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Australien - März/April 2015

Von Melbourne nach Adelaide

Nach unserem Tasmanienaufenthalt erreichen wir am 3. März wieder das Festland. Zwei Tage bleiben wir noch in Melbourne, um unser Fahrzeug mit neuen hinteren Stoßdämpfern und vier neuen Reifen auszustatten. Rolf hat einiges von Tasmanien aus organisieren können, damit alles an einem Tag erledigt werden kann. Das hat gut geklappt. Beim australischen KONI-Importeur hat sich erneut, wie auch schon bei unserer Vorderachse, der Inhaber Barry mit enorm viel Sachverstand um uns gekümmert. Sollte jemand mit dem eigenen Auto hierher kommen und feststellen, dass seine Dämpfer den Anforderungen australischer Straßen nicht gewachsen sind – es lohnt sich, barry@toperformance.com.au um Rat zu fragen.

Nach einem erneuten netten Klönabend mit Claudia und Lee lassen wir am nächsten Tag Melbourne hinter uns und wenden uns nach Westen. Bei Torquay beginnt eine der attraktivsten Straßen Australiens, die Great Ocean Road, die entlang einer spektakulären Südküste führt. Im weltberühmten Surferparadies Bell Beach warten die Wagemutigen auf die perfekte Welle, die hier so lang sein kann wie sonst nirgendwo auf der Welt. Vom südlichen Ozean her bläst der kühle Wind so kräftig, dass am Johanna Beach nachts unser Fahrzeug ordentlich wackelt, und wir am Morgen bei 9 Grad unsere Heizung einschalten. Auf dem Weg zum Cape Otway Nationalpark zwingen fantastische Ausblicke uns immer wieder zum Anhalten und Fotografieren. In Kenneth River warten niedliche Papageien nur darauf, von uns Touristen gefüttert zu werden. Und im Nationalpark haben wir dann das Glück, einige der niedlichen Koalas in den Bäumen zu sehen. Sie ähneln zwar den (Teddy)bären, sind jedoch Beuteltiere. Koala stammt aus der Aborigine-Sprache und bedeutet so viel wie “nicht trinken“. Und tatsächlich trinkt der Koala kein Wasser, sondern entnimmt seine benötigte Flüssigkeit den von ihm gefressenen Eukalyptusblättern. Eine Legende der Aborigines beschreibt, warum der Koala keinen Schwanz hat: Bei einem großen Buschfeuer war der langsame Koala das einzige Tier, das nicht rechtzeitig fliehen konnte, so dass – nachdem er sich in Sicherheit gebracht hatte – der Schwanz abgebrannt war.

Am nächsten Tag erreichen wir die sog. 12 Apostel, die berühmten Felsen, die sich dicht an der Küste aus dem Meer erheben. Bei Wolken verhangenem Wetter, heftigem Wind und wilder See sind sie ebenso fotogen wie bei Sonnenschein am nächsten Tag. Mächtige Wellen prallen mit Wucht an die weichen Kalksteinfelsen. Schicht um Schicht wird ausgespült, so dass an einem fernen Tag die Felsen ins Meer stürzen werden. Übrigens sind es nur 11 Felsen, und man nannte sie ursprünglich „Sau mit Ferkeln“. Dieser Name erschien einem cleveren Tourismusmanager wenig attraktiv. Sie wurden kurzerhand in Apostel umbenannt, und 12 machen sich halt besser als 11. Bei der “London Bridge“ handelte es sich bis 1990, als sie ohne Vorwarnung einbrach, tatsächlich um eine mit dem Festland verbundene Brücke. Die damals auf dem plötzlich frei im Meer stehenden Felsen gefangenen Touristen mussten per Hubschrauber abgeborgen werden.

Die Great Ocean Road wendet sich kurzzeitig ins Landesinnere, in eine durch Vulkanismus geformte Landschaft. Im Tower Hill Reserve entstand vor ca. 25.000 Jahren ein großer Krater, der sich später mit Wasser füllte und heute ein Maar bildet. Von einem kleineren Zentralvulkan gibt es nicht nur tolle Ausblicke auf den Kratersee, sondern auch Emus, Echidnas und Wallabies lassen sich blicken. In Mt. Cambier erreichen wir die Grenze zu Südaustralien und haben nur noch 9 ½ Stunden Zeitdifferenz zu Maschen. Wir gelangen wieder an die Küste auf den Princess Highway, der uns durch eine sehr markante Landschaft führt. Zwischen uns und dem Meer liegen Dünenzüge und trockene Salzseen. Unser Übernachtungsplatz auf einer Wiese hinter hohen Dünen beschert uns wieder mal Kängurus zum Frühstück – natürlich lebend zum Ansehen. Durch die bewachsenen Dünen laufen wir an den Strand zum immer noch stürmischen Meer. Die Seven Miles Road, eine Piste, bringt uns in den Coorong Nationalpark, und hier gefällt es uns wirklich sehr gut. Eine riesige, Wasser führende Lagune erstreckt sich zwischen der 145 km langen, von leuchtenden Dünen gebildeten Younghusband-Halbinsel und dem Festland – Teil des gigantischen Mündungsdeltas des Murray River. Unglaublich viele Wasservögel haben hier ihr Zuhause, warten förmlich darauf, von uns fotografiert zu werden – Pelikane, Kormorane, Schwarzschwäne, Möwen, Blesshühner und viele weitere uns unbekannte. Im Nationalpark hüpfen Kängurus, während auf dem daneben liegenden abgezäunten Weideland Rinder grasen. In den nächsten Tagen erkunden wir diese wunderschöne, abwechslungsreiche Gegend im und um den Nationalpark bei fantastischem Wetter. Wir campen am riesigen Alexandrina Lake. Bei Wellington mündet der Murray River in den See und fließt dann am Ende der Younghusband Peninsula in den Südlichen Ozean. Eine Shuttle-Fähre bringt uns auf die andere Seite des Sees. Vom Hügel beim alten Leuchtturm werden wir mit einem fantastischen Panoramablick belohnt. Im kleinen Aborigine-Dorf Raukkan zeigt ein kleines Museum alte Fotografien und Gegenstände des frühen täglichen Lebens sowie einige bemerkenswerte Kunstwerke.

Bevor wir nach Adelaide fahren, bleiben wir einen Tag in Mannum am Murray River. Dass der Ort als malerisch beschrieben wird, können wir nicht nachvollziehen. Und dass hier die inoffizielle Hausboot-Welthauptstadt sein soll, muss sich um einen Irrtum handeln – im Harburger Binnenhafen gibt es mehr davon. Für uns sind die eigentliche Attraktion des Ortes die riesigen Corella-Schwärme, die scheinbar aus lauter Lust und Freude kreischend von einem Eukalyptusbaum zum nächsten fliegen oder sich auf den Weiden neben den Rindern niederlassen. Durch die fruchtbaren Hügel und Täler der Adelaide Hills, durch hübsche kleine Ortschaften gelangen wir nach Hahndorf. Es ist ein so touristischer und kitschiger Ort, dass er schon wieder interessant für uns ist, und wir uns viel Zeit für die Besichtigung nehmen. 1839 wurde er von 50 Alt-Lutheraner Familien gegründet, die wegen religiöser Verfolgung aus Preußen hierher ausgewandert waren. Heute erinnert jedoch bis auf das kleine informative Museum nichts mehr an die Herkunft aus Preußen. Wir fühlen uns ganz und gar nach Bayern versetzt: Lederhose, Blasmusik, Bierhumpen und Schlachtplatte sind eben das, was vielen Menschen rund um den Globus als typisch Deutsch gilt und vermarktet werden kann. Und so sitzen dann auch überwiegend asiatische Touristen in den Gasthäusern und lassen es sich bei Bier, Laugenbretzeln und Schlachtplatte gut gehen. Aber auch wir schlagen erbarmungslos zu: Sauerkraut, Kassler, Bratwürste und Apfelstrudel werden in den nächsten Tagen unsere Ernährungsgrundlage bilden. Etwas Australisches finden wir aber doch noch zwischen Kuckucksuhren und Bierhumpen: einen hübschen Gürtel aus Känguruleder für Bettina. Das ist doch mal etwas Besonderes.

Wir gelangen nach Adelaide und quartieren wir uns auf einem City-nahen Caravanpark ein. Die Stadt hat ihren Namen der Deutschen Adelheid von Sachsen-Meiningen zu verdanken, der Ehefrau des britischen Königs Wilhelm IV. Der Weg in die Stadt führt uns durch den wunderschön angelegten Botanischen Garten. Im Seerosenpavillon schwimmen die riesigen Victoria Amazonica, die wir bereits in China (aber nicht in Südamerika) bestaunt haben. Wir bummeln durch die Stadt, die einige alte Gebäude und hübsche Arkaden aufweist. In der seit über 140 Jahren existierenden Markthalle bleiben keine kulinarischen Wünsche offen. Fast immer, wenn wir hier mit Australiern ins Gespräch kommen, stellt sich heraus, dass es irgendwie deutsche Wurzeln in der Familie gibt. So auch beim Verkäufer im Buchladen. So um 1970 war er in Hamburg und hatte dafür etwas Deutsch gelernt. Von seinem Deutschkurs sind ihm noch zwei Sätze in Erinnerung, die er uns vorträgt. “Mein gelber Kanarienvogel ist tot.“ Und “Morgen kommt Oma.“ Wir kontern mit “God shave the queen!“ Sätze, die überlebensnotwendig sind für den täglichen Bedarf. Wir amüsieren uns köstlich! Es fällt uns immer wieder positiv auf, dass die Menschen hier sich immer gern die Zeit für ein Schwätzchen nehmen, sogar mit völlig fremden Personen wie uns.
Auf dem 1837 angelegten Friedhof West Terrace Cemetery sind die über 15.000 Grabstellen nach Herkunftsland oder Religion getrennt. Hier sind sie dann eben doch keine Australier, sondern Italiener, Griechen oder Deutsche, die auch nach dem Ableben unter sich bleiben wollen. Friedhöfe sind für uns immer hochinteressante Stätten, um etwas über die Vergangenheit des Ortes zu erfahren.

Ein wichtiger Grund unserer Reise nach Adelaide sind zwei Besuche. Zum einen bei Arnolda und John: Rolf kennt John aus seiner Doktorandenzeit am Max-Planck-Institut in Düsseldorf, und sie haben sich zuletzt vor 32 Jahren gesehen, als John Rolf in Hamburg besucht hat. Natürlich gibt es nach so langer Zeit vieles zu erzählen. Wir freuen uns sehr, dass wir diesen schönen gemeinsamen Abend haben und auch ihre Tochter und Freunde kennen lernen dürfen. Vielen Dank nochmals an die beiden! Unser zweiter Besuch gilt Uschi, eine Freundin von Ini aus Hamburg, die uns Uschis Adresse mit auf die Reise gegeben hat. Wir sind bei Uschi zum Tee verabredet und verstehen uns auf Anhieb prima, so dass es ein sehr kurzweiliger Nachmittag wird. Kein Wunder, denn auch Uschi ist gebürtige Hamburgerin, lebt aber seit 31 Jahren in Australien. Als wir ihr erzählen, dass wir Mannum nicht wirklich als malerisch empfunden haben, ist ihre Antwort: „Wartet ab, bis ihr die Käffer im Outback seht“. Und Recht hatte sie. Im Vergleich z. B. zu Oodnadatta war  Mannum absolut malerisch! Für unsere weitere Reise gibt sie uns viele wertvolle Tipps. Vielen Dank Uschi!

 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; kommerzielle, oft extrem teure Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

052_Hammond Road North: schönes, kostenloses Camp im Wald; S38 23 15.0 E144 01 34.8; keine Versorgungen, ruhig

054_Lake Elingamite: schöner, kostenloser Campsite an einem Vulkansee; S38 20 55.2 E143 00 55.7; nur sehr einfache Toiletten, ruhig

055_Fitzroy River Reserve: schöner, preiswerter Campsite an einer Lagune; S38 15 35.9 E141 50 52.5; nur einfache Toiletten, ruhig

056_Beachport: schöner, preiswerter Campsite an einem Salzsee; S37 27 02.9 E139 59 44.6; keine Versorgungen, ruhig

057_42 Mile Crossing Camp: schöner, preiswerter Campsite; S36 17 15.0 E139 42 42.0; nur einfache Toiletten, ruhig

058_Narrung Ferry: schöner, kostenloser Campsite am Lake Alexandrina; S35 30 49.0 E139 11 04.0; nur einfache Toiletten, ruhig

059_Marks Point: schöner, preiswerter Campsite im Coorong-NP; S35 37 46.9 E139 04 50.3; keine Versorgungen, ruhig

060_Mannum: schöner, preiswerter Campsite am Murray; S34 54 58.9 E139 18 56.1, nur einfache Toiletten, ruhig


 

Von Adelaide nach Coober Pedy

Nach drei Tagen verlassen wir Adelaide in Richtung Norden durch eine hügelige Landschaft mit Weizenfeldern bis zum Horizont, die um diese Jahreszeit alle abgeerntet sind. Ab Auburn gelangen wir ins fruchtbare Tal des Clare Valley mit seinen hübschen kleinen Ortschaften, die in den 1840er Jahren entstanden. Weiter nördlich in Quorn, wo 1875 der Weizenanbau seinen Anfang nahm, kaufen wir einige Lebensmittel ein und informieren uns über die Flinders Ranges, die bald westlich der Straße sichtbar werden. Der Flinders Ranges Nationalpark ist für vier Tage geschlossen, da verwilderte Ziegen aus Helikoptern abgeschossen und Gifte gegen Füchse ausgelegt werden sollen – Versuche, Verhältnisse wie vor dem Eingriff in die Natur durch die europäische Besiedlung wiederherzustellen. Aber der 400 km lange Gebirgszug hat neben dem Nationalpark noch weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Auf unserem Weg dorthin machen wir für eine Nacht Halt auf der Mt. Little Station. Die Farmersleute sind noch nicht so richtig auf Campinggäste eingestellt, denn dieses Zubrot in einer Zeit, in der sie ihre Rinder wegen der lang anhaltenden Dürre mit Verlust verkaufen müssen, betreiben sie noch nicht lange. Aber das Wasser für die sanitären Anlagen wird sofort angeschlossen, so dass wir gleich unter die Dusche springen können. Auf der großen Station finden wir an einem ausgetrockneten Flussbett einen schönen Platz. Es ist heiß, aber es weht ein ordentlicher Wind, so dass uns die Fliegen (die ersten auf dieser Reise) nicht sonderlich stören. Wir genießen zunächst ein kühles Bier und später einen fantastischen Sternenhimmel. Unser Spaziergang am nächsten Tag in die nahe gelegene Schlucht führt uns zu einem Wasserloch, das auch eine Tränke für Schafe und Kängurus ist.

Wir verabschieden uns von den Farmersleuten und steuern den winzigen Ort Parachilna an, der eigentlich nur aus dem luxuriösen alten “Prairie-Hotel“ besteht, das von außen einen eher unscheinbaren Eindruck macht. Aber das Doppelzimmer kostet hier um die 300 AU$, und ein staubiger Caravan-Stellplatz immerhin 32 AU$. Einige Filmszenen wurden hier gedreht und so berühmte Schauspieler wie Kate Winslet haben in den Luxus-Suiten genächtigt und danach für die nächste Dinnerparty gewusst, wie australisches Outback aussieht. Man muss also hier gewesen sein, und so nehmen wir an der Bar einen leckeren Cidre. So gestärkt, geht es nach Osten in die Berge der Flinders Ranges. In Angorichina empfiehlt uns der Chef vom General Store, in die Mt. Chambers Gorge zu fahren. Über Blinman, dem auf 610 m liegenden höchsten Ort von Südaustralien (SA), wo früher Kupfererz gefördert wurde, geht es auf einer Piste durch die Berge und viele ausgetrocknete Flussbetten, an denen in Galeriewäldern Eukalyptusbäume wachsen. Kängurus und Emus begleiten unsere Fahrt und Sittiche fliegen vor uns her. Die Piste zur Mt. Chambers Gorge ist teils sehr eng (für uns) und auf den letzten Kilometern sehr steinig. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Oberhalb eines abschnittsweise Wasser führenden Flussbettes schlagen wir unser Lager auf. Kängurus, Emus und Rosellas sind unsere Nachbarn. Am Ende der Schlucht erwarten uns steile Felswände, an denen Aborigine-Petroglyphen zu entdecken sind.

Nach zwei Tagen geht es zurück zur Hauptpiste. Am Rande des Vulkathunha Gammon Range Nationalparks durchfahren wir eine ziemlich traurige Aborigine-Siedlung. Am Ortseingang steht auf Hinweisschildern, dass Trucker vor der Einfahrt in den Ort den Staub vom Fahrzeug zu entfernen haben. Das hatte Rolf bei der Einfahrt leider übersehen. Es wird nun immer trockener und die Vegetation immer spärlicher. Bald erreichen wir Copley. Klar, dass wir hier in die legendäre Bush-Bakery einkehren. Es gibt eine unglaublich köstliche Pie mit Marmelade aus Quandong-Früchten (wilder Pfirsich) und Vanilleeis. Dabei handelt es sich um eine kirschgroße Frucht, von der für die Herstellung von Marmelade nur das getrocknete Fruchtfleisch samt Schale verwendet wird. Der Kern, der nach dem Trocknen hell wird, soll ähnlich wie die Makadamia-Nuss schmecken.

Es geht weiter nach Norden, vorbei an riesigen Kohletagebauen. Wir machen Halt bei einem Ocker-Steinbruch. Hier haben die Aborigines seit Tausenden von Jahren Ocker gebrochen und damit Handel getrieben. Die roten, gelben und weissen Felsen sind wunderschön anzusehen. Die Geisterstadt Farina mit ihren Ruinen bietet neben einem wunderschönen Campground interessante Einblicke in die Geschichte des Ortes, der 1878 gegründet wurde. Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Weizenanbau in dieser Gegend hat sich nicht erfüllt, denn die Wasserquellen erwiesen sich als unzuverlässig. Aber der Ort wurde ein wichtiger Umschlagsplatz für den Weitertransport von Waren auf Kamelen zu den weit draußen liegenden Stations weiter im Norden, da hier die Eisenbahnstrecke der Great Northern Railway einstmals endete. Als die Strecke dann später bis Marree weitergeführt wurde (und dann noch einmal später bis Alice Springs), endete der Boom in Farina. Marree wurde die neue Boomtown. Doch auch das ist lange her. Heute ist Marree nur noch ein Schatten seiner selbst, ein Ort, der ohne Outback-Tourismus vermutlich aufgegeben werden würde. Verzweifelt suchen wir nach der im Reiseführer beschriebenen alten Moschee. Dann finden wir sie. Es handelt sich um einen fast zerfallenen Unterstand, eigentlich nur um ein überdachtes Stück nackten Bodens. Wir hatten eine andere Vorstellung – wie so oft nach dem Studium unseres zu heftigen Übertreibungen neigenden Reiseführers.
Es gibt noch eine Kuriosität in Marree – den “Lake Eyre Yachtclub“. Es handelt sich um ein altes Gebäude mit daneben liegenden Booten. Die geduldigen und optimistischen Mitglieder warten auf den äußerst seltenen Fall, dass der für gewöhnlich trockene Salzsee Lake Eyre sich mit Wasser füllt. Zuletzt war das 1979 und davor 1945 der Fall. Vermutlich werden es einige Mitglieder nie schaffen, mit ihrem Boot auf den See zu gelangen. Bevor wir weiter fahren, ist noch ein Besuch in der Bar des alten Marree-Hotels fällig. Wir haben uns inzwischen den Aussies angepasst und trinken mitten in der größten Mittagshitze Bier, das Nationalgetränk der Australier. Man sagt, dass die Zufriedenheit der Aussies ohne ein kühles Bier rapide abnimmt. Im Jahr 1963 schaffte es der damalige Premierminister Bob Hawke ins Guiness-Buch der Rekorde, indem er 1,4 l Bier in 11 Sekunden trank. “Dieser Rekord hat meine politische Karriere mehr als alles andere in meinem Leben gefördert!“, schreibt er in seinen Memoiren. Biersaufen als Legitimationsnachweis eines Politikers – Australien ist zwar geografisch weit von uns entfernt, uns in vielen Dingen aber erschreckend ähnlich.

Ab Marree folgen wir dem 700 km langen Oodnadatta Track nach Nordwesten, entlang der Trassen der alten Overland Telegraph Line und der still gelegten Great Northern Railway. Bald stoßen wir auf den Mutonia Skulpturen-Park des Künstlers Robin Cooke, der seine Werke aus Flugzeug- und Autowracks kreiert. Diese neue Art von Schrottverwertung begegnet uns in Australien ein wenig zu häufig. Viel interessanter für uns sind ein paar Kilometer weiter nördlich die Mound Springs, die Hügelquellen. Das hier durch natürliche Auslässe an die Oberfläche gelangende Wasser entspringt dem “Großen Artesischen Becken“, das sich unter 22 % der Fläche Australiens in bis zu 3000 m Tiefe befindet. Es handelt sich um das größte Grundwasserreservoir der Welt, und das zutage tretende Wasser ist bis zu 2 Mio. Jahre alt. Die Hügel mit dem jeweils am höchsten Punkt ausströmenden Wasser sind über lange Zeiträume entstanden: Die vom Wasser an die Oberfläche gebrachten und sich ablagernden Sedimente und Mineralien ließen in Verbindung mit der Erosion des umgebenden Landes die Hügel entstehen. Über Tausende von Jahren wurden die Quellen von den Aborigines genutzt. Ihr häufiges Auftreten am Oodnadatta Track machte diesen schon lange vor der Ankunft der Europäer zu einem der wichtigsten Handelswege der Ureinwohner. Nach der europäischen Besiedelung wurden über 7000 Bohrungen in das Artesische Becken niedergebracht. Die übermäßige Wasserentnahme ließ den Druck sinken, 1/3 der Bohrungen fördern kein Wasser mehr, und über 1000 natürliche Quellen versandeten und sind verloren. Erst seit 1977 werden solche Bohrungen von der Regierung überwacht. Es ist schon bemerkenswert, welch’ interessanten Geschichten so ein kleiner Hügel erzählen kann!

Bald sichten wir auch die ersten Dingos und sind erstaunt, trotz der offensichtlichen Trockenheit und dem scheinbaren Fehler jeglicher Nahrung immer wieder Rinder zu sehen. Naturgemäß entfernen sie sich niemals wirklich weit von ihren Wasserlöchern, und sie sehen erstaunlich wohl genährt aus. Auf dem Halligan Bay Track, eine 60 km lange Sackgasse, gelangen wir zum Salzsee Lake Eyre, der inmitten einer Mondlandschaft liegt. Auf dem dunklen Untergrund glitzert Glimmer im Sonnenlicht. Die Salzkruste auf dem See ist dünn, vor dem Befahren der Seeoberfläche wird strengstens gewarnt. Wir haben den ganzen See für uns allein, nur ein Dingo besucht uns am nächsten Morgen. Zurück auf dem Oodnadata Track legen wir im William Creek Hotel vor 11 Uhr eine Bierpause ein. Jede Bar, jedes Roadhouse hat seine eigene (ob originelle, sei dahin gestellt) Dekoration. Hier sind es Hunderte von Visitenkarten an der Decke. Und es gibt immer Informationen zu Straßenverhältnissen, die allerdings nicht immer den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Am idyllischen (Salzsee in Mondlandschaft) Ufer des Lake Cadibarrawirracanna (angeblich das längste australische Wort) machen wir eine Teepause.

Nach vielen Kilometern öder Halbwüste künden erste Abraumhalden unser nächstes Ziel an – die Welthauptstadt der Opale, Coober Pedy. Das hört sich nun ganz toll an. Aber der nur 3.500 Einwohner zählende Ort macht auf uns zunächst keinen guten Eindruck. Es ist staubig und dreckig. Aborigines scheinen ziellos herumzulaufen oder sitzen träge und oft auch alkoholisiert am Straßenrand herum. Sie wirken wie das, was sie sind: ein Fremdkörper in der australischen Mehrheitsgesellschaft. Auf einem eingezäunten Grundstück lebt Gary in seinem Bus, und die restliche Fläche vermietet er an Reisende wie wir. Gary ist so nett und hilfsbereit, dass wir uns trotz Staub gleich wohl fühlen. Und der Ort hat dann doch so viel Interessantes zu bieten, dass wir drei Tage bleiben. Im und um den Ort herum dreht sich alles um die so wertvollen Opale. Im Restaurant „The Big Winch“ erhalten wir von der Betreiberin Rosemarie aus Kiel, die seit 1988 hier lebt und – wie die meisten Einwohner – zusätzlich auch noch ein Opalfeld besitzt, viele Informationen. 46 Nationen leben hier angeblich recht friedlich miteinander. Ca. 60 % der 3.500 Einwohner leben in sog. “dugouts“, in Höhlen unter der Erde. Der Grund ist die rund ums Jahr gleichbleibende Temperatur von 24 Grad im Untergrund. Denn im Sommer kann es draußen schon mal bis zu 50 Grad heiß werden und im Winter recht kühl bis zu Minusgraden. Auch Kirchen und Hotels befinden sich im Untergrund. Jeder kann von der Regierung ein Stück Land, einen Claim für den Opalabbau pachten, zulässige Größen sind 100 x 50 oder 50 x 50 m*m. Die Schürfrechte werden jeweils um ein Jahr verlängert. Pflicht ist jedoch, dass der Mineur sein Feld mind. 22 Stunden pro Woche bearbeitet. Und das wird streng kontrolliert. Bei Zuwiderhandlung können die Schürfrechte sofort entzogen werden. Lediglich in den heißen Sommermonaten gibt es eine legale Schürfpause. Viele Einwohner verbringen dann diese Zeit in kühleren Gegenden. Das Schürfen im Stadtgebiet ist seit einiger Zeit aus Sicherheitsgründen verboten, denn schon unter so manchem Wohnzimmer hat sich plötzlich ohne Vorwarnung ein Riesenloch geöffnet! Gleichzeitig und dummerweise liegt der Ort in ergiebigstem Opalgebiet. Deshalb werden die “dugouts“ immer weiter ausgebaut, so dass eine unterirdische Wohnung schon mal 16 Schlafzimmer haben kann. Denn es ist nicht verboten, beim Wohnungsausbau rein zufällig Opale zu finden! Natürlich besuchen wir auch eine stillgelegte Mine mit angeschlossenem Museum und einem Opal-Shop. Opale kommen in den unterschiedlichsten Farbschattierungen vor. Aus Coober Pedy stammen ca. 80 % aller Opale weltweit. Von hier kommen die hellen Steine mit roten, blauen und grünen Einsprengseln. Einige Exemplare sind wunderschön!

Beim Verlassen der Stadt führt uns der Weg am Golfplatz vorbei, auf dem nicht ein einziger Grashalm wächst. Etwas weiter nördlich in den Stuart Ranges bewundern wir die bunten Hügel der Breakaways. Die Strecke führt uns abschnittsweise am Dog Fence, am Dingo-Zaun entlang. Der in den 1930er Jahren errichtete 5.300 km lange Zaun dient bis heute dazu, die Schafzuchtgebiete im Süden vor den Dingos im Norden zu schützen. Stolz verkünden die Australier, dass der Zaun fast so lang ist wie die Chinesische Mauer. Dieses fantastische Bauwerk und den schnöden Zaun in einem Atemzug zu nennen, ist eine dieser typisch australischen Bescheidenheiten!
                       

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; kommerzielle, oft extrem teure Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

062_Yacka: guter, preiswerter Campsite in einem kleinen Park; S33 34 08.4 E138 26 46.8; nur einfache Toiletten mit Dusche, ruhig

063_Mt. Little Station: schöner, preiswerter Campsite auf einer Station; S31 44 01.7 E138 23 55.0; gute Sanitäranlagen, viele Tiere, ruhig

064_Chambers Gorge: schöner, preiswerter Campsite in einem Creek; S30 57 14.2 E139 13 00.1; keine Versorgungen, viele Tiere, ruhig

065_Farina: sehr schöner, preiswerter Campsite neben den Ruinen; S30 03 43.8 E138 16 26.5; gute Sanitäranlagen, viele Tiere, ruhig

067_Halligan Bay: sehr schöner, preiswerter Campsite am Lake Eyre; S28 45 51.6 E136 56 17.3; nur einfache Toiletten, ruhig

068_Coober Pedy: guter, preiswerter Campsite am Stadtrand; S28 59 57.2 E134 45 25.0; gute Sanitäranlagen, ruhig


 

Von Coober Pedy zum Ayers Rock

Wir folgen der Piste nach Oodnadata, einem trostlosen Ort, in dem nicht einmal das einstmals berühmte Pink Roadhouse zum Bleiben auf ein Bier einlädt. Nach dem Tod des rührigen letzten Besitzers lebt es nur noch von seinem rapide verfallenden Ruf. Hier erfahren wir, dass eine Piste zu den Dalhousie Springs am Rande der Simpson Desert aufgrund der heftigen Januar-Regenfälle gesperrt ist. Es gibt noch zwei weitere Pisten, von denen eine trotz anders lautender Information ebenfalls gesperrt und die dritte so grottenschlecht ist, dass wir nach 4 km umkehren – wir schaffen nicht einmal Fußgängertempo. Dalhousie wäre sowieso eine Sackgasse für uns, denn nach Osten, nach Birchville wollen wir nicht. Auch um nur einmal in die Simpson hineinzuschnuppern, sollen wir AUD 130,- für den Simpson Desert Pass auf den Tisch legen! Nur, um 5 m hohe Dünen (davon allerdings viele) zu sehen? Außerdem wissen wir, wie gut unser Wagen auf Sand ist – nein Danke. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir sicher eine andere Route gewählt. Aber nun müssen wir weiter dem mal guten, mal schlechten Track über Mt. Dare nach Kulgera folgen und gelangen in das nächste Bundesland, das Northern Territory. Rolfs Geburtstag feiern wir stilvoll am geografischen Mittelpunkt Australiens, am Lambert Centre, das wir über eine recht üble Piste erreichen. Ein einsamer Ort mit einem Fahnenmast, den wir vor Verlassen am nächsten Tag einmal umfahren. Endlich treffen wir in Kulgera auf den asphaltierten Stuart Highway, was für eine Wohltat. Außerdem nagen diese steinigen Pisten verdammt heftig an unseren neuen Reifen.

Es ist der 1. April, wir sind auf dem Weg zum Uluru, wie Ayers Rock heute politisch korrekt heißt, und uns fällt eine Geschichte ein, die uns ein Herr im Italian Miners Club in Coober Pedy erzählt hat: Vor vielen Jahren teilte eine große australische Tageszeitung am 1. April mit, dass die weißen Riesenameisen dabei seien, den Felsen von unten auszuhöhlen. Da die Gefahr besteht, dass er bald in sich zusammenbrechen werde, sollte man sich beeilen, um ihn noch in seinem jetzigen Zustand zu sehen. Der Touristenstrom stieg rapide an! Nach unseren letzten Informationen ist der Uluru noch vorhanden, und so folgen wir ab Erlunda dem Lasseter Highway. 140 km vor unserem Ziel halten wir fälschlicherweise den weitaus größeren (und nach unserem bescheidenen Dafürhalten weitaus schöneren) Mt. Connor für den berühmten Berg. Wir erreichen schließlich Yulara, dem Ausgangspunkt zum Besuch des Uluru-Kata Tjuta Nationalpark, der Ayers Rock und die Olgas umfasst. Hier wird der Park touristisch verwaltet, und hier befindet sich auch der letzte Campingplatz vor dem Nationalpark. Im Nationalpark selbst darf man nicht campen, also auch nicht am Uluru oder in den Olgas. Das Gebiet befindet sich im Besitz der Anangu-Aborigines, die es an die Bundesregierung verpachtet haben. Ob man einen oder drei Tage bleibt, der Eintritt zum Nationalpark kostet AU$50,-, und dieser schließt um 20:00 h. Kurz vor Sonnenaufgang am nächsten Tag bildet sich am Parkeingang eine lange Autoschlange – viele wollen den Felsen in dem besonderen Licht des beginnenden Tages sehen, aber die Ranger wollen lange schlafen und haben deshalb nur ein Kassenhäuschen geöffnet. Da es dann noch etliche Kilometer bis zum Felsen sind, ist die Sonne bei unserem Eintreffen natürlich schon hoch. Man glaubt es einfach nicht, insbesondere, dass keiner der Australier murrt! Der Sonnenuntergang findet uns pünktlich mit vielen Gleichgesinnten an einem der dafür vorgesehenen abgezäunten Viewing Spots – wir sind ja schon im Park. Ja, der Felsen ist schon beeindruckend in den unterschiedlichsten Farbschattierungen zu verschieden Tageszeiten. Beim Umlaufen wird auch deutlich, dass es sich nicht um eine glatte Oberfläche handelt, wie es von weitem den Anschein hat. Höhlen und tiefe Einschnitte werden sichtbar, einige davon mit Felsmalereien. Auch hier sind Bereiche eingezäunt, und abschnittsweise gibt es an einigen besonders heiligen Stätten sogar Fotografierverbote. Die Anunga wollen aus kulturellen Gründen eigentlich nicht, dass der Felsen bestiegen wird, worauf auch überall hingewiesen wird. An mindestens einer Stelle wird es jedoch auf einem recht steilen Pfad mit Hinweisschildern und Halteseilen möglich gemacht, inkl. einiger Anregungen, dass man feste Schuhe tragen und genug Wasser mitnehmen soll! Bei einem Totalverbot des Besteigens fürchtet man einen Touristen-Rückgang. Geld kontra Heiligkeit. Wider besseres Wissen erzählen die Reiseführer und Prospekte auch immer noch die Mär vom weltweit größten Monolithen. Jeder weiß inzwischen, dass es sich um einen inmitten einer riesigen Ebene gelegenen Inselberg handelt, von dem sich 2/3 unter dem Sand befinden. Zur Vermarktung ihrer Sehenswürdigkeiten schrammen die Australier nach unserem Geschmack zu häufig zu nah an der Unwahrheit, zumindest aber zu nah an gewaltigen Übertreibungen entlang. Einige ältere australische Touristen, mit denen wir sprechen, denken mit Wehmut an die Zeit zurück, als sie direkt am Uluru campen und nachts seine Silhouette gegen einen fantastischen Sternenhimmel bewundern durften. Und auch wir erinnern uns an die schöne Zeit am Mt. Augusta in West Australien, dem ewigen Zweiten der australischen Vorzeigefelsen, wo es keine Reglementierungen gab, und wir den Berg für uns allein hatten. Aber die Zeiten ändern sich: Zuerst wurde es den Touristen einfach gemacht (Straßenbau, Unterkünfte) hierher zu kommen. Dann, so ein Pech, kamen so viele, dass man den Felsen vor ihnen schützen musste. Magie, ade! Das gilt auch für die ca. 35 km weiter westlich liegenden Kata Tjuta, früher auch als Olgas bekannt. Sie bestehen aus insgesamt 36 dicht beieinander liegenden Felskuppeln, von denen die höchste 546 m hoch ist, also noch ca. 200 m höher als der Uluru. Einer der Wanderwege führt uns in die eng zulaufende Walpa Schlucht, deren bunten Felswände steil herabfallen.

                       
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; kommerzielle, oft extrem teure Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

070_Eringa Waterhole: schöner, kostenloser Campsite am Wasserloch; S26 17 10.3 E134 43 31.8; keine Versorgungen, ruhig

071_Lambert Centre: schöner kostenloser, weit abgelegene Campmöglichkeit am geografischen Zentrum Australien; S25 36 35.5 E134 21 43.9; nur einfache Toiletten, ruhig

072_Kernot Range Rest Area: guter, kostenloser Campsite (Rest Area) am Lasseter Highway; S25 10 36.0 E132 15 00.0; keine Versorgungen, nachts ruhig


 

Vom Ayers Rock nach Alice Springs

Nach drei Tagen verlassen wir nicht wirklich wehmütig den Uluru, um uns dem nächsten Nationalpark zuzuwenden, dem Kings Canyon Nationalpark. Und hier gefällt es uns wesentlich besser: viel weniger Betrieb, alles deutlich schlichter. Unsere Wanderung führt uns nach einem steilen Aufstieg auf ein Plateau. Entlang von den unterschiedlichsten Felsformationen, wie bienenkorbförmige Kuppeln und mit Palmen bewachsene Felsspalten gelangen wir schließlich zum Rand des Canyons mit seinen auf der einen Seite durchfurchten, auf der anderen Seite glatten bis zu 300 m abfallenden Sandsteinwänden. Hinein in den Canyon geht es zum Garden of Eden, einem von üppigem Pflanzenbewuchs umgebenden Wasserloch. Dass vor Millionen von Jahren die Felsen von einem See bedeckt waren, zeigen wellenförmige Versteinerungen des ehemaligen Seebodens. Hier gibt es keine Tonnen von Ge- und Verbotsschildern, aber glücklicherweise Richtungsangaben, ohne die wir schnell die Orientierung verloren hätten. Auch unser nächstes Ziel, die West MacDonnel Ranges, bieten uns abwechslungsreiche Wanderwege in die tiefen Schluchten der Ormiston Gorge oder des Ellery Creek Big Hole. Über Hermannsburg, eine Aborigine-Gemeinde, wo selbst der Supermarkt wie ein Hochsicherheitstrakt vergittert ist, gelangen wir auf einer teils sandigen, teils recht steinigen Piste zum schönen Finke Gorge Nationalpark Campground. Von hier sind es noch einmal 4 km bis zum traumhaften Palm Valley. Wir lassen nach 2 km das Fahrzeug stehen, da wir erstens zu Fuß viel schneller sind und zweitens die vielen Fotomotive durch das konzentrierte Fahren verpassen würden. Das Palm Valley liegt am Ufer des Palm Creek, einem Nebenfluss des Finke River. Hier gedeihen die einzigartigen, sonst nirgendwo auf der Welt wachsenden Marienpalmen, von denen einzelne Exemplare über 300 Jahre alt sind. Wunderschön ist es hier.

Nach soviel Natur zieht es uns wieder mal in eine Stadt. Die nächst gelegene ist Alice Springs, der größte Ort in Zentralaustralien, im Outback. Durch die Stadt fließt der Todd River. Der Fluss erscheint auf den Landkarten natürlich in leuchtend blauer Farbe. In der Realität handelt es sich jedoch um ein fast immer trockenes Flussbett. Einmal pro Jahr findet auf ihm eine weltweit einzigartige Regatta statt, das Henley-on-Todd-Rennen. Mit Booten, denen der Boden fehlt, laufen Männer im trockenen Flusssand um die Wette. Statt Wasser ist Staub angesagt. Sollte es tatsächlich mal regnen und der Fluss mit Wasser gefüllt sein (was 1993 vorkam), findet das Rennen nicht statt. Es fällt schlicht “ins Wasser“. Alice ist für uns keine attraktive Stadt. Es herrscht ein Überangebot an Aborigine-Handwerkskunst, und die in den Parks herumlungernden Aborigines selbst machen auf uns – wie auch schon in Coober Pedy – einen eher deplazierten Eindruck. Wir wissen nicht, ob sie keine Arbeit erhalten oder nicht arbeiten wollen. Das alles ist für uns nicht einschätzbar. Von Australiern hören wir überwiegend negative Äußerungen.
Aber es gibt auch Interessantes in Alice zu sehen. Die originalgetreu restaurierte Telegrafenstation, eine Verstärkerstation der alten Überlandtelegraphenlinie nach Europa, die von 1870 bis 1932 ihren Dienst tat, wird von Ehrenamtlichen betreut. Zwei sehr engagierte Herren in Rolfs Alter erläutern und demonstrieren uns die Funktion der damaligen telegrafischen Übermittlung per Morsekode. Es ist faszinierend, wie fingerfix sie sind! Und wir besuchen die sog. School of the Air, die 1951 gegründet wurde, um Kindern auf abgelegenen Outback-Stations Fernunterricht zu erteilen. Zu Beginn geschah das über Kurzwelle, heute wird per Satelliten-Internet unterrichtet, was wir live miterleben dürfen. Das weltweit größte Klassenzimmer umfasst immerhin 1.300.000 qkm (10fache Größe Englands) und hat ca. 120 Schüler von der Vorschul- bis zur 7. Klasse. Fast jeder Bundesstaat hat übrigens so eine Einrichtung. Die in Alice Springs ist keineswegs die einzige. Die am nächsten wohnenden Schüler sind ca. 80 km und die am weitesten über 1000 km entfernt. Und einige sind ständig in Bewegung, weil die Eltern Wanderarbeiter sind. Bis zum 7. Schuljahr werden die Kinder so unterrichtet. Danach muss es eine städtische Schule oder ein Internat sein. Alle nötigen Computer- und Satellitenausrüstungen sowie die Verbindungskosten und das Lernmaterialien stellt die Schule zur Verfügung, und der Lehrplan stimmt mit dem der öffentlichen Schulen überein. Dreimal pro Jahr treffen sich alle Schüler, Eltern und Lehrer zu einem fröhlichen Beisammensein in Alice.

                       
Mehr Bilder gibt es HIER!!
 
 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; kommerzielle, oft extrem teure Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

074_Salt Creek Rest Area: schöner, kostenloser Campsite (Rest Area); S24 46 21.9 E132 18 24.7; keine Versorgungen, ruhig

075_Kings Canyon Lookout: mittelprächtige, kostenlose Rest Area mit schönem Blick auf Kings Canyon in der Ferne; S24 03 39.1 E131 24 31.6; keine Versorgungen, ruhig

076_Ormiston Gorge: schöner, preiswerter Platz am Schluchteingang; S23 37 59.2 E132 43 38.3; einige Versorgungen, ruhig

077_Palm Valley Campground: schöner, preiswerter Platz 4 km vor dem Valley; S24 03 27.2 E132 44 47.8; Toiletten und Duschen, ruhig


 

Drei Tage bleiben wir in Alice und beschließen, die paar (1.600) Kilometer wieder zurück an die Ostküste zu fahren. Doch darüber im nächsten Bericht mehr. Bis dahin viele Grüße und Euch einen schönen Frühsommer,

Bettina & Rolf

Notch Point/Queensland-Australien, im Mai 2015