Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
       
   
 
 
 
 
  
 
 
   

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Oman - Dezember 2011

Von Sur nach Masirah

Von nun an werden wir ab Sur ca. 1000 km der Küste bis Salalah in Omans tiefen Süden folgen. Doch zunächst fahren wir nach Ras al-Jinz. Von sieben noch existierenden Meeresschildkröten-Arten kommen fünf zur Eiablage an die omanischen Küsten. Hier an dem 50 km langen Abschnitt um Ras al-Jinz sind es die "Grünen Meeresschildkröten“. Wir melden uns im Schutz- und Besucherzentrum zu einer Tour an, die um 04:30 h beginnt, d. h. also, seeehr früh aufstehen. Und wir haben wieder einmal Glück. Wir sind nur vier Besucher, und es herrscht Vollmond. Drei dieser mächtigen, bis zu 140 kg schweren Tiere können wir im Mondschein und später bei Sonnenaufgang (endlich, sagt der Fotograf!) beobachten. Die Eiablage erfolgt in der Nacht, in einer ca. 1 m tiefen, von der Schildkröte vorab mit ihren Vorderflossen ausgehobenen Grube. Das aus 80 bis 120 Eiern bestehende Gelege wird nun vergraben, indem sie auf Grubenniveau mit den Vorderflossen Sand bis hinauf zur Höhe des umliegenden Strandes hinter sich schleudert. Auf diese Weise verschiebt die Schildkröte sich und die Grube in einem mehrere Stunden dauernden Kraftakt seitlich. Wenn sie sich schließlich sichtlich erschöpft mühsam aus der Grube herauswuchtet, hinterlässt sie ein großes Loch, das, ca. 3 Meter von den Eiern entfernt, Eierjäger (Füchse, Hunde) täuschen und den tatsächlichen Ort des Geleges verschleiern soll. Nun muss sie noch den oft langen Weg durch den Sand über den Strand zum Meer zurücklegen. Geschwächt von der anstrengenden Arbeit legt sie oft Verschnaufpausen ein. Doch dann ist das rettende Wasser erreicht, in dem sie wieder elegant davon schwimmen kann. Alle 2 bis 4 Jahre kommen die Schildkröten, die bis zu 100 Jahre alt werden können, zur Eiablage immer zu dem Strand zurück, an dem sie geschlüpft sind. Wie sie sich auf ihren Tausende von Kilometern langen Wegen orientieren, ist unerforscht – ein weiteres umwerfendes Meisterstück von Mutter Natur! Direkt auf dem Schildkrötenstrand haben die Fischer ihre Boote liegen und noch während die Tiere mühsam zurück ins Wasser robben, laufen die ersten Boote zum Fang aus. Als wir unseren Führer auf den offensichtlichen Widerspruch zum erklärten Ziel des “Schutz- und Besucherzentrums“ ansprechen, reagiert er sehr verlegen.

   

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Ras al-Jinz : vor dem Schutz- und Besucherzentrum; N22 25,580/E59 05,637 (WGS84); Toiletten, Restaurant; ruhig,sicher

Ras al-Hadd: am Strand neben der kleinen Fischer-Moschee; N22 32,264/E59 47,072 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher


 

Insel Masirah

Nachdem wir ein paar Stunden Schlaf nachgeholt haben, geht es weiter nach Süden. Bis Ashkhara ist die Strecke recht eintönig, aber dann fahren wir wieder durch ein schönes Sanddünengebiet, denn die Al-Wahiba-Sandwüste stößt hier bis ans Meer vor. Bei Shana gehen wir an Bord einer nicht sehr viel Vertrauen einflößenden Fähre, die uns zur 12 km vor der Küste liegenden und größten Insel Omans, nach Masirah bringt. Im Hauptort Ras Hilf – und nur dort – können wir uns mit Lebensmitteln eindecken und starten zu einer 4-tägigen Rundtour um die 85 km lange und 13 km breite Insel. Wir finden schöne Standplätze am Meer, gehen viel Spazieren, zum Schwimmen und zur Arbeit: die Solarmodule müssen mal wieder vom Staub (unglaublich, wie viele Ampère der “schluckt“!) befreit werden, die Ölstände müssen kontrolliert werden, und so eine Homepage schreibt sich ja auch nicht von allein. Auf unseren Spaziergängen entdecken wir einige wirklich schöne Muschelexemplare. Um diese zu finden, ist natürlich ein über Dekaden geschulter Muschelblick sehr hilfreich. Der weiße, aus zermahlenen Muscheln und Korallen bestehende Sand bildet einen wunderbaren Kontrast zu den schwarzen Felsen und dem türkisfarbenen Meer.

     
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Masirah : Neben dem Hotel Danat al-Khalig im Hauptort Hilf, da die Fähre erst nach Einbruch der Dunkelheit anlegt; N20 38,127/E58 51,874 (WGS84); Toiletten, Restaurant, ruhig, sicher

Masirah Ostküste: mittelprächtiger Strand mit Schattenhäuschen; N20 34,484/E58 56,068 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Masirah Westküste 1: wunderschöner Strand; N20 12,102/E58 38,001 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Masirah Westküste 2: wunderschöner Strand; N20 21,666/E58 39,003 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher


 

Von Masirah nach Salalah

Nach unserer Rückkehr zum Festland setzen wir unsere Reise nach Süden entlang der Küste fort. Felsformationen und Sanddünen wechseln sich ab mit weiten Ebenen, auf denen Schirmakazien gedeihen. Auch auf den zweiten Blick könnten wir in der afrikanischen Savanne sein – warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, hier ein paar Giraffen, Antilopen u. ä. einzubürgern? Offensichtlich hat es vor einiger Zeit geregnet, denn ein kräftiger Hauch von frischem Grün zieht sich über die Flächen – wunderschön. Al-Khaluf, ein Fischerort, den wir anfahren, ist ziemlich müllig. Trotzdem bleiben wir eine Nacht, denn sehenswert ist der Ort allemal. Allein schon wegen der vielen ziemlich verrosteten Landcruiser-Reste, offensichtlich übriggebliebene Requisiten aus dem ersten “Mad Max“-Film. Sie ziehen die Fischerboote über den Strand aus dem und ins Wasser. Der Strand selbst ist ein Gewirr von Booten, Hütten, Müll, Werkstätten, kleinen “Restaurant & Coffee-Shop“, Fischaufkauf- und Fischverkaufsständen – einfach bizarr! Leider ist auch Ras Madrakah und Umgebung eine einzige Müllhalde – ein Phänomen, das in Reiseführern (verständlich) sehr kurz kommt: die Omanis und ihre asiatischen Fremdarbeiter müllen ihr Land zu! In den Städten gibt es ein Heer von Bangladeshi (die in der Fremdarbeiterhierarchie ganz unten stehen) und sammeln Tag und Nacht (!) den Müll ein, aber auf dem platten Lande ist da niemand. Entschädigt werden wir von der erstaunlich müllfreien „Drei Palmen Lagune“, die weit ins Landesinnere hineinreicht und viele Vögel beherbergt. Auch Flamingos, die wegen ihrer hier anderen Nahrung nur ganz wenig des hübschen Rosas ihrer afrikanischen (Unter-)Artgenossen zeigen. Hübsch sind auch die mit blühenden Bodendeckern bewachsenen Dünen längs der Lagune, eine Folge der vor zwei Monaten niedergegangenen Regenfälle.

Bei Sawqirah endet die Strasse an der Küste und führt uns auf einem weiten Hochplateau nach Shalim, das in einem der größten Erdölfördergebiete des Omans liegt. Von dort führt die Straße wieder hinunter zum Küstenort Shuwaymiyah, den vor allem seine Umgebung attraktiv macht. Am östlichen Ende des Strandes finden wir auf einer Mole einen schönen Platz und befinden uns in bester Gesellschaft, denn schräg gegenüber hat sich lt. dreier Erdölarbeiter, die einen Nachmittagsausflug ans Meer machen, der “König von Kuwait“ einen kleinen Palast mit Heliport bauen lassen. Die Drei raten uns, nebenan doch auch ein Grundstück zu kaufen! Wir denken darüber nach. Auch ansonsten erfahren wir vieles uns bisher Unerklärliches von unseren Gesprächspartnern: z. B., dass die vielen Neubausiedlungen einschließlich großer Krankenhäuser und Schulen entlang der Küste allesamt staatsfinanzierte Projekte sind, um die immer noch zahlreichen Nomaden sesshaft zu machen. Während unserer ganzen Küstenfahrt sehen wir immer wieder ihre oft sehr einfachen Behausungen und Verschläge, sowohl an der Küste, als auch weiter im Inland, denn in Abhängigkeit von den Niederschlägen sind ihre wirtschaftlichen Standbeine der Fischfang und die Kamel- und Ziegenzucht. Kein Staat dieser Welt mag Nichtsesshafte, auch der Oman nicht! Nur darf man sich das moderne Nomadenleben auf keinen Fall wie von Wilfred Thesiger romantisiert vorstellen! Die modernen Zeiten haben auch hier schon Einzug gehalten! Vor den einfachen Unterkünften steht meistens ein Landcruiser, mit dem die Kinder zur Schule gebracht werden oder die Kamele von A nach B. Und wenn eine Stromleitung in der Nähe angezapft werden konnte, reckt sich auch die auf ein paar Steinen aufgestellte Satellitenschüssel in den Himmel.

Apropos Kamel – der beste Freund der Araber, auch der Omanis, die das Kamel immer als Kamerad angesehen haben. So heißt die häufigste der 160 Bezeichnungen für “Kamel“ “al-Jamal“, gleich “Zuneigung“. Und obwohl 4x4-Pickups das Kamel in seiner Funktion als Last- und Reittier ersetzt haben, bringt auch heute noch der Besitz von vielen Kamelen dem Eigentümer hohes Ansehen. Besonders lukrativ ist die Zucht von Rennkamelen, die den Wert eines Rolls Royce übersteigen können. Wir allerdings treffen nur mit einem MAN im Wadi Shuwaymiyah ein, das sich im Laufe der Äonen in das Hochplateau hineingefräst hat. Nach dem heftigen Regen vor zwei Monaten hat die Piste sehr gelitten, und so holpern wir durch das Wadibett zu einem geeigneten Standplatz. Eine ziemliche Tortur für Maschine und Mensch, aber die wunderschöne Felslandschaft entschädigt.

Der Ausbau der Küstenstrasse endet 20 km hinter Shuwaymiyah, die alte Piste dürfen wir wegen der Straßenbauarbeiten nicht mehr benutzen, und so müssen wir zurück nach Shalim und von dort die lange öde Strecke durch riesige Ölfelder über Marmul nach Thumrait nehmen. Hinter Thumrait müssen wir nur noch den Jebel Qara überwinden, und dann liegen die fruchtbare Salalah-Ebene und die gleichnamige Stadt vor uns, die wir am Heiligabend erreichen. Im alten Stadtteil Al-Hafah hinter der Ausgrabungsstätte Al-Baleed finden wir einen super Standplatz am mit Kokospalmen (ja, die Dattelpalme hat uns hier endgültig verlassen) gesäumten, kilometerlangen Strand.

     
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Al Khaluf : auf einem verwaisten Grundstück am nordöstlichen Ortsrand, oberhalb der Klippen; N20 29,197/E58 04,004 (WGS84); keinerlei Versorgung, einigermaßen ruhig, sicher

Drei Palmen-Lagune : sehr schöne Lagune inmitten Sanddünen, viele Vögel; katastrophaler Strand - als ob ein Frachter mit Kartonage an Bord dort gestrandet ist, denn alles ist mit Papierfasern überzogen; N18 56,105/E57 20,618 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Shuwaymiyah: kleiner Fischerhafen 5 km nordöstlich des Orts; N17 53,733/E55 42,569 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher

Wadi Shuwaymiyah: wunderschönes Wadi mit fantastischen farbigen Felsformationen; N17 55,060/E55 34,572 (WGS84) und ca. 6,3 Millionen weitere Übernachtungsmöglichkeiten; keinerlei Versorgung, ruhig, sicher


 

In Salalah

Und nun sind wir also in der südlichsten Region Omans, im Dhofar angekommen. Schon seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. wurde die Gegend um Salalah “Sakalan“ genannt – „dort, wo der Weihrauch wächst“. Weihrauch, das Harz des Weihrauchbaums, das einst mit Gold aufgewogen und „Tränen der Götter“ genannt wurde. Die Weihrauchstraße der Antike verlief von Salalah auf dem Seeweg in den Iran, nach Indien und nach Ostafrika und auf dem Landweg mit Kamelkarawanen durch Jemen und Saudi Arabien nach Gaza und Alexandria. Die Römer haben jedes Jahr Hunderte von Tonnen dieses begehrten Stoffes verbraucht!

Auch heute noch hat der Weihrauch bei den Omanis einen hohen Stellenwert, wie wir in dem hochinteressanten Weihrauch-Souq erleben können. Hier erfahren wir auch, dass der weiße Weihrauch der begehrteste und teuerste ist. Er wird in hübschen Weihrauchbrennern entzündet, und mit dem wohlriechenden (?) Rauch werden Wohnräume und Kleidung parfümiert. Aber auch als Medizin endet so manches Harzklümpchen in den Mägen der Menschen. Nein, wir wollten auf keinen Fall Weihrauch kaufen, uns nur ein wenig im Laden umsehen. Doch auch wir können uns der magischen Anziehung dieses uralten Stoffes und der Überredungskunst des Verkäufers nicht entziehen. Und wir gehen mit einer vollen Einkaufstüte aus dem Geschäft. So motiviert, statten wir auch der Ausgrabungsstätte Al-Baleed einen Besuch ab – schließlich liegt unser Nachtplatz direkt an seiner Grenze. Al-Baleed war um die Zeitenwende, zur Blütezeit des Weihrauchhandels, für fast 1000 Jahre ein wichtiger Verschiffungshafen und eine reiche Stadt. Das angeschlossene kleine, sehr informative Geschichts- und Seefahrtsmuseum hilft uns, die Geschichte des Dhofar besser zu verstehen. Salalah gefällt uns sehr gut. Trotz seiner 200.000 Einwohner ist es eine gemütliche Stadt. Wir besuchen die Sultan Qaboos-Moschee und bummeln durch die riesigen tropischen Gärten, wo Papayas zwischen Bananen und Kokospalmen wachsen, deren Früchte an unzähligen Straßenständen angeboten werden.

Ein Highlight unseres Aufenthalts ist eine omanische Doppelhochzeit. Gefeiert wird an der Corniche, unweit unseres Standplatzes, wo ein grosses Zelt aufgebaut und der Platz davor mit Teppichen ausgelegt wurde. Rundherum sitzen Familie (Männer) und Freunde (Männer) auf Stühlen und schauen den Tanzenden (Männer) zu. Wir werden eingeladen, uns auch zu setzen und freizügig zu fotografieren. Aber wo sind die Damen? Nachdem ein lautes Trillern zum Anspornen der Tänzer erklingt, wissen wir es! Sie stehen auf den Dachterrassen der umliegenden Häuser, Fotohandys gezückt und schauen dem Treiben von oben zu.

Und wo gehen wir am Abend hin? In das nur zwei Gehminuten von unserem Standplatz entfernte “Café de Paris“, wo wir mit Blick aufs Meer und vorbeiziehende Delfine beim Sonnenuntergang unseren frisch gepressten Mangosaft genießen.

     
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Salalah: am Ostende der Corniche am Strand; N17 00,229/E54 07,805 (WGS84); keinerlei Versorgung, ruhig, sicher


 

 

In Salalah werden wir einige Tage bleiben und Zivilisation tanken, um anschließend die nähere Umgebung zu erobern. Doch darüber mehr im nächsten Bericht!

Bis dahin, رهثمث لأقعثسسث,

Bettina & Rolf (Wadi Darbat, Januar 2012)