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Oman - Februar 2012

Von Sohar nach Muskat

Unsere Visa sind nur noch einen Tag gültig, deshalb müssen wir den Oman verlassen und reisen bei Al Ain in die Emirate aus. Aber nur 24 Stunden später passieren wir hinter Buraimi erneut die Grenze zurück in den Oman – eine etwas umständliche, aber legale Möglichkeit, die auf maximal 60 Tage beschränkten Touristenvisa ad infinitum zu verlängern. Wir queren die Küstenebene Batinah, ein 40 km breiter Streifen nördlich zu Füßen des Hajar-Gebirges und der bedeutendste Agrarraum des Omans. Die zum Meer auffächernden weiten Wadis des Gebirges bescheren einen beständigen Grundwasserspiegel, der direkt unter der Oberfläche liegt. Unser nächstes Ziel ist nun Sohar, die größte Stadt in der Batinah und der Legende nach der Geburtsort von Sindbad dem Seefahrer.

Im Westteil der Stadt finden wir einen Platz am Strand neben der Sultan Qaboos Moschee, wieder einmal gaaaanz nahe beim Muezzin. Einige Tage bleiben wir in Sohar, erkunden die beschauliche und drittgrößte Stadt des Omans mit ihren Souqs, bummeln an der Corniche entlang und durch die Gärten und fühlen uns auch hier sehr wohl. Wir haben uns bei Stadtstandplätzen daran gewöhnt, dass die Bewohner der benachbarten Viertel (nur ein ganz wenig neugierig) vorbeikommen, uns begrüßen und uns willkommen heißen. An diesem Abend aber werden wir von einem Familieoberhaupt in das Haus seiner Familie eingeladen. Die Gastgeber und die beiden ältesten der fünf Kinder sprechen gut Englisch, so dass es keine Verständigungsschwierigkeiten gibt. Der Tisch biegt sich vor Köstlichkeiten, als wir alle zusammen im Wohnzimmer Platz nehmen. Es wird ein langer, schöner und interessanter Abend, denn wir erhalten viele, uns sonst nicht zugängliche Einblicke in das tägliche Leben einer omanischen Mittelstandsfamilie und in das gesellschaftliche, soziale und politische System des Omans. Alle unsere Fragen werden offen beantwortet. Wir finden bestätigt, was uns nach nun über 2 Monaten im Oman nicht mehr überrascht – bei aller Modernität spielen Tradition und der Glaube immer noch eine große Rolle. Und – hinter den Mauern des eigenen Hauses nimmt die Dame des Hauses eine äußerst selbstbewusste Rolle ein! Wir verabschieden uns weit nach Mitternacht mit dem Versprechen, die Familie am nächsten Vormittag noch einmal zu besuchen, um uns deren Garten zeigen zu lassen. Als wir dann am nächsten Tag um 11:00 h erscheinen, erscheint der Hausherr etwas übermüdet an der Haustür: Sie haben sich bis 05:00 h früh Fotos unserer Reisen auf unserer Homepage angesehen. Nach Kaffee, Tee, Datteln und frischem Brot geht es zur Besichtigung des 10.000 qm großen Gartens, schon eher ein kleiner Palmenhain. Und nun lernen wir auch noch einiges über Dattelpalmen, von denen 157 verschiedene Sorten im Oman wachsen: Von allen Dattelpalmen sind nur ca. 5 % der Bäume männlich, denn da sie keine Früchte tragen, werden sie auch kaum in den Hainen angepflanzt. Aber zur Befruchtung der weiblichen, Frucht tragenden Bäume benötigt man eine männliche Pollenkapsel. Das muss auch heute noch auf althergebrachte Weise durch den Menschen geschehen, denn leider hat Mutter Natur in diesem Teil der Welt nicht dafür gesorgt, dass Insekten diese Aufgabe übernehmen können. Wenn die weiblichen Palmen in voller Blüte stehen, werden an jedem Baum mehrere Blütenrispen mit einer Pollenrispe zusammengebunden und dann durch den Wind bestäubt. Die Qualität und Menge der Früchte hängt nun von der weiteren guten Pflege des Baumes ab. Die Früchte vom „Baum des Lebens“ sind u. a. ein bedeutendes Zeichen der Gastfreundschaft, und von unseren Gastgebern erhalten wir eine große Portion selbst geernteter Datteln als Abschiedsgeschenk für unterwegs.

Wir fahren weiter entlang der Küste bis Al-Khaburah und von dort ins Landesinnere bis nach Rustaq. Zwischen Rustaq und Naklah machen wir diverse Abstecher in verschiedene wunderschöne Wadis, von denen manche ganzjährig Wasser führen. Und dort, wo es Wasser gibt, wachsen Palmen und Gräser, bunte Vögel erfreuen uns mit in diesem Teil der Welt sonst so rarem Gezwitscher und Frösche mit ihrem Gequake. Eine schöne Zeit verbringen wir hier, bevor es wieder an die Küste und über Ras al-Sawadi und Barka zum letzten Ziel unserer Reise geht – nach Muskat, der Hauptstadt Omans.

 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Sohar: neben der Sultan Qaboos-Moschee; N24 21,390 E56 45,283 (WGS84); Wasser von der Moschee, ruhig, sicher

Rustaq: neben dem Fort; N23 23,560 E57 25,614 (WGS84); keinerlei Versorgung, einigermaßen ruhig, sicher

Naklah: bei den heißen Quellen; N23 22,633 E57 49,637 (WGS84); öffentliche Toiletten, Wasser, ruhig, sicher


 

Muskat

Muskat - der Name leitet sich ab von dem arabischen Wort „ma“ für „Ort“ und „saqat“ für „fallen“ und steht – nicht ganz eindeutig - entweder für einen Anker, der ins Wasser fällt oder für die Berge, die zum Wasser hin steil abfallen, denn Muskat ist von einer felsigen Bergkette umgeben. (Die Muskatnuss hat übrigens nichts mit Muskat zu tun. Ihr Name leitet sich ab von der früher üblichen Bezeichnung „nuces moschatae“, d. h. „nach Moschus duftenden Nüssen“.) In einer idyllischen Bucht, an einem von wunderschönen Felsen eingerahmten schönen Sandstrand im Stadtteil Qantab finden wir einen erstklassigen Standplatz. Von hier aus haben wir es nicht weit bis zur Innenstadt von Muskat und zum Hafen Mutrah. Wir organisieren erst einmal den Rücktransport von Mensch und Maschine, sprich, die Verschiffung unseres Fahrzeuges zurück nach Deutschland und Buchung unseres Rückflugs. Noch zu früh im Jahr, um jetzt schon nach Hause zurückzukehren, das Wetter dort soll noch verbesserungsfähig sein? Stimmt, aber die nächste Reise wirft ihre Schatten voraus und will rechtzeitig vorbereitet werden! Und jetzt haben wir noch einige Tage Zeit, uns in aller Ruhe die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen, Museen zu besuchen, durch den quirligen Souq von Mutrah zu bummeln, genüsslich in „unserem“ Al-Corniche-Café Tee mit omanischen Süßigkeiten zu genießen, das Muskat-Festival zu besuchen und ..... über dieses wunderbare Reiseland zu sinnieren. Zwei Tage vor unserem Abflug bringen wir unseren Wagen in den sehr überschaubaren Hafen und freuen uns über die, Dank der Freundlichkeit der Omanis, vergleichsweise unkomplizierte, schnelle und preiswerte Zoll- und Hafenabwicklung. Anschließend quartieren wir uns ungewohnterweise in ein Hotel ein und vermissen noch am selben Abend unser rollendes Zuhause ….!

 
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge:

Muskat: am öffentlichen Strand in Qantab; N23 33,179 E58 38,566 (WGS84); öffentliche Toilette, unter der Woche ruhig, sicher


 

4 ½ wunderbare Monate in der arabischen Welt neigen sich für uns dem Ende entgegen, und zumindest dieser Teil der Halbinsel ist uns sehr ans Herz gewachsen. Wir sind sicher, dass wir eines Tages zurückkommen werden.

Bis zur Sommerkollektion, viele Grüße,

Bettina & Rolf (Maschen, Ende Februar 2012)