Lieber Wellblechpiste als Butterfahrt!!
Great Barrier Reef
       
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Australien - April/Mai 2015

Von Alice Springs nach Townsville

Wir verlassen Alice Springs in nördlicher Richtung und überqueren den Wendekreis des Steinbocks, sind also wieder in den Tropen angekommen. Wir folgen dem Plenty Highway nach Westen und machen uns auf den langen Weg zurück an die Ostküste. Die Strecke ist zunächst einspurig asphaltiert, geht bald für die nächsten 700 Kilometer in eine Schotterpiste über und führt durch eine üppige Vegetation. Bei entgegenkommenden Roadtrains weichen wir zu Beginn vorsichtshalber aus. Doch schon bald merken wir, dass wir offensichtlich stattlich genug sind, um sie ihrerseits zum Ausweichen zu motivieren. Ab jetzt begegnen wir uns auf (vorsichtiger) Augenhöhe. Die nächsten Tage sind sehr heiß, morgens um 07:00 h haben wir bereits 25°C. Zum Übernachten finden wir Buschplätze abseits der Strecke – aber auch nur deshalb, weil die riesigen Stations in diesem Teil Australiens ihre Weiden (naja, was man hier so Weiden nennt) über weite Strecken nicht einzäunen. Auf der Tobermorey Station erkundigen wir uns nach dem Zustand der beiden vor uns liegenden Pisten-Alternativen und klönen mit dem Farmer. Die Station verfügt über einen Helikopter und ein Boot, das an einem Baum aufgehängt ist. Denn bei starken Regenfällen kann es passieren, dass das Gelände um die Häuser herum trotz Deich überflutet wird. Ein eingeschossiges Farmhaus steht auf kurzen Stelzen. Wir erfahren, dass es ursprünglich zweigeschossig war - bis Weiße Ameisen das Erdgeschoss aufgefressen haben, und das Obergeschoss kurzerhand zum neuen Erdgeschoß wurde. Wir folgen der Empfehlung des Farmers, die bessere Piste (Donohue Highway) über Boulia zu nehmen. Die ist tatsächlich so gut, dass wir zwecks Speed den Reifendruck wieder heraufsetzen müssen. Wir gelangen in das sog. Channel Country, das von unzähligen Kanälen durchzogen ist, die während der Regenzeit durch das südwärts fließende Wasser entstanden sind. Zurzeit sind sie meist trocken, haben aber in Ost-West-Richtung eine markante Berg- und Talpiste entstehen lassen. Im weit abgelegenen Örtchen Boulia, schon wieder in Queensland, führt der Burke River tatsächlich Wasser. Und sofort sind auch wieder Vögel wie Kraniche und Corellas zu sehen. Die Attraktion von Boulia sind die sog. Min-Min-Lights. Angeblich sollen hier nach Einbruch der Dunkelheit bei sinkenden Temperaturen geheimnisvoll umherirrende, flirrende Lichter am Horizont auftauchen, deren Entstehung niemand erklären kann. In der Touristeninformation fragen wir, ob man die Lichter wirklich sehen kann. Die Antwort: „Ja, aber eine Gewährleistung gibt es nicht.“ Auf Rolfs Einwand, dass man die Lichter wohl am Besten nach einem oder zwei Glas Bier wahrnehmen würde, antwortet die Dame empört, auch nicht-alkoholisierte Personen hätten die Lichter gesehen! Fakt ist, wir haben sie nicht gesehen. Und das lag nicht am Alkohol.

Am nächsten Tag freuen wir uns auf einen besonderen Nachtplatz: In unserer App "WikiCamps" (sehr empfehlenswert!) wird das Hamilton Hotel als super Nachtplatz in Gesellschaft von netten Leuten beschrieben. Wir erwarten ein altes Hotel mit einer gemütlichen Bar, kühlem Bier und einem Campground dahinter. Was für einen Enttäuschung! Vom 1897 erbauten Hotel ist lediglich der Kamin übrig geblieben. Unsere Nachbarn sind Rinder – da müssen wir uns verlesen haben! Wie immer, machen wir das Beste aus der Situation und plündern unseren eigenen Kühlschrank. Schließlich sind wir nicht auf eine Hotelbar angewiesen. Das kühle Bier genießen wir dann am nächsten Tag in Winton auf der Terrasse des Tattersalls Hotels. Winton liegt unweit eines Dinosaurierfossilienfundgebietes (herrliches Wort!), was im Ort allgegenwärtig ist, selbst bei den Mülltonnen, die Dino-Füßen nachempfunden sind. Im Ort hat der Künstler Arno Grotjahn sein Grundstück mit einer skurrilen Mauer umgeben, in die er die Reste aller möglichen und unmöglichen Maschinen und Haushaltsgeräte einzementiert hat. Auf diese Weise entsorgt er seinen Schrott.

Am Nachmittag gelangen wir durch weite trockene Grasebenen nach Prairie (nomen est omen), zum gleichnamigen Hotel, das von einem Ehepaar betrieben wird, dessen drei Kinder über die "School of the Air" am Schulunterricht teilnehmen. Auf dem zugehörigen Camp hinter dem Haus gibt es einen Schatten spendenden Baum, in dessen Geäst die Außendusche installiert ist – Afrika lässt grüßen! Die Dame des Hauses hat gerade Besuch von einer Freundin, die uns ihr schrilles Outfit für den kommenden Ball vorstellt. Auf Rolfs Kommentar, dass man diese Art Kleidung hier draußen wohl nicht so oft benötigt, folgt unisono die Antwort der beiden Damen: "Falsch! Sofort nach dem Ball nächste Woche müssen wir uns Gedanken über unser Outfit für die nächste Veranstaltung machen. Hier jagen sich die Bälle, und so geht es das ganze Jahr über! Zum Glück haben wir verständnisvolle Ehemänner." Soviel zum langweiligen Leben im Outback. Gemeinsam mit Wirt und Gästen verbringen wir einen unterhaltsamen Abend auf der Hotelterrasse, bei kühlem Bier und umschwirrt von riesigen Heuschrecken. In der ehemaligen Goldgräberstadt Charters Towers sind wir vollends zurück in der sog. Zivilisation: In den hübsch angelegten Gärten blühen Rosen, die schmucken Straßen sind von Palmen gesäumt.

Schließlich erreichen wir in Townsville wieder die Ostküste. Unser Campingplatz liegt sehr ruhig in einer Nebenstraße, dicht am Ross River. Nach der langen staubigen Zeit im Outback genießen wir die Spaziergänge entlang des von Bäumen gesäumten Flusses, auf dem Seerosen wachsen und viele Wasservögel ihr Zuhause haben. Das Stadtzentrum ist nicht sehr attraktiv, das Aquarium eher enttäuschend. Aber die 2 km lange Meeres-Promenade "The Strand" ist hübsch angelegt. Wegen der gefährlichen Würfelqualle, deren Berührung tödlich sein kann, darf nur in einem abgesperrten Bereich im Meer gebadet werden. Aber auch dort ist man nicht absolut sicher – wenn Einwohner überhaupt im Meer baden gehen, dann mit einem den ganzen Körper bedeckenden Schutzanzug. Abends sitzen wir auf unserem Campingplatz unter großen schattigen Bäumen, trinken unser Bier aber erst heimlich in der Dunkelheit. Denn es handelt sich um einen von den Adventisten betriebener Campingplatz, auf dem Alkohol und sonstige Drogen verboten sind. Bevor wir abreisen, erhalten wir wertvolle Reisetipps vom Betreiber.

       

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; kommerzielle, oft extrem teure Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

081_Hamilton River: kostenloses Camp neben den Hamilton Hotel-Ruinen; S22 46.336 E140 35.905; einfache Toiletten, Dusche, nachts ruhig; kann staubig werden, wenn Roadtrains vorbeirauschen

082_Winton: preiswerter Campsite hinter dem North Gregory Hotel; S22 23.380 E143 02.292; alle Versorgungen, ruhig

083_Prairie: schöner Campsite auf Spendenbasis hinter dem Prairie Hotel; S20 52.245 E144 36.020; alle Versorgungen, ruhig

083_Townsville: schöner, preiswerter Campsite (Riverside Convention Park) am Fluss; S19 18.386 E146 46.057; alle Versorgungen, ruhig


 

Von Townsville zum Great Barrier Reef

Wir folgen dem Highway zunächst nach Norden, bevor wir uns in Ingham endgültig wieder auf den Weg nach Süden machen. Queensland wird auch Zuckerrohrland genannt, und so reiht sich ein Zuckerrohrfeld an das nächste. Das Zuckerrohr gehört zur Familie der Gräser und kann eine stattliche Höhe von 3 bis 6 m erreichen. Das Anbaugebiet verläuft ca. 2.000 km entlang der Küste, parallel zum Great Barrier Reef. In der Erntezeit von Juli bis Dezember wurde das Zuckerrohr früher mühevoll von Hand mit einer Machete abgeschlagen. Heutzutage gibt es dafür Mähdrescher-ähnliche Maschinen. Zum schnellen Abtransport des Zuckerrohrs zieht sich in Queensland ein ca. 4000 km langes Schmalspurbahnschienennetz durch die Felder. Kleine Loks ziehen die mit dem geernteten Zuckerrohr gefüllten Waggons zu den Mühlen.

Das Touristenzentrum Airlie Beach laufen wir nur an, weil der Ort in unmittelbarer Nähe zu den Whitsunday Islands liegt, und es von hier eine gute Möglichkeit gibt, zum südlichen äußeren Great Barrier Reef zu gelangen. Die Whitsunday Islands bestehen aus 74 Inseln, die Teil des Weltnaturerbes Great Barrier Reef sind. Den Namen verdanken die Inseln James Cook, der 1770 am Pfingstsonntag das Archipel durchsegelte. Bei fantastischem Wetter starten wir am nächsten Morgen unsere Schnorcheltagestour. Zunächst gleiten wir durch eine wunderschöne Inselwelt, dann geht es über das offene Meer, um nach drei Stunden erste Blicke auf das sich markant gegen das hell-türkisfarben flache Wasser abhebende Riff zu werfen. Vom Schiff wechseln wir auf einen Ponton, legen schnell Quallenschutzanzüge und Schnorchelausrüstung an, und dann geht es hinein ins Meer, am Riff entlang. Um es vorweg zu nehmen: Unsere Erwartungen werden nicht erfüllt. Ja, es sind kleine und größere bunte Fische zu sehen, auch einige sehr schöne, große und farbige "Mördermuscheln", allerdings nur noch wenige lebende Korallen. Das größte Korallenriff der Welt ist schon lange bedroht und steht durch Abwässer aus Landwirtschaft und Minenaktivitäten unter erheblichem Druck – zusätzlich zu den globalen Bedrohungen wie steigende Meerwassertemperaturen. Natürlich hätten wir inzwischen wissen müssen, dass unser zu hemmungslosen Überhöhungen neigende Reiseführer (Lonely Planet "Australia") auch hier etwas verspricht, das es nicht mehr gibt: In den letzten 25 Jahren hat das Riff mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren, und es sind bereits irreparable Schäden entstanden. Das Riff als "gefährdetes Weltnaturerbe" einzustufen, wurde Ende Mai 2015 von der UNESCO gerade noch einmal verworfen. Dieser Aufschub gilt jedoch nur, wenn Australien mehr für den Schutz des Riffs tut und bis Dezember 2016 einen Bericht über vorgesehene Schutzmaßnahmen vorlegt. Trotzdem bleiben wir über zwei Stunden im Wasser und erfreuen uns halt an den Dingen, die es noch zu sehen gibt. Ein wenig enttäuscht erreichen wir bei Sonnenuntergang wieder das Festland. Und wir sind dankbar, dass wir vor 10 Jahren die wunderschöne Wasserwelt des Ningaloo Reef in Westaustralien erleben durften. Dort konnten wir direkt vom Strand aus lohnenswerte Schnorchelausflüge unternehmen.

     

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; kommerzielle, oft extrem teure Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

084_Paluma Range NP : guter, preiswerter Campsite im Nationalpark; S18 58.797 E146 15.359; nur einfache Toiletten mit Dusche, ruhig

085_Ingham: hübscher, preiswerter Campsite auf einer Wiese neben der Touristeninfomation; S18 39.312 E146 09.120; Sanitäranlagen nur tagsüber geöffnet, viele Tiere, ruhig

086_Bowen Showgrounds: preiswerter Campsite; S19 59.708 E148 13.683; nur einfache Toiletten mit Dusche, ruhig


 

Vom Great Barrier Reef nach Fraser Island

Nach zwei faulen Tagen in Seaforth auf einem Campingplatz direkt am Wasser geht es ins grüne und bergige Landesinnere zum Eungella NP und zur Finch Hatton Gorge. Im nahe gelegenen Platypus Bush Camp mitten im Regenwald lassen wir uns nieder. Der kautzig-urige Wazza, auf dessen Grund und Boden das Camp liegt, ist total mit der Natur verwurzelt und beäugt missbilligend unser Diesel-saufendes Vehikel. Das Camp ist zwar etwas heruntergekommen, aber hoch interessant! Wazza behauptet, die beste Regenwalddusche der Welt zu besitzen. Seine Beurteilungskriterien kennen wir nicht - tatsächlich handelt es sich um einen Holzverschlag, der zum Wald hin offen ist, so dass Tier und Mensch (oder Mensch und Mensch) sich beim Duschen beobachten können. Laut Reiseführer sollen hier Schnabeltiere in freier Wildbahn herumtollen! Das "herumtollen" ist natürlich einmal wieder maßlos übertrieben. Aber laut Wazza leben sie tatsächlich hier und sind am besten am frühen Morgen zu beobachten. Also klingelt um 05:45 h unser Wecker, und auf geht’s zum Platypus Pool. Das lange Warten bei nur 14°C Lufttemperatur lohnt sich: Einige Platies beehren uns mit ihrer Anwesenheit -wir sind überglücklich!

Wir verabschieden uns von Wazza und fahren zurück an die Küste. In Illbilbie folgen wir dem Abzweig zum Yarrawonga Park Reserve. Die teils durch Bäume sehr enge und teils sehr steinige Piste führt uns entlang des Marion Creek zu einem wahrhaft wunderschönen, auf einer erhöhten Landzunge am Meer gelegenen Campground ohne jegliche Infrastruktur. Wir hätten nicht geglaubt, dass es solche Campingplätze an der Küste überhaupt noch gibt! Hier halten wir es ein paar Tage aus, was uns in Australien nicht so oft passiert ist. Baden ist aber auch hier nicht ratsam. Es wird vor Haien und Krokodilen und Quallen gewarnt. Also machen wir Spaziergänge am Strand entlang, schauen den Anglern zu, entspannen und begeistern uns an den traumhaften Sonnenuntergängen.

Um zu erfahren, was mit all dem Zuckerrohr geschieht, besuchen wir in Bundaberg die berühmte Rum-Brennerei, in der seit 1888 dieses bei Australiern so beliebte Gesöff hergestellt wird. Wir nehmen an einer Führung teil, bei der leider nicht fotografiert werden darf. Und zwar nicht aus Angst vor Werksspionage, sondern weil hier nahezu 100 %iger Alkohol lagert! Welche Kamera ist schon explosionsgeschützt? Wir erfahren, dass Rum aus Zuckerrohr-Melasse, dem immer noch zuckerhaltigen Abfallprodukt der Zuckerherstellung, gemacht wird. In einem riesigen Tank lagert die dunkelbraune Brühe, die wir (gereinigt) probieren dürfen. Dass Melasse auch Grundstoff der Lakritz-Herstellung ist, merken wir sofort am Geschmack. Am Ende der Führung dürfen wir in der Fabrik-eigenen Bar verschiedene Rumsorten probieren, was die Fahrtauglichkeit erhöht und uns zum Kauf verleitet.

Einige Tage später erreichen wir die durch Wind und Wellen geformte schmale sandige Halbinsel Inskip. Von hier nehmen wir die Fähre nach Hook Point zur Südspitze von Fraser Island. Die Überfahrt dauert nur 15 min, und wenn man, wie wir, Glück hat, kann man Delfine vorbeischwimmen sehen. Fraser Island besteht bis auf einige Gesteinsformationen vulkanischen Ursprungs aus Sand, ist damit die größte Sandinsel der Welt (123 km lang und durchschnittlich 15 km breit) und gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Eine Broschüre besagt, dass es hier mehr Sand gibt als in der Sahara. Wenn das man stimmt – die Australier lieben es, ihre Sehenswürdigkeiten mit Attributen wie "das größte ….", "die mächtigste ……", "der älteste …..", etc. zu schmücken. Während der nächsten Tage erkunden wir diese einzigartige Insel, die die Aborigines wegen ihres Reichtums an Wasser, Pflanzen und Tieren "K`Gari (Paradies)" nennen. Wir düsen am 120 km langen 75 Miles Beach entlang, wobei wir genau auf die Gezeiten achten müssen, denn an einigen Stellen ist der Strand recht schmal und bei Flut nur schwierig oder nicht zu befahren. Hier im nassen Sand bei auflaufender Flut mit dem Auto zu versacken, wäre nicht so prickelnd. Und auch die bei Flut ansteigenden Flüsse, die vom Inselinneren ins Meer fließen, können zum unüberwindbaren Hindernis werden.

Auf einem Wanderweg durch den weltweit einzigen auf Sand wachsenden Regenwald gelangen wir zum tiefsten von 40 Süßwasserseen der Insel, zum Lake Wabby. Er liegt romantisch umgeben von Wäldern und Wanderdünen, die ihn jedes Jahr kleiner werden lassen. Eines Tages wird der See ganz unter Sand verschwunden sein. Wieder an der Küste erblicken wir die Überreste der "SS Maheno", die 1935 (beim Abschleppen nach Japan zwecks Verschrottung) hier strandete. Um das Unterholz abzubrennen und unkontrollierten Buschfeuern vorzubeugen, haben Ranger bei Waddy Point bewusst ein Feuer gelegt. Wir fahren durch den teils noch brennenden Wald und sind anschließend ziemlich angeräuchert. Da kommen die Champagne Pools gerade recht, die durch Felsen vom Meer getrennt sind, sodass wir uns geschützt vor allen Viechern, die Queenslands Küsten bevölkert (Crocs, Haie, Quallen, Steinfische), im Meerwasser enträuchern können. Je weiter wir nach Norden kommen, desto höher werden die Dünen, aber wir scheitern schließlich nicht am Sand: 30 km vor Erreichen der Nordspitze ist eine Passage durch Felsen, die sich bis in die Brandungszone erstrecken, für unseren Wagen zu schmal.

Wir drehen um und fahren bei Eurong ins Inselinnere zum von schneeweißem Sand umgebenen Lake McKenzie mit seinem glasklaren türkisfarbenen Wasser. Diese Strecke hat Fahrer und Fahrzeug einiges abverlangt, wobei tiefer Sand für uns kein Problem ist, wohl aber die durch Bäume und Buschwerk verengten Pisten. Nach vier Tagen verlassen wir diesen beeindruckenden Teil Australiens und sind froh, die Insel besucht zu haben. Nach rotem Outback-Staub, Sand und nun Salz ist mal wieder eine gründliche Autowäsche fällig - eine ausreichend hohe Autowaschanlage in Rainbow Beach bietet sich an. Es wird auch eine Unterbodenwäsche angeboten. Da die popeligen Wasserstrahlen jedoch den Unterboden unseres Wagens gar nicht erreichen würden, müssen wir halt mal wieder selbst unter das Auto krabbeln. Darin haben wir ja bereits Übung! Frisch gewaschen geht es nun zügig nach Brisbane, um alles für unseren Heimflug und die Unterstellung des Wagens zu organisieren. Alles klappt prima. Von Brisbane fliegen wir über Dubai nach Hamburg und werden am Flughafen von unseren Freunden begrüßt. Wir freuen uns sehr, nach 7 Monaten wieder zu Hause zu sein!

                           
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; kommerzielle, oft extrem teure Campingplätze gibt es in Australien wie Sand am Meer, deshalb listen wir hier nur solche Plätze auf, die preiswert oder kostenfrei sind und uns besonders gut gefallen haben; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

089_Platypus Bushcamp: schöner, preiswerter Campsite im Regenwald; S21 05.053 E148 38.190; alle Versorgungen, ruhig

090_Notch Point: sehr schöner, kostenloser Campsite; S21 44.547 E149 28.459; keine Versorgungen, ruhig; Zufahrt für große Fahrzeuge sehr eng

091_Camila Beach: schöner, kostenloser Campsite am Meer; S21 54.839 E149 27.811; keine Versorgungen, ruhig

092_Byfield Camp Stay: schöner, preiswerter Campsite im Wald; S22 50.027 E150 37.962; einige Versorgungen, ruhig

093_Boyne River Rest Area: kostenloser Campsite neben dem Boyne River; S24 00.650 E151 20.433; keine Versorgungen, nur nachts ruhig

096_Inskip 1: sehr schöner, preiswerter Campsite am Meer; S25 49.259 E153 04.350; keine Versorgungen, ruhig; sehr enge Zufahrt für große Fahrzeuge

097_Inskip 2: sehr schöner, preiswerter Campsite auf der Landseite der Halbinsel; S25 48.632 E153 03.224; keine Versorgungen, ruhig


 

Fazit:

Wir haben Australien nun das vierte Mal bereist, die ersten drei Male waren es jedoch im Rahmen von Urlauben jeweils nur einige Wochen. Diesmal waren wir sechs Monate im Land unterwegs.

Und?

  • Erneut hat uns begeistert, wie zuvorkommend, gastfreundlich und gelassen die Australier sind! Während unsere eigene Gesellschaft sich scheinbar die physische Vereinzelung (selbstverständlich mit 1000 Social Media-Freunden) als Entwicklungsziel gesetzt hat, pflegen die Australier immer noch einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn, der auch (oder gerade) vor Ausländern nicht Halt macht.
  • Wir haben viele exotische Tiere gesehen, die man nur in Australien finden kann.
  • Wir haben wenige Landschaften gesehen, die man nur in Australien finden kann.
  • Wir waren oft enttäuscht von den überzeichnet beschriebenen Sehenswürdigkeiten, die zudem oft nur nach der Überwindung von einigen Hundert bis einigen Tausend Kilometern zu erreichen waren. Dazwischen war geballte Langeweile.
  • Seit unserer letzten Australien-Reise vor 10 Jahren hat sich viel verändert: Der ausufernden Überregulierung mit ihren unzähligen Ver- und Gebotstafeln konnten wir schließlich nur noch mit galligem Humor begegnen: Wir vermissten das Gebot: "Selbstmord ist strafbar! Atmen Sie alle 5 Sekunden ein!"
  • Der Besitz eines autarken Wohnmobils ist nahezu überflüssig geworden. Mit Ausnahme weniger Trans-Australien-Pisten, wo sich die Abenteurer die Klinke in die Hand geben, benötigt der Reisende so etwas nicht mehr: Die Tourismusindustrie hat sich unbarmherzig zwischen Naturschönheiten und Besucher geschoben. An den Küsten ist freies Campen so gut wie nicht mehr möglich, die Council-Ranger scheuchen jeden Renegaten in die Camping-Ghettos. Der Ruf von Freiheit und Abenteuer, der Australien einst voraus eilte, gehört in eine untergegangene Epoche.

AAA (Also alles Asche)? Natürlich nicht! Jedes Land bietet einem Gast auf Zeit Licht- und Schattenseiten. Für die hoch subjektive Antwort auf die Frage "Licht oder Schatten?" muss man vor Ort gewesen sein.

Trotzdem reicht es nicht für einen Platz auf unserer Lieblingsreiseländerliste, und wir werden Australien vermutlich nicht noch einmal bereisen. Im Herbst wollen wir Mensch und Maschine weiter nach Osten bringen, doch darüber im nächsten Bericht mehr.

Bis dahin Euch und uns nur das Beste, insbesondere endlich einen warmen Sommer!

Bettina & Rolf

 

Maschen/Deutschland, im Juni 2015