Lieber Wellblechpiste als Butterfahrt!!
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  Von Kambodscha nach Australien  
 
 
 
 
  
 
 
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Von Kambodscha nach Australien - Oktober bis Dezember 2014

Von Phnom Penh nach Laem Chabang

Nach einer wunderbaren Zeit zu Hause mit Familie und Freunden verlassen wir am 23. Oktober Maschen, um erneut zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Von Hamburg fliegen wir über Frankfurt und Bangkok nach Phnom Penh, wo unser rollendes Heim wohlbehalten auf unseren Einzug wartet. In der feinen Range Rover Werkstatt bei Finn war das Fahrzeug gut aufgehoben. Wie abgesprochen sind neue Starterbatterien bereits eingebaut, und das Dachlukengitter (als Sicherheit für die Verschiffung nach Australien) wurde nach Rolfs Zeichnungen ebenfalls bereits angefertigt. Unser Aufenthalt in Phnom Penh dauert allerdings länger als geplant, da wir Probleme mit unserer Kreditkarte haben, die uns noch einige Zeit in Atem halten werden. Das ist eine längere eigene Geschichte, die den Rahmen eines Reiseberichtes locker sprengen würde. Wir dürfen während der ganzen Zeit des Hinundhers mit unserer Bank in Deutschland auf Finns Werkstattgelände bleiben. Diese Zeit nutzen wir, um schon einige vorbereitende Arbeiten für die Verschiffung auszuführen. Am 29. Oktober verabschieden wir uns von Finn, der uns richtig ans Herz gewachsen ist. Falls jemand eine feine Fahrzeugunterstellmöglichkeit, auch für große Fahrzeuge, in SO-Asien sucht: finn@envotech.org könnte der Schlüssel zum Erfolg sein!

Wir fahren an die Südküste, um vor unserer Ausreise nach Thailand noch einige Tage in Kampot zu verbringen, das wir sehr angenehm in Erinnerung haben (siehe hier). Bereits über den Jahreswechsel 2013/2014 hatten wir hier auf dem Parkplatz des “Two Moons“-Hotel einige Tage verbracht, und der Ort gefällt uns immer noch genauso gut. Inzwischen hat ein Besitzerwechsel stattgefunden. Zwei Holländer haben das Hotel übernommen, einige Verbesserungen im Außenbereich vorgenommen und einen Swimmingpool bauen lassen. In dem kühlen wir uns von Zeit zu Zeit gerne ab, am liebsten mit einem kühlen Getränk am Beckenrand. Einzig getrübt wird unser Aufenthalt durch die ständigen nervigen und extrem teuren Telefonate mit der Bank wegen unserer Kreditkarte. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Da wir inzwischen zu der Meinung gelangt sind, dass wir für die Endreinigung unseres Wagens doch länger als eine Woche benötigen, wollen wir früher als geplant nach Thailand einreisen. Am 1. November überqueren wir erneut problemlos die Grenze nach Thailand und bleiben noch zwei Tage auf dem uns bereits bekannten Platz am "Roten Kreuz Centre“ am Golf von Thailand, östlich von Trat. Zum letzten Mal auf unseren Südostasienreisen springen wir genüsslich in die wunderbar warmen Fluten. Gleichzeitig schauen wir mit Sorge auf das Wettergeschehen: während es in Kambodscha bereits weitgehend trocken war, will die Regenzeit hier in Thailand nicht enden.

Bereits von Deutschland aus hatten wir auf verschlungenen Wegen Kontakt mit Martin Jandke in Sri Racha (etwas nördlich von Laem Chabang, unserem Verschiffungshafen) aufgenommen und für eine Woche in seinem Haus am Strand ein Zimmer gebucht. Dass wir nun bereits eine Woche früher als ursprünglich geplant eintreffen wollen, ist kein Problem, und am 3. November kommen wir an. Martin wohnt hier mit seiner thailändischen Frau Nok, ihren zwei Kindern Gwynt und Nalu (4 und 6 Jahre alt) und Katze Jeanny. Uns steht in ihrem Haus ein Zimmer mit Bad zur Verfügung, und Küche, Garten usw. dürfen wir mitbenutzen. Wir leben praktisch mit der Familie. Um flexibel zu sein, mieten wir uns für die Zeit in Sri Racha einen Wagen. Mit der Rechtssteuerung kommt Rolf gut zurecht, aber Bettina will immer wieder auf der “verkehrten“ Seite einsteigen.

Martins Haus liegt oberhalb vom Strand, und eine abenteuerliche Treppe führt hinunter zum Wasser. Die müssen wir schon mal im Dunkeln nehmen (allerdings mit Taschenlampe bewaffnet), um am 6. November, zum Fest am Ende der Regenzeit, dem Wassergott zu huldigen - wobei es am nächsten Tag wieder schüttet. Es werden kleine, aus Bananenstaudenscheiben selbst gebastelte Blumenboote mit Kerzen darauf auf das Meer gesetzt. Außerdem starten wir Wunschlaternen (Miniaturheißluftballons), welche die geheimen Wünsche der Menschen in den Himmel zu den Göttern tragen. Unser Wunsch ist nicht ganz so geheim: Bitte keinen Regen mehr, nachdem wir unseren Wagen zu Ende geputzt haben! Die dann vorerst letzte Fahrt zum Hafen auf nassen und schmutzigen Straßen wäre der GAU! Der Abend ist eine hübsche Abwechslung von unseren anstrengenden Arbeitstagen.

Martin ist selbständig und baut in seiner Fabrik ganz spezielle, besonders leichte Surfbretter, die er erfolgreich weltweit verkauft. Wir stehen mit unserem Auto auf dem Fabrikgelände, umgeben von einer Mangoplantage, wo auch sein Vater Detlef mit seiner thailändischen Freundin Ey sein Haus hat. Unser Fahrzeug steht hier auf Betonboden, was bei teilweise heftigen Regenfällen sehr von Vorteil ist. Detlef unterstützt uns bei unseren Reinigungsarbeiten mit Wasser und Strom. Tatsächlich arbeiten wir den ganzen Tag im, am, auf und unter dem Auto bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Wir stehen um 06:30 h auf und sind erst nach 18:00 h, nach Einbruch der Dunkelheit, wieder im Haus und freuen uns über die kalte Dusche. Nachmittags kocht Detlefs Freundin uns einen Tee und drängt uns zu einer Pause. Gut, dass wir draußen im Garten unter einem Mangobaum sitzen, denn in einem geschlossenen Raum würde man wahrscheinlich Dank unseres Duftes von uns Abstand nehmen! Aber irgendwann muss man einfach verdrängen, dass man klitschnass ist und stinkt.
Nach einigen Tagen Reinigungsarbeiten oberhalb der Gürtellinie fahren wir für die Unterbodenwäsche zu einer Autowäscherei. Die Arbeit der Wäscher ist jedoch mehr als oberflächlich. Wie soll so ein armer Thai auch verstehen, dass ein Auto, zumal ein LKW, von unten genauso geleckt sein muss wie die schicken Toyotas, die er sonst putzt, von oben? Er hat eben noch nie vom Reinlichkeitswahn der australischen Quarantänebehörde gehört! Also kriechen wir selbst unter das Auto. So, wie Bettina zwischen Kardanwellen, Federn, diversen Kabelbündeln usw. hängt, kann sie es nun ohne weiteres mit jeder Schlangenfrau im Zirkus aufnehmen. Bis zum 12. November entdecken wir jeden Tag neue Stellen, die noch nicht sauber sind. Einen LKW von unten zu reinigen ist wie ein großes Fass ohne Boden zu befüllen!

Ein Problem hat sich erledigt: Unser Drama mit der Kreditkarte ist nach 2 ½ Wochen Kampf mit der Bank in Berlin endlich beendet. Hier ein besonderer Dank an Püppi, die uns wie immer ganz toll geholfen hat. Doch es soll nicht langweilig werden: Rolf trägt mühsame und zeitraubende Kämpfe mit unserem Agenten in Bangkok aus. Neben vielen anderen Widrigkeiten will man uns hier in Laem Chabang für die Hafenabwicklung nur jemanden zur Verfügung stellen, der kein Englisch spricht. Erst nach heftigen Protesten können wir uns am 7. November zur Vorbereitung mit zwei Englisch sprechenden Beauftragen des Agenten in Laem Chabang treffen.

Am 13. November ist es dann soweit. Als wir am Morgen aufstehen, geht unser Blick erst einmal angstvoll zum Himmel. Ein Stein fällt uns vom Herzen: keine Wolke, und in der Nacht ist alles abgetrocknet! Der Subkontraktor unseres Agenten lotst uns in den Hafen von Laem Chabang. Nach Diskussionen am Gate geht es zum Zoll. Ein ganz wichtiger Zollbeamter mit viel Lametta, bei dessen Anblick alle Thais fast den Boden küssen, wirft nur einen kurzen Blick in Wohn- und Fahrerkabine und ist zufrieden. Herrlich, diese unkomplizierten Abwicklungen! Der Anticlimax in Downunder wird uns in einigen Wochen hammerhart treffen! Inmitten eines Parkplatzes mit Unmengen von neuen Pkws, die auf ihre Verschiffung warten, parken wir nun auch unseren MAN. Im Namyong Terminal wird der Papierkram erledigt, die Hafengebühren bezahlt, und im Operation Office geben wir den Autoschlüssel ab. Der Aufforderung, den Schlüssel einfach im Zündschloss stecken zu lassen, haben wir energisch widersprochen. Erst auf Nachfrage erhalten wir eine ordentliche Quittung für die Abgabe des Fahrzeugs und des Schlüssels. Es geht doch! Der letzte Schritt ist die äußerliche Inspektion auf offensichtliche Fahrzeugschäden. Alles ist gut, und ein entsprechendes Protokoll wird von allen Beteiligten unterzeichnet. Rolf macht noch letzte Fotos vom Fahrzeug (ob wir ihn so wieder sehen werden?), und dann vertrauen wir unser Gefährt der Reederei NYK an. Was für ein Aufwand, um nach Australien zu kommen. Gut, dass wir uns das alles selbst ausgesucht haben und niemanden verantwortlich machen können - wir sind ganz schön abgeluscht!

Heute ist unser erster autoreinigungsfreier Tag! Wir gehen noch einmal mit Detlef und Ey zum Essen und suchen uns per Internet eine Unterkunft in Bangkok. Wir verabschieden uns von Nok, Martin und den Kindern und danken ihnen nochmals für Ihre hilfreiche Unterstützung. Martin kennen gelernt zu haben, war für uns ein enormer Glücksfall! Sollte jemand ähnliche Verschiffungspläne aus Laem Chabang heraus haben: bei martin@jandke.net anzuklopfen ist sicherlich eine gute Idee!

Schaffe, schaffe, Häusle reinigen!  

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Kampot: Parkplatz des "Two Moons-Hotels"; N10 36.026 E104 10.993; alle Versorgungen, nur nachts ruhig

50 km südöstlich Trat: großes Gelände des thailändischen Roten Kreuzes mit schönem Strand; N11 58.708 E102 46.074; einige Versorgungen, ruhig


 

Bangkok

Detlef und Ey bringen uns am 16. November mit ihrem Auto nach Bangkok in unser Hotel. Am nächsten Tag treffen wir uns mit Nunthanit von der Reederei NYK, mit der Rolf bereits regen Mailkontakt hatte, und die immer sehr hilfsbereit war. Letzte Unterschriften für die Bill of Lading werden geleistet und die Rechnung bezahlt. Und nun haben wir zwei Tage Zeit für Sightseeing. Per Skytrain, Boot auf dem Chao Phraya River und zu Fuß erkunden wir die Millionen-Stadt. Wir beide waren bereits vor einigen Jahrzehnten schon einmal hier, können uns jedoch kaum an etwas erinnern. Neben den Anlagen Wat Phra Kaew mit dem Königspalast und dem Wat Pho (die man wohl gesehen haben muss), gefallen uns jedoch die weniger frequentierten Orte besser. Wie z. B. der Wat Arun, dessen Baustil dem der Khmer nachempfunden wurde. Oder das kleine Handwerkerdorf Ban Baht, eher ein kleiner Stadtteil, in dem noch heute in Handarbeit Bettelschalen für die Mönche hergestellt werden. Oder die wenigen, ziemlich versteckt liegenden winzigen Gassen des alten Bangkok. Den Lichterglanz der Metropole überblicken wir am Abend bei kühlem Bier vom 64. Stock des State Towers. Wir nehmen Abschied von Bangkok, Thailand und Südostasien. Der Abschied erfolgt mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Abschied von den unglaublich exotischen und unterschiedlichen Kulturen der einzelnen Länder, den bunten Märkten und den immer freundlichen Menschen und deren Gelassenheit. Aber auch Abschied von Smog, Müllproblemen, Lärm, chaotischem Verkehr, und hohen Bevölkerungsdichten. Und nun auf zu neuen Abenteuern in einer völlig anderen Welt, in Australien!

              Bangkok - neues Souvenir?          

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

keine


 

Von Bangkok nach Sydney

Bis zur Ankunft unseres MANs in Brisbane haben wir nun zwei Wochen Zeit, sprich Urlaub. Urlaub!? Siehe unten! Also fliegen wir von Bangkok nach Sydney. Vor der Landung sind zwei Formulare auszufüllen, eines zum Nachweis, dass man nicht aus einem von Ebola betroffenen Land kommt und ein weiteres über in den Augen der Australier kritische Mitbringsel, darunter auch Medikamente. Hier kreuzen wir ehrlicherweise “Ja“ an, denn wir haben alle Antibiotika und Schmerzmittel aus unserem Fahrzeug mitgenommen, da diese bei Einfuhr über See keine Gnade beim australischen Zoll finden würden! Später werden wir erfahren, dass ursprünglich aus Australien stammende Medikamente, die mit einem australischen Fahrzeug nach einer Weltreise wieder zurückkehrten, keineswegs ausgenommen sind! Die spinnen, die Aussies! Wir werden bei der Passkontrolle auch danach gefragt und erklären, dass es sich um Medikamente handelt, die wir aufgrund unseres fortgeschrittenen Alters benötigen (etwas Hinken und Husten auf den letzten Metern zum Schalter hilft!). Wir müssen nichts vorzeigen, ein Hund beschnüffelt unser Gepäck, alles gut! Zumindest schon einmal die Menschen unseres Reisetross’ sind damit in Australien angekommen – Maschine fehlt noch! Ein Land, das gleichzeitig Kontinent und 20mal so groß wie Deutschland ist, jedoch nur 23 Mio. Einwohner hat. Von denen leben ca. 80 % in einem 50 km breiten Streifen entlang der Küsten, von denen sie mit 60.000 km reichlich haben. Sydney ist mit 4,5 Mio. Einwohnern die größte und älteste Stadt Australiens. Nicht von ungefähr nennt man sie auch die Wasserstadt, denn sie erstreckt sich längs eines gigantischen Naturhafens entlang des Parramatta River mit seinen unzähligen Buchten und Stränden. Wir haben eine Wohnung im Stadtteil Birchgrove gebucht, in der Louisa Road, eine, wie wir später erfahren, ganz feine Gegend Sydneys. Wie Hemmingway (oder war es Oscar?) bereits sagte: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack, immer nur das Beste.“ Im Haus von Kate Holland beziehen wir die untere sehr englisch eingerichtete und hübsche Wohnung mit Terrasse direkt am Fluss. Es sind nur 5 min Fußweg zum Anleger der Fähre nach Circular Quay, von dessen Steg wir bereits die Harbour Bridge erspähen. Weitere Bushaltestellen, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants befinden sich im fußläufigen Bereich. Ein wunderbarer Glücksgriff, diese Wohnung!. Auch das Wetter ist sehr gut. Ausgerüstet mit 50er Sonnencreme, Hut und Kameras erkunden wir nun zu Fuß, per Fähre oder Bus und einem My-Multi-Pass die riesige und dennoch Gelassenheit ausstrahlende Metropole. Schon von der Fähre aus bietet sich uns ein freier Blick auf das bekannteste Bauwerk Australiens – das Opernhaus von Sydney, das von den Sydneyern „sich liebende Schildkröten“ oder auch „dänisches Törtchen“ genannt wird. Jeder hat so seine eigene Sichtweise. Bettina denkt z. B. an Schmetterlinge mit aufrecht stehenden Flügeln. Rolf denkt nicht, er fotografiert. Die angebliche Wahrheit: der dänische Architekt hat sich von geviertelten Orangenschalen inspirieren lassen. 1973 wurde das zwischenzeitlich zum Weltkulturerbe ernannte Bauwerk von der Queen persönlich eingeweiht. Von veranschlagten 7 auf letztlich 102 Mio. Dollar waren die Baukosten in 14 Jahren Bauzeit gestiegen. Wer will da noch über die Elbphilharmonie jammern!?

Nach Asien sind wir überwältigt von der Sauberkeit der Stadt und von der Regelwütigkeit der Australier. Nichts wird dem Zufall überlassen. Überall gibt es Hinweisschilder mit Ge- und Verboten – pro Schild immer gleich ein Dutzend. Was fehlt, ist das Atmungsgebot: “Atmen Sie mindestens einmal alle 5 Sekunden ein!“ Sehr positiv zu bewerten sind die Rücksichtsnahme und die freundliche Hilfsbereitschaft der Menschen. Fahrzeuge halten für Fußgänger, Radfahrer nehmen auf Fußgänger Rücksicht, Busfahrer geben bereitwillig Auskünfte. Studieren wir mal wieder hilflos unseren Stadtplan, wird sofort Hilfe angeboten. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass wir uns wieder in einem Land befinden, in dem wir die Sprache verstehen (meistens, solange unser Gegenüber nicht “Strine“ (Australien-Slang) spricht!!!). Genauso überwältigt sind wir von den Lebenshaltungskosten! Um nicht bei jedem Einkauf immer wieder in Schockstarre zu fallen, haben wir uns eine einfache Regel geschaffen: wir rechnen mit dem dreifachen des heimischen Preises. Wenn es nur das Doppelte kostet, freuen wir uns! Von dieser Regel gibt es einige wenige Ausnahmen: der Liter Diesel kostet um und bei einen Euro (an der Küste - im Landesinneren ist jede beliebige Steigerung möglich); Fleisch und Fisch sind preiswerter als zu Hause; generell ist die Lebensmittelqualität höher als bei uns; Optik und Elektronik liegen auf heimischem Niveau, sind also eingedenk der hiesigen hohen Löhne und Gehälter relativ preiswert.

Es gibt unendlich viel zu sehen in den sehr unterschiedlichen Stadtteilen und Vororten von Sydney. Vornehme Villenvierteln, der mit Designerläden protzende City-Bereich, kultige Strandbezirken, der Fischmarkt oder das „Viertel des Lasters“ genannte Kings Cross. Hier sieht man statt in Armani und Prada gekleidete Sydneyer eher sehr skurrile Typen. Bei Tee und Kuchen in der Bäckerei „Lüneburg“ beobachten wir das Treiben. Von den unzähligen Sehenswürdigkeiten picken wir uns einige heraus und lassen uns ansonsten einfach durch die Stadt treiben. Die Lebensfreude der Australier zeigt sich u. a. auch in ihrer Liebe zur Musik. Ob in Museen, Fußgängerzonen oder Kneipen, ob Klassik, Country, Balladen oder Folk – Life-Musik ist allgegenwärtig, was auch zu unserer guten Stimmung beiträgt. Beim Besuch verschiedener Museen gefallen uns am besten die Kunstwerke der Aborigines. Ja, es gibt europäische Exponate der Klassik, aber eher patchwork-artig – Europa ist, trotz der Wurzeln, eben verdammt weit weg. Ach ja, die den Museen angeschlossenen Cafés mit leckerem Kuchenangebot gefallen uns auch. Von der zeitgenössischen Kunst nehmen wir (wie schon an anderen Orten dieser Welt) mit, dass Kunst keine Regeln kennt, und endlich einmal wieder ein paar gute Inspirationen gebrauchen könnte. Aber es muss einem ja nicht alles gefallen.

Die europäische Besiedlung begann 1788 durch die Engländer, die das höllisch abgelegene Land als Sträflingskolonie nutzten. 751 Sträflinge, 250 Soldaten, Beamte und einige ihrer Ehefrauen kamen mit dem ersten Schiff an. War es früher verpönt, Australier auf ihre “verbrecherischen“ Vorfahren anzusprechen, diese also totgeschwiegen wurden, erfüllt es seit vielen Jahren jeden Australier mit Stolz, einen oder mehrere der ersten Siedler in seiner Ahnenreihe zu haben. Denn inzwischen hat man erkannt, dass viele Sträflinge nicht wirkliche Verbrecher waren, sondern oft Menschen, die aus Not in einem brutalen England der Frühindustrialisierung zu Dieben geworden waren und durch die Verbannung eine schreckliche Strafe erhielten. Kein ehemaliges Sträflingslager, darunter auch die „Hyde Park Barracks“ im Zentrum, das nicht zu einem Museum umgewandelt wurde.

Nach einer Woche verlassen wir Sydney und fliegen am 26. November nach Brisbane.

              Sydney - Möwen?          
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

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Von Sydney nach Brisbane

Am 30. November soll unser Auto in Brisbane ankommen. Am Flughafen übernehmen wir einen Mietwagen und steuern im Stadtteil New Farm unsere Mietwohnung an, die sich in einem 1933 erbauten eindrucksvollen Art-Deco-Apartmenthaus befindet. Schon wieder ein Glücksgriff: eine große Wohnung, die mit Liebe zum Asiatischen (bei Australiern häufig zu finden; liegt eben vor der Haustür) eingerichtet ist. Der Wohnungsgecko im Gewürzschrank bleibt uns treu und verspeist kleines Ungeziefer. Als sich der Schwanz, der unter einer Fußleiste hervorschaut, als zu einer Eidechse gehörig entpuppt, darf auch sie bleiben, auch sie eine Expertin im Vernichten unerwünschter Krabbelviecher. Denn dass wir hier den Südrand der Tropen erreicht haben, lässt sich am sonstigen Ungeziefer draußen, insbesondere Ameisen und Kakerlaken, unschwer erkennen. Die Verkehrsverbindungen in die City per Flussfähre oder Bus und die Einkaufsmöglichkeiten sind auch hier gut. Bevor wir die Stadt erkunden, kümmern wir uns vorrangig um die Erledigung administrativer Dinge: Agent, Straßenzulassungsbehörde, Automobilclub und Versicherungen, damit unser Wagen möglichst bald auf australischen Straßen rollen darf. Dank der Informationen von Rosemarie und Werner glauben wir schon recht gut zu wissen, was zu tun ist. Dass dann Vieles ganz anders abläuft als bei den beiden und zwei weiteren Paaren, die ebenfalls ihr Fahrzeug nach Aussieland gebracht haben (somit vier Fahrzeuge, vier Ablaufvarianten!), ist neben der Regenbogenschlange eines der unergründlichen Geheimnisse Australiens. Für uns bringt der 3. Dezember die Jubelstufe Nr. 1: unser Wagen hat ohne Beanstandung Zoll und Quarantäne passiert – insbesondere muss er nicht (sehr teuer) nachgereinigt werden! Die Investition von insgesamt 4 Wochen Reinigungsarbeit (z. T. schon zum Ende der letzten Reise durch SO-Asien) hat sich gelohnt! Dass drei von 20 Gewürzen (Kümmel, Rosmarin und Gewürzsalz) und eine eingeschweißte Packung Tee (aber eben ohne Label) dem strengen Auge des Herrn Quarantäne-Beamten nicht standhalten, verkraften wir eingedenk des potentiellen Ungemachs, in das der Herr uns hätte stürzen können, wirklich leichtherzig! Entsprechend beschwingt erwidern wir sein plötzlich hervorgeholtes “Auf Wiedersehen“! Aber: gemach! Das war nur Jubelstufe Nr. 1! Zum Erklimmen von Jubelstufe Nr. 2 (Versicherungen, Straßenbenutzungserlaubnis, Fahrzeuginspektion etc., etc.) benötigen wir 4 weitere Arbeitstage. Und da ein Wochenende hineinfällt, ist eine weitere Woche fast um. Ganz legal darf unsere rollende Hütte am 8. Dezember mittags auf australischen Straßen bewegt werden.

Brisbane erstreckt sich mit 2,15 Mio. Einwohnern zu beiden Seiten des durch die Stadt mäandernden Brisbane River. Die Flussfähren sind ein auch von uns viel und gern genutztes Verkehrsmittel. Während der Innenstadtbereich nicht wirklich schön ist (Betonkisten mit Gedöns an den Fassaden), so sind die kleinen dorfähnlichen übrigen Stadtteile sehr hübsch. Und natürlich ist auch in Brisbane alles sehr gepflegt. Obwohl Sydney nicht zu toppen ist, hat auch Brisbane einiges an Sehenswürdigkeiten und Kulturzentren zu bieten. Wir besuchen Museen, bummeln durch die Stadt und entlang des Flusses, der von hübschen Parkanlagen gesäumt wird. Diese werden von den Anwohnern gern als Treffpunkte zum Picknicken genutzt. Oder man sitzt einfach zum Relaxen oder Klönen auf einer Bank mit Blick auf den Fluss. In einer Kneipe treffen wir auf eine illustre Gesellschaft von Amateurmusikern, die schottische Folkmusic zum Besten geben. Glaubt jedenfalls Rolf, der sich mit jedem Bier immer sicherer wird, dass er sie aus seinen alten Schottland-Zeiten kennt. Zuzuhören und den Refrain mitzubrummen macht uns so viel Spaß, dass wir uns der australischen Gewohnheit anpassen, bereits am mittleren Nachmittag mit dem Biertrinken zu beginnen. Vom Stadtzentrum ist auch das Meer nicht weit entfernt, und wir machen einen Ausflug nach Manly. Am nördlichen Horizont bilden sich sehr dunkle Wolken und ein Gewitter zieht auf. Auf unserem Rückweg zur Wohnung regnet es heftig, und in New Farm erwartet uns dann das Chaos: Umgestürzte Bäume und eine dicke Schicht Äste, Laub und Blüten liegen auf den Straßen. In unserer Wohnung sind die Oberlichter der Veranda zerbrochen, die der Hausmeister fürs Erste notdürftig abklebt. Wir erfahren, dass ein heftiger Sturm mit Regen und Golfball-großen Hagelkörnern über Teile von Brisbane hinweggefegt ist. Ein ca. 50jähriger Brisbaner, den wir treffen, sagt, er hätte so etwas noch nicht erlebt. Gut, dass wir in Manly vom Unwetter verschont blieben, denn unser Mietwagen ist nur mit einer hohen Eigenbeteiligung versichert, und ein Großteil der Hagelschäden hätten wir wohl tragen müssen. Auch noch am nächsten Tag in der City sind die Schäden deutlich zu sehen und überall sind Aufräumarbeiten im Gange. In der 1930 erbauten City Hall fahren wir mit dem alten Fahrstuhl auf die Aufsichtsplattform des Uhrturms und haben einen Rundumblick auf Brisbane. Sogar die Kupferkuppel der City Hall ist nach dem Hagelschauer zerbeult. Ach ja, es herrscht natürlich auch hier Vorweihnachtsstimmung. Der Schmuck in den Straßen ist weniger aufwendig als bei uns in Hamburg, aber dennoch unübersehbar. Und in den Einkaufszentren ertönen uns wohlbekannte Weihnachtsmelodien. Es werden sogar echte Tannenbäume verkauft, eingeführt aus Kalifornien.

Die Wohnung in New Farm hatten wir für eine Woche gemietet, in der Hoffnung, unser Fahrzeug bis dahin auf der Straße zu haben. Das war jedoch zu optimistisch (s. o.). Verlängern ist nicht möglich, und so mieten wir eine weitere Wohnung in Kelvin Grove bei Shar, die hier mit ihrem Mann und dem italienischen Hütehund “Chianti“ (ausgesprochen “Kiänti“) lebt. In ihrem Haus hat Shar den unteren Bereich zu einem “Bali Garden Studio“ sehr hübsch und funktionell eingerichtet. Es gibt sogar eine kleine Lebensmittel-Erstausstattung. Und was den verwunschenen Garten mit seinen asiatischen Figuren und den mit bunten Bändern geschmückten exotischen Pflanzen betrifft, so kann man Bali (das die beiden sehr mögen) auch hier haben: bis auf den Strand ist hier alles vorhanden. Shar ist sehr hilfsbereit, und wir können die Mietzeit später ohne Probleme um erneut erforderliche zwei Zusatztage verlängern. Als wir endlich MAN-mobil sind, bleiben wir noch einige Tage auf einem Campingplatz in Ashgrove, froh, wieder im eigenen Bett schlafen zu können. Denn unser rollendes Heim, für die Verschiffung aus Sicherheitsgründen (diesmal haben wir nur ein Nummernschild und einen Krängungsmeter als Verlust zu beklagen) von uns ziemlich unwohnlich hergerichtet, muss nun reisefertig gemacht werden für die Fahrt in den Süden. Doch darüber mehr in unserem nächsten Bericht.

Bis dahin alles Gute, auf dass Euer milder Winter nicht demnächst mit dreifacher Härte zuschlägt,


Bettina & Rolf

(Dorrigo/New South Wales-Australien, Weihnachten 2014)

    Brisbane - geschafft!!  
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

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