt wurde ca. 1100 n. Chr. gegründet und hatte ihre Blütezeit zwischen 1438 und 1527 mit ca. 200.000 Einwohnern (heute sind es ca. 360.000). Zu dieser Zeit wurden Residenzen, Paläste und Heiligtümer mit Mauern in der bekannten Inka-Präzision im unteren Teil Cuscos errichtet, der der Inka-Elite und den Edelleuten vorbehalten war. Die meisten Tempel und Paläste waren außen mit Goldplatten verziert; das Inka-Heiligtum Qorincancha, der Sonnentempel, auch von innen. Ohne dass diese Edelmetalle in der ökonomisch-materiellen Welt eine Rolle gespielt hätten, herrschte ein unglaublicher Reichtum an Gold und Silber. Und genau das war es auch, was die Spanier unter Führung von Pizarro suchten und nach Eroberung von Cusco 1533 auch fanden. Gold und Silber wurden eingeschmolzen, nach Spanien verschifft, Paläste und Tempel zerstört. Da das Schleifen der verhassten, enorm stabilen Inkamauern aber sehr zeitaufwändig und damit teuer war, dienten sie den Spaniern schließlich als Grundmauern ihrer Kirchen und sonstigen Gebäude. Ironie der Geschichte: in diesem an Erdbeben so reichen Gebiet blieben bei nachfolgenden Beben während der Kolonialzeit die Fundamentmauern aus der Inkazeit stehen, während die darauf aufgepfropften Kolonialgebäude der Spanier zerbröselten! Welcher Gott war denn nun der stärkere/bessere!? Und lässt man die Polemik weg, bleibt immer noch festzuhalten, dass die Inkas wussten, wie man erdbebensicher baut! Und genau deshalb ist Cusco heute auch kein totes Monument. Die Geschichte der Inka bleibt durch die vielen verbliebenen kunstvoll bearbeiteten Mauern lebendig.

Fast 5 Wochen bleiben wir in Cusco. Die Stadt wird uns trotz massivem Touristenrummels etwas sympathischer. Wir gewöhnen uns an aufdringliche Straßenverkäufer, und die Massage-Anbieterinnen hören von uns - schon bevor sie ihren Satz ausgesprochen haben – ein freundliches “No muchas gracias“, was immer ein Lachen zur Folge hat. Auf Rolfs Frage “How many girls?“ haben sie immer eine schlagfertige Antwort!

Ein Muss ist natürlich der Besuch des Sonnentempels Qoricancha, ehemalige Residenz des 1. Inka Mancho Capa. Hier ist die unglaubliche Präzision der Steinbearbeitung besonders gut zu erkennen. Aber auch beim Bummeln in der Stadt trifft man überall auf alte Inka-Baukunst. Zum Entspannen lassen wir uns im Café "Dos x 3" nieder, bei leckerem Capuccino und Tortas. Und die Besuche des Mercado San Pedro sind immer wieder ein Erlebnis. Vom Museo de Arte Precolombino sind wir begeistert. Die Keramik und Holzgegenstände überwiegend aus der Vorinkazeit sind wunderschön und könnten durchaus als kontemporäre Kunst in einer Galerie in Hamburg zu finden sein.

Cusco - Festungsmauern

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Cusco - Tour in den Manu-Nationalpark

In Cusco entschließen wir uns kurzfristig zu einer organisierten neuntägigen Tour in den Manu-Nationalpark – das "Verlorene Paradies“, von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit ernannt. Der 1977 gegründete Manu-Park ist mit ca. 2 Mio ha so groß wie Wales/GB oder New Hampshire/USA. Er ist eines der größten ursprünglichen (noch) geschützten Urwaldgebiete der Erde und in 4 Zonen aufgeteilt: Die erste ist kaum geschützt und allgemein zugänglich; die zweite darf nur mit einem autorisierten Führer, die dritte nur von Wissenschaftlern mit Genehmigung des peruanischen Wissenschaftsministeriums und die vierte nur von Behördenvertretern mit Genehmigung der dort lebenden Indianerstämme betreten werden.

Wir werden hauptsächlich die zweite Zone besuchen und beginnen unsere Tour  mit nur 8 Personen plus Führerin in Cusco mit einer spektakulären Busfahrt über die Anden. Die Vegetation ändert sich immer wieder, denn wir durchqueren 3 unterschiedliche Vegetationszonen – von der Puna (Hochanden) über den Nebelwald (wo wir die erste Nacht verbringen) hinunter in den tropischen Regenwald Amazoniens.
In Atalaya am Río Alto Madre de Dios wartet bereits ein motorisiertes Kanu auf uns, das in den nächsten Tagen unser Transportmittel sein wird. Nach Erreichen der Mündung des Río Manu befinden wir uns in der 2. Zone (Zona Reservada). Wir müssen uns nun erst einmal an die neue Situation gewöhnen, denn jetzt heißt es stets die Augen offen- und Fernglas und Kamera bereithalten, wenn Tina (unsere Führerin) ruft: „Kragenkranich rechts, Stinkvogel links, Papagei auf dem Baum in 3 Uhr, Schlangenhalsvogel im Wasser links, weißer Kaiman rechts auf der Sandbank“. Wir merken schnell, dass diese Tour kein Erholungstrip ist. Morgens um 05:00 Uhr ist ausnahmslos die Nacht vorbei, und es geht noch vor dem Frühstück zu den ersten Erkundungsgängen in den Urwald, zu Bootsfahrten auf den Fluss oder auf wunderschöne Flusstotarme. Aber die Anstrengungen werden reichlich belohnt. Wir sehen unglaublich viele Tiere: Säuger, Vögel, Reptilien und Insekten, darunter auch ein Jaguar-Pärchen – Tina sagt uns, dass wir mit der Sichtung von gleich zweien dieser wunderschönen Katzen in einen äußerst kleinen Kreis glücklicher Tierbeobachter Aufnahme gefunden hätten! Besonders fasziniert haben uns die Blattschneideameisen, und deshalb haben wir ein wenig recherchiert. Wer ebenfalls mehr über diese Urwaldspezialisten wissen möchte, klicke bitte HIER.

An den Collpas (Salz- oder Lehmlecken) beobachten wir frühmorgens Hunderte von Sittichen und Papageien beim Fressen der für sie lebensnotwendigen mineralsalzhaltigen Tonerde. Ein unglaubliches optisches und akustisches Spektakel.

Der hier noch intakte Primärurwald mit 200 verschiedenen Baum- und 15.000 sonstigen Pflanzenarten nimmt uns vollkommen gefangen. Unsere Führerin ist sehr kompetent und kann uns viel Wissenswertes über die Vegetation und deren Nutzung durch die Urwaldbewohner erzählen. Voller neuer Eindrücke und mit viel neuem Wissen kehren wir nach Cusco zurück.

Jaguare im Manu-Nationalpark
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Cusco - Ausflug nach Machu Picchu

Eine weitere Sehenswürdigkeit, die wir von Cusco aus besuchen, ist Machupicchu. Die Schmalspurbahn (Baubeginn 1913) bringt uns frühmorgens von Poroi über einen 3.678 m hohen Pass und über die Hochebene des Anta-Tals schließlich zum „Heiligen Tal der Inka“, das Urubambatal. Hier hat die Bahn einen sehr steilen Abstieg zu überwinden, was nur im „Zickzack-Verfahren“ gelingt: vorwärts-rückwärts-vorwärts-……, bei jedem Richtungswechsel sind Weichen umzulegen, bis sich der Zug auf die neue Zielhöhe gehangelt hat. Nach einer wunderschönen Fahrt entlang des Río Urubamba, flankiert von der gleichnamigen Cordillera, erreichen wir nach ca. 3 Std. Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt zum Besuch der Ruinen. Nach Übernachtung in einem einfachen Hostal heißt es wieder früh aufstehen, um 04:30 Uhr klingelt der Wecker, und per Bus geht es hinauf zu den Ruinen. Die Inkastadt Machupicchu liegt zwischen 2.470 und 2.530 m Höhe, 400 m über dem Río Urubamba, umgeben von steilen Bergen und wurde 1983 von der UNESCO zum „Weltkulturerbe der Menschheit“ erklärt.

Die sog. „Entdeckung“ von Machupicchu durch Hiram Bingham 1911 war lediglich eine „Wiederentdeckung“, denn Machupicchu war der indigenen Bevölkerung immer bekannt und bis ins 17. Jh. ständig bewohnt. Bingham wird daher heute auch nur als „wissenschaftlicher Entdecker“ geehrt. Aber glücklich sind die Peruaner auch damit nicht, denn noch heute wartet die peruanische Regierung auf die Rückgabe der von Bingham vermutlich geplünderten Objekte durch die Yale Universität, unter deren Schirmherrschaft die Expedition seinerzeit stattgefunden hat. Da wird sie wohl noch lange warten müssen …...

Noch vor Sonnenaufgang erreichen wir den Aussichtspunkt, von dem man einen fantastischen Überblick über die gesamte Anlage, die umliegenden Terrassen und den dahinter aufragenden Berg Waynapicchu hat. Deutlich kann man von hier die unterschiedlichen Stadtviertel erkennen: Links die Oberstadt mit dem Palastviertel und dem Sonnentempel, dahinter das Tempelviertel mit dem Intiwatana-Felsen, der astronomischen Zwecken diente (Intiwatane ist ein Quechua-Wort und bedeutet: „Ort, an dem die Sonne angebunden wird“). Gegenüber die Unterstadt mit den Gefängnis-, Lager-, Speicher- sowie den Handwerker- und Wohnvierteln. Getrennt sind Unter- und Oberstadt durch einen sich über 3 Höhenniveaus erstreckenden Platz, den Intipampa.

Mehrere Stunden erkunden wir die Anlage, bestaunen die architektonischen Meisterleistungen der Inkas, und gegen 11 Uhr räumen wir das Feld vor den immer zahlreicher eintreffenden Touristenheerscharen. Hat es uns gefallen und haben sich die nicht unerheblichen Mühen und Kosten, hierher zu kommen, gelohnt? Die Antwort ist ein klares Jein! Die Anlage für sich ist ein historisches – nach wie vor von vielen Rätseln umgebenes – und architektonisches Juwel. Der gewaltige Touristenstrom und die mit dem Massentourismus verbundenen Begleiterscheinungen sind abstoßend. Aber: wir müssen denjenigen, der nach Cusco kommt und sagt: „Machupicchu – vergiß es!“ erst noch kennenlernen! Wir haben es zu so einer Entscheidung nicht geschafft!

Lamas in Machupicchu
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Und nun hängen wir hier in Cusco fest! Seit Wochen gärt es aus verschiedenen Gründen im ganzen Land! Die Peruaner sind ein streitbares Volk, und mindestens aus zwei Gründen – da ist einmal die bereits von 35 Todesfällen begleitete gewaltsame Auseinandersetzung mit der Indianerbevölkerung im Nordosten wegen der Vergabe von Ölförderkonzessionen durch die Regierung in Lima, weiterhin die Regierungspläne, die Wasserversorgung zu privatisieren, mit den nicht unbegründeten Befürchtungen seitens der Bevölkerung, dass die Wasserpreise explodieren werden – sind alle für unsere Weiterfahrt nach Ecuador wichtigen Straßen zur Zeit blockiert.

Wir werden es aussitzen! Sobald sich die Lage geändert hat, und die Räder wieder rollen, werden wir es Euch wissen lassen!

Bis dahin „Hasta luego!“

Bettina & Rolf

(Cusco/Peru im Juni 2009)