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Vereinigte Arabische Emirate/Dubai - Oktober/November 2011

Nach unserer fünfwöchigen Probefahrt nach Schweden stellt sich uns die Frage „Wohin während der grauen Jahreszeit?“ Nach unserer Rückkehr aus Südamerika im November 2009 wollen wir auf keinen Fall einen dritten Winter in Hamburg verbringen. Wir fassen die Winterfluchtziele Marokko, Griechenland und Türkei ins Auge, leider alles keine Länder, die im Dezember/Januar den Wärmesucher betören können! Und deshalb fällt unsere Entscheidung auf die Emirate und den Oman. Unsere ursprüngliche Absicht, von Italien nach Israel zu verschiffen und durch Israel, Jordanien und Saudi-Arabien in die Emirate einzureisen, verwerfen wir aufgrund der im September erneut aufflammenden Unruhen in Israel. Kurzer Hand schicken wir Mitte September unser Fahrzeug von Bremerhaven per Schiff nach Dubai auf die Reise und fliegen selbst Mitte Oktober hinterher. Und nun sind wir bereits seit 4 Wochen in den aus 7 Emiraten bestehenden Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterwegs, und es wird Zeit, über unsere bisherigen Erlebnisse zu berichten!

Begonnen haben wir unsere Reise im hypermodernen Dubai. Mit Hilfe von Freunden (Danke Hans, Danke Michel!) können wir unser Fahrzeug nach nur 3 Tagen wohlbehalten aus dem Hafen holen und vom Hotelbett ins eigene wechseln. Einen schönen Standplatz unweit des Stadtzentrums finden wir an der Jumeirah Beach. Bettina kann es kaum erwarten, in den Persischen Golf zu springen – herrlich klares, warmes Wasser, weißer Strand, Muscheln. Das selbst auferlegte Souvenir-Sammelverbot wird umgehend wieder aufgehoben. Bei so schönen Exemplaren kann doch kein Mensch widerstehen! Die Lebensmittelversorgung ist auch kein Problem. In den gut sortierten Supermärkten gibt es alles, was das Herz begehrt – bis hin zu Fleischwaren aus Schweinefleisch! Alkohol allerdings ist nicht frei käuflich! Beim Erkunden der Stadt stellen wir fest, dass Dubai voller Superlative und Kontraste ist. Es ist alles überdimensional, einfach immer ein paar Nummern zu groß – ob Hochhäuser, Einkaufszentren oder Strassen. Und alles ist ein bisschen wie Disneyland mit einem gehörigen Schuss Größenwahn. Aber beeindruckend ist es schon, was hier in den letzten 60 Jahren mit Ölgeld aus dem Wüstenboden gestampft wurde. Mit der Krise 2008/2009 wurde das Geld allerdings auch in Dubai knapp. Um das mit über 800 m bis 2009 höchste Gebäude der Welt, den Wolkenkratzer „Burj Dubai“ fertig stellen zu können, bedurfte es einer „kleinen“ Finanzspritze aus Abu Dhabi. Der Spender, Sheikh Khalifa, Herrscher von Abu Dhabi und Staatsoberhaupt der Emirate ließ es sich anschließend nicht nehmen, das kleine Dingelchen in „Burj Khalifa“ umzubenennen! Was muss Dubais Herrscher Sheikh Al Maktoum geflucht haben! Auch die Arbeiten an drei weiteren künstlichen Rieseninseln, die vor der Küste zusätzlich zu der bereits fertig gestellten Insel „Palm Jumeirah“ entstehen sollten, sind vorerst auf Eis gelegt. Und so holt sich das Meer die Millionen Kubikmeter bereits aufgeschütteten Sandes und Gesteins langsam wieder zurück!

Es gibt auch noch ein wenig altes Dubai zu beiden Seiten des Dubai Creek zu bestaunen, eine 12 km lange natürliche Lagune. Grosse hölzerne Dhaus liegen hier vor Anker. Auf der Südseite die als „Floating Restaurants“ dienenden Touristenfallen, auf dem Nordufer die Arbeitsschiffe, die trotz moderner Containerschiffe auch heute noch in dem Dreieck Golfstaaten-Ostafrika-Südasien eine bedeutende Transportrolle übernehmen. Die Kais sind so voll, dass die Schiffe in Päckchen nebeneinander liegen müssen - zum Ent- und Beladen der Waren, was hier immer noch zum größten Teil durch Menschen erledigt wird. Mehrfach überqueren wir den Creek mit den kleinen Abras (Wassertaxis), was für uns immer wieder ein tolles Erlebnis ist. Und hier am Creek gibt es tatsächlich inmitten des Stadtlärms noch eine Oase der Ruhe: Das alte Bastakia-Viertel mit seinen bis zu 15 m hohen Türmen, die frischen Wind in die Häuser und warme Luft nach oben ableiten. In den engen, verwinkelten Gassen des riesigen Souq-Gebietes auf beiden Seiten des Creeks gibt es ein vielfältiges Warenangebot, wobei der Goldsouq im wahrsten Sinne des Wortes das Glanzstück ist. Alles glitzert und funkelt. Dubai importiert ca. 10 % der Weltgoldproduktion und re-exportiert jährlich rd. 30 Tonnen des edlen Metalls. Hauptabnehmer, man höre und staune, sind die Fremdarbeiter aus Südasien, die den nach Gewicht verkauften Goldschmuck zur Daseinsvorsorge an die zu Hause gebliebenen Familien schicken.

Auch im Straßenbild zeigen sich die Kontraste zwischen Moderne und Tradition. Die prachtvoll-distinguiert aussehenden Frauen in ihren Abayas (schwarzer Frauenumhang) und die Männer in ihren Dishdashas (einfarbiges, meist weißes Männergewand) inmitten einer supermodernen Stadtumgebung haben schon etwas Exotisches. Und die Moscheen und die Rufe des Muezzins (pünktlich um 5 Uhr morgens!) erinnern unweigerlich an die Märchen aus 1001 Nacht.

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Dubai: Strand südlich Jumeirah Beach Park; N25 11,701/E55 13,950 (WGS84); keinerlei Versorgung, unter der Woche ruhig, sicher

     

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Vereinigte Arabische Emirate/Liwa-Oasen - Oktober/November 2011

Nach einer Woche haben wir genug von der Stadt der Superlativen und wollen endlich aufs platte Land - „in die Wüste“. Im Emirat Abu Dhabi, ca. 240 km südwestlich von Dubai, beginnt die „Rub al-Khali“, das „Leere Viertel“, die grösste zusammenhängende, nahezu menschenleere Sandwüste der Welt. An ihrem Nordrand liegen die Liwa-Oasen, eine Kette aus über 50 kleinen Oasen, die sich über 100 km von West nach Ost erstreckt. Die Unterschiede zwischen Dubai und dem hier noch ländlich geprägten Leben sind riesig. Wobei die meisten Oasenbewohner heutzutage keine Emiratis, sondern ebenfalls Fremdarbeiter sind. Inzwischen beträgt der Anteil der Fremdarbeiter in den VAE über 80 %, davon sind 70 % Inder, es folgen Pakistanis, Ägypter, Philippinos und Europäer – insgesamt, nach Angabe der VAE, 146 verschiedene Nationen! Ohne die Fremdarbeiter wäre das Land aufgeschmissen. Und an sehr vielen Orten glauben wir uns auch eher in Südasien als in Arabien!

Auf dem Weg zu den Liwa-Oasen liegt das „Emirates National Auto Museum“ von Shaik Hamad. Neben allen möglichen unsystematisch zusammengetragenen Autos stehen hier der weltweit größte Allradwagen und Wohnanhänger. Eher eine Kuriositätensammlung als ein Museum. Was die Scheichs sich so alles haben einfallen lassen! Ab jetzt verläuft die zweispurige sehr gute Strasse durch ein endloses Sandmeer mit bis zu 300 m hohen Dünen nach Süden. Aus den hier liegenden Ölfeldern werden riesige Mengen des schwarzen Goldes gefördert. Auch diese Straße durch eine reine Sandlandschaft verläuft – typisch Emirate – in einem begrünten Korridor, natürlich alles künstlich bewässert. Das Wasser wird mit hohem Energieaufwand aus Meerwasser gewonnen und in die fernsten Winkel des Landes transportiert.

In der Oase Mizaira’a decken wir uns mit Wasser, Lebensmitteln und Datteln ein, bevor wir uns in den Sandkasten schlagen. Schon die Anfahrt ist atemberaubend – Dünen soweit das  Auge reicht, in einer unendlichen Formenvielfalt. Die Farbe wechselt mit der Tageszeit und der Beschaffenheit des Sandes von eher hell, fast weiß, bis tieforange. Der Wind schafft feine Muster auf der Oberfläche – einfach wunderschön! Natürlich heißt es jetzt immer „Reifendruck reduzieren“, bevor es in den Sand geht - und unser neues Spielzeug macht sich gut im Sand! Für immer noch im Sandkastenalter verharrende Allradfahrer ist das hier ein Paradies.

Wir genießen die Tage der Stille und den Sternenhimmel am Abend. Und wir haben uns zwischenzeitlich auch an das Bier ohne Alkohol gewöhnt. Das ist sowieso viel gesünder .....! Schöne Standplätze finden wir am Rande von Sabkhas (Salzebenen), umgeben von mächtigen Dünenfeldern, in kleinen Oasen oder auf Kamelfarmen.

Der legendären Gastfreundschaft dieses Landes begegnen wir immer wieder. Ob auf einer Kamelfarm, als der Besitzer der ca. 150 Kamele uns frische Kamelmilch und Obst überreicht und die Hirten uns zum Frühstück Kaffee, Mandeln, Cracker und eine Schale mit Wasser bringen oder Emiratis, die uns im Fall der Fälle ihre Hilfe anbieten und kleine Geschenke überreichen. Wir sind sehr berührt und revanchieren uns mit Typischem aus Hamburg, wie (süße) „Möweneier“ oder „Kieselsteine“.
Aber auch die Fremdarbeiter sind freundlich und hilfsbereit. In Gesprächen betonen sie immer, dass sie aufgrund ihrer hier gegebenen wirtschaftlichen Besserstellung, insbesondere aber auch wegen der Sicherheit für sich und ihre Kinder auf jeden Fall hierbleiben möchten. Und auch wir können bis jetzt bestätigen, dass wir uns in 45 Jahren Fernreisen noch in keinem Land so sicher gefühlt haben wie hier in den Emiraten!

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Hamim/Liwa-Oasen: Sabkha an der Straße zum Qasr Al Saral Resort; N22 54,265/E54 17,153 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Nördlich der Moreb-Düne/Liwa-Oasen: an der tiefsandigen Piste zu einer Kamelfarm; N23 01,995/E53 46,948 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Arada/Liwa-Oasen: in den Oasengärten; N23 02,106/E53 21,971 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Westlich Arada/Liwa-Oasen: an der tiefsandigen Piste zu einer Kamelfarm; N23 02,106/E53 21,971 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

An der Moreb-Düne/Liwa-Oasen: Parkplatz für Dünenbesucher, bei Sturm etwas weniger Sand und Staub in der Luft; N23 01,995/E53 46,948 (WGS84); am Wochenende sind Restaurants und Kioske in Betrieb, sonst keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

 
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Vereinigte Arabische Emirate/Al Ain und Ostküste - November 2011

Nach vielen Tagen verlassen wir nun die Liwa-Oasen bei Hamim, um durch die Wüste, entlang der saudischen und omanischen Grenze nach Al Ain zu gelangen. Von der Strecke wird uns jedoch abgeraten. Der Weg wäre schwer zu finden und führe durch ein Sperrgebiet an der Grenze zu Saudi-Arabien. Aber wir haben mal wieder Glück. Zwei jordanische Ingenieure, die ebenfalls in unsere Richtung wollen und für den Ölkonzern ADCO arbeiten, bieten uns an, uns 70 km durch das für Fremde gesperrte Konzessionsgebiet zu führen - und zwar in einem ziemlichen Tempo, denn sie fahren einen Pickup, und Rolf muss unsere 10 Tonnen hinter ihnen her dreschen. Und so gelangen wir in das Dreiländereck Emirate/Saudi-Arabien/Oman. Dankbar verabschieden wir uns von unserer Begleit-Crew, denn ab hier dürfen wir wieder frei fahren. Es wird schon dämmerig, die Grenznähe ist uns irgendwie unheimlich, und deshalb fragen wir bei einer Kamelfarm freundlich an, ob wir hier die Nacht verbringen dürfen. Dem wird freundlich stattgegeben, und wir bleiben glatt zwei Tage hängen. Wir freunden uns mit Hütern und Tieren an. Nach anfänglicher Vorsicht merken wir schnell, dass die Kamele gar nicht aggressiv sondern nur neugierig sind. Sie schnüffeln und schnauben und stubsen ganz vorsichtig mit ihrer Oberlippe an uns und unseren Kameras herum und sind einfach total süß. Ein aufregendes und einmalig schönes Erlebnis.

Dann geht es weiter nach Norden, immer sehr dicht an der Grenze zum Oman entlang. Hier sehen wir zum ersten Mal den massiven Grenzzaun, der die gesamten Emirate auf der Landseite umgibt und folgen ihm über viele Kilometer! Schließlich erreichen wir Al Ain am Fuße der Hajar-Berge und zweitgrößte Stadt Abu Dhabis. Der hier hoch liegende Grundwasserspiegel wird schon seit Jahrhunderten für den Anbau von Dattelpalmen genutzt, und schon weit vor der Stadt erstrecken sich grosse Dattelpalmenhaine. Die für ihre Qualität wohlbekannten Datteln, von der wir uns persönlich überzeugen, sind auch heute noch Al Ains wichtigster Exportartikel.

Unser erstes Ziel ist der 20 km vor dem Stadtzentrum liegende Jebel Hafeet. Über die 15 km lange Serpentinenstrasse fahren wir hinauf bis auf 1063 m Höhe mit einem guten Ausblick über die Oase, die Wüste und die Hajar-Berge und genießen die ca. 5 Grad niedrigeren Temperaturen. Etwas unterhalb des Gipfelplateaus finden wir auf einem Parkplatz einen Standplatz und hoffen auf eine ruhige Nacht über der Stadt. Aber weit gefehlt! Wir sind mitten im viertägigen muslimischen „Eid al Adha“-Fest, das große Opferfest zur Hajj, zur Pilgerfahrt nach Mekka. Und es wird ausgiebig gefeiert. Binnen Kurzem sind wir von Fahrzeugen umringt, aus denen laute indische/pakistanische/sri-lankanische/bangladeshi/…… Musik dröhnt, zu der traditionelle Tänze aufgeführt werden. Emirates sind kaum zu sehen, nur Fremdarbeiter ….. und wir! Da hilft nur eines: mitfeiern. Trotz der kurzen Nacht - an Schlaf ist nicht zu denken - ein hochinteressantes Erlebnis. Und – nirgendwo kann man süd(ost)asiatisches Volksgut unbehelligter studieren als in den Emiraten!

In Al Ain finden wir einen guten Standplatz auf dem Parkplatz des Zoos, um von hier aus per Taxi die auffallend gepflegte und hochhausfreie Stadt zu erkunden. Und es gibt viel zu sehen: Wir besuchen das Al Ain-Palastmuseum, das ehemalige Wohnhaus des Staatsgründers „Sheikh Zayed bin Sultan al-Nahyan“. Das ist nur die Kurzform seines Namens, der vollständig lautet „Sheikh Zayed bin (= Sohn von) Sultan (Vater) bin Khalifa (Großvater) bin Zayed (Urgroßvater) Al-Nahyan (Familie) Falah (Stamm)“. Die Dynastie der Al-Nahyan-Familie geht zurück bis 1793. Ab 1971 regierte der Sheikh, der 2004 starb, die maßgeblich durch ihn neu gegründeten VAE und vermochte als bis heute hochverehrter „Friedenspräsident“ so manchen Schwelbrand in der arabischen Welt zu löschen.

Direkt neben dem Palast liegt im Stadtzentrum ein riesiger Dattelpalmenhain. Im Schatten des Dattelwaldes lassen wir uns durch die gepflegten Gärten treiben und genießen mitten in der Stadt diese Oase der Ruhe. Im Schatten der ausladenden Palmwedel gedeihen Bananen, Orangen und Zitronen und auf dem Boden Futtergräser für Tiere und Gemüse - ein ausgeklügeltes Anbausystem in drei Etagen. Das Al Ain-Nationalmuseum beim Sultan bin Zayed-Fort gibt uns einen Überblick der Landesgeschichte, -traditionen und -kultur und zeigt alte Schwarz-Weiß-Fotos aus den 60er Jahren. Unglaublich, was sich in den 50 Jahren verändert hat!

Auf dem riesigen Gelände des Tiermarktes im Stadtteil Mezyad stehen die Tiere in modernen Stallungen und warten auf Käufer. Ein Souq für Futtermittel und alles, was das Tier braucht, schließt sich an. Und gleich dahinter - mal wieder so ein typischer Emirate-Kontrast - die superduper Bawadi-Mall, ein Riesenkomplex aus Einkaufszentrum und Freizeitpark, in dem u. a. ein „Fun Ski Village“ die Attraktion ist. Selbst die jungen Frauen in ihren gerafften Abayas (und was trägt die emiratische junge Dame von Welt darunter? Jeans natürlich!) haben einen Mordsspaß daran, in einem Gummiboot die „Rodelbahn“ hinunterzurasen.

Wir verlassen Al Ain Richtung Norden, queren das Emirat Sharjah, um von Dibba im Emirat Fujairah (sie haben eben 7 davon!) an der Küste nun des Indischen Ozeans wieder Richtung Süden zu fahren. Fujairah erstreckt sich längs der Küste des Golfs von Oman und wird im Westen durch die mächtigen Hajar-Berge begrenzt. Landwirtschaft und Fischfang sind die Haupterzeugnisse der Region.

Neben dem Sandy Beach Ressort gegenüber der kleinen Felseninsel „Snoopy Island“ (die wirklich dem liegenden Snoopy ähnelt) finden wir einen schönen Platz am Strand. Baden, Schwimmen und Schnorcheln sind angesagt. Ruhig ist es hier allerdings auch nicht. Was wir inzwischen gelernt haben: Nichts muss ein Christ in den muslimischen Emiraten so sehr fürchten wie das Wochenende! Dann strömen ganze Familienhorden an Plätze wie diesen, wo man sich zum Picknick niederlässt, sehr lautstark Musik hört (jede Familie natürlich eine andere), tanzt, mit Bikes/Quads/Buggies/Geländewagen, eben alles was Krach macht, den Strand umpflügt und nach dem Abzug eine gigantische Müllhalde hinterlässt. Irgendein Pakistani wird schon kommen und aufräumen. Und so ist es auch. Man kann die Sache natürlich auch positiv sehen: der Pakistani hat einen Job. Und wir passen uns mit Ausnahme der Müllbehandlung wieder an und feiern mit. Schlafen können wir in der nächsten Nacht.

Unser nächstes Ziel ist nicht weit entfernt. Es geht an der Küste entlang Richtung Süden bis nach Khor Kalba, das wieder zu Sharjah gehört. Hinter dem Ort führt eine Brücke über einen Creek zum größten Mangrovensumpf der Emirate. In der Lagune leben viele Krabben und Krebse, die wir bei Ebbe gut beobachten können. Reichlich große Fische springen herum und viele Vögel überwintern und leben hier, darunter Reiher und Eisvögel. Auf unseren Spaziergängen am Kilometer langen Sandstrand beobachten wir Fischer, die ihre ca. 2 km langen Netze mit Booten ausbringen und mit alten Toyotas (für Kenner: FJ45-Pickups) per Seil wieder einholen. Die Reiher warten schon auf den Fang. Der Platz hier ist wunderschön, besonders abends bei Sonnenuntergang mit Blick auf die Lagune, dahinter die Moschee und die Hajar-Berge im Hintergrund. Auch hier lernen wir wieder sehr freundliche, aufgeschlossene Emiratis kennen. Vier junge Damen in ihren Abayas erlauben uns, sie zu fotografieren, aber – modern, wie sie sind: „Keine Veröffentlichung unserer Gesichter im Internet!!“.

Auf unserem Weg wieder zurück in den Norden, zur Oman-Exklave Musandam an der Nordspitze der Arabischen Halbinsel machen wir einen Abstecher zum alten Herrscherpalast des Sharquiyin-Stammes im wunderschönen grünen Wadi Hayl. Es ist unglaublich, wie die Vorväter es vermochten, mit einfachen Be- und Entlüftungstechniken angenehm kühle Temperaturen in den Wohngebäuden herzustellen.

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Ca. 150 km südlich Al Ain: Kamelfarm; N22 40,451/E55 08,011 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Al Ain: Parkplatz auf dem Jebel Hafeet; N24 04,558/E55 46,393 (WGS84); keinerlei Versorgung, an Feiertagen und Wochenenden sehr laut, sicher

Al Ain: Parkplatz des Zoos; N24 10,755/E55 44,178 (WGS84); keinerlei Versorgung, nach 23h ruhig, sicher

Südlich Dibba/Ostküste: Öffentlicher Strand Sandy Beach neben "Sandy Beach Resort"; N25 29,699/E56 21,693 (WGS84), keinerlei Versorgung, am Wochende laut, sicher

Südlich Khor Kalba: Mangroven-Schutzgebiet; N25 00,698/E56 21,771 (WGS84), keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

   
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Das war nun vorerst die letzte Sehenswürdigkeit in den Emiraten, denn unsere Emirate-Visa sind nach 30 Tagen abgelaufen. Für den Liebhaber einsamster Natur sind die Emirate vielleicht nicht erste Wahl. Uns aber hat die Mischung aus Tradition, Zukunft, und das erstaunlich harmonische Völkergemisch ausnehmend gut gefallen! Und erst das Klima - traumhaft! Über das Emirat Ras Al-Khaimah reisen wir längs der Golfküste nach Norden, wo wir bei Tibat die Grenze zum Oman überqueren. Doch darüber im nächsten Bericht mehr!

Viele Grüße und as-salam 'alaykum, Bettina & Rolf (Khasab/Oman, November 2011)