Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
       
   
 
 
 
 
  
 
 
       

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Oman/Exklave Musandam - November 2011

Zuletzt hatten wir aus den Emiraten berichtet. Und nun sind wir im Oman angekommen, genauer gesagt in einer Exklave des Omans, in Musandam an der nordöstlichen Spitze der Arabischen Halbinsel und durch die Vereinigten Arabischen Emirate vom Hauptland Oman getrennt. Nur ca. 80 km gegenüber, auf der anderen Seite der „Strasse von Hormuz“ liegt der Iran. Erst 1970 wurde Musandam im Rahmen eines Grenzabkommens mit den VAE völkerrechtlich dem Oman zugeschrieben.

Der Grenzübergang in Tibat ist problemlos und in je einer halben Stunde erledigt, eine Kfz-Versicherung können wir direkt an der Grenze abschließen. Uns erwartet eine spektakuläre Küste. Auf der einen Seite das türkisfarbene Wasser des Arabisch-Persischen Golfs, auf der anderen Seite die steil aufragenden Kalksteinwände des Hajar-Gebirges. Nur 40 km hinter der Grenze finden wir kurz vor Khasab einen super Standplatz an der Bassa-Beach mit Blick auf die umliegenden Berge und die im Meer ankernden alten Dhaus.

Khasab, der mit 20.000 Einwohnern größte Ort Musandams, erscheint uns zunächst uninteressant. Aber auch hier ergeht es uns wie schon häufiger mit anderen Orten: Je besser wir uns auskennen, wissen, wo die Einkaufsmöglichkeiten sind, wo es eine Wäscherei gibt und wo man gemütlich Tee trinken kann, desto symphatischer wird der Ort. Am nördlichen Ortsrand liegt das von den Portugiesen im 17. Jh. errichtete, sehr schön restaurierte und markante Fort. Vor 20 Jahren befand es sich noch direkt am Wasser. Durch Landaufschüttung zur Hafenerweiterung wanderte es jedoch ins Landesinnere, so dass nunmehr statt des prachtvollen Forts beim Einlaufen in den Hafen ein riesiger LuLu-Supermarkt als Landmarke sichtbar wird. Der Hafen wird immer noch erweitert, inzwischen können auch große Kreuzfahrtschiffe hier einlaufen. Und der Hafen hat sich im Laufe der Jahre zu einem Schmugglernest entwickelt. Vom nur ca. 80 km entfernten Iran kommen kleine offene Schnellbooten nach Khasab, um hier all die Waren zu kaufen, die im Iran rar, teuer oder verboten sind. Der alte Souq von Khasab hat sich voll auf diesen Handel eingestellt. Der Oman billigt diesen Handel, Schmuggel wird es erst mit Überschreiten der Seegrenze des Irans. Die Schnellboote fahren meist im Pulk, so dass sie sich bei Kontrollen an der iranischen Küste blitzartig zerstreuen können und evtl. nur ein Boot verloren geht. Das Ganze muss sich lohnen, denn täglich kommen unzählige Boote übers Meer und fahren schwerbeladen nach 12 Stunden wieder zurück.

Und aufs Meer hinaus wollen wir natürlich auch. Und so buchen wir eine Tagestour auf einer alten Dhau. Wir haben Glück, wir sind nur 5 Passagiere und 2 Besatzungsmitglieder, so dass wir richtig viel Platz haben auf dem mit Teppichen und Kissen ausgelegten Deck. Die Fahrt führt uns in den 16 km langen Fjord „Khor Ash Sham“, der von steil aus dem Meer aufragenden Bergen umgeben ist und deshalb auch den Beinamen „Norwegen Arabiens“ trägt. Wir passieren kleine, weit abgelegene Ansiedlungen in den Buchten, zu denen es keine Straßenverbindung gibt. Die Menschen werden von der Regierung kostenlos mit Trinkwasser versorgt, die Kinder werden mit Booten sonntags abgeholt, nach Khasab zur Schule und mittwochs zum Wochenende wieder nach Hause gebracht.

An zwei Plätzen haben wir Gelegenheit zum Schwimmen und Schnorcheln, wobei die Unterwasserwelt eher enttäuschend ist: die Korallenriffe haben, aus welchen Gründen auch immer, stark gelitten. Trotzdem haben wir viel Spaß beim Schwimmen in dem glasklaren, warmen Wasser. Und ein tolles Erlebnis sind die vielen, direkt neben dem Boot schwimmenden Delfine. Die Bootsführer wissen, wie sie die verspielten Tiere locken können: Sie beschleunigen, stoßen gellende Pfiffe aus, und die Delfine haben offensichtlich Freude daran, mühelos mit dem Boot mitzuhalten oder es zu überholen. Unglaublich, wie sie scheinbar ohne sichtbare Bewegung von Schwanz- oder Seitenflossen durchs Wasser schnellen. Vollends zufrieden mit dieser Tour lassen wir auf der Rückfahrt noch einmal die gewaltigen Felsformationen dieser tollen Landschaft auf uns wirken.

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Khasab: Bassa-Beach beim Golden Tulip Resorts; N26 12,736/E56 14,248 (WGS84); öffentliche Toilette, unter der Woche ruhig, sicher

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Nach einigen Tagen fahren wir weiter, um die Umgebung von Khasab zu erkunden. Die erste Station ist Khor Najd, die einzige Bucht, die über einen Bergrücken auf einer Piste zu erreichen ist. Nur ein paar Fischerboote gibt es hier, und für ein paar Tage haben wir diese wunderschöne Bucht ganz für uns allein – von gelegentlichem Ziegenbesuch einmal abgesehen. Schwärme von großen Fischen springen aus dem Wasser, und es kommt auch mal eine Schildkröte vorbeigeschwommen.

Aber dann kommt das Wochenende und mit ihm die Nähe liebenden Menschen! Das Zelt wird direkt neben unserem Fahrzeug aufgestellt und die Ausrüstung aufgebaut: Zelte, Klozelt, Generator mit vielen Metern Kabel für die abendliche Festbeleuchtung per Scheinwerfer, Schläuche zum Anschließen an den hier vorhandenen Wassertank, Teppiche, Tische, Stühle, einen Drahtzaun für die „Küche“ als Schutz gegen Ziegen …. Unglaublich! Die Aufgabe des Muezzins übernimmt gegen Abend einer der älteren Herren. Da die Gewässer hier sehr fischreich sind, haben natürlich auch alle Boote und Angelausrüstungen dabei, die vor dem Frühstück am nächsten Tag zum Einsatz kommen. Und unsere Camper sind sehr erfolgreich: Neben 35 cm-"Winzlingen" wird auch eine riesige Königsmakrele gefangen.

Uns wird es zu eng und wir fahren weiter zum höchsten Berg Musandams, zum 2.087 m hohen Jebel Harim. Wir folgen einer Piste, die spektakulär durch die Berge bis Dibba an der Südgrenze der Exklave führt. Oberhalb des Wadi Khasab geht es steil den Wadi-Rand hinauf, vorbei an steilen Felswänden und riesigen herabgestürzten Felsbrocken. Hoffentlich stürzt nicht gerade jetzt ein weiterer herunter! Nein, Glück gehabt!
Unterbrochen von zwei Plateaus geht es immer weiter bergan, bis wir ca. 400 m unter dem Gipfel des Jebel Harim einen Platz für die Nacht finden. Kalt ist es hier, nur noch 18 Grad. Aber es bietet sich uns ein fantastisches Panorama auf die Felsformationen und das tief unter uns liegende breite Tal des Wadi Al-Bih. Die Wände der Schluchten fallen fast senkrecht 1000 m ab. Was sich hier an Gestein im Laufe von Jahrmillionen ineinander und übereinander geschoben hat, ist unvorstellbar. Kleine Einzelgehöfte und Terrassenfelder, die auf den Regen warten, erscheinen winzig von hier oben.

Am nächsten Tag schlängeln wir uns auf der Piste hinunter in das Wadi Al-Bih, das wir in alle Richtungen erkunden. Leider ist die Piste nach Dibba für uns Ausländer ab hier gesperrt. Nach Osten führt eine Piste zur Rawdah Bowl, einem von Bergen eingeschlossenen Kessel von 5 km Durchmesser. Dank eines unterirdischen Wasserreservoirs sind die Einwohner des Ortes von Wasserlieferungen der Regierung unabhängig. Auch „gedeiht“ deshalb hier der größte Akazienwald Omans, dem die bis in die Bäume kletternden Ziegen allerdings heftig zusetzen. Ein schöner Platz zum Bleiben. Der Boden ist jetzt staubtrocken, aber die geringste Regenmenge wird diese Ebene in ein Schlammloch verwandeln. Wir achten daher sehr auf dunkle Wolken, die bedrohlich näher kommen, sich aber wieder verziehen.

Der nächste Tag beschert uns wieder blauen Himmel, und wir geniessen auf der Rückfahrt nach Khasab noch einmal die unglaublich beeindruckende Bergkulisse in vollen Zügen.

Heute ist der 1. Advent. Unsere Spieluhr spielt, und Bettinas Mädelsgruppe mit Männern singt uns per Telefon von zu Hause einen weihnachtlichen Gruss „In der Weihnachtsbäckerei“. Bei immer noch 20 Grad um 22:30 Uhr trinken wir aber doch lieber ein alkoholfreies Bier statt Glühwein!

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Khor Najd: in der Umgebung Khasabs die einzige über eine Piste zugängliche Bucht am Golf von Oman; N26 05,847/E56 19,930 (WGS84); Wassertank, unter der Woche ruhig, sicher

An der Khasab-Dibba-Piste ; N25 56,334/E56 13,922 (WGS84); ruhig, sicher

Rawdah Bowl: im Akazienwald; N25 51,514/E56 16,539 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

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Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben - sprich, wir haben bislang nur einen winzig kleinen Teil vom Oman gesehen. Unser Eindruck bisher: die Menschen sind noch freundlicher als in den Emiraten und auch das Gefühl hoher Sicherheit hat uns hier nicht verlassen! Ein paar Tage wollen wir nun noch in Khasab am Strand bleiben, bevor wir uns wieder Richtung Süden ins Oman-Mutterland aufmachen. Mehr darüber dann im nächsten Bericht!

Viele Grüße und as-salam 'alaykum, Bettina & Rolf (Khasab/Oman, November 2011)