Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Am Chimborazo
                 

 

Zwei Monate haben wir uns nun in dem im Vergleich zu den Nachbarn relativ kleinen Ecuador aufgehalten, bevor wir in den nächsten Tagen das nördlichste Land Südamerikas, Kolumbien „in Angriff nehmen“ werden. Wollt Ihr wissen, ob das ein Indiz dafür ist, dass es uns gefallen hat? Dann lest doch einfach weiter ….!

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Von Vilcabamba zum Vulkan Chimborazo

Das letzte Mal haben wir uns aus Vilcabamba im Süden Ecuadors gemeldet. Da in diesem Dorf viele Bewohner angeblich ein biblisches Alter erreichen, haben wir kräftig von dem lokalen Heilwasser „Vilcagua“ getrunken. Mal sehen, ob es was nützt!

Zwei Tage, nachdem wir uns von Reni und Siggi verabschiedet haben, die nach Süden abgereist sind, geht es auch für uns weiter - nach Norden. Unser nächstes Ziel ist Cuenca, die drittgrößte Stadt Ecuadors auf einer Höhe von 2.530 m und 1999 zum Weltkulturerbe erklärt. Wir bummeln durch die Kopfsteinpflastergassen, bewundern die kolonialen Gebäude mit alten Holztüren und schmiedeeisernen Balkonen und sehen dem bunten Treiben auf den Märkten zu. Hier gibt es die besten Panama-Hüte ganz Süd- und Mittelamerikas zu kaufen, die, entgegen ihrem Namen, in Ecuador hergestellt werden! Die Eisdielen und Cafés an der Plaza sind verführerisch - uns gefällt die Stadt!

Nachdem wir hier endlich auch eine vorgeschriebene Kfz-Versicherung für Ecuador (AIG Metropolitana, Av. Primero de Mayo y Gaspar de Carcajul, Tel. 4090790, für 1 Jahr Gültigkeit lächerliche US$ 43,- für ein Wohnmobil bei ebenso lächerlichen Deckungssummen) abschließen konnten, verlassen wir Cuenca in Richtung Norden. Nur 70 km weiter erreichen wir Cañar, rechtzeitig zum sehr ursprünglichen Sonntagsmarkt – wir sind die einzigen Touristen. Zum Kauf eines zwar hübschen, aber steinharten Hutes kann Bettina sich nicht entschließen, aber zu den wunderschönen bestickten Samtröcken nein zu sagen, fällt ihr schon schwer. Einen Übernachtungsplatz finden wir bei den Inka-Ruinen von Ingapirca – die am besten erhaltenen Zeugnisse der Inka-Kultur, die ihren Machtbereich bis nach Ecuador ausgeweitet hatte. Nach Cusco und Machu Picchu kann uns das leider nicht mehr wirklich beeindrucken. Wir sind verwöhnt.

Durch ein stark besiedeltes Gebiet geht es über Riobamba weiter zum „Reserva Faunística Chimborazo“. Wir haben Glück, und schon von weitem sehen wir den vereisten Gipfel des 6.310 m hohen erloschenen Vulkans in gleißendem Äquatorsonnenlicht. Wir erqualmen das 1. Refugio auf 4.800 m Höhe, wo wir 2 Tage bei bestem Wetter die schöne Landschaft und die absolute Ruhe genießen. Zum Schlafen werden wieder die Pudelmützen herausgeholt, denn nachts ist es urplötzlich wieder bitterkalt. Das 2. Refugio liegt auf 5.000 m Höhe und ist nur per pedes zu erreichen. Ihr glaubt ja nicht, wie anstrengend und lang die Überwindung von nur 200 Höhenmetern hier oben werden kann. Aber wir schaffen es, klönen mit den Bergsteigern, die gerade von ihrem Gipfelsturm zurückkommen (nachts um 23:00 Uhr hat ihr Aufstieg begonnen) und genießen die Aussicht. Nur ungern trennen wir uns von diesem Ort, aber wenn wir uns so die Qualmentwicklung ansehen, tut es nicht nur uns, sondern auch unserem Unimog gut, wieder dickere Luft zu atmen!

Nachtplatz unter dem Chimborazo    

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Bisher haben wir darauf verzichtet, Beschreibungen unserer Nachtplätze in unsere Website aufzunehmen: Zum einen sind unsere Berichte primär für die lieben Daheimgebliebenen gedacht, zum anderen trifft man von Feuerland bis einschließlich Peru häufig andere Reisende, mit denen wir uns immer rege ausgetauscht haben, auch über Nachtplätze, so dass kein Mangel an diesbezüglichen Informationen herrschte. Seit Ecuador hat sich das rapide geändert: Reisende, die wie wir unterwegs sind, sind selten geworden, und in Kolumbien wird sich das vermutlich nicht ändern. Zur Weitergabe unserer Infos werden wir deshalb zukünftig unsere Website nutzen.

Nachtplätze dieses Streckenabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

1. Macara/Prov. Loja, bei der Policia Nacional am stillgelegten Flughafen, S004 22,692'/W079 56,444' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Auf Nachfragen kann man die Toilette und Dusche der Polizei benutzen.

2. Vilcabamba/Prov. Loja, Hosteria Izhcayluman; 2 km südlich des Ortes an der Straße nach Zumba; S004 16,687'/W079 13,438' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; $4,- pro Person und Nacht; Schöne Anlage, gutes Essen.

3. Saraguro/Prov. Loja, Tankstelle an der Panamericana am nördlichen Ortsausgang; S003 37,502'/W79 13,824' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: mittel; Für eine Tankstelle erstaunlich ruhige Nacht.

4. Cuenca/Prov. Azuay, Cabanas Yanuncay, Calle Canton Gualaceo y Av. Loja; S002 54,344'/W079 1,687' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; $10,- pro Fahrzeug und Nacht; Schöne Anlage, 20 min Fußweg in die Innenstadt.

5. Ingapirca/Prov. Cana, Eingang zu den Ingapirca-Ruinen; S002 32,457'/W78 52,345' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Kostenlos, ruhige Nacht auf dem zu den Ruinen gehörenden Parkplatz.

6. Vulkan Chimborazo/Prov. Chimborazo, neben dem Refugio; S001 28.530'/W078 50.729' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Kostenlos, traumhafter Platz, aber auf 4800 m Höhe!

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Vom Chimborazo nach Quito

Ein total anderes, subtropisches Klima erwartet uns schon bald in Baños auf nur noch 1.800 m Höhe. Es ist ein kleiner, recht touristischer Ort, trotzdem fühlen wir uns wohl. Unbesorgt kann man durch die Straßen bummeln, die schöne Landschaft genießen und hoffen, dass der hochaktive Vulkan „Tungurahua“ nebenan nicht gerade jetzt anfängt zu spucken. Wir bewundern den Mut bis Leichtsinn der Bungee-Springer, die sich von der Brücke über dem Río Pastaza in die Tiefe stürzen und dabei einem ecuadorianischen Gummiseil ihr Leben anvertrauen. Die ach so berühmten Thermen in Baños sind nach unserem Eindruck eher zweit- bis drittklassig. Baños ist auch bekannt für seine Süßigkeiten, u. a. die ockerfarbenen Crèmeriegel („Alfeñique"), die in Ladeneingängen in langen elastischen Striemen immer und immer wieder über einen Haken geschlagen werden, bis sie die richtige Konsistenz haben. Sie schmecken ein bisschen wie türkischer Honig und ziehen auch genauso – wer sie noch hat - die Plomben aus den Zähnen.

Nach einigen Tagen der Überlegung, wie wir nun weiterreisen sollen, entschließen wir uns, die „Straße der Vulkane“ links liegen zu lassen und noch einmal den Regenwald, diesmal in der Region „Amazónica/El Oriente“ – zu besuchen. Sicherlich unverständlich für Erstbesucher Ecuadors, aber wir haben auf unseren Reisen längs der Andenkette inzwischen reichlich „perfekt geformte Kegel mit schneebestäubten Spitzen“ gesehen. Die Region östlich der Andenkette hat eine Fläche von 140.000 qkm und macht somit die Hälfte der Landesfläche aus. Auf der Fahrt von Baños ins Tiefland nach Puyo durchqueren wir den Cañon des Río Pastaza. Von der wohl eindrucksvollen Landschaft mit vielen Wasserfällen sehen wir allerdings wegen heftigen Regens nicht viel. Von Puyo aus geht es weiter nach Norden bis Tena und von dort noch 7 km weiter bis zur Hostería Hakuna Matata. 1 ½ km vor dem Ziel versperrt uns jedoch der Río Inchillaqui den Weg, denn die Hängebrücke würde dem Gewicht unseres Fahrzeugs kaum standhalten. Mit einem Allradfahrzeug kann man auch den Fluss durchfahren, aber wie es nach starken Regenfällen aussieht, sehen wir 2 Tage später – dann ist die Mausefalle für einige Tage, bis der Wasserspiegel wieder gesunken ist, erst einmal zu! Wir lassen uns vor der Brücke am Fluss auf einem Privatgrundstück nieder (s. u.) und gehen zu Fuß zur Hostería, um mit den freundlichen Besitzern Marcellina und Rudi aus Belgien zu klönen und in wirklich guter Küche zu schwelgen. Die beiden haben längere Zeit in Ostafrika gelebt und von dort auch die Anregung für die Namensgebung ihrer Hostería („Hakuna matata!“ = „Alles kein Problem!“) mitgebracht. Die Hostería und unmittelbare Umgebung ist mit viel Sorgfalt und Liebe gestaltet und bestens geeignet, dem eindrucksüberfluteten Reisenden die so dringend erforderliche kontemplative Verdauungspause zu bieten.

Einige Tage bleiben wir, um anschließend weiter ins „Oriente“ vorzudringen. Zuerst bis Misahuallí, einem kleinen Ort am Río Napo, Ausgangspunkt für Exkursionen per Boot in den Regenwald und am Wochenende Ausflugsort für die Ecuadorianer. Wir quartieren uns in einer Hosteria in traumhafter Lage oberhalb des Napo ein und bleiben einige Tage. Danach fahren wir auf dem Südufer des Flusses auf einer schmalen Piste weiter nach Osten, durchqueren dichten Sekundärwald und besuchen per Boot eine Auswilderungsstation für Wildtiere.

Schweren Herzens verlassen wir die warmen, um diese Jahreszeit erstaunlich moskitofreien Gefilde, denn unser nächstes Ziel liegt schon wieder auf kühlen 3.300 m Höhe. Aber es ist eine wunderschöne Fahrt durch die Cordillera de los Guacamayos, an deren Fuß der Regenwald des „Oriente“ in ein riesiges geschütztes Nebelwaldgebiet mit ebenfalls üppiger Vegetation übergeht.

Über Baeza erreichen wir unser nächstes Ziel Papallacta, ein winziger Ort, dessen Attraktion die wirklich wunderschön angelegten und vor allem sauberen Thermen sind. 38 – 40°C warmes Wasser bei 7°C Außentemperatur, wer will, kann als Ergänzung zur Luftkühlung in den kalten Gebirgsfluss nebenan springen. Eine Art Reha-Aufenthalt, bevor sich der Reisende in den Hexenkessel von Quito stürzt.

Dieser Schal wärmt nicht einmal!    
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Nachtplätze dieses Streckenabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

7. Baños/Prov. Tungurahua, “Hostal Monte Selva“, Calle Thomas Halflants; S001 24,046'/W078 25,369' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; $5,- pro Fahrzeug und Nacht, am Wochenende laut, gute Toiletten, zum Duschen muss man in die Hotel-Therme ($5,- pro Person) oder für kleines Geld in eines der öffentlichen Thermalbäder gehen.

8. Tena/Prov. Napo; S000 54,697'/W077 49,740' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Ca. 7 km nördlich Tena abbiegen und den Schildern zur “Hosteria Hakuna Matata“ nach Westen folgen, kleine Fahrzeuge bis Landcruiser-Größe können über die Brücke bis zur Hosteria vorfahren, größere Fahrzeuge müssen durch den nach Regen schnell und stark anschwellenden Fluss fahren oder können sich, wie wir es getan haben, neben der Brücke unmittelbar am Rio Inchillaqui auf einem Privatgrundstück niederlassen, $5,-pro Fahrzeug und Nacht, keine Toiletten, geduscht/gebadet wird im warmen Fluss. Von dort ist es ein 20 min Fußweg zu den Annehmlichkeiten der Hosteria und der Gastfreundschaft von Marcellina und Rudy.

9. Misahualli/Prov. Napo, “Cabanas Llandu Huasi“, auf dem Südufer des Rio Napo; S001 2,258'/W077 39,931' (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Schöne Lage oberhalb Misahualli und des Rio Napo, am Wochenende unruhig, 10 min Fußweg in den Ort. Fahrzeuge bis ca. 7 to und geschätzten 3,8 m Höhe (Querbalken auf beiden Seiten der Brücke in Misahualli) können die gute Asphaltstraße auf dem Nordufer des Rio Napo nach Misahualli nehmen und auf der filigranen Hängebrücke den Fluss queren, schwereren Fahrzeugen verweigert die Polizei die Überfahrt, sie müssen ab Puerto Napo die ebenfalls gute Straße auf dem Südufer des Rio Napo nehmen.

10. La Punta/Prov. Napo, ausgeschilderter Parkplatz der Lodge „Casa del Suizo“ am Rio Napo; S001 3,493’/W077 33,849’ (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Kostenlos, keinerlei Versorgung; Ruhig, wenn nicht, wie in unserem Fall, mitten in der Nacht eine der von den Ecuadorianern so geliebten Autoalarmanlagen losgeht und sich nicht mehr abschaltet!

11. Papallacta/Prov. Napo, Parkplatz vor den Thermen; S000 21,722’/W078 8,986’ (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; $7,- pro Person und Nacht, gute Toiletten, ruhig.

12. Quito/Prov. Pichincha, 24h bewachter Parkplatz, Av. Diego de Almagro nördlich der Av. Colón; S000 12,008’/W078 29,215’ (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; $4,- pro Fahrzeug und Nacht; Toiletten und Dusche nur für abgehärteste Traveller, sehr praktisch gelegen, hier haben wir unseren Wagen auch während unseres Galápagos-Aufenthalts abgestellt.

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Quito

Mitten im Bezirk Mariscal, in der Neustadt von Quito finden wir auf einem 24-h-Parkplatz einen Standplatz. Eine Familie mit Kind und Kegel, Hühnern, Katzen und Hunden lebt hier, so dass wir und unser Wagen in sicheren Händen sind. Supermarkt, Internet, Wäscherei, Kaufhaus, Computerladen und Cafés liegen im fußläufigen Bereich – alles super bequem.

Quito ist die Hauptstadt Ecuadors, liegt auf 2.850 m Höhe und wird im Westen vom Vulkan Pichincha, im Osten durch einen Steilabfall im Wachstum begrenzt. Die Altstadt Quitos wurde 1979 zum Weltkulturerbe erklärt, einen Titel, den wir nicht vergeben hätten. Natürlich besuchen wir das historische Zentrum, die Basilika und die Kopfsteinpflastergasse „Calle de la Ronda“ sowie das Nationalmuseum, das über den vollständigsten Besitz ecuadorianischer Kunstgeschichte verfügt. Aber irgendetwas vermissen wir: vielleicht ist es die Sterilität als Folge der aus der Altstadt vertriebenen bunten Straßenhändler. Hinzu kommt der dichte Autoverkehr mit Stadtbusfahrern, die, dichte schwarze Wolken aus dem Auspuff blasend („Briketts statt Feinstaub!“), jede Strecke zwischen zwei Haltestellen für ein Sprintrennen nutzen. Dazu die relativ hohe Gefahr, Ungemach zu erleben: wir beobachten, wie ein Dieb von Einheimischen dingfest gemacht wird und setzen uns ab, als der Volksauflauf bedrohliche Formen annimmt!

Hauptsächlich nutzen wir unseren Quito-Aufenthalt, um einiges zu organisieren, darunter auch dringend erforderliche neue Reifen. Wir haben relativ gute Nachrichten für alle 365/80 R20 (14,5 R20)-Geschädigten! Wir finden den Reifenhändler ReJapón , der ein Exemplar Continental MPT81 auf Lager hat (was uns zusammen mit dem Reserverad reicht; endlich wieder volle Traktion zumindest auf einer Achse!) und in ca. 30 Tagen weitere Contis beschaffen kann - mit US$ 710,- das Stück allerdings nicht ganz preiswert! Dies ist im Vergleich zu Michelin/Chile, die 3 Monate veranschlagten, um diese Größe zu beschaffen und zusätzlich 50% Anzahlung haben wollten, keine wesentlich preiswertere, aber eine deutlich schnellere Alternative - wenn auch ein paar Tausend Kilometer weiter nördlich! Weiterhin kümmern wir uns um unser wichtigstes Reiseziel in Ecuador: den Besuch der Galápagos-Inseln. Wir buchen die Kreuzfahrt schließlich bei der von der Schweizerin Maja geführten Reiseagentur COMETA auf dem Schiff „Angelito I“, was wir nicht bereut haben - nicht zuletzt auch, weil wir mit nur 7 Passagieren eine Minigruppe sein werden.

 
Auch diese Dame trafen wir hier!  

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Galápagos

„Es sieht so aus, als ob Gott Steine regnen ließ.“ So wurde im Jahr 1535 der vulkanisch hochaktive Galápagos-Archipel, 1000 km vor Ecuadors Küste direkt auf dem Äquator, von seinem Entdecker Tomás de Berlanga beschrieben. Diese „Steine“ entpuppten sich als hoch interessante, sehr unterschiedliche Inseln und Inselchen, von denen wir einige („Santa Cruz“, „Española“, „Santa Fé“, „Plaza Sur“, „Seymour Norte“, „Sombrero de Chino“, „Santiago“, „Genova“, „Rabida“) auf unserer Kreuzfahrt besuchen. Die aktiven Vulkane auf Galápagos gehören zum Typ der Schildvulkane, sind aus zahllosen übereinander geflossenen Lavaströmen und/oder Ascheschichten aufgebaut und zählen – vom Meeresboden aus gemessen – zu den höchsten „Bergen“ der Welt. Alle haben im Gipfelbereich eine Caldera. In dieser Welt bizarrer Lava- und Ascheformationen erwartet den Besucher eine wirklich einzigartige, fantastische Tier- und Pflanzenwelt.

Wer Galápagos besucht, erfüllt sich, wie wir, vermutlich einen Jugendtraum. Denn wer kennt sie nicht: die „Drachen“ von Galápagos – urzeitlich aussehende Reptilien, die zum Wahrzeichen der Inseln wurden. Neben diesen Landleguanen und den scheinbar ebenfalls einem Hollywood-Fantasiefilm entsprungenen Meerechsen bieten die Galápagos Dutzende weiterer Attraktionen: zentnerschwere Riesenlandschildkröten, viele Arten von Seevögeln, darunter solche, die in ihrer Tollpatschigkeit einem Disneyfilm entliehen worden sein müssen und eine überbordende bunte Unterwasserwelt. Wie im Aquarium tummeln sich über 300 Fischarten, Seelöwen und Meeresschildkröten in den manchmal karibisch anmutenden Gewässern.

Die bizarre Lavalandschaft mit ihrer Wüstenvegetation ist wunderschön. Tiere und Pflanzen sind zum größten Teil endemisch. So auch die Darwinfinken, deren Artenaufspreizung auf den verschiedenen Inseln Charles Darwin einen wesentlichen Anstoß zur Entwicklung seiner Evolutionstheorie („Überleben der Stärksten!“) geliefert hat. Ohne Zweifel ist Charles Darwin bis heute der berühmteste Besucher der Inseln. Im Rahmen einer 5-jährigen Vermessungs- und Forschungsweltumseglung kam er 1835 auf der „Beagle“ unter Kapitän Robert FitzRoy nach Galápagos.

Doch nun genug der Beschreibungen – werft einen Blick auf die Fotos! Für uns war Galápagos jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis!

Galapagos-Riesenlandschildkröte auf Santa Cruz    
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Von Quito nach Otavalo

Zurück in Quito müssen wir uns erst einmal wieder an den nicht mehr schwankenden Boden unter unseren Füßen gewöhnen und uns neu verproviantieren. Wir verlassen die Stadt nach Norden und treffen wenig später auf das berühmte Äquatordenkmal „Mitad del Mundo (Mitte der Welt)“. Die Linie, auf der das Denkmal steht, soll der Äquator sein, aber leider hat man sich in der Vor-GPS-Zeit um ca. 230 m vermessen. Mit Hilfe unseres Hand-GPS meistern wir die schwierige Aufgabe, die tatsächliche Nullgrad-Linie zu finden – amüsant, mit wenigen Schritten von N000° 000,000’ nach S000° 000,000’ zu wechseln!

Um nun endlich „Luft“ für die Verarbeitung der Galápagos-Eindrücke zu bekommen, verbringen wir einige Tage in Mindo, einem kleinen Ort 80 km westlich von Quito auf 1.250 m Höhe, umgeben von Flüssen und Nebelwäldern an den westlichen Hängen des Pinchinca. Der Ort ist Ausgangspunkt für Wanderungen, Vogelbeobachtungen, Canopying, Riverrafting, Mountainbiking und vieles andere mehr für den modernen Abenteuertouristen. Wir sind jedoch hauptsächlich faul und beobachten von der Terrasse unserer Hostería Hunderte von Kolibris, 22 Arten gibt es allein hier in Mindo, die unermüdlich zu den bereitgestellten Vogeltränken fliegen. Nette Gesellschaft leisten uns Pia und Robert aus Schwäbisch-Hall, die sich nach 8 Wochen Urlaub auch wieder („Recht so!“ sagt der unproduktive Grauhaarträger) auf ihre Arbeit freuen!

Nach einigen Tagen brechen wir auf, um rechtzeitig zum berühmten Samstagsmarkt in Otavalo einzutreffen. Gleichzeitig beginnt an diesem Wochenende die „Fiesta del Yamor“ (Yamor = Chicha = ein aus Mais hergestelltes alkoholisches Getränk). Die gesamte Provinz feiert das Fest 3 Wochen lang! Wir kommen mit dem neben uns stehenden jungen Mann ins Gespräch, der in Duisburg Germanistik studiert hat! „Bei Euch heißt so etwas Schützenfest!“ Es beginnt mit einem karnevalsähnlichen nächtlichen Umzug und endet mit der Wahl der Yamor-Königin. Einige hübsche Kandidatinnen fahren auf geschmückten Umzugswagen an uns vorbei. Es ist höchst erstaunlich (oder auch nicht, eingedenk einer inzwischen weltweiten Fernseheinheitsbreiversorgung), dass die zur Wahl stehenden Anwärterinnen hier im Indianerland ohne Ausnahme einem europäischen/westlichen Schönheitsideal entsprechen! Denn in und um Otavalo herum leben überwiegend Indigenas, die es, ungewöhnlich für alle Andenländer, (mit der Produktion und Vermarktung von Souvenirs für ganz Südamerika) zu erheblichem Wohlstand gebracht haben!

Die hübsche traditionelle Kleidung der Otavaleños und der unglaublich farbenfrohe Markt mit seinem überfließenden Angebot sind eine Augenweide, und es ist eine echte Herausforderung, nicht an jedem Stand etwas kaufen zu wollen. Wir sind froh, dass unser Auto genügend Platz für all die schönen Souvenirs bietet.

Auch der am Samstag stattfindende Tiermarkt ist eine Attraktion. Es ist gar nicht so einfach, das neu erworbene, extrem widerspenstige Schwein nach Hause zu bringen. Da hat man es mit Hühnern und Putern schon leichter. Die werden einfach in einen Sack verfrachtet und auf dem Rücken abtransportiert. Kücken kommen in eine Papiertüte bis diese voll ist. Kein Problem für unsere großindustriegeflügelfarmgestählten Nerven!

In Otavalo bleiben wir einige Tage, u. a. um diesen Bericht ins Netz zu stellen, bevor wir uns weiter auf den Weg nach Norden, nach Kolumbien machen. Wir würden Ecuador nicht ganz oben auf unserer Südamerika-Länderhitliste ansiedeln, dafür ist das Land zu dicht besiedelt, gehen die Ecuadorianer zu ruppig mit ihrer Natur um und fahren nahezu ohne Ausnahme alle wie die Henker. Dennoch sind wir froh, hierher gekommen zu sein, denn die Freundlichkeit der Menschen und Highlights wie die Galàpagos machen einige Abstriche mehr als wett!

Kolibrie in Mindo    
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Nachtplätze dieses Streckenabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

13. Mindo/Prov. Pichincha, Parkplatz des Hospedaje „El Descanso“, nach Überquerung der Brücke am Ortseingang sofort rechts halten, nach ca. 200 m auf der rechten Seite; S000 3,288’/W078 46,644’ (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; $5,- pro Fahrzeug und Nacht; sehr gute Toiletten, keine Duschen, da alle Cabañas während unseres Aufenthalts belegt waren, schöner und ruhiger Platz mit traumhaft vielen Kolibries.

14. Otavalo/Prov. Imlabura, Camping „Rincón del Viajero“, an der Straße zur „Laguna Mojanda“, die nur von Süden kommend an der Panamericana ausgeschildert ist; N000 13,132’/W078 16,598’ (WGS 84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Mittelprächtige Sanitäranlagen, ruhiger Platz, freundlicher US-amerikanischer Eigentümer, 20 min Fußweg in die Stadt.

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Aber jetzt freuen wir uns auf Kolumbien, ein Land, in dem die positive Entwicklung das grottenschlechte Image schon seit langem hinter sich gelassen haben soll. Doch darüber im nächsten Bericht mehr.

Bis dahin – Hasta luego (= „Bleibt sauber!“),
Bettina & Rolf


(Otavalo/Ecuador im September 2009)