Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
                   

 

Von der Grenze bis ins Kaffeeland

Unser letzter Bericht stammte aus Otavalo in Ecuador. Von dort ist es nun nicht mehr weit bis zur Grenze nach Kolumbien. Die schlechten Nachrichten über Kolumbien in der Vergangenheit machten dieses Land nicht gerade zu einem attraktiven Reiseland. Entführungen, Drogenmafia, Überfälle: Das war es, was Kolumbien in die Schlagzeilen brachte. Doch in den letzten Jahren soll sich das Bild angeblich gewandelt haben. Seit Àlvaro Uribe 2002 Präsident des Landes wurde und 2006 nach einer Verfassungsänderung erfolgreich zu einer 2. Amtszeit antreten konnte, befinden sich Guerrilla und Paramilitärs fortwährend in der Defensive und wurden weitgehend in die unwegsamen Dschungelregionen an der Pazifikküste und im Amazonastiefland abgedrängt. 2010 gibt es Neuwahlen, und die Chancen stehen gut, dass Uribe nach einer noch durchzusetzenden Verfassungsänderung ein drittes Mal gewählt werden wird. Seine Popularität ist hoch und nach der spektakulären Befreiung der wohl bekanntesten Geisel Ingrid Betancourt noch gewachsen. Soweit die Theorie! Zusätzlich aber – und das ist fast noch wichtiger - haben wir von (sehr wenigen) Kolumbien-Reisenden nur Gutes über Land und Leute gehört, und deshalb begeben wir uns voller Zuversicht, mit hohen Erwartungen und einer soliden Prise Vorsicht und Skepsis in dieses Land.

Die Sache beginnt erst einmal gut – mit einem problemlosen Grenzübertritt bei Ipiales. In Ipiales können wir auch die in Kolumbien vorgeschriebene Autohaftpflichtversicherung kaufen. In der Calle 14, westlich der Plaza San Felipe und von dieser nur 150 m entfernt, finden wir ein kleines SOAT-Büro, das nach viel Telefonieren bereit ist, uns eine für 3 Monate gültige Personenschadenversicherung auszustellen. Kosten: CoP 140.000,- entspr. US$ 70,-.

Und nur 7 km von Ipiales entfernt erwartet uns bereits die erste Sehenswürdigkeit und ein nationales Monument Kolumbiens: der Wallfahrtsort „Las Lajas“. Tief im Cañon des Río Guáitara wurde auf einer Brücke über den Fluss eine Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet, die der Legende nach 1750 einem blinden und tauben Mädchen erschien, das fortan wieder hören und sehen konnte. Seit dieser Zeit pilgern nun Menschen an diesen Ort (heute jährlich 2 bis 3 Millionen!), und Tausende von an den Felsen geschlagene Dankestafeln zeugen davon, dass die Jungfrau auch heute noch Wunder vollbringt. Der Weg hinunter zur Kirche ist gepflastert mit Läden, die vom gegrillten Meerschweinchen bis zum holografischen Christusbild mit zwinkernden Augen alles bieten.

Nach diesem ersten beeindruckenden Erlebnis geht es weiter nach Norden zur malerischern Laguna de la Cocha auf 2.760 m Höhe. Es ist der größte See Südkolumbiens mit einer winzigen bewaldeten Insel, auf der sich ein Naturschutzgebiet befindet. Vom kleinen Ort El Encano mit hübschen Häusern im Schweizer Chaletstil - aber auch Spreewald-Anklänge sind nicht zu übersehen - bringt uns ein Boot zur Insel. Der mit Epiphyten überwucherte Wald ist eine Augenweide! Oberhalb des Seenordufers bietet uns ein Hotel einen exzellenten Nachtplatz mit wunderschönem Blick über den See und den bislang besten Sanitäranlagen Südamerikas.

Wir verlassen diesen schönen Ort, um uns auf einer kurvenreichen Berg- und Talstrecke weiter nach Norden vorzuarbeiten. Trockene Täler mit spärlicher Vegetation wechseln sich mit üppig grünen feuchtheißen Zonen ab, immer bestimmt vom Zusammenspiel der vorherrschenden Winde mit Höhe und Richtungsverlauf der Gebirgsfalten. Schließlich erreichen wir Popayan. Nachdem bei einem schweren Erdbeben 1983 sehr viele Gebäude zerstört wurden, sind inzwischen wesentliche Teile der Stadt originalgetreu wieder aufgebaut worden. Wir genießen es, unbeschwert durch die Straßen des kolonialen Stadtkerns zu bummeln. Nur 25 km entfernt liegt unser nächstes Ziel – die Thermalbäder „Aguas Hirviendos (kochende Wasser)“ im winzigen Ort Cocunuco auf 2.800 m am Fuße des Vulkans Puracé. Das Wasser mit 38 °C kommt uns bei kühlen Außentemperaturen und Regen gerade recht. Sauber und schläfrig sitzen wir gemütlich bei Kaffee und Tee im Auto und lauschen einer Hamburg-CD (mit Freddy, Hans Albers, Udo Lindenberg, Achim Reichel, Domenica u.v.m.). Es scheint, wir haben Sehnsucht nach zu Hause?!

Am nächsten Tag wollen wir nur 120 km weiter nach Osten, nach San Agustín. Das wird ja wohl recht schnell zu schaffen sein. Aber denkste! Diese Piste ist von der ganz üblen Sorte und kann sich erfolgreich in die Spitzengruppe der schlechtesten Pisten Südamerikas einreihen. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 16,5 km/h. Entsprechend lange dürfen wir auf ihr verweilen. Außerdem regnet es ununterbrochen, so dass wir von dem schönen Regenwald und den Vulkanen im Nationalpark Puracé, den die Piste durchquert, nicht viel zu sehen bekommen. Diese Querverbindung über die Cordillera Central wurde erst vor 1 Jahr „befriedet“, was sollen wir also von dem mit schweren Waffen ausgerüsteten Militärcamp halten, das wir auf halbem Wege passieren? Wir sind also aus mehreren Gründen sehr froh, endlich in San Agustín einzutreffen, werden zudem mit gutem Wetter und einem schönen Campingplatz oberhalb des Ortes wieder versöhnt. Auf dem Platz haben wir wieder einmal Familienanschluss mit Kind und Kegel, Pferden Kühen, Hühnern, Katzen, Hunden und drei jungen Kakadus, die sehr zutraulich sind und das genussvolle Beißen in menschliche Ohrläppchen über alles lieben.

San Agustín liegt auf 1.700 m Höhe in einer von Schluchten und Flüssen durchzogenen hügeligen Landschaft. Das Gebiet war in präkolumbianischer Zeit sehr dicht besiedelt, in dem sich die sog. San Agustín-Kultur entwickelte, von der die Archäologen jedoch sehr wenig wissen. Hinterlassen haben die Menschen dieser Kultur die berühmten Stein-Figuren, die als Grabmonumente dienten. Mehr als 300 teilweise übermannshohe Statuen wurden bis heute gefunden, und viele von ihnen wurden in den wunderschön angelegten archäologischen Park gebracht, wo wir sie auf einem Rundgang bewundern. Weniger den Archäologieinteressierten, eher den Fotografen stören die hässlichen Wetterschutzdächer, die über fast allen Figuren errichtet wurden.

Nach einigen geruhsamen Tagen geht es weiter nach Norden. Wir wollen endlich in die berühmte Kaffeezone von Kolumbien. Von Pitalito aus geht es ins heiße Tal des Flusses Río Magdalena, der uns bis El Espinal begleiten wird. Ab hier geht es dann wieder bis auf 3.000 m in die Berge. Die steile Straße windet sich in vielen Kurven, und der Verkehr ist gnadenlos! Wir haben die verbrecherischen Busfahrer in Ecuador bereits für die Spitze der Verantwortungslosigkeit im Straßenverkehr gehalten, ändern rapidamente unsere Meinung, als wir die Truckdriver in Kolumbien kennen lernen! Sie kommen uns in den Spitzkehren mit ihren 40 to-Zügen natürlich immer auf unserer Straßenseite entgegen, überholen am allerliebsten vor uneinsehbaren Haarnadelkurven und zwingen jeden, der sich ihnen in den Weg stellt in den Graben oder über die Kante. Denn der Verkehrsregeln hier sind wenige und einfach: „Might is Right!“ Die Folgen: versagende Bremsen - die ganze Bergstrecke stinkt nach verbrannten Bremsbelägen, drei umgestürzte Züge auf nur 80 km und vor uns eine Notbremsung durch Einsteuern des Gespanns in eine Bergwand! Jede noch so kleine Hütte am Straßenrand bietet Möglichkeiten zum Essen an. Wir haben den Eindruck, dass ganz Kolumbien ein einziges Straßenrestaurant ist. Verhungern muss man hier nicht, wenn man die Fahrt überlebt hat!

Bis zum nächsten Ziel, der Hacienda Bambusa in der Nähe von Armenia im Kaffeeland, benötigen wir 2 Tage. Nach langer Zeit treffen wir zu unserer großen Freude einmal wieder auf Reisekollegen, denn Brigitte und Edy sind bereits vor 2 Wochen hier eingetroffen. Die beiden haben ein Herz auch für Kleinwohnmobilfahrer wie wir (sie selbst reisen mit einem mobilen 20 to-Heim auf 3 angetriebenen Achsen durch die Welt), und wir haben eine schöne Zeit miteinander. Die wunderschöne Hacienda (es waren genau 4 km (!) vom Tor bis zum Haus im Herzen des Besitzes) liegt umgeben von einer riesigen Plantage inmitten einer traumhaften Landschaft. Der Besitzer Santiago Montoya ist Künstler, hat seine Gemäldegalerie in Bogota und lebt auch die meiste Zeit dort. Er stammt aus der offensichtlich nicht verarmten Montoya-Familie, der auch der bekannte Rennfahrer entsprungen ist. Vater Montoya lebt 2 km weiter in einem Traumanwesen auf einem Adlerhorst-Hügel, von dem aus er die vielen Quadratkilometer des Familienbesitzes überblickt. Und so haben wir die zu einem kleinen aber extrem feinen Hotel umgestaltete Hacienda für uns allein mit einem für uns sehr seltenen Luxus: Swimmingpool, Waschmaschine und piekfeine Baños in einem der Zimmer. Dazu super Wetter mit atemberaubenden Blicken über Kolumbiens Kaffeeland. Täglich gibt es Bananen, Ananas und Mandarinen frisch von der Staude/vom Feld/vom Baum. Das Leben könnte härter sein.

Nun sind wir also in der berühmten Kaffeezone Kolumbiens. In dieser Region wächst ca. 10% des weltweit produzierten Kaffees. In Höhen von 1.300 bis 1.800 m Höhe bieten sich ideale Voraussetzungen für den Anbau der aromareichen Arabica-Sorte. Obwohl Bettina Tee-Trinkerin ist, bevorzugt sie hier den leckeren Café Tinto. Gesüßt wird er mit Panela, einer leckeren aus Zuckerrohr hergestellten Süßigkeit. Natürlich besuchen wir auch eine Kaffeefarm, wo uns auf einem Rundgang von „la semilla a la taza“ (vom Samen bis zur Tasse) alles über Kaffee-Anpflanzung und -Herstellung anschaulich erklärt wird. Im nahe gelegenen Park „Jardín Botánico“ gibt es neben vielfältiger Vegetation, u. a. verschiedene Bambusarten, wunderschöne Schmetterlinge zu bestaunen. Nur schweren Herzens können wir uns zur Weiterreise entschließen.

Auf der Hacienda Bambusa

Mehr Bilder gibt es HIER!!

   
     

Nachtplätze dieses Streckenabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

1. Atuntaqui (Ecuador)/Prov. Imbabura, “Hosteria Pueblo Viejo“, N000 20,221’/W078 12,041’ (WGS84); An der Panamericana ca. 10 km südlich Ibarra, ausgeschildert; Gefühlte Sicherheit: hoch; US$ 10,-/Fahrzeug, ruhig, gute Sanitäranlagen.

2. Ipiales/Prov. Nariño, 24 h-Parqueadero; N000 49,523’/W077 38,207’ (WGS84); In der Calle 14, östlich der Plaza San Felipe; Gefühlte Sicherheit: hoch; Kolumbianische Pesos (CoP) 3000,-/Fahrzeug, keine Versorgung, am Wochenende bis 22 h laute Musik aus gegenüberliegendem Kulturzentrum.

3. Laguna de la Cochas/Prov. Nariño; Parkplatz (vorher fragen) des Restaurants “El Paraiso“ N001 08,235’/W077 09,193’ (WGS84); Ca. 18 km östlich Pasto in El Encano zum “Puerto” abbiegen und der Piste durch die Hafenansiedlung bis zum Ende folgen; Gefühlte Sicherheit. mittel; Kostenlos, keine Versorgung, ruhig, schöne Lage direkt am Seeufer.

4. Laguna de la Cochas/Prov. Nariño; Parkplatz des "Hotels Sindamanoy”; N001 08,126’/W077 08,757’ (WGS84); Östlich El Encano bei N001 09,339’/W077 08,858’ von der Hauptstraße nach Santiago auf eine Erdstraße zum “Hotel Chalet Guamuez“ abbiegen, erst später ist an einer Weggabelung dann auch das "Hotel Sindamanoy” ausgeschildert; Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 30.000,-/Fahrzeug, exzellente Sanitäranlagen, hilfreiches Personal, traumhafter Blick über die Laguna.

5. Ca. 95 km südlich Popayán an der Straße Pastó-Popayán/Prov. Cauca; “Parador Turistico Patia“; N002 04,386’/W077 02,428’ (WGS84); Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 12.000,- pro Person (ohne Pool-Benutzung), ruhig, akzeptable Sanitäranlagen, schönes Gelände einer ehemaligen Hacienda.

6. Popayán/Prov. Cauca; 24 h-Parqueadero; N002 26,634’/W076 36,573’ (WGS84); An der Carrera 11, schräg gegenüber liegt das “Hostel Trail“; Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 6000,- pro Fahrzeug, ruhig, keine Versorgung, gute Lage am Rande der Altstadt.

7. Coconuco/Prov. Cauca; Parkplatz der “Termales Agua Hirviendo“; N002 19,785’/W076 29,348’ (WGS84); Ca. 25 km hinter Popayán in Cosconuco von der Straße Popayán-San Augustín abbiegen, ausgeschildert; Gefühlte Sicherheit: hoch; Kostenlos, ruhig, keine Versorgung, mittelprächtig-familiäre Termas.

8. San Agustin/Prov. Huila; “Camping San Augustin“; N001 53,327’/W076 16,782’ (WGS84); In San Augustín den Schildern zum Parque Arqueologico folgen, am Ortsausgang nach rechts auf die Erdstraße zur „“Finca El Maco“ abbiegen, nach ca. 100 m geht auf der rechten Seite eine kleine Steigung zum Camping hinauf; Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 18.000,-/Fahrzeug, ruhig, gute Sanitäranlagen, freundliche Betreiberfamilie, schöne Lage oberhalb San Augustín.

9. Aipe/Prov. Huila; Parkplatz des Hotels “Los Alpes“; N003 13,551’/W075 14,666’ (WGS84); Am nördlichen Ortsausgang an der Straße Neiva-El Espinal; Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 5000,-/Fahrzeug, ab 6 h morgens Verkehrslärm, keine Versorgung, wenn, wie in unserem Fall, alle Zimmer belegt sind.

10. Armenia/Prov. Quindio; “Hacienda Bambusa“; N004 23,967’/W075 46,519’ (WGS84); Von der Straße Calarca-Cali bei N004 28,601’/W075 42,530’ nach links auf eine kleine Asphaltstraße abbiegen und links halten, nach ca. 9 km erreicht man das Tor der Hacienda bei N004 25,300’/W075 45,680’, von dort sind es noch 4 (!) km bis zur Hacienda inmitten einer riesigen Bananen-/Ananasplantage; Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 40.000,-/Fahrzeug, sehr ruhig, exzellente Sanitäranlagen, luxuriöse kleine Hotelanlage in traumhafter Lage, umgeben von Kaffeepflanzungen, genau das Richtige zum Entspannen.

________________________________________________________________________________________________

Von der Kaffeezone an die Karibikküste

Weit ist es nicht bis zum nächsten Reiseziel, dem kleinen gemütlichen Ort Salento mit einer wirklich hübschen Plaza, flankiert von einer Kirche und bunten Häusern im Kolonialstil. Die eigentliche Attraktion dieser Gegend ist jedoch das oberhalb des Ortes gelegene Tal „Valle de Cocora“, wo der Nationalbaum Kolumbiens, die Wachspalme /palma de cera wächst. Mit ihren riesigen weißen Stämmen schießen die Palmen bis zu 60m in die Höhe, sowohl im offenen Grasland als auch in den Wäldern (Alexander von Humboldt, der ein paar Jahre vor uns hier war, sprach von einem „Wald über dem Wald“).

Wie überall in Kolumbien, gibt es auch hier eine starke Militärpräsenz, die die Sicherheit der Bevölkerung garantieren soll. Aber die Soldaten sind ausnahmslos sehr freundlich (was man von der Polizei nicht immer sagen kann, obwohl wir immer korrekt behandelt werden) und freuen sich über eine Abwechslung in Form von Touristen mit einem interessanten Auto. Vier Monate sind sie an einem Ort stationiert, bevor sie zum nächsten versetzt werden.

Die „Autopista de Café“ führt uns durch Pereira und Manizales auf der Ruta 50 nach Osten durch eine wunderschöne vegetationsreiche Landschaft. Es geht wieder einmal über einen 3.700 m hohen Pass, hinunter zum Río Magdalena, den wir bei Honda überqueren, um uns danach wieder bergauf zu schlängeln. Wir verlassen endgültig die Kaffeezone.

Da wir Großstädte nicht sehr mögen, beschließen wir, Bogota links (genau genommen rechts) liegen zu lassen und 25 km vor der Riesenstadt nach Norden abzubiegen. Bald darauf erreichen wir Zipaquirá, ein hübscher kleiner Ort, der für die Muisca-Kultur (700 bis 1.600 n. Chr.) das Zentrum der Salzgewinnung war, und das ist es für Kolumbien bis heute geblieben. Die Attraktion des Ortes ist die „Catedral de Sal (Salzkathedrale)“. Laut Eigenwerbung „Ein kolumbianisches Wunder, das man gesehen haben muss!“. Und das können wir bestätigen! Es handelt sich um den ausgebeuteten Teil einer Salzmine, die man durch einen langen Schacht betritt. Der unterirdische Weg führt an gigantischen Stollen und Kavernen vorbei, in die 14 Stationen des Kreuzwegs hineingearbeitet wurden. Der Höhepunkt der Besichtigung ist die mit 8.500 qm riesige, für 8000 Gläubige dimensionierte Kathedrale mit 3 Kirchenschiffen - 180 m unter der Oberfläche am tiefsten Punkt der Mine. Für den Ausbau wurden 250.000 to Steinsalz aus der Mine geschlagen und nach 5-jähriger Bauzeit wurde der Dom 1995 eröffnet, nachdem eine kleinere Vorläuferkirche wegen der drohenden Einsturzgefahr des Stollens geschlossen werden musste. Am Ende des Mittelschiffs steht der Altar mit einem 16 m hohen hinterleuchteten Kreuz. Wir sind sehr beeindruckt von der technischen und künstlerischen Meisterleistung!

Weiter im Norden bleiben wir ein paar Tage in zwei wunderschönen kleinen Kolonialdörfern hängen: Villa de Leyva und Baríchara. Kein Wunder, dass sich die Eroberer hier wohl gefühlt haben, denn in der bergigen, etwas trockenen Landschaft fühlen auch wir uns nach Spanien versetzt. Die koloniale Architektur trägt ihren Teil dazu bei. Wir genießen die ruhige entspannte Atmosphäre, den Café Tinto, leckere Mohrrübentorte und – man höre und staune – Glühwein! Überhaupt – kaum bekannt, verfügt Kolumbien über einige verborgene Kolonialkleinode, wie sie in den weiter südlich liegenden Ländern lautstark vermarktet werden. Sollte Kolumbien weiterhin stabil bleiben, wird sich das wohl auch hier bald ändern – ein guter Grund, das Land bald zu bereisen!

Kurz vor der Weiterreise erreicht uns eine Schreckens-E-Mail von der Horn-Linie aus Hamburg, mit der wir ab Cartagena uns und unseren Wagen nach 2 ¼ Jahren Südamerika wieder nach Hause bringen wollen: dass nämlich die Reederei ihren Dienst einstellt und die bereits von uns gebuchte und bezahlte Passage für den 1.11. storniert wurde. Das ist natürlich ein Schock! Was tun? Entweder weiter durch Mittelamerika nach Mexiko, die nächste Möglichkeit, legal ein Auto für längere Zeit stehen zu lassen, oder zurück nach Buenos Aires, was nur schlappe 8.000 km oder so entfernt ist. Wir gehen zum Nachdenken erst einmal einige Biere trinken! Nach 2 Tagen bietet uns die Horn-Linie (Frau Güttel sei Dank!) eine Alternative an: das Auto kann am 25.10. von Cartagena nach Antwerpen verschifft werden. Passagiere können jedoch erst ab Moin/Puerto Limon in Costa Rica zusteigen, da die wenigen Passagierplätze zwischen Cartagena und Moin bereits ausgebucht sind. Na, wir sind froh, dass es nun doch noch mit der Horn-Linie klappt, jedenfalls für das Auto und gehen zum Entspannen erst einmal einige Biere trinken! Für die Entscheidung, ob wir versuchen wollen, auf irgendeinem Wege zum Dazusteigen nach Moin zu kommen oder ob wir direkt von Cartagena nach Hause fliegen und das Auto unbegleitet verschiffen, können wir uns noch etwas Zeit lassen, so dass wir, erst einmal in Cartagena angekommen, in Ruhe alle Möglichkeiten eruieren können. Das unterscheidet wohl den Reisenden vom Touristen - auch mit Unvorhersehbarem fertig werden zu müssen. Außerdem wollen wir uns die noch verbleibende Zeit in Kolumbien nicht vermiesen lassen.

Aber jetzt geben wir Gas, denn wir wollen möglichst schnell an die Karibikküste. Die Ruta 45 führt uns an der Westseite der Cordillera Oriental entlang und später durch das fruchtbare weite Tal des Río Magdalena, der bei Barranquila in den Atlantik mündet. Nach 2 langen Fahrtagen erreichen wir bei Ciénaga die Küste und werfen unseren ersten Blick auf das Karibische Meer. Wir finden schöne Campingplätze an paradiesischen Kokospalmenstränden, die noch frei von klotzigen Hotelbauten sind. In diesen Tagen gesellen sich Simone und Marc aus der Schweiz zu uns, die wir vor 13 Monaten in Salta/Argentinien das erste Mal getroffen haben und die ebenfalls am 25.10. ihren Wagen der Horn-Linie übergeben werden. In den nächsten gemeinsamen Tagen geht uns der Gesprächsstoff nicht aus!

Wir haben es geschafft! In rund 2 Jahren haben wir den Halbkontinent Südamerika vom kalten Beagle-Kanal bis zur heißen Karibik der Länge nach durchquert. Wir finden, das ist eine stattliche Leistung und sind sehr stolz auf uns und auf unseren Unimog, der auf 45.000 km so manche Ruppigkeit über sich ergehen lassen musste!

 
In der Salz-Kathedrale von Zipaquirá  
Mehr Bilder gibt es HIER!!

Nachtplätze dieses Streckenabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

11. Salento/Prov. Quindio; Parkplatz des Restaurants “Bosques de Cocora“; N004 38,283’/W075 29,254’ (WGS84); Ca. 12 km östlich Salento im Valle de Cocora; Gefühlte Sicherheit: mittel bis hoch (Militärpräsenz, einerseits irritierend, andererseits beruhigend!); CoP 7000,-/Person, sehr ruhig, gute Sanitäranlagen, schöne Lage.

12. Fresno/Prov. Tolima; Parkplatz Cabañas/Restaurant “El Mirador“; N005 09,260’/W075 02,947’ (WGS84); Ca. 2 km westlich Fresno an der Straße Manizales-Bogotá; Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 3000,-/Fahrzeug, bis 22 h und ab 6 h laut durch viele LKWs, akzeptable Sanitäranlagen.

13. Zipaquirá/Prov. Cundinamarca; Parkplatz des Museo Arqueologico neben dem Eingang zum Parque de Sal; N005 01,274’/W074 00,401’ (WGS84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Kostenlos, ab 6h morgens laut durch Verkehrslärm, keine Versorgung.

14. Villa de Leyva/Prov. Boyacá; Camping San Jorge; N005 38,921’/W073 31,142’ (WGS84); Zufahrt ist gegenüber der Feuerwehr an der Av. Circunvalar, der westlichen Umgehungsstraße; Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 7000,-/Person, ruhig, sehr gute Sanitäranlagen, 30min Fußweg zur Plaza.

15. Barichara/Prov. Santander; Tankstelle am östlichen Ortseingang; N006 38,016’/W073 13,262’ (WGS84); Gefühlte Sicherheit: mittel (Tankstelle verwaist ab 20h); Kostenlos, keine Versorgung, die Toilette wurde von einem kalbsgroßen, aggressiven Hund „bewacht“, 20h bis 7h ruhig.

16. Aguachica/Prov. César; Terpel-Tankstelle ca. 4 km nördlich des Ortes; N008 20,406’/W073 35,707’ (WGS84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Kostenlos, zwischen 21 und 6h ruhig, akzeptable Sanitäranlagen.

17. Los Naranjos/Prov. Magdalena; Camping „Casa Grande Tairona“; N011 16,682’/W073 51,913’ (WGS84); Ca. 4 km östlich des Osteingangs zum Tairona Nationalparks, beschildert; Gefühlte Sicherheit: mittel bis hoch (reichlich Militär auf dem Platz!); CoP 10.000,-/Person, ruhig, Sanitäranlagen in der Woche gerade noch akzeptabel, am Wochenende ein Dreckloch, traumhafte Lage unter Kokospalmen (Vorsicht!) am Karibikstrand.

18. Country Club Tairona/Prov. Magdalena; Hotelanlage am Meer; N011 15,891’/W073 49,654’ (WGS84); Ca. 4 km östlich Camping „Casa Grande Tairona“ zweigt von der Hauptstraße nach Riohacha eine Piste ab und führt ca. 3 km durch eine Bananenplantage zur Küste (ausgeschildert); Gefühlte Sicherheit: hoch; CoP 50.000,-/Fahrzeug; Schöne Hotelanlage, die z. T. auch schon einmal bessere Zeiten gesehen hat, gute Sanitäranlagen in einer Cabaña, sehr ruhig, sehr schöne Lage an einer Flussmündung in die Karibik mit vielen Vögeln; Das Problem: der Manager hat in 24h vier Mal seine Meinung geändert, ob wir bleiben dürfen oder die Anlage verlassen müssen. Nach dem letzten Meinungswechsel haben wir unseren Sachen gepackt und sind abgereist. Vielleicht haben zukünftige Reisende, die dort anklopfen, mehr Glück.

19. Taganga/Prov. Magdalena; Parkplatz am Sportplatz, gegenüber dem „Bayview Hostel“; N011 15,992’/W074 11,286’ (WGS84); Gefühlte Sicherheit: hoch; Kostenlos, ruhig, der freundliche Besitzer hat uns ohne Entgelt die guten Sanitäranlagen des Hostel nutzen lassen.

20. Playa Blanca auf der Isla Barú/Prov. Bolívar; Parkplatz für Strandbesucher; N010 12,931’/W075 36,780’ (WGS84); Gefühlte Sicherheit: hoch (gegenüber einer kleinen Polizeistation); CoP 10.000,-/Fahrzeug, ruhig, keine Versorgung, ca. 200m bis zum sehr schönen Strand.

________________________________________________________________________________________________

Seit fast 2 Monaten sind wir nun in Kolumbien und ganz ohne Frage gefällt uns das Land sehr gut: Die Menschen sind sehr freundlich, geradezu begeistert, wenn sie Touristen treffen, es gibt wunderschöne, vielfach touristisch noch vollkommen unerschlossene Landschaften und traumhafte Kolonialstädtchen, die in Südamerika ihresgleichen suchen. So widersinnig es scheint: Wir fühlen uns hier in den Städten deutlich sicherer als in den weiter südlich liegenden Ländern, Argentinien und Chile einmal ausgenommen! Es war also eine gute Entscheidung, hierher gekommen zu sein!

Was bleibt noch? Cartagena steht noch auf unserem Besuchsprogramm. Darüber müssen wir noch berichten und natürlich auch darüber, wie wir und unser Vehikel schließlich nach Hause gelangt sind. Aus Zeitgründen muss das aber zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ein eigener kleiner Bericht werden.

 

Bis dahin grüßen Euch,
Bettina & Rolf

Playa Blanca/Kolumbien im Oktober 2009