Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Stockholm
 
 

( English Version by Google - Funny English that is ...!!)

Wohnmobil-Testfahrt in Südschweden - Juni/Juli 2011

Wie geplant, wird unser neues fahrbares Zuhause Anfang Juni reisefertig. Nichts geht über einen Test, und deshalb starten wir am 9. Juni zu einer 4 1/2-wöchigen Probereise über Dänemark nach Schweden. Schweden kennen wir bisher nur aus einem Winter-Kurzurlaub vor vielen Jahren und sind deshalb gespannt, was uns erwartet. Insbesondere aber sind wir gespannt, ob sich alle Ideen, die in den Aufbau unseres neuen Wohnmobils geflossen sind, auch wirklich bewähren!

Über Pfingsten besuchen wir unsere Freunde Sylvia & Thomas auf ihrem Stamm-Campingplatz auf der dänischen Insel Als, nordöstlich von Sonderborg. Nach einigen entspannten gemeinsamen Tagen geht es weiter in Richtung Schweden. Und zwar mit der Fähre über den Kleinen Belt, auf der gleichnamigen Brücke über den Großen Belt und auf der ebenfalls gleichnamigen Brücke von Kopenhagen nach Malmö über den Öresund. Die im Jahr 2000 fertig gestellte feste Verbindung nach Schweden ist 16 km lang, bestehend aus einem Tunnel, einer künstlichen Insel, zwei Zufahrtsbrücken und einer sehr imposanten Hochbrücke – ein Jahrhundertprojekt!

Schon unser erstes Ziel Ystad – die Stadt des „Kommissars Wallander“, der Hauptfigur in den Krimis von Henning Mankell – begeistert uns mit seiner hübschen kleinen Altstadt.

Nordöstlich von Ystad treffen wir dann auf die ersten der zahlreichen „alten Steine“ dieser Reise. „Ales Stenar“, eine Schiffssetzung, eine Steinsetzung in Schiffsform aus der Wikingerzeit. Die 58 Steinblöcke liegen in einer wunderschönen sanften Landschaft oberhalb der Steilküste. Über die Bedeutung streiten sich die Gelehrten – Kultplatz, Kalender oder Uhr?

Nur wenige Kilometer weiter östlich ist das 3000 Jahre alte Königsgrab in Kivik nicht weniger beeindruckend. Und der Kuchen in dem benachbarten Café ist einfach nur lecker. Hier sei angemerkt, dass wir niemals auf einer Reise so oft in mit Liebe eingerichteten kleinen Cafés gesessen und köstlichen selbst zubereiteten Kuchen verspeist haben!

Weiter geht es nach Karlskrona, das 1680 eigens zum Aufbau eines Flottenstützpunktes gegründet wurde. Auch heute noch ist die Stadt Basis der schwedischen Marine. Da ist natürlich der Besuch des Marinemuseums unumgänglich – interessant, aber auch deprimierend. Letztlich dreht sich alles immer nur um Macht, Strategien, Krieg und Waffen. Die vielen Menschen, die in diesem "Karussell" sterben mussten, bleiben unerwähnt.

Wir sind zum Mittsommer unterwegs, bis 22:30 h benötigt man zum Lesen kein Kunstlicht. Und deshalb möchten wir allen Lesefreunden eine unglaublich interessante, humorvolle Sommerlektüre empfehlen: „Nur keine Sentimentalitäten – wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte“ von Ernst Horst über Erika Fuchs, die ab 1951 die Texte der Micky-Maus-Hefte teilweise sehr frei übersetzt hat. Ein mit Witz geschriebenes Buch, fast schon ein Lexikon, natürlich mit Buchrücken in Entenschnabelgelb.

Was wäre Schweden ohne den Besuch einer Glashütte, z. B. „Kosta Glasbruk“, der Mutter aller Glashütten Schwedens, wo seit über 250 Jahren glühzähe Glasmasse geformt wird, und wir den Glasbläsern bei der Arbeit zusehen dürfen. Es ist schon erstaunlich, wieviel Schönes und Scheußliches sich aus Glas herstellen lässt! Nichts aber hat uns so fasziniert wie ein wunderschönes Glaswaschbecken mit eingegossenem (Glas-)Fisch. Leider haben wir unser Wohnmobil-Bad schon fertig eingerichtet!

Da wir nun nicht mehr weit entfernt vom Bolmen-See sind, besuchen wir Sylvia und Thomas, die sich dort gerade zur Fischpirsch aufhalten, noch einmal für einen schönen gemeinsamen Abend auf dem Campingplatz Balmsö.

 
     

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Wieder auf dem Weg zur Küste sehen wir uns im „Grönasons Älgpark/Elchpark“ einige stattliche Exemplare an. 300.000 Elche gibt es in Schweden, von denen jährlich 100.000 abgeschossen werden. Das ist sehr bedauerlich, aber die Elchsalami und -würstchen schmecken sehr gut.

Eine der ältesten Städte Schwedens ist Kalmar mit seinem beeindruckenden Schloss, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Und der hübsche alte Stadtkern auf der Insel Kvarnholmen lädt zum Bummeln ein. Kalmar ist der Ausgangspunkt für unseren Besuch der Insel Öland, die durch den Bau der 6 km langen Brücke seit 1972 mit dem Festland verbunden ist.

Öland (135 km lang, 10-15 km breit) wird gemeinhin auch "Schwedens Sonneninsel" genannt, und tatsächlich erleben wir sie so auch während unseres 8-tägigen Aufenthaltes.

Hier hat auch die Königsfamilie eine Sommerresidenz, und eigentlich sind wir auf Schloss Solliden mit Victoria auf einen Kaffee mit Erdbeertörtchen verabredet. Kurzfristig sagt sie den Termin jedoch aus "familiären Gründen" (der Vater, Ihr wisst schon ....) ab. Sehr schade, aber macht nichts. Öland hat auch sonst Vieles zu bieten, wie wunderschöne Stellplätze am Meer, traumhafte Fahrradwege, zahlreiche vorgeschichtliche und historische Kulturdenkmäler, darunter Runensteine aus der Wikingerzeit.

An einem besonders schönen Exemplar von Runenstein, dem „Karlevistenen“, zeigt uns die Welt wieder einmal, wie klein sie ist. Wir kommen mit 2 Paaren ins Gespräch, die lange in Südamerika gelebt haben. Und es stellt sich heraus, dass wir ihren Freund Bernardo Eggers aus Osorno/Chile, der das einzige Automuseum Südamerikas besitzt, 2008 auch kennen gelernt haben. Wir werden fotografiert, und dank Internet wird Bernardo uns und unser neues Auto morgen auf seinem Rechner sehen können.

Der Süden der Insel ist geprägt durch eine einzigartige Steppenlandschaft, die „Stora Alvaret“ (große baumlose Flächen mit extrem dünner Humusschicht), deren Flora sich aus alpinen, sibirischen und südeuropäischen Pflanzen zusammensetzt.

Nur schwer trennen wir uns von der Insel, u. a. auch wegen der absolut köstlichen Erdbeeren, und weil man hier noch am Geschmack erkennen kann, ob es sich um eine Tomate oder Gurke handelt.

     
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Über Västervik erreichen wir schließlich den nördlichsten Punkt dieser Reise, die Hauptstadt Stockholm, auch „Venedig des Nordens“ genannt. Tatsächlich liegt die Stadt auf 14 Inseln verteilt, ein Drittel der Stadtfläche ist Wasser – sauberes Wasser, denn am Fuß des königlichen Schlosses kann man angeblich Lachse angeln! Wir lieben das Bummeln durch die hübsche Altstadt mit ihren kleinen Geschäften und Cafés.

Aus der Vielzahl der Museen ragt das Vasa-Museum heraus. Die "Vasa", ein Kriegsschiff, sollte das Flaggschiff und der Stolz des Königs werden. Aber es kam ganz anders. Am 10. August 1628 sank das Schiff auf seiner Jungfernfahrt mitten im Hafen vor den Augen der entsetzten Stockholmer! Nach 333 Jahren auf dem Meeresgrund konnte das Wrack unter großem technischen Aufwand geborgen werden. Der Eichenrumpf war deshalb gut erhalten, weil es in der kalten Ostsee den Schiffsbohrwurm nicht gibt, der Holzgegenstände sonst schnell zerstört. Das im Museum ausgestellte restaurierte Schiff mit seinen geschnitzten und prachtvoll ausgeschmückten Skulpturen besteht zu 95 % aus Originalteilen. Wir sind sehr beeindruckt.

Natürlich ist auch eine Bootsfahrt in die einzigartige Schärenwelt vor Stockholm ein Muss. Rund 24.000 große, winzige und winzigste Inseln gehören dazu. Viele sind bewohnt, und wenn es auch nur ein Holzhaus mit einer Solaranlage ist. Um beim Insel-Hopping von einer auf die nächste Insel zu gelangen, müssen wir auch schon einmal selbst an die Ruder.

Nach 5 Tagen verlassen wir Stockholm, um wieder gen Heimat zu fahren. Von Trelleborg bringt uns die Fähre in 7 Std. nach Travemünde. Wir sind wieder daheim, was wir spätestens an den schlechten Straßen und den ungepflegten Städten erkennen.

„Ich wohne in dem schönsten Land der Welt“, hat Astrid Lindgren gesagt. Und auch wir können nach 4 Wochen in Südschweden sagen, dass zumindest dieser Teil des Landes uns sehr gut gefallen hat. Sicherlich hat auch das fantastische Wetter seinen Teil dazu beigetragen.

     
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Und wir haben festgestellt, dass es nicht zwangsläufig ein anderer Kontinent sein muss, um wunderschöne, abwechslungsreiche Natur zu erleben und interessante Kulturstätten kennen zu lernen. Was nicht heißen soll, dass wir uns nicht nach ein bisschen mehr Exotik schon sehnen ......

Unser neues Wohnmobil hat sich hervorragend geschlagen, nur Haken, davon gibt es zu wenig, aber der Kleber ist schon angerührt ....!

Viele Grüße, Bettina & Rolf ( Maschen, Juli 2011)