Lieber Wellblechpiste als Butterfahrt!!
"Weiße Pagode"/Chiang Mai
       
  Reiseroute 2013-2014  
 
 
 
 
  
 
 
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Nordthailand - März/April 2014

Von der Myanmar-Grenze bis Mae Aw

Am 4. März kehren wir aus Myanmar nach Thailand zurück. Die Einreise in Mae Sot ist wieder einmal problemlos. Anders als (von Malaysia kommend) im Oktober vorigen Jahres, als wir trotz Bitten und Betteln nur 4 Wochen Aufenthaltsgenehmigung für unseren Wagen bekommen haben, gewährt man uns diesmal auf einfaches Fragen fünf Monate – es gibt offensichtlich auf Seiten der Zöllner erhebliche Ermessensspielräume. Dass wir nun wieder unseren eigenen Reiserhythmus bestimmen können, stimmt uns froh - nachdem wir den Süden von Thailand ausführlich bereist haben, wollen wir uns nun in den nächsten Wochen dem teilweise gebirgigen Norden zuwenden. Durch die größeren Höhen hoffen wir trotz der inzwischen herrschenden heißen Jahreszeit auf niedrigere Temperaturen. In Mae Sot decken wir uns zunächst wieder mit Lebensmitteln ein - auf dem Parkplatz des Centara-Hotels, wo wir die erste Nacht verbringen, genießen wir am Abend Käsefondue und eine Flasche Weißwein. Köstlich! Wir laden unsere Internet-SIM-Karte frisch auf, um endlich wieder Mails lesen und versenden zu können. Auch unser Mobiltelefon tut es wieder – ein schönes Gefühl, nach einem Monat ohne (Fern-)Kommunikation wieder mit der Welt in Kontakt treten zu können!

Am nächsten Tag geht es entlang der Grenze zu Myanmar nach Norden. Wegen der Grenznähe gibt es immer wieder Polizei-Kontrollposten und Straßensperren (durch die wir ausnahmslos durchgewinkt werden), denn hier ist das Flüchtlingsproblem groß. In Myanmar gibt es immer noch Konflikte zwischen der Regierung und den Volksgruppen der Karen und Shan um mehr Rechte und Unabhängigkeit, Macht und Drogen. Um der Verfolgung zu entgehen, flüchten Tausende u. a. in das angrenzende Thailand. Eines der Flüchtlingsdörfer ist das riesige Mae La, an dem wir über viele Kilometer entlang fahren. Die aus Bambusmatten und Blätterdächern errichteten Hütten stehen dicht gedrängt beieinander. Die Flüchtlinge haben kein Recht auf Arbeit und dürfen ihre Camps nicht verlassen. Schwarzarbeit zu Niedrigstlöhnen wird jedoch von der thailändischen Regierung toleriert/gewünscht. Ein paar Thai-Aufpasser dösen an 3 oder 4 Toren, während der löcherige Zaun über Kilometer überall überwunden werden kann – gespenstisch. Die kühle Nacht verbringen wir, nur einen Steinwurf von der Grenze entfernt, an einem schönen Platz vor der Höhle Tham Mae Hu. Am Morgen haben wir nur 16 Grad, aber die Sonne scheint, und neben uns grasen die Wasserbüffel.

Hinter Ban Tha Song Yang folgen wir der nun sehr löchrigen Straße in die Berge bis auf 850 m Höhe. Die Landschaft wirkt nun freundlicher, denn trotz der Trockenzeit sind hier oben viele Bäume noch grün - im Gegensatz zum Tiefland, wo fast alle Bäume ihre Blätter jetzt im März nun endgültig abgeworfen haben. Aber gerade hier, in den dünn besiedelten Bergregionen, kommen wir immer wieder an brandgerodeten Berghängen vorbei. Nur für 2 oder 3 Pflanzsaisons nutzbare Anbauflächen, dann ist der Boden ausgelaugt und das Wenige an fruchtbarem Boden weggewaschen. Der Schaden, der durch Brandrodung der Natur zugefügt wird, ist riesig, und natürlich ist sie auch in Thailand streng verboten. Aber die Bauern sind arm, der Acker vom vorletzten Jahr gibt nichts mehr her, und wenn in der Nacht die Wälder plötzlich brennen, wird die Polizei keinen Schuldigen finden….

Mae Sariang ist ein kleiner Ort mit engen Straßen am Fluss Mae Nam Yuan. Erst nach langem Suchen finden wir einen Übernachtungsplatz am Fluss. Sehr heiß ist es, und wir genießen, wie fast jeden Tag, unseren kalten Kakao am Nachmittag, bevor wir den kleinen Ort erkunden. Am nächsten Tag geht die Fahrt über eine kurvenreiche, gut ausgebaute Bergstrecke zum 165 km entfernten Mae Hong Son. Die noch vorhandenen Wälder bestehen aus herbstlich anmutenden, überwiegend kahlen Laubbäumen und riesigen Bambushainen. Dort, wo die Täler breiter sind und es Anbauflächen gibt, sind sie dicht besiedelt. Uns fällt auf, dass in den Orten im Vergleich zu Süd-Thailand wenig Müll herumliegt und fast überall Abfalltonnen stehen – im Norden sind die Menschen in Sachen Umwelt scheinbar einen Schritt weiter. Ca. 7 km vor Mae Hong Son quartieren wir uns für die nächsten Tage im „Fern Resort“ ein, d. h. wir dürfen auf dem Parkplatz in unserem Wagen leben, erhalten Frühstück und dürfen den Swimmingpool und die Sanitäranlagen nutzen. Es ist eine hübsch angelegte Anlage mit 40 Holzbungalows im Shan-Stil, das inmitten von Reisfeldern liegt. Zur Erkundung des Ortes und der Umgebung mieten wir ein Motorrad. Unser erster Ausflug führt uns zum Dorf Huay Seau Thao, wo sogenannte Langhalsfrauen leben. Die Straße dorthin führt durch ein hübsches Waldgebiet, und am Straßenrand warnen Schilder vor Elefanten – natürlich keine wilden, sondern Reittiere, die auf zahlende Touristen warten. Immer wieder müssen wir kleine Furten queren, von denen eine uns zum Verhängnis wird: Algen haben sie so glitschig gemacht, dass wir uns bei Gott sei Dank nur Schrittgeschwindigkeit auf die Schn….. legen! Wir sind unversehrt aber patschnass, eine Kamera ist versenkt (Nikon-Qualität, erholt sich nach dem Trockenlegen wieder) und das Motorrad ohne Makel.

Bei den Langhalsfrauen und ihren Familien handelt es sich um Angehörige einer Untergruppe des Karen-Bergvolkes aus dem Shan-State in Myanmar, denen wir schon am Inle-See in Myanmar begegnet sind. Sie leben zum Teil schon seit 1992 in Thailand, dürfen aber nicht legal arbeiten. Die Frauen verdienen sich gezwungenermaßen den Lebensunterhalt u. a. damit, dass sie sich mit ihrer ungewöhnlichen Halsdeformation und zugehörigem Schmuck zur Schau stellen und hübsche Souvenirs verkaufen: Textilarbeiten, Schmuckstücke und Figuren aus Holz. Vor Betreten des Dorfs müssen Besucher 250 Baht pro Person Eintritt zahlen, die laut dem uns übergebenen Info-Blatt ausschließlich für den Bedarf der Familien an Lebensmitteln, medizinische Behandlung, die Ausbildung der Kinder und Aufwendungen für die Dorfentwicklung aufgewendet werden. Wir wollen es gern glauben, haben aber angesichts der Geschäftstüchtigkeit der Thais unsere Zweifel - von Kritikern werden diese Dörfer wohl zu Recht als Menschenzoos bezeichnet. Die Frauen sind sehr freundlich, das Fotografieren ist kein Problem. Neuere Forschungsergebnisse besagen, dass durch die schweren Messingspiralen nicht die Hälse verlängert werden, sondern über die Jahre die Schultern durch das Gewicht des Schmucks (die Spiralen können bis zu 10 kg wiegen) nach unten gedrückt werden: durch die Verformung des Schlüsselbeins ergibt sich optisch ein längerer Hals. Nach alter Tradition soll das die Frauen schöner, „schwanengleich“ machen! Je länger der Hals, desto größer die Heiratschancen! Hoffentlich stimmt unsere Beobachtung, dass wirklich lange Hälse nur bei älteren Frauen zu finden sind. Junge Mädchen scheinen abnehmbare Spiralen zu tragen, die nur noch tagsüber zur Schau angelegt werden.

Auch den nördlich von Mae Hong Son liegenden, hübsch angelegten Thampla-Park besuchen wir. Die Attraktion des Parks ist die Tham Pla, eine Höhle samt unterirdischem Fluss, der hier zutage tritt. Im Wasser leben Hunderte von „heiligen“ Bachkarpfen, deren Leibgericht offensichtlich Obst und Gemüse sind, das die Thais mit Hingabe an die Viecher verfüttern. Vor der nicht begehbaren Höhle steht die Statue des Hindu-Weisen Nara, der die heiligen Fische vor Gefahren (Anglern?) schützen soll.

Auf unseren Touren in die Umgebung sehen wir Menschen, die die riesigen trockenen Blätter sammeln, die traditionell zum Dachdecken verwendet werden und alle zwei Jahre erneuert werden müssen. Wir sind immer wieder erstaunt, was ein kleines Motorrad leisten kann. Die drei Personen, die die Blätter gesammelt und zu Paketen verschnürt haben, sitzen auf dem Moped, dahinter ein Anhänger mit den Blätterpaketen. Im kleinen Ort Mae Hong Son bummeln wir durch die Straßen, über Märkte und genießen super Pizza und hausgemachte Nudeln im Restaurant „La Tasca“ (unser Verlangen nach einheimischer Küche ist zur Zeit gestillt). Im Tempel Wat Chong Klang, der mitten im Ort an einem kleinen See liegt, sind 100 Jahre alte Glasmalereien zu sehen, auf denen das Leben Buddhas dargestellt ist. Das kleine angrenzende Museum zeigt u. a. 150 Jahre alte Holzfiguren und sehr fein gearbeitete alte Marionetten. Mit unserem Motorrad düsen wir auf den 1.500 m hohen Doi Hong Mu zum Wat Phra That. In den zwei 1860 und 1874 errichteten Chedis/Stupas, 200 m oberhalb der Stadt, ruht die Asche zweier Mönche aus dem Shan-Staat in Myanmar. Zwischendurch zieht es uns immer mal wieder ins Fern-Resort zurück, um in den erfrischenden Pool zu springen. Das Leben könnte es schlechter mit uns meinen, und wir erholen uns allmählich von den Strapazen in Myanmar.

Nach einigen Tagen verabschieden wir uns nur ungern vom freundlichen Personal. Eine kurvenreiche Straße schlängelt sich durch eine malerische Berglandschaft immer weiter nach Norden bis nach Mae Aw. Die Strecke ist Teil der sog. Mae-Hong-Son-Schleife, eine der beliebtesten Motorradtouren in Nordthailand. Auf ca. 1.000 km kann man sich in 1.864 Kurven legen, von denen wir eine größere Anzahl bereits hinter uns haben. Mae Aw, vor einigen Jahren in Ran Rak Thai umbenannt, wurde von Kuomingtan-Truppen aus Yunnan, Südchina, gegründet, die 1949 vor Mao Tse Tungs Truppen geflüchtet waren. Um das Dorf an einem kleinen See wird heute, nach anfänglich lukrativem Geschäft mit Opium, Tee angebaut, der in den vielen Läden und Restaurants verkostet werden kann. Das lassen wir uns nicht entgehen und trinken und kaufen Tee aus der Region, der wirklich köstlich schmeckt. Wir befinden uns erneut nur wenige Kilometer von der burmesischen Grenze entfernt, und immer noch verläuft hier eine Drogenschmuggelroute. Wobei Opium durch synthetische Drogen verdrängt wurde – auch hier gehen sie mit der Zeit ….!.

Auf der Suche nach einem Nachtplatz gelangen wir über eine seeeeehr enge und kurvenreiche Straße zum Dorf Ban Ruam Thai, das an einem idyllischen, von Kiefern gesäumten Stausee liegt. Hier finden wir einen super Platz mit Blick auf stolz vorbei paddelnde Schwarzschwäne (auch Trauerschwäne genannt). Den ihnen von uns zugeworfenen Weißbrotstücken werfen sie nur verächtliche Blicke zu - sie stehen eben auf Fried Rice....;-). Die Temperaturen sind angenehm; tagsüber ist es recht warm, aber nachts kühlt es bis auf 10 Grad ab – schließlich sind wir hier 1500 m hoch. Zwei Tage später verlassen wir bereits um 06:30 h den Ort, um die enge Straße für uns allein zu haben, was leider nur fast klappt – unser "Gegner" muss in die Rabatten! Auf dem Weg über Pangmapha zu unserem Ziel Tham Lot machen wir Halt, um auf einem Naturpfad durch riesige Bambushaine zu wandern, begleitet von hübschen sehr großen Schmetterlingen und lautem Vogelgezwitscher. Wir wandern durch den wunderschönen parkähnlichen Garten des königlichen Sommerpalastes Pang-Tong, der auf Initiative von König Bhumibols Mutter entstanden ist. Viele Menschen aus der Region haben hier Arbeit gefunden, aber Kern ihrer Überlegung war, dass die königliche Nähe, symbolisiert durch den Sommerpalast, die (königstreuen) Bauern bewegen könnte, vom Opiumanbau abzulassen und stattdessen auf gesellschaftsfähige Pflanzen wie Gemüse auszuweichen. Das scheint gelungen zu sein, oder – mindestens genauso wahrscheinlich - man ist mit dem Opium nach Myanmar ausgewichen.

"Langhalsfrau", Thailand  

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Tham Mae Hu-Höhle: schöner Platz neben dem Höhleneingang; N17 18.257 E98 09.353; keine Versorgungen, ruhig

Mae Sariang: Autowäscher am Fluss; N18 09.440 E97 55.636; alle Versorgungen, laut; Privatgrund, wir haben um Erlaubnis gefragt

Stausee bei Pang Ung: schöner Platz am See; N19 29.923 E97 54.332; keine Versorgungen, ruhig; für große Fahrzeuge enge Zufahrt


 

Von Mae Aw bis Chiang Mai

Zurück auf der Straße 1095 folgen wir ihr nach Osten. Im Bezirk Pangmapha gibt es zahlreiche Höhlensysteme, von denen bisher 200 entdeckt wurden. Direkt vor der Tham Lot-Höhle, die von bizarren Bergformationen umgeben ist, finden wir einen guten Nachtplatz. Zur Erkundung der Höhle benötigen wir einen Führer, der immer aus den umliegenden Dörfern stammt. In unserem Fall ist es eine mit einer Gaslaterne ausgerüstete Führerin, mit der wir am Eingang der Höhle, die ein unterirdischer Flusslauf ist, ein Bambusboot besteigen. Dann geht es hinein in das dunkle Loch. Durch den niedrigen Wasserstand muss der Bootsführer manchmal aussteigen und das Boot ziehen. Neben der Haupthöhle gibt es drei Nebenhöhlen. Um dorthin zu gelangen, verlassen wir das Boot und klettern über steile Treppen an riesigen Stalaktiten und Stalagmiten vorbei. Mit viel Fantasie und beim schwankenden Licht der Gaslaterne sind Figuren zu erkennen. Eine weitere Ausleuchtung der Höhle gibt es nicht, so dass wir zeitweise arg im Dunkeln tappen. Die letzte, hoch gelegene Kaverne vor dem Ausgang ist die Begräbnishöhle. Hier stehen die Überreste von Holzsärgen aus ganzen Teakholzstämmen, die ca. 1.700 Jahre alt sind; eine Form der Bestattung, die es in ganz Asien gegeben hat. In der Höhle haben Zigtausende von Mauerseglern und Fledermäuse ihre Schlafplätze. Bei Sonnenaufgang verlassen die Mauersegler die Höhle, und die Fledermäuse kehren zurück. Bei Sonnenuntergang verläuft das enorme Spektakel anders herum. Mit dem Bambusboot geht es nun zurück, begleitet werden wir von Bachkarpfen und Welsen. Unser leckeres Abendessen nehmen wir heute auswärts in der seit 1986 bestehenden “Cave Lodge“ ein. Die liegt an einem Hang über dem Fluss Nam Long und besteht aus sehr individuell gestalteten Unterkünften. Der Eigentümer John Spies lebt seit 30 Jahren in Nordthailand und ist Experte für Höhlenexkursionen.

Am nächsten Tag folgen wir der Mae-Hong-Son-Schleife weiter durch die Berge bis auf 1.400 m Höhe zum kleinen Ort Pai in einem Gebirgstal, der in der Wintersaison von Touristen überflutet wird. Zurzeit ist es ruhig in den Straßen, wo sich Souvenirläden, Restaurants, Bars und Unterkünfte aneinander reihen. Einige schräge Typen, die uns stark an die Hippie-Zeit erinnern, begegnen uns auf unserem Rundgang. Auf dem Markt decken wir uns mit Obst und Gemüse und Erdbeeren für Marmelade und Bowle ein. Die nächsten Tage verbringen wir im Huai Nam Dang-Nationalpark auf 1.700 m Höhe. Es gibt einen riesigen, sehr schön terrassenartig angelegten Zeltplatz mit theoretisch großartigem Panoramablick auf die umliegenden Berge. Praktisch verschwindet alles hinter dem ersten Bergzug im Dunst, denn jetzt ist Zündelzeit (siehe oben), und der Rauch macht jede Fernsicht unmöglich. Zeit zum Entspannen, für Spaziergänge, Kochen von Erdbeermarmelade usw..

Nach 2 Tagen geht es durch die Berge bis nach Chiang Mai, zweitgrößte Stadt Thailands am Ufer des Mae Nam Ping. Es ist für uns immer nervig, in einer verkehrsreichen Stadt zu fahren und dort auch noch einen Standplatz zu finden. Aber in Chiang Mai haben wir Glück. Nur ca. 3 km von der Altstadt entfernt entdecken wir einen großen Parkplatz, umgeben von kleinen Wohnhäusern und einigen Restaurants. Es ist erstaunlich ruhig, und in unmittelbarer Nähe befinden sich ein sehr gut sortierter Supermarkt und die DHL-Filiale, wo das von uns beim ADAC georderte Nachfolge-Carnet schon bereit liegt. Mehr kann man von so einer großen Stadt nicht erwarten. Das Tuk-Tuk, mit dem wir in die Altstadt fahren, wurde von seinem Besitzer besonders liebevoll und kundenorientiert ausgestattet. Es hat nur 3 Räder, doch in einer Art Dachkonsole sind 8 Lautsprecher, Radio, Equalizer, Verstärker und Fernseher untergebracht, so dass die Fahrgäste sich auch unterwegs von den garantiert nicht gewaltfreien Filme berieseln lassen können. Na, wir sind erstens des Thailändischen nicht mächtig, zweitens kommt die Lautsprecherphalanx kaum gegen den Verkehrslärm an, und drittens wollen wir auf der Fahrt etwas von der Stadt sehen. Wir tauchen ein in die im Reiseführer als malerisch mit wenig Verkehr beschriebene Altstadt. Eine malerische Altstadt erschließt sich für uns nicht, und der Verkehr ist bereits jetzt in der Nebensaison gigantisch. Wir besuchen einige sehenswerte Tempel, besichtigen das nicht sehenswerte Museum und sind insgesamt eher enttäuscht. Von der alten Stadtmauer sind nur wenige Teile erhalten, die Luftverschmutzung ist enorm. Am besten gefällt uns der außerhalb der Altstadt liegende riesige Markt und hier besonders der farbenprächtige Blumenmarkt am Fluss. Die Blumen werden im Hochland gezüchtet und in der kühleren Nacht nach Chiang Mai gebracht. Die Damen fertigen aus ihnen hübsche Gebinde und Tempelschmuck. Wir entfliehen dem Verkehr und Smog und fahren auf den heiligen Hausberg von Chiang Mai, den Doi Suthop Pui, auf dem wir einen guten Stellplatz mit angenehm kühleren Temperaturen finden. Wir stehen unmittelbar oberhalb des heiligsten Tempels des Nordens, den Wat Phra That Doi Suthep. Über 306 Stufen erreichen wir den Eingang und sind gleich von chinesischen Reisegruppen umgeben. Der Tempel selbst ist sehr bunt, bis hin zum Kitschigen, und einige Arrangements erinnern doch stark an Gartenzwergidylle.

    Huai Nam Dan Nationalpark, Thailand  

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Tham Lod-Höhle: Parkplatz; N19 34.137 E98 16.787; alle Versorgungen in der Nähe, nachts ruhig

Huai Nam Dang Nationalpark: schöner Platz auf 1700 m Höhe; N19 19.075 E98 35.862; keine Versorgungen, ruhig, nachts kalt

Pai Hot Springs: Parkplatz der heißen Quellen; N19 18.456 E98 28.332; keine Versorgungen, ruhig

Chiang Mai: Parkplatz in der Innenstadt; N18 46.370 E98 58.629; alle Versorgungen, erstaunlich ruhig


 

Von Chiang Mai ins Goldene Dreieck

Es geht nun zunächst weiter durch die Berge nach Nordosten. Hinter Payao ziehen dunkle Wolken auf, es weht heftig und beginnt stark zu regnen – seit mehreren Monaten das erste Mal. Wir steuern zwei Nationalparks an, um dort zu übernachten. Wegen des Unwetters will man uns nicht passieren lassen, aus Angst, dass uns ein umgewehter Baum auf den Kopf fällt. Am Doi Luang Nationalpark gelingt es uns, die Ranger zu überzeugen, dass wir auf die Bäume achten werden. Durch den Regen ist es kühler und die Luft klarer geworden. Viele bunte Schmetterlinge und Unmengen anderer Insekten, durch den Regen zum Leben erwacht, umschwirren uns auf unserer Wanderung zu einem Wasserfall, wo sich Thai-Familien zum Picknick treffen.

Auf dem weiteren Weg nach Norden, kurz vor Chiang Rai, besuchen wir einen Tempel der besonderen Art: Es ist der Wat Rong Khun, dessen Bau 1997 nach Plänen des auch weltweit berühmten thailändischen Malers und Architekten Chalermachai Kositpipat begann, und der noch immer erweitert wird. Die Bauweise des Tempels ist zwar traditionell, aber trotzdem anders als alle Tempelanlagen, die wir bisher gesehen haben. Ungewöhnlicherweise ist er weiß, im Buddhismus die Farbe der Trauer. Doch der Künstler möchte das Weiß als Farbe der Reinheit interpretiert wissen, und die eingearbeiteten Spiegelstückchen sollen Buddhas Weisheit symbolisieren. Auf den ersten Blick wirkt der Tempel mit den im Sonnenlicht glitzernden Spiegelchen wie aus einer Zuckerbäckerei. Beim Eintreten in die Versammlungshalle lächelt Buddha den Besuchern entgegen. Beim Hinausgehen blickt man auf Wandmalereien des Künstlers mit Szenen aus der Gegenwart wie der Flugzeugsturz in die Twin-Towers, Osama Bin Laden und Gestalten aus Filmen wie Matrix, Krieg der Sterne, Avatar usw.. Der Künstler finanziert den Bau des Tempels mit dem mit seiner Malerei verdienten Geld. Er verlangt keinen Eintritt, Spenden sind jedoch willkommen, aber nur bis zu einer max. Höhe von 250 US$, da er ohne Beeinflussung nach seinen Vorstellungen arbeiten möchte. Wir sind sehr beeindruckt, auch von den Bildern des Künstlers, die in der angrenzenden Galerie ausgestellt sind, und seine feinen Bleistiftzeichnungen gefallen uns besonders gut.

Wir fahren weiter bis Chiang Rai, bummeln durch die Stadt, die entgegen dem ersten Eindruck doch recht hübsch und beschaulich ist, trinken grünen Tee, der dann auch wirklich knallgrellgrün ist! Wir besuchen das kleine, aber feine „Hilltribe Museum“, das sich in einer Ausstellung und mit einem Film den Kulturen der Bergvölker widmet. Unser Nachtplatz für die nächsten zwei Tage ist der Huai Kong Pla Waterfall Forest Park. Wie so oft, gibt es auch hier einen Pavillon, unter dem wir es uns gemütlich machen, denn am Abend regnet es wieder. Auf nichts ist mehr Verlass – die Regenzeit soll doch erst im Mai beginnen …..! Am Morgen weckt uns der Gesang tausender Zikaden. Viele von ihnen werden den Tag nicht überleben, denn geröstet oder frittiert gehören sie auf den Speiseplan der Thailänder. Mit einer langen Bambusstange, an deren Ende eine klebrige Flüssigkeit aufgebracht ist, werden die Tiere vom Baum geangelt. Und dann ist Schluss mit dem Gesang: erst einmal werden ihnen die Flügel ausgerissen, damit sie nicht mehr ausbüchsen können, später geht es in die Pfanne – guten Appetit!

Mae Salong auf 1.500 m Höhe erreichen wir über eine gute durch die Berge mäandernde Asphaltstraße. Hier gibt es fast keinen Wald mehr, alles ist gerodet und wird landwirtschaftlich genutzt. Mae Salong, das heute Santikhiri heißt, wurde ebenfalls von Kuomintang-Kämpfern aus Yunnan besiedelt, die nach ihrer Flucht 1949 aus China nach Myanmar von dort 1961 ausgewiesen wurden, und denen Thailand dann Flüchtlingsstatus gewährt hat. Bis in die 1980er Jahre wurde Opium angebaut, und der Ort war praktisch eine Festung. Erst nachdem die thailändische Regierung unter enormen Kosten eine Straße in die Berge getrieben hatte, konnte der Opiumanbau und -handel unterbunden werden. Dies ist zum Teil auch hier wieder dem thailändischen Königshaus zu verdanken, das erkannte, dass man den Menschen für ihre wirtschaftliche Grundlage einen Ersatz für den Opiumanbau bieten musste. Heute ist Teeanbau neben Kaffee- und Obstplantagen auf den Berghängen die Basis des relativen Wohlstandes. Ca. 200 t Tee werden jährlich produziert, und überall im Ort gibt es kleine Teefabriken, die man jederzeit besichtigen kann. Der Ort wirkt immer noch sehr chinesisch, und alle Versuche, die Chinesen in die thailändische Nation zu integrieren, waren bis heute nicht wirklich erfolgreich. Die Verkehrssprachen sind noch immer Mandarin und der Yunnan-Dialekt. Es gibt ein riesiges Museum, und dem nicht-chinesischen Besucher fällt die Kinnlade herunter, wenn er lernt, dass die Drogen schmuggelnden Warlords in Wirklichkeit wackere Kämpfer für die thailändische Demokratie waren! Wir sind verblüfft zu sehen, dass Chinesen aus ganz Thailand wie zu einer Wallfahrt hierher strömen! Trotzdem - uns gefällt der Ort, es gibt viele kleine Teeläden und einen Markt, auf dem die Frauen aus den Bergdörfern ihre Waren anbieten. Die Bergdörfer und Teeplantagen in der Umgebung erkunden wir wieder mit einem Motorrad, das wir uns im Little Home Guesthouse leihen. Hier werden wir auch mit köstlichen Gerichten aus Yunnan verwöhnt - wir sehnen uns doch wohl nicht nach China ….? Wir düsen 300 Höhenmeter hinauf zu einem Tempel, der nicht sehr spektakulär ist, uns jedoch einen guten Rundblick über die Umgebung von Mae Salong ermöglicht und sich außerdem als exzellenter Nachtplatz empfiehlt.

Nach einem Abstecher zu den Fang Hot Springs, deren heißes Wasser uns bei den hohen Lufttemperaturen (36+ C) jedoch nicht locken kann, fahren wir zu unserem nördlichsten Punkt in Thailand, nach Sop Ruak im Zentrum des “Goldenen Dreiecks“, wo Myanmar, Thailand und Laos am Zusammenfluss von Nam Ruak und Mekong ein Dreiländereck bilden. “Goldenes Dreieck“, wo einst Opium mit Gold aufgewogen wurde, war und ist ein Synonym für Opiumanbau, Heroinherstellung und Drogenhandel in Südostasien. Im 5.600 qm großen Museum “Hall of Opium“ am nördlichen Stadtrand von Sop Ruak werden wir durch die lange Geschichte des Opiums geführt. Die Multimedia-Ausstellung beginnt mit einem Gang durch einen schwach beleuchteten Tunnel mit Reliefs an den Wänden, die die Grauen der Opiumabhängigkeit zeigen. Trotz der sehr auf Multimediaeffekte ausgerichteten Ausstellung lohnt der Besuch. Informativer ist das kleine Museum “House of Opium“ im Ortszentrum. Trotz der Hitze ersteigen wir die Stufen zum Wat Prathat Pukhao, denn von hier oben hat man den besten Panoramablick auf das Dreiländereck. Der kleine Ort selbst hat nicht viel zu bieten, aber das kleine von Michael Sullivan geleitete Lokal „Pizza Mekong“ macht alles wett. Die Pizza mit superdünnem Boden schmeckt fantastisch, und seine frisch gebackenen Schokoladenkekse bilden einen krönenden Abschluss.

    Mae Salong, Thailand  
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Doi Suthep Nationalpark: schöner Parkplatz oberhalb des Doi Suthep-Tempels; N18 48.345 E98 55.086; keine Versorgungen, ruhig

Doi Luang Nationalpark: schöner Platz unterhalb des Wasserfalls; N19 26.430 E99 42.105; einige Versorgungen, ruhig

Huang Kang Pla Waterfall Forest Reserve: schöner Parkplatz am Eingang; N20 05.481 E99 46.882; keine Versorgungen, ruhig

Mae Salong: schöner Parkplatz oberhalb des Phra Boromathat Chedi-Tempels; N20 10.138 E99 37.349; keine Versorgungen, ruhig

Fang Hot Springs: schöner Platz im Park; N19 58.086 E99 09.315; alle Versorgungen, ruhig

Sop Ruak (Goldenes Dreieck) 1: schöner Platz im Park des "Hall of Opium"-Museums; N20 21.754 E100 04.475; keine Versorgungen, ruhig; Privatgrund, wir haben den Manager um Erlaubnis gefragt, durften aber nur eine Nacht bleiben

Sop Ruak (Goldenes Dreieck) 2 : schöner Parkplatz am Mekong; N20 20.975 E100 04.943; alle Versorgungen, nur nachts ruhig


 

Vom Goldenen Dreieck zur kambodschanischen Grenze

Wir folgen noch einige Kilometer dem Lauf des Mekongs nach Osten, bevor wir ihn in Chiang Khong verlassen. Auch dieser kleine Ort hat ein kulinarisches Highlight, das „Bamboo Mexican House“. Wie der Name sagt, entdecken wir neben thailändischen auch leckere mexikanische Gerichte, selbst gebackenes Vollkornbrot und Brownies. Nachdem man früher hier oben im Norden nur per Fähre nach Laos kam, gibt es nun ein paar Kilometer südlich des Orts eine Brücke über den Mekong. Je weiter wir nach Süden kommen, desto heißer wird es, an mehreren Tagen wird die 40 C-Marke erreicht. Im Mae Yam Nationalpark finden wir einen schönen Platz oberhalb des Flusses bei den "Kaeng Sua Ten", den "Stromschnellen des tanzenden Tigers". Hübsch ist es hier, Zeit zum Entspannen und um in die ziemlich warmen Fluten zu springen. Der Abend beschert uns Gewitter und erneut Regen. Nach zwei Tagen geht es weiter südwärts über Song in den kleinen Ort Phrae, wo angeblich die freundlichsten Menschen Nordthailands leben sollen. Und tatsächlich grüßen uns beim Rundgang alle, sogar die Polizisten! Durch weite Ebenen und vorbei an unzähligen Reisfeldern mit frischem Grün gelangen wir südlich von Si Satchanalai zum gleichnamigen historischen Park. Dessen grandiose Ruinen gleichen stilistisch, da aus derselben Epoche (Gründung im 13. Jahrhundert), denen von Sukhothai und liegen ebenfalls in einem schönen Park mit Schatten spendenden mächtigen Bäumen. Wir mieten uns Fahrräder, radeln durch den Park und sind dankbar über den dabei entstehenden Fahrtwind. Leider müssen wir ab und zu absteigen, um die Altertümer zu besichtigen. Am Abend gibt es wieder Gewitter und Regen, der uns scheinbar nicht mehr verlassen will. Über Sukhothai und den Namnao-Nationalpark erreichen wir den kleine Ort Puay Noi mit dem gleichnamigen Khmer-Tempel aus dem 12. Jh.. Klein ist der Ort zwar, aber von ruhig und beschaulich keine Spur. Es herrscht Jahrmarktstimmung: Das Songkran-Fest (Thailands Neujahrsfest, in diesem Jahr vom 12.-14. April) wurde hier einfach ein paar Tage vorverlegt. Na, wir sehen uns erst einmal die Ruine an, schlendern über den exotischen Markt, wo uns gegrillte Zikaden, geröstete Käfer usw. wie eine Art Studentenfutter angeboten werden. Unser Standplatz am von gelb blühenden Bäumen umgebenen heiligen See könnte sehr idyllisch sein, wenn uns nicht bis weit nach Mitternacht die für unsere Ohren extrem schräge Musik einer Band beschallen würde. Wir verlassen den am nächsten Morgen wieder so friedlich aussehenden Ort ziemlich gerädert nach Süden mit einem Abstecher zum Elefantendorf Ban Ta Klang. Hierhin lockt die thailändische Regierung die im ganzen Land vagabundierenden Elefantenführer und ihre Tiere mit dem Versprechen staatlicher Unterstützung. Bangkok zum Beispiel soll endlich eine elefantenfreie Stadt werden, denn die den Touristen angebotenen Reittiere sind Verkehrshindernisse und weit davon entfernt, artgerecht gehalten zu werden. 200 Führer und Tiere sind dem Ruf inzwischen gefolgt – also gibt es in Ban Ta Klang an jeder Ecke Elefanten!

Hinter Prasat steuern wir einen neuen Nachtplatz an, die Khmer-Ruine Prasat Ban Phluang. Ja, wir lieben alte Gemäuer, aber mindestens genauso wichtig ist, dass wir neben Ruinenanlagen sehr oft, so auch hier, schöne und ruhige Übernachtungsmöglichkeiten finden. Das trifft auch auf die oft zu Khmer-Tempeln dazugehörenden alten, heiligen und noch heute genutzten Wasserreservoirs zu. Auch hier laufen die Vorbereitungen für das Songkran-Fest, sogar die Ruine ist als Bühne zweckentfremdet, aber die Lautstärke hält sich in Grenzen, so dass wir zwei Tage bleiben. Das pi-warme Wasser des Sees nutzen wir für unsere Körperreinigung, heilig hin oder her. Unser letzter Platz vor unserer Ausreise nach Kambodscha ist unser schon aus dem Vorjahr bekannter Platz bei einer kleinen Ruine nahe dem Prasat Muang Tam. Einige Dorfbewohner erinnern sich an uns (oder unseren Wagen!?), begrüßen uns und bringen frische Mangos. Unser Weg zur Grenze führt am letzten Tag des Songkran-Festes durch kleine Dörfer. Ursprünglich war es ein stilles Fest, diente der Hausreinigung und der Verehrung Buddhas. Die Statuen werden auch heute noch mit Wasser übergossen und alten Familienmitgliedern gießt man als Zeichen der Ehrerbietung Wasser über die Hände. Aber das ist nur der Beginn! Danach, besonders in den Hochburgen Bangkok, Chiang Mai, Ayutthaya und Sukhothai, artet das Ganze zu wahren Wasserschlachten aus, bei denen es jedes Jahr Tote zu beklagen gibt. Hier in den Dörfern ist das jedoch harmlos: Vor den Häusern sind am Straßenrand Wassertonnen aufgestellt, aus denen meist Kinder und Jugendliche Wasser schöpfen und auf Vorbeifahrende gießen, und manchmal ist das Wasser auch gefärbt! Auch gigantische Wasserpistolen, nein, -gewehre sind sehr beliebt. Wer es heftiger möchte, legt einen Wasserschlauch bis zum Straßenrand. Fahrrad- und Motorradfahrer sind natürlich besonders übel dran, aber auch uns erwischt es kalt, als es kräftigen Kerlen zweimal gelingt, ihren vollen Eimer gegen unsere Windschutzscheibe in 3 m Höhe zu donnern! Jedenfalls scheinen alle einen Riesenspaß zu haben!

 
              Elefantendorf Ban Ta Klang /Thailand            
Mehr Bilder gibt es HIER!!
   
 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Chiang Khong: schöner Parkplatz am Mekong; N20 15.785 E100 24.467; alle Versorgungen, ruhig

Straße Nr. 4020: Platz neben der Straße; N18 46.662 E100 17.849; keine Versorgungen, nachts ruhig, nur zur Not

Mae Yom-Nationalpark: schöner Platz oberhalb des Flusses; N18 37.696 E100 09.621; einige Versorgungen, ruhig

Si Satchanalai-Historical Park : schöner Parkplatz neben dem Ruinengelände; NN17 25.964 E99 47.333; einige Versorgungen, ruhig

Pueai Noi: schöner Platz am heiligen See; N15 52.831 E102 54.842; alle Versorgungen, normalerweise vermutlich ruhig, bei uns tobte das Sonkhra-Fest

Prasat Ban Phluang: schöner Platz neben kleinem Khmer-Tempel; N14 36.620 E103 25.569; keine Versorgungen, ruhig

Prasat Muan Tam: schöner Platz neben kleinem Khmer-Tempel; N14 30.056 E102 58.576; keine Versorgungen, ruhig

 

 

Durch Kambodscha nach Phnom Penh

Und mit diesen Eindrücken verlassen wir in Chong Chom Thailand und reisen in O Smach erneut nach Kambodscha ein. Aus- und Einreise verlaufen problemlos. Zum zweiten Mal sind wir nun in Kambodscha, zurück zum Rechtsverkehr, zu schlechten Straßen und zum - Baguette. Vom Neujahrsfest in Thailand geraten wir nun nahtlos ins Neujahrsfest in Kambodscha. Es wird nach dem buddhistischen Mondkalender am Ende der Erntezeit für drei Tage gefeiert. Die Menschen dekorieren ihre Häuser, Tempel und kleinen Schreine. Die Städte sind während dieser Zeit recht ruhig, da viele zu ihren Familien auf dem Lande reisen. Hinter der Grenze ist die Straße gut, aber ab Samraong fahren wir bis Banteay Chhmar auf einer extrem schlechten Erdstraße. Banteay Chhmar war einst eine große Stadt mit einem Khmer-Tempel im Zentrum, der zu den größten umfriedeten Tempelanlagen in Kambodscha gehört (Sagten wir schon, dass wir alte Steine lieben….!?). Der Bau der Anlage begann im 8. Jh., Fertigstellung war erst im Jahr 1216. Große Teile sind unrestaurierte Ruinen und verfallen. An vielen Stellen überwuchert der Urwald die Mauern und Gebäude und gibt allem eine großartige Patina – Indiana Jones lässt grüßen! Viele großflächigen Reliefs sind jedoch gut erhalten und wunderschön. Erste Restaurierungsarbeiten sind erkennbar, aber es bedarf noch einiger Anstrengungen, um das Areal vollständig begehbar zu machen.

Die schlechte Erdstraße zieht sich weiter nach Süden bis Sisophon, doch dann folgt eine einigermaßen ordentliche Asphaltstraße, bis wir Battambang in der gleichnamigen Provinz erreichen. Die fruchtbaren Böden machen Battambang zum „Reiskorb“ Kambodschas. Auch Gemüse wird angebaut, und es gibt viele Orangenplantagen. Wir quartieren uns für eine Nacht im Batan Hotel ein und erkunden die Stadt, die wegen der Festtage fast leergefegt ist. Die Stadt empfinden wir nicht als sonderlich sehenswert und wenden uns deshalb einer außergewöhnlichen Attraktion außerhalb der Stadt zu: die Bambusbahn/Bamboo Train, von den Einheimischen „norry“ genannt. Nachdem die Franzosen 1954 das Land verlassen hatten und die von ihnen erbaute Eisenbahn langsam verfiel, ist dieses einfache Transportmittel aus der Not entstanden, um die Dörfer miteinander zu verbinden. Eine 2 x 3 m große Transportplattform aus Bambus ruht auf zwei Achsen, deren kleine Räder auf den inzwischen extrem verworfenen Schienen laufen. Eine der Achsen wird von einem kleinen Motor über einen Keilriemen angetrieben. Der “Lokomotivführer“ sitzt hinten und spannt den Keilriemen (gibt Gas) durch Verschieben des Motors mit einem Knüppel, während die Passagiere, also wir, vorn, immerhin auf Kissen, sitzen und uns an einem Griff festhalten (müssen). Auf der einspurigen Bahnlinie gibt es natürlich auch Gegenverkehr. Dann muss die Bahn mit der geringeren Last, so die Regel, von den Schienen, also: Ladung herunter, Plattform zur Seite, Achsen weg und in umgekehrter Reihenfolge alles wieder zusammensetzen, nachdem die Strecke wieder frei ist – bis zum nächsten “Geisterfahrer“, von dem man nur hoffen kann, dass er weniger als man selbst geladen hat, denn dann muss der sein Gefährt aus dem Weg räumen! Es ist eine sehr verschärfte Variante von Achterbahnfahren - auf einem Damm durch die Reisfelder. Bei dem Gebolze und Höllenlärm erwarten wir jeden Moment, dass die Bahn (und wir mit ihr) aus den maroden Schienen springt. Eine irre Erfahrung, aber wir sind heilfroh, als wir wieder festen Boden unter uns haben! Es ist ein Erlebnis der besonderen Art, das es bald nicht mehr geben wird: Stück für Stück werden die alten Schmalspurlinien wieder in Betrieb genommen, und die Bambusbahnen dürfen nicht mehr fahren.

Auf unserem Weg nach Phnom Penh besuchen wir noch einmal Kampong Chhnang am Ufer des Tonle Sap, dessen Wasserspiegel seit unserem Besuch im Januar erneut gesunken ist. Die Sicht ist gut, so dass wir einen weiten Blick auf die sich über viele Kilometer hinziehenden schwimmenden Dörfer der (ethnischen) Vietnamesen und auf die Berge am anderen Flussufer haben. Am nächsten Tag erreichen wir Phnom Penh. Haben wir eigentlich schon erzählt, warum wir erneut hierher gefahren sind, nachdem uns die Stadt bei unserem ersten Aufenthalt nicht wirklich ans Herz gewachsen ist? Nun, für unseren Heimaturlaub im Sommer 2013 konnten wir unseren Wagen bei MAN in Rawang/Malaysia unterstellen. Nach unserer Rückkehr hatte ein neuer deutscher Leiter die Niederlassung übernommen, der es rundheraus ablehnte, unseren Wagen ein zweites Mal unterzubringen. Angeblich gab es zu wenig Platz, wobei anzumerken ist, dass wir bei 4 Besuchen immer nur reichlich leere Hallen gesehen haben. Schade und, wenn wir an Schilderungen von Reisefreunden denken, die mit dem gleichen Begehren bei ihren Mercedes-Benz-, Iveco- oder Toyota-Werkstätten fern der Heimat nicht abgewiesen wurden, auch eine ungewöhnlich Managemententscheidung für ein Unternehmen, das sich zunehmend um Internationalisierung bemüht. Auf den 50.000 km seit unserem Start Anfang Mai 2012 hat unser Wagen enorme Aufmerksamkeit erregt – und wie wir Gesprächen entnehmen konnten, auch bei Entscheidungsträgern. Die Zahl der Fotos, die bei den Social Media eingestellt wurden, dürfte in die Tausende gehen und einen Werbeetat sinnvoll ergänzen: In Myanmar haben wir eine einsame, vermutlich nicht ganz preiswerte MAN-Reklame an der Autobahn von Rangun nach Mandalay gesehen – aber keinen einzigen MAN, unseren ausgenommen. Wir haben, gerne aus Eigeninteresse, mehr Unterstützung erwartet. Und die bekommen wir dann in Phom Penh, wo wir unser Auto für die Zeit unseres Heimataufenthaltes in einer Luxuslimousinen-Werkstatt unterstellen dürfen.

Für zwei Tage, an denen wir hart arbeiten, um unser rollendes Heim abstellbereit zu machen, quartieren wir uns im Blue River Hotel ein, das allerdings jetzt in der Nebensaison nicht mehr so richtig auf Gäste eingestellt ist. Im Restaurant gibt es nur noch Reste, so dass wir auf unsere letzten Vorräte an Vollkornbrot und Käse zurückgreifen. Über Bangkok und Frankfurt fliegen wir nach Hamburg, wo unsere Freunde uns am Flughafen abholen. Wir sind wieder zu Hause und freuen uns auf den norddeutschen Sommer im Kreis der Familie und Freunde.

    Bamboo Train - Battambang//Kambodscha    
Mehr Bilder gibt es HIER!!
   

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Banteay Chhmar: am Wassergraben um das Tempelgelände; N14 04.015 E103 06.146; einige Versorgungen, nachts ruhig, müllig

Südlich Battambang: schöner Platz in den Reisfeldern; N12 56.804 E103 03.222; keine Versorgungen, ruhig

Battambang: Hotel Banan; N13 06.445 E103 11.818; gutes Zimmer, alle Versorgungen, ruhig, umfriedeter Parkplatz

Kampong Chhnang: Hotel Samrongsen; N12 15.475 E104 40.317; gutes Zimmer, einige Versorgungen, ruhig, umfriedeter Parkplatz


 

Fazit:

6 Wochen waren wir in Nordthailand, das uns sehr gut gefallen hat -sehr viel besser als das südliche Thailand. Die Fahrten durch die Berglandschaften mit ihren ethnischen Minderheiten und die Aufenthalte in den Nationalparks waren bleibende Erlebnisse. Die Nachtplatzsuche war vergleichsweise einfach, und im Vergleich zum Süden sind die Menschen noch einmal freundlicher und hilfsbereiter. Nordthailand erhält auf unserer (Teil-)Länderrangliste einen mittleren Platz im oberen Segment. Aber obwohl uns aus den genannten Gründen Südthailand nicht so begeistern konnte – auslassen darf man diesen Landesteil natürlich nicht! Für Wohnmobilisten ohne Asienerfahrung ist Thailand nach unserem Dafürhalten übrigens ein guter Einstieg nach (Südost)asien: exotisch, aber auch organisiert genug, um sich entspannt an diesen Kontinent heranzutasten. Schließlich kann man mit vertretbarem Aufwand ein Fahrzeug nach Bangkok/Laem Chabang verschiffen.

Wie es weitergeht? Im Herbst werden wir zurückkehren und unser Auto dorthin verschiffen, wo diese Pflanze beheimatet ist. Ihr wisst, wo das ist? Schnell eine Mail an uns: dem Sieger gebührt ein Fläschchen “Jägermeister“ (aus gegebenem Anlass: zu gut Informierte sind von der Teilnahme ausgeschlossen....!)!

Bis zur Herbst-/Winterkollektion wünschen wir Euch und uns einen schönen Sommer!

Bettina & Rolf

(Maschen/Deutschland, im Mai 2014)