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Surfers Paradies
       
   
 
 
 
 
  
 
 
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Australien - Dezember 2014 bis Januar 2015

Von Brisbane nach Coffs Harbour

Nachdem wir in Brisbane, der Hauptstadt des Bundesstaates (davon gibt es 7) Queensland unser mobiles Heim reisefertig gemacht haben, verlassen wir die Stadt Richtung Süden. Wir verlassen nun auch das Einzugsgebiet der Trichternetzspinne, eine der giftigsten Spinnen weltweit, die sich besonders in Städten wie Sydney und Brisbane etabliert hat. Soweit wir wissen, ist uns keine begegnet. Und auch unsere Vermieterin in Sydney hatte uns ja glaubhaft versichert, dass in ihrem Garten nur harmlose Spinnen ihre Netze bauen….! Trotzdem – gehst Du aufs Klo, kann ein kurzes vorheriges Anlupfen der Brille mit dem Fuß und ein Blick darunter nicht schaden…..!

Zunächst der Goldcoast-Küstenstraße folgend, biegen wir zu unserem ersten Nationalpark, dem Springbrook National Park ab, der auf einem 900 m hohen Plateau liegt. Hier machen wir neue Erfahrungen mit australischer Bürokratie, in diesem Fall mit der Nationalparkverwaltung zwecks Erlangung einer kostenpflichtigen Campinggenehmigung in eben einem Nationalpark (NP). Es ist nur möglich, sich per Internet oder telefonisch einen Stellplatz bei der Nationalpark-Camp-Zentrale zu sichern und die Gebühr per Kreditkarte zu bezahlen. Das ist gerade während der Ferien oder am Wochenende schon wichtig, da es sein kann, dass der Platz, den man sich aussucht, bereits reserviert wurde und man spätabends bei Eintreffen des rechtmäßigen Platzinhabers von diesem weggeschubst wird. Eigentlich hat der Springbrook mit ca. 3000 mm jährlich die zweithöchste Regenmenge Queenslands zu verzeichnen. Aber, wie der Ranger uns berichtet, waren es im letzten Jahr nur ca. 1100 mm, so dass die Wasserfälle, die wir bei unseren Wanderungen sehen, nur müde tröpfeln. Unser Campnachbar Trev aus Brisbane macht uns auf eine ca. 2 m lange Carpet-Schlange aufmerksam, die sich neben unserem Stellplatz sonnt: „Dies ist nur ein Baby, sie kann über 4 m lang werden. Die große in meinem Garten ist sehr nützlich, sie frisst Ratten und kleine Schlangen. Nein, gefährlich ist sie nicht. Ja, sie beisst schon mal, aber der Biss ist nicht tödlich, nur schmerzhaft.“ Wir sind ausgesprochen beruhigt! Auch die hübschen Riesenskinks, die sich am Wegesrand sonnen, sind harmlos und lassen sich durch uns kaum stören.

Nach einigen Tagen fahren wir zu einer WAECO-Niederlassung in Burleigh Heads an der Küste, um unseren Kühlschrank reparieren zu lassen, der sich bei hohen Temperaturen nicht mehr abschaltet. Die Reparatur kann bis zu einer Woche dauern, der Ausgang ist ungewiss. Wir entscheiden uns kurzfristig, im Laden nebenan ein Ausstellungsstück zu kaufen, beinahe unser altes Modell. Und gleich um die Ecke bei einem Ausrüster gibt es neue Wanderschuhe für Bettina - den alten ist, wie schon im Vorjahr auch Rolfs Schuhen, das Klima Südost-Asiens nicht bekommen. Künftigen Wanderungen steht also nichts im Wege. Es ist bereits Nachmittag, und deshalb entscheiden wir uns, auf einem überfüllten und grotesk überteuerten Campingplatz im touristischen Surferparadies Burleigh Heads zu bleiben, denn der neue Kühlschrank muss zum Einbau etwas modifiziert werden. Am Abend klönen wir mit unseren australischen Nachbarn Lilian und Trevor, die schon seit 46 Jahren jedes Jahr für einige Wochen hierher kommen. Früher war alles besser, da durfte man direkt am Strand campieren, was seit vielen Jahren verboten ist, denn dort ergötzen sich nun die Besucher auf einer Promenade! Wie bereits von Trev aus Brisbane erhalten wir auch von den beiden ihre Adresse mit der Aufforderung, sie doch “wenn Ihr mal durch unseren Heimatort kommt“ zu besuchen. Das wiederholt sich später noch einige Male. Wir können diese Art der Spontan-Einladungen nicht so recht einschätzen.

Bei anhaltendem super Wetter geht es weiter nach Süden. Herrlich grüne Weiden mit glücklich grasenden, für uns sehr gesund aussehenden Rindern begleiten uns. Kein Wunder, dass die Fleischqualität ausgezeichnet ist. Unser heutiges Ziel ist das hübsche Ballina an der Küste mit seinen langen weißen Sandstränden. Wir übernachten auf einem fantastisch gelegenen Parkplatz oberhalb des Strandes, was fast überall an der Küste ausdrücklich verboten ist. Aber es ist so schön hier und kein Mensch zu sehen. Wir wagen es einfach. Die Nacht ist ruhig, aber am nächsten Morgen um 7 h klopft der Ranger an unsere Tür. Er gibt uns ½ Std. Zeit, den Platz zu verlassen. Glücklicherweise werden wir nur verwarnt, erhalten aber einen Merkzettel - 110 $ Strafe wären eigentlich fällig gewesen! Später, in Mylestone übernachten wir ein zweites Mal auf einem verbotenen Platz am Fluss, da bereits ein australisches Paar mit seinem Wagen hier steht. Nein, es geht auch diesmal nicht gut. Am Morgen klopft der Ranger an die Tür. Aber auch diesmal ist alles halb so schlimm, denn sein erster Satz ist: “Ich habe gute Laune.“ Aber wir müssen sofort räumen und frühstücken 500 m weiter am Fluss. Wieder Glück gehabt! Von den Profis hören wir später: nach 17 h eintreffen und um 6.30 h am nächsten Morgen wieder verschwinden, denn in diesem Zeitraum befinden sich die Ranger natürlich im verdienten Feierabend. Das passt leider gar nicht zu unserem Rhythmus, und deshalb geben wir diese Art des Überraschungsübernachtens auf. Auch bei den australischen Campern stößt die zunehmende Verknappung von freien Nachtplätzen zunehmend auf Unmut: die Ranger sind Angestellte der Kommunen, und sie scheuchen die Touristen in Campingplatz-Ghettos – die oft genug von den Kommunen betrieben werden. “Hard Selling“ nennt man das!

Weiter nach Süden geht es entlang des Richmond River. Wirklich auffällig ist, wie ordentlich und sauber es überall ist; ob auf dem Lande oder in den Ortschaften. Selbst die Weiden sehen eher wie gut gepflegte Golfplätze aus. Ja, das ist nach Asien eine Wohltat! Überall sind die Straßen beschildert, auch wenn sie noch so klein sind. Orientierung ist kein Problem. Wir erreichen nun den Bundesstaat New South Wales (NSW), der an der Sommerzeit festhält, so dass wir nun 10 Std. Zeitunterschied zu Deutschland haben. Die (nach allgemeiner australischer Einschätzung querköpfigen) Queenslander haben die Sommerzeitumstellung abgeschafft, so dass es bei Verabredungen zwischen Grenzbewohnern schon mal zu Irritationen kommen kann: möglich, dass die Trauung in Queensland schon zu Ende ist, wenn die Gäste aus NSW eintreffen.

Zum Bundjalung NP gelangen wir über eine gute Piste durch Wälder, Heidelandschaften und Sümpfe. Die Stellplätze des Black Rock Campsite liegen inmitten von Banksien, in denen kleine Vögel den ganzen Tag ausnahmsweise einmal zwitschern und nicht kreischen. Hinter dem bewachsenen Dünengürtel eröffnen sich Traumstrände und bizarre Steilküsten, von denen Angler ihr Glück versuchen. Auch hier wieder das Drama, über eine schwache Mobilfunkverbindung eine Campgenehmigung zu bekommen – und zwar der ganze Spaß von vorne: Man kennt uns nicht von der ähnlichen Prozedur im Springbrook NP, denn wir sind ja nun in einem anderen Bundesstaat mit eigener Nationalparkverwaltung!

In Crafton machen wir erste Erfahrungen mit Übernachtungen auf einem Showground. Das ist ein großes Gelände, auf dem Veranstaltungen wie Rodeo, Trab-/Pferderennen stattfinden oder auch der Zirkus gastiert. Wenn das nicht der Fall ist, steht der Bereich für die Wohnwagen der Schausteller durchreisenden Campern offen. Meist gibt es ordentliche Sanitärräume und manchmal auch Waschmaschinen. Wenn wir in Städten übernachten, nutzen wir diese Showgrounds ab jetzt so oft wie möglich. Man hat wesentlich mehr Platz als auf Campingplätzen, die Gebühren sind deutlich geringer, man macht Bekanntschaft mit netten Menschen, meist Langzeitreisenden – “Grey Nomads“ - auf der Suche nach “ihrem“ Australien, man ahnt etwas vom kleinstädtischen Amüsierleben Australiens, und meistens liegen sie im fußläufigen Bereich zur Innenstadt. An den Wochenenden gibt es auf ihnen oft interessante Märkte, auf denen es für uns immer Neues zu entdecken gibt. Auf unsere Frage, wie weit es zur Stadtmitte sei, erhalten wir vom Showground-Wart die Antwort: “Drei Blocks!“. Ääh? Aber besser, als die Entfernung in Bier anzugeben! Nicht unüblich in Australien, hätte es durchaus heißen können: “Bis zur Stadt? Einen halben Sixpack!“.

Crafton liegt sehr hübsch am Clarence River. Auf unserem Rundgang durch die Stadt begleitet uns spontan eine ältere Dame, dankbar, dass wir sie vom Joggen abhalten und bereit, uns jedes Gebäude aus dem 19. Jh. zu erläutern und uns zum historischen “Roches Family Hotel“ zu führen. Die Attraktion des Hotels ist das ausgestopfte Krokodil, das in der Bar an der Wand hängt, doch das Bier ist auch nicht zu verachten.

Wir fahren weiter nach Westen und eine hügelige, sehr schöne Landschaft erwartet uns. Bis auf über 600 m schlängelt sich die Strasse durch Eukalyptuswälder, dazwischen wachsen hohe Baumfarne. Im winzigen Dorf Ulong finden wir einen so schönen Platz am Fluss, dass wir zwei Tage bleiben. Hier gibt es keine Camping-Verbotsschilder. Der Ranger kommt zwar auch vorbei, doch statt uns zu vertreiben macht er uns darauf aufmerksam, dass es einen Platypus (Schnabeltier) im Fluss gibt. Leider haben wir kein Glück, dieses scheue Tier zu Gesicht zu bekommen. Hier erledigen wir auch etwas, wovor wir uns, seitdem sich der MAN in unserem Besitz befindet und mangels einer Reifenpanne (Gott sei Dank!) gedrückt haben: Mittels Bordkran hieven wir das Reserverad nach der Methode Dr. Rust (Danke Hilmar für den Tipp!) aus seiner Halterung, stellen es auf den Boden, rollen es eine Runde umher und heben es anschließend wieder an seinen Platz. Das geht wider Erwarten schnell und gut, und nun wissen wir, dass wir im Notfall die 170 kg bewältigen können. Wir verlassen den idyllischen Ort durch das bergige dichte Waldgebiet Richtung Dorrigo. Später wird die Landschaft aufgelockerter. Auf den Hügeln wechseln sich grüne Weideflächen und Wälder ab wie im Hobbit-Land. Australien kennen wir trocken, staubig und heiß. Diese lieblichen Landschaften mischen unsere Landesvorstellungen kräftig auf!

In Dorrigo kaufen wir für die nächsten Tage ein und holen uns Infos über den Nymboi Binderay NP, unser nächstes Ziel. Wir können froh sein, dass australische Feuerwehrautos unsere Größe haben. Nur deshalb passen wir auf die Feuerbekämpfungspisten durch Waldgebiete mit riesigen Eukalyptusbäumen, bis wir am Platypus Flat am Nymboida River einen wunderschönen Nachtplatz finden. Der Fluss lädt wunderbar zum Baden ein. Im dichten Dschungel des Regenwaldes stehen neben verschiedenen Eukalyptusbaumarten noch einige riesige uralte Rote Zedern, die den Holzeinschlag früherer Jahre überlebt haben. Und schon hat sich wieder ein Blutegel an Bettina herangemacht. Aber keine Panik – das kennen wir ja schon aus Malaysia. Ein paar Krümel Salz, und der Racker verabschiedet sich! Die großen Monitor-Echsen, die gemütlich am Fluss entlang laufen, haben sich wohl schon an Touristen gewöhnt – ganz so einfach lassen sie sich nicht vertreiben. Wir verlassen den NP und gelangen in den kleinen Ort Bellingen mit seinen historischen Gebäuden, von dem wir nicht viel sehen, da es bei niedrigen Temperaturen einen ganzen Tag lang Bindfäden regnet – auch das ist Australien!

Es geht wieder zurück zur Küste, nach Coffs Harbour. In einem großen Einkaufszentrum füllen wir unsere Vorräte wieder auf. Auf der vorgelagerten Muttonbird Island, die über eine Mole zu erreichen ist, sollen angeblich 12.000 Keilschwanz-Sturmtaucher in Erdlöchern nisten. Wir entdecken doch glatt ein Nest und den Schwanz eines Kükens. Wir mussten erst einmal lernen, die u. E. hemmungslos übertriebenen Beschreibungen von Naturschönheiten in den Australienreiseführern, insbesondere, wenn sie aus dem eigenen Land kommen (“Lonely Planet“), mit Augenmaß zu lesen. Trotzdem hat sich der Aufstieg gelohnt, denn es bietet sich uns ein schönen Rundumblick auf Land, Meer und Küste.
Monitor-Echse  

Mehr Bilder gibt es HIER!!

 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; sehr teure kommerzielle Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

002_Springbrook Nationalpark: schöner, preiswerter Campsite; S28 11 40.1 E153 16 20.2; nur einfache Toiletten, ruhig

005_Black Rocks Campsite: schöner, preiswerter Campsite im Bundjalung-Nationalpark; S29 14 58.4 E153 22 01.3; nur einfache Toiletten, ruhig

006_Grafton Showground: preiswerter Campsite; S29 41 10.6 E152 56 29.9; alle Versorgungen, ruhig

009_Ulong Rest Area; schöne kostenlose Campmöglichkeit an einem kleinen Fluss; S30 13 59.3 E152 53 02.1; nur einfache Toiletten; ruhig

011_Platypus Flat: schöner, preiswerter Campsite im Nymboi River Nationalpark; S30 11 07.5 E152 41 31.1; nur einfache Toiletten, ruhig

012_Bellingen Showground: preiswerter Campsite; S30 26 49.3 E152 53 55.8; alle Versorgungen, ruhig


 

Coffs Harbour bis Canberra

Wir folgen der sehr schönen Küste nach Süden, geben aber die Hoffnung bald auf, ihr weiter folgen zu können: durch Schulferien und Hauptsaison ist sie hoffnungslos überfüllt. Zudem hat es auch hier in den letzten zwei Tagen heftig geregnet, die Pisten sind entsprechend – nun ist unser Wagen eben mit gutem (australischem) Dreck eingesaut! Also wieder zurück ins Inland. Im winzigen Bulahdelah finden wir für die nächsten Tage gemeinsam mit einigen Australiern an einem kleinen Fluss ein schönes Camp – zu unserer Überraschung auf Spendenbasis: man wirft soviel in die Spendenbox, wie einem dieses Plätzchen wert war. Das Wetter ist wieder prima. Nachdem wir die Gänse vom Badeplatz verscheucht haben, baden wir im Tannin-braunen Flusswasser, wovon Bettinas weißes Badesonnenschutz-T-Shirt sich bis heute nicht erholt hat. Aber hellbraun ist auch eine schöne Farbe! Die City des Ortes besteht aus fünf Läden, einem Café sowie einem Pub. Am Silvesterabend lauschen wir den Klängen unserer Jugend und gesellen uns im Pub zu dem sechsköpfigen Publikum (mit uns immerhin schon acht!), das – wie die Band – schon kräftig dem Alkohol zugesprochen hat. Nach einem Bier geht es zurück zum Camp, und wir trinken und klönen uns gemeinsam mit einem australischen Paar und einem Deutschen aus Hamburg, der seit 16 Jahren auf Tasmanien lebt, in das neue Jahr. Die Australier haben ein ziemlich distanziertes Verhältnis zum Jahreswechsel: keine besondere Feierstimmung, kein Feuerwerk, aber auf dem gegenüber liegenden Ufer ist ein Besoffener mit Kippe ins Schilf gefallen und plötzlich brennt die Böschung. Hurra, endlich was los (der mit der Kippe hat sich unversehrt aus dem Staub gemacht)! Als eine halbe Stunde später die Feuerwehr kommt, ist alles vorbei. Das war endlich mal ein besonderes Silvester!

Das neue Jahr starten wir mit dem Besuch des ältesten Weinanbaugebiets Australiens, dem Hunter Valley. Über 140 kleine und große Weingüter sind hier ansässig, von denen die meisten Verkostungen ihrer Weine anbieten. Besonders hat es uns ein köstlicher Rosé-Sekt angetan. Alle Weingüter sind sehr gepflegt und hübsch angelegt, also auch etwas für das Auge. Gleichzeitig ist nicht zu übersehen, dass Viehwirtschaft überwiegt – die paar Rebstöcke gehen zwischen den Weiden fast unter. Aus dem Hunter Valley geht es nach einigen Tagen durch das größte Waldgebiet von NSW, den Wollemi und den Yengo NP, in die Blue Mountains. Obwohl Australien das flachste Land der Welt ist, gibt es entlang der Great Dividing Range, die sich parallel zur Ostküste von der York-Halbinsel bis Tasmanien erstreckt, Berge bis zu 2.229 m Höhe. Wir müssen uns wieder auf kühlere Temperaturen einstellen. Auf Empfehlung zweier Damen in einer Touristeninformation nehmen wir die weniger frequentierte Nordroute nach Westen in die “Blauen Berge“. “Blaue Berge“? Schon wieder so ein Australien-Mythos! Alle Fernsichten haben einen Blaustich, eine besondere Intensität, wie sie jeder Australier (und Australienreiseführer) verspricht, können wir trotz intensivstem Hingucken nicht erkennen. Doch selbstverständlich darf man Erwartungshaltungen nicht ignorieren, und deshalb hat Rolf, auch nach Rücksprache mit dem Staatlichen Amt für Tourismusförderung, bei den Fotos etwas Hand angelegt …..! Das Gebiet um den Mt. Wilson lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein, und zwar durch Eukalyptuswälder. Nun kann ja jeder Naseweis sagen, das sei ja langweilig, immer nur Eukalyptus. Aber wir mit unserem inzwischen geschulten Eukalyptusblick können schon jetzt 3 von insgesamt 235 Eukalyptusarten unterscheiden. In der Felsformation „Chinese Hat“ sehen wir keinen chinesischen Hut, dafür aber ein chinesisches Gesicht. Gerade in Australien muss man Fantasie haben, nicht nur bei “Blau“!

Heftiges Gewitter und Regen in der Nacht hüllt die Berge am nächsten Morgen in dichte Wolken. Wir treffen in Blackheath ein, wo die Aussichten auf “Govett's Leap Canyon“ und “Bridal Veil Falls“ durch die dichten und malerischen Wolken durchaus gewinnen. Wir erleben diese Aussicht später noch einmal bei Sonnenschein. In Blackheath vervollständigt Bettina ihre internationale Wollsammlung. Spender sind hier natürlich australische Merino-Schafe. Für einen weiteren Pullover?! Mal sehen! Durch das touristische Katoomba laufen wir zum Aussichtspunkt auf das Jamison Valley und die Felstürme der "Three Sisters“. Der Legende nach haben sich drei Schwestern eines Ureinwohnerstammes und drei Brüder eines verfeindeten Stammes unter Bruch eines Tabus verbotenerweise ineinander verliebt. Bevor die Brüder die drei Schwestern gewaltsam rauben konnten, wurden diese vom Heiler in Steine verwandelt mit der Absicht, sie später, nachdem die Liebe der Brüder erloschen war, wieder zum Leben zu erwecken. Unglücklicherweise verstarb der Heiler vorher, und deshalb stehen die "Three Sisters“ noch heute dort, zur Freude der Touristen. Am Mt. York treffen wir Gabi und Franz aus München, die für sechs Wochen mit einem gemieteten Wohnmobil unterwegs sind. Es ist ein unterhaltsamer gemeinsamer Abend mit köstlichem Rosé-Wein von Aldi.

Wir kommen durch den winzigen Ort Hartley. Einige wenige prächtige Sandsteingebäude aus den 1830er Jahren zeugen von der einstigen Bedeutung als Regionalzentrum. Dessen Versinken in die Bedeutungslosigkeit begann damit, dass die Eisenbahnlinie es links liegen ließ. Hier lebt auch der Künstler John Fitzpatrick, der alles Mögliche aus Metall in seiner Werkstatt herstellt, u. a. auch sehr hübschen Schmuck. Prompt wechselt ein Anhänger seinen Besitzer. Eine kurvenreiche, später sehr schmale Straße führt uns durch die Berge zu den 400 Mio. Jahre alten Jenolan Caves, die zu den weltweit größten Kalksteinhöhlensystemen gehören. Von den mehr als 350 Höhlen sind nur einige zu besichtigen, darunter die recht beeindruckende „Chifle Cave“. Die Weiterfahrt nach Süden zum Kanangra NP ist auf einem Abschnitt von nur ca. 5 km unmittelbar hinter den Höhlen für große Fahrzeuge grenzwertig aber lohnend, denn die “Kanangra Walls“ beeindrucken uns bei weitem mehr als die “Three Sisters“. Auf dem Camp im Park leistet uns der Rieseneisvogel “Kookaburra“, auf Deutsch als “Lachender Hans“ bekannt, wieder einmal Gesellschaft. Wir verlassen endgültig die Blue Mountains und gelangen auf einer steilen Abfahrt durch den Abercrombie River NP in tiefere Lagen mit wieder deutlich höheren Temperaturen. Hinter den Parks lernen wir, dass auch die Australier den “Clear Cut“ kennen: ganze Bergzüge entwaldet, später ersetzt durch aufgeforstete monotone Kiefernwälder.

Goulbourn, die älteste Stadt Australiens im Landesinneren ist eine gute Gelegenheit zu tanken, einzukaufen, zu waschen und uns das Städtchen mit seinen historischen Gebäuden anzusehen. Gut scheint es den Leuten hier nicht zu gehen: in keiner Stadt haben wir so viele 1$-Billigramschläden gesehen wie hier.

Wir wollen noch heute nach Canberra und finden dort zu unserer Freude wieder einmal einen Showground. Am Wochenende gibt es dort einen Farmer’s Markt mit reichhaltigem Angebot, auf dem sich ganz Canberra zu treffen scheint. Da man sich als Hauptstadt Australiens nicht auf eine der rivalisierenden Städte Melbourne und Sydney verständigen konnte, entstand genau auf halber Strecke und aus dem Nichts Canberra. Mit den Arbeiten wurde 1913 begonnen. Alles ist riesig hier – die Parks, die Straßen, die Gebäude, und alles ist steril. Zu Fuß die Stadt zu erkunden, ist nahezu unmöglich, das Stadtleben ist auf das Auto ausgerichtet. Deshalb fahren wir auch mit dem Wagen in die Stadt, blockieren zwei kostenpflichtige Parkplätze, bezahlen aber nur für einen - selten eine besucherunfreundlichere Hauptstadt erlebt! Wir besuchen die Sehenswürdigkeiten südlich des künstlichen Sees Lake Burley Griffin. Die Fassaden der Museen und Galerien sind beeindruckend fantasielos, doch die Großzügigkeit der Säle gibt den Kunstwerken viel Raum für Wirkung. So gar nicht zu dem klinisch überreinen Ambiente der Stadt passen die auf dem Rasen vor dem alten Parlamentsgebäude stehenden zwei mickerigen Zelte, die “Aboriginal Tent Embassy“. Nach mehrfachen Verboten ist diese “Botschaft“ inzwischen von der Regierung anerkannt und ein wichtiger Ort für die Aborigines geworden, über dem die eigene Flagge der Ureinwohner weht. Nachdem wir sie einmal einzuordnen wissen, sehen wir sie erstaunlich häufig auf öffentlichen Gebäuden. Es ist eine Scheinwelt: der ständige Verweis z. B. in Museen oder auch am Wegesrand (“Vor Ihnen liegt ein Hügel, der seit Jahrhunderten eine besondere spirituelle Bedeutung für das XXXX-Volk hatte. Leider musste er einem 4-spurigen Freeway weichen, der viel Wohlstand in die Region gebracht hat.“) auf das kulturelle Ureinwohnererbe hat nichts mit der australischen Realität zu tun, in der die ersten Australier marginalisiert sind. Dazu passt, dass der Platz mit den Zelten auf uns einen verwahrlosten Eindruck macht. Das Geschrei und Gepöbel einiger besoffener Aborigines unter ihrer stolzen Flagge führt uns Besuchern blitzartig die Aussichtslosigkeit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation vor Augen. Der “Australia Day“ am 26. Januar, der Tag, an dem die First Fleet die erste “Ladung“ Krimineller samt Wachpersonal aus Großbritannien 1788 in der Botany Bay an der Ostküste ablieferte, und den die Australier seit dem groß feiern, wird von den Aborigines als “Invasion Day“ begangen, an dem sich alle Aborigine-Stammesführer hier treffen.

Auf der gegenüber liegenden Seite des Sees wurde das imposante “Australia War Memorial“ errichtet. Eine breite Allee führt hinauf zum auf einem Hügel stehenden Denkmal. Im Innenhof wird eindrucksvoll die militärische Vergangenheit Australiens dargestellt mit der Auflistung aller Orte, von Flandern bis Afghanistan, an denen Australier gekämpft haben und gestorben sind. Die Namen von Tausenden von Gefallen sind auf Bronzetafeln verewigt. Gleichzeitig gibt es im Inneren ein Waffenmuseum mit wirkungsvoll in Szene gesetzten Light- und Sound-Effekten – die audiovisuelle Show eines nächtlichen Luftangriffs auf Berlin ist einfach gekonnt! Und der obligatorische Messerschmitt-Jäger darf natürlich auch nicht fehlen, genauso wenig wie ein japanisches Kleinst-Uboot. Hier werden ganz eindeutig die militärtechnische Faszination angeheizt und der Krieg als Abenteuer zur Schau gestellt. Ein Widerspruch? Nicht für Australier mit ihrer ungebrochenen Militärgeschichte, die nach eigener Einschätzung immer auf der Seite des Guten gekämpft haben. Der Beruf des Soldaten ist in Australien immer noch etwas Besonderes und ausgesprochen anerkannt. Wissen wir als Deutsche es mit unserer zunehmend verdrängten jüngeren politisch-kriegerischen Vergangenheit eigentlich besser? Was machen wir eigentlich, wenn Herr Putin vollkommen durchdreht? Rufen dann den von uns so gescholtenen Herrn Obama zu Hilfe? Recht nachdenklich verlassen wir Canberra.
              Canberra War Memorial          

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; sehr teure kommerzielle Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

013_Kempsey Showground: preiswerter Campsite; S31 04 24.0 E152 49 45.0; alle Versorgungen, ruhig

014_Bulahdelah: gute Campmöglichkeit an einem kleinen Fluss auf Spendenbasis; S32 24 50.7 E152 12 23.8; alle Versorgungen im fußläufigen Bereich; nachts ruhig

015_McNamara Park: schöne kostenlose Campmöglichkeit im Hunter Valley; S32 44 52.0 E151 06 01.0; nur einfache Toiletten, ruhig

016_Grey Gum Cafe: gute kostenlose Campmöglichkeit neben einem Roadhouse; S33 01 49.0 E150 40 25.0; alle Versorgungen, ruhig

017_Cathedral Reserve Campground: schöne kostenlose Campmöglichkeit am Mt. Wilson; S33 30 05.4 E150 23 24.5; nur einfache Toiletten, ruhig

019_Mt. York Road: schöne kostenlose Campmöglichkeit am Westhang der Blue Mountains; S33 33 14.2 E150 13 08.5; keine Versorgungen, ruhig

020_Boyd River Camp: schöne kostenlose Campmöglichkeit westlich der “Kanangra Walls“; S33 58 16.0 E150 03 21.0; nur einfache Toiletten, ruhig

021_Canberra Exhibition Park (Showground): guter preiswerter Campsite; S35 13 35.6 E149 08 52.8; einige Versorgungen, ruhig


 

Von Canberra nach Melbourne

Nach so viel Stadt zieht es uns zurück in die Natur. Wir folgen dem Monaro Highway durch weite Täler nach Süden bis zum kleinen Ort Cooma auf 850 m Höhe, der im Winter Ausgangspunkt für die einzig wirklichen Skigebiete Australiens ist. Nach der Hitze geht es nun wieder in kühlere Gebiete, in die Snowy Mountains, von den Australiern Snowies genannt. Der Snowy Mountains Highway führt durch eine wunderschöne Landschaft und durch kleine Ortschaften mit riesigen, jetzt verwaisten Parkplätzen. Man kann sich vorstellen, was hier im Südwinter los ist! Wir erreichen nun den größten Nationalpark von NSW, den Kosciusko NP mit dem gleichnamigen 2.229 m hohen höchsten Berg Australiens. Am Lake Eucumbeene, der z. T. ausgetrocknet ist und eine Sumpflandschaft mit quakenden Fröschen hinterlassen hat, bleiben wir ein paar Tage. Obwohl das Wetter nicht berauschend ist – es regnet immer wieder, und es ist recht kühl (nachts nur 10 Grad) - gefällt es uns sehr gut hier. Kängurus leisten uns beim Frühstück Gesellschaft, und aus dem hohen Gras schauen sie mit ihren langen Ohren wie Osterhasen hervor. Das Gekreische der weißen Kakadus mit ihrem gelben Kamm nehmen wir gern in Kauf, denn sie sind wirklich hübsch! Warum hat die Natur den überwiegend schönen australischen Vögeln bloß so oft so eine Blut gerinnen lassende Stimmgewalt mitgegeben? Wir folgen der Bergstrecke weiter bis auf 1.480 m Höhe durch ein riesiges, 2003 von einem Waldbrand vernichtetes Gebiet. Über viele, viele Kilometer sind die Berghänge voller toter Bäume, die ihre inzwischen grau-silbrig verwitterten Stämme und Äste anklagend in den Himmel recken! Ein gespenstischer Anblick, und nur langsam wächst von unten frisches Grün nach. Häufig bedrohen Waldbrände die Australier – wir haben kaum einen Wald gesehen, in dem keine angekokelten Bäume von früheren Katastrophen zeugen. Vom ehemaligen Goldgräberort Kiandra – 1860 begann hier der Goldrausch, der jedoch nur ca. 20 Jahre anhielt – sind nur noch zwei Häuser, ein paar Ruinen und ein Friedhof übrig geblieben. Später wurde der Ort ein beliebtes Skigebiet, wie auf den alten Fotos, die hier ausgestellt sind, zu sehen ist, doch auch der Boom war nicht von Dauer. Cobramurra ist auf 1.488 m die höchst gelegene Stadt Australiens und bietet vom Aussichtspunkt einen herrlichen Rundumblick. Auf einer sehr steilen, kurvenreichen Straße geht es vorbei an Stauseen und tief eingeschnittenen Canyons zurück ins Tal.

Mit Verlassen des Nationalparks verlassen wir auch NSW und befinden uns nun im Bundesstaat Victoria. Im kleinen Ort Corryong ist unser erster Weg wieder der zur Touristeninformation. Wie immer, hat man auch hier großes Verständnis dafür, dass wir möglichst nicht in Caravanparks übernachten möchten, und von den Damen gibt es immer gute Tipps für Camping-Alternativen. Corryong ist der Heimatort von Jack Riley, der Banjo Paterson zu seinem epochalen Gedicht “The Man from Snowy River“ (später verfilmt) inspiriert haben soll. Wenn man das voluminöse Gedicht heute liest, kommt man schnell zu dem Urteil “Macho-Kram“! Aber im Australien des ausgehenden 19. Jahrhunderts hat es Banjo Paterson (aus dessen Feder auch Australiens heimliche Nationalhymne “Waltzing Mathilda“ stammt) in die Berühmtheit katapultiert. Zum Gedenken findet hier jedes Jahr ein 4-Tage-Festival statt, an dem Tausende den kleinen Ort überfluten. Die Dame vom Info-Center vermietet dann ihr Haus und zieht solange in ihren Wohnwagen. Flexibel sind sie, die Aussies! Wir erkunden einen Abschnitt des Murray River, der mit 3.275 km der längste Fluss Australiens ist und auf dem zu unserem Erstaunen Pelikane paddeln. Nach einigen Tagen verlassen wir das Murray-Tal und erreichen bald den Alpine Nationalpark. Je höher wir kommen, desto kälter wird es, und bald fahren wir durch dichte Wolken. Als sich die Sonne wieder zeigt, nutzen wir schnell die Gelegenheit, um draußen zu duschen. Wir übernachten neben dem "Little River Pub“. Eigentlich wollten wir hier zu Abend essen. Aber der Koch ist krank, und so gibt es nur ein Bier. Als der Wirt hört, dass wir aus Deutschland kommen, interessiert ihn primär, welche Art von Rindern es denn bei uns gäbe. Jeder hat so seine Interessen!

Am nächsten Tag geht es zügig nach Melbourne und erst einmal zur Koni-Niederlassung, wo wir tatsächlich Ersatz für unsere (leider nur) vorderen Stoßdämpfer erhalten. Einige Tage später werden die dann in einer MAN-Werkstatt eingebaut – es ist ein neues Auto entstanden, einfach traumhaft! Für eine Woche quartieren wir uns auf einem Campingplatz südöstlich der Innenstadt ein. Das Funktionieren der öffentlichen Verkehrsmittel zu durchschauen, ist in jeder Stadt immer ein neues Abenteuer, aber auch in Melbourne klappt das sehr gut. Bei unseren Fahrten aus den Vororten in die City wird mehr als deutlich, dass Melbourne eine Stadt der Immigranten ist: zwischen Chinesen, Vietnamesen, Indern, Afrikanern usw. sind wir die Exoten in der Metro. Das kulinarische Angebot ist entsprechend vielfältig. Es gibt für jeden Geschmack etwas, und da uns mal wieder danach ist, gibt es in Chinatown leckere Dumplings für uns. Melbourne ist neunmal so groß wie Berlin, also entsprechend weitläufig. Trotzdem ist es kein Problem, die Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt zu Fuß zu erkunden. Und wenn wir des Laufens müde sind – die Straßenbahn bringt uns zu jedem Ziel. Die Australian Open sind in vollem Gange, und es ist viel los in der Stadt. Auf dem Federation Square, dem heimlichen Stadtzentrum, werden die Tennisspiele auf einer Großleinwand übertragen. Auch die Australier lieben Public Viewing, und die sportbegeisterten Melbourner haben sich dank super Wetter davor häuslich eingerichtet. Wen Tennis kalt lässt, für den stellt Heidi Klumm als Alternativprogramm ihre neu kreierten Dessous vor. Da Bettina ihre eigenen Dessous dabei hat, ist Rolf natürlich auch daran nicht wirklich interessiert. Auf Plätzen vor den Museen und auf der Uferpromenade am Yarra River wird musiziert und getanzt. Melbourne hat viel zu bieten: das Parlamentsgebäude, in dem nach britischem Vorbild regiert wird, die Museen, Kirchen und Parkanlagen und die weniger bekannten kleinen Gassen und Arkaden. Gefallen hat uns auch der bis 1926 verkehrsreichste Bahnhof der Welt, die Flinders Street Station. Es ist ein wahrhaft prachtvolles Gebäude im viktorianischen Stil. Melbourne ist mit seinem Straßenleben vielleicht sogar lebendiger als Sydney.
In unserem Caravanpark lernen wir Claudia aus Lüneburg und ihren Mann Lee aus England kennen, die nach Deutschland und England nun schon seit einigen Jahren in Australien leben und uns viele gute Tipps für unsere weitere Reise geben. Wir verbringen zwei enorm spannende Abende mit ihnen, denn nur selten bekommt man aus erster Hand einen so authentischen Vergleich zwischen dem Leben in Europa und in Australien.

Wir verlassen Melbourne, um uns ca. 140 km weiter westlich in Ballarat mit Ingrid und Leo zu treffen, die auch auf Reisen und von Westaustralien mit dort gekauftem Zugwagen und Wohnanhänger angereist sind. Wir freuen uns alle über das Wiedersehen, denn es gibt viel zu erzählen. Das letzte Mal haben wir uns beim 19. AMR-Globetrottertreffen in Amelinghausen gesehen, und wir veranstalten quasi das 20. (Mini-)AMR-Treffen. Jörgen wird fluchen…! Wir genießen die Zeit mit den beiden sehr.

In der Region um Ballarat wurde 1851 Gold gefunden. Zigtausende strömten herbei, um Gold und ihr Glück zu finden. Noch heute zeigt sich der einstige Reichtum der Stadt in den prachtvollen Gebäuden, die während der Blütezeit entstanden sind. Im Freilichtmuseum “Sovereign Hill“ ist um einen erhaltenen Minenschacht herum ein Goldgräberstädtchen aus den 1860er Jahren errichtet worden, indem man die letzten existierenden Gebäude aus den vielen Gold-Geisterstädten der Region hierher versetzt hat. Sehr anschaulich und mit viel Einsatz wird das damalige Leben von Schauspielern dargestellt. Die Angestellten in den Läden und Restaurants tragen Kleidung im Stil des 19. Jahrhunderts und beziehen die Besucher in dieses Spiel mit ein. Wir unterhalten uns prächtig! Mit einem Schrägaufzug fahren wir in die oberen Stollen der alten Mine, aus der damals, nachdem das alluviale Gold erschöpft war, bis aus 1.000 m Tiefe goldhaltiger Quarz gefördert wurde. Unvorstellbar, unter welchen Bedingungen die Menschen gearbeitet haben. Beim Goldwaschen im Fluss hat Bettina leider keinen Erfolg. Deshalb sehen wir uns im zugehörigen Goldmuseum die riesigen Nuggets(-replikas) an, die zu Beginn des Booms, teilweise aber auch erst in jüngerer Vergangenheit mit Metalldetektoren gefunden wurden. Es sind 40 (in Worten vierzig) kg-Brocken dabei! Es lohnt sich auch noch heute, Australiens Erdoberfläche geduldig mit so einem Gerät abzusuchen! Nicht weit von Ballarat entfernt haben wir das Glück, bei einer Schafschur zusehen zu dürfen. Kaum ein Schaf kommt dabei ohne Blessuren davon.

Am 25. Januar verabschieden wir uns von Ingrid und Leo und fahren zurück nach Melbourne, um am nächsten Tag die Fähre nach Tasmanien zu nehmen.

Nach nunmehr zwei Monaten haben wir vom östlichen Australien – das sechstgrößte Land der Welt und das einzige, das gleichzeitig Kontinent ist – nur einen kleinen Teil gesehen. Wir haben einige Zeit gebraucht, um hier einen neuen Reiserhythmus zu finden. Nach so langer Zeit in sehr exotischen Ländern mit fast täglich neuen Sehenswürdigkeiten mussten wir uns erst mit den “leisen Tönen“ Australiens anfreunden. Und mit der Sprache der Australier. Der italienische Autor Nino Culotta hat dazu geschrieben: “Die meisten Australier sprechen Englisch in etwa so, wie ich Hindi spreche – nämlich gar nicht. Sie benutzen zwar englische Worte, aber keiner versteht, was sie meinen. Und die Vokale klingen auch ganz anders. Selbst wenn sie einen normalen Satz bilden, klingt es seltsam.“ Nun ja, ist vielleicht etwas übertrieben! Wer noch nie in Australien war, hat meist die Vorstellung von weiten dürren Landschaften, Hitze und lästigen Fliegen. Ganz anders haben wir bisher das Land erlebt. Alles grünt und blüht, von Trockenheit keine Spur, denn geregnet hat es mehr als einmal. Und wer sagt denn, es gäbe Fliegen in Australien? Uns haben keine Fliegen belästigt. Ja, in Queensland war es zeitweise schon sehr heiß. Aber die Nächte waren meist angenehm, manchmal auch unangenehm kühl. Wir haben während unserer Reisen in den letzten drei Jahren noch nie so oft unsere Heizung angemacht wie in den zwei Monaten hier in Downunder! Von früheren Reisen durch andere Landesteile wissen wir sehr wohl, dass dort ganz andere Bedingungen herrschen, dass die oben genannten Vorstellungen zutreffen, doch genau deshalb wollten wir den uns bislang unbekannten Osten kennen lernen.

              Melbourne          
Mehr Bilder gibt es HIER!!
 
 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; sehr teure kommerzielle Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

022_Denison Camp: schöne kostenlose Campmöglichkeit an einem Stausee mit vielen Tieren; S35 56 24.8 E148 36 09.0; nur einfache Toiletten, ruhig

023_Towong: schöne kostenlose Campmöglichkeit am Murray-Ufer; S36 07 24.6 E148 00 01.3; nur einfache Toiletten, ruhig

024_Murray River Camp: schöne kostenlose Campmöglichkeit am Murray-Ufer; S35 59 12.3 E147 31 33.9; nur einfache Toiletten, ruhig

025_Little River Inn: Parkplatz vor der Kneipe (wir haben um Erlaubnis gefragt); S37 21 47.5 E147 50 05.8; alle Versorgungen (Kneipe), ruhig

027_Smythesdale Garden: schöne Campmöglichkeit auf Spendenbasis 20 km südlich von Ballarat; S37 38 22.2 E143 41 08.4; gute Sanitäranlagen, ruhig


 

Doch nun geht es erst einmal nach Tasmanien, und darüber im nächsten Bericht mehr.

Bis dahin alles Gute in Eurem Frühlingswinter (oder heißt es Winterfrühling?),
Bettina & Rolf

Hobart/Tasmanien-Australien, im Februar 2015