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Argentiniens Nordosten - Dezember 2019/Januar 2020 Erste Schritte Am 11. Dezember reisen wir in Argentinien ein, ein Land, das wir intensiv bereits während unseres Südamerika-Aufenthalts zwischen 2007 bis 2009 besucht haben. Wir wollen sowohl alten Spuren folgen als auch Neues kennenlernen. In der Grenzstadt Concordia bleiben wir zwei Tage auf dem Campingplatz des „Club de Pesca“, direkt am Rio Uruguay. Concordia ist eine ansprechende Stadt: Viele Straßen sind von Bäumen gesäumt, es gibt hübsch angelegte Parks und sogar Fußgängerzonen. Nachdem wir eine SIM-Karte erstanden und uns mit Lebensmitteln eingedeckt haben, verlassen wir Concordia gen Norden mit Mercedes in der Provinz Corrientes als Tagesziel. Unterwegs stoppen wir beim, auf Neuhochdeutsch würde man wohl sagen „Outlet“, „La Alemana“, das schon viele Kilometer zuvor auf Hinweistafeln angekündigt wird. In Colonia Alemana haben sich 1883 deutsche Familien sehr erfolgreich angesiedelt und eine der jüngeren Erfolgsgeschichten ist dieses riesige Verkaufszentrum. Es ist eine Art „Deutsch-Disneyland“, wo viele deutsche Klischees bedient werden, auch solche, die im ehemaligen Mutterland heute nicht mehr gesellschaftsfähig sind (siehe Fotos). Lustig ist es auf jeden Fall, und leckerer Käse und leckere Hartwurst wechseln den Besitzer. Wir befinden uns noch in der Provinz Entre Rios, deren Polizei bekannt dafür war, Touristen mit erfundenen Vergehen gerne um einige Dollars erleichtern zu wollen. Den dafür berüchtigten Polizeiposten an der Ruta 14 passieren wir jedoch unbehelligt. Die bislang nur wenigen Tage in Argentinien haben gereicht, um zwei Veränderungen gegenüber 2007 bis 2009 augenfällig werden zu lassen: 1.) Die Polizei wurde landesweit einer Gehirnwäsche unterzogen. Während damals viele Polizeikontrollen mit erfundenen Verkehrsübertretungen versuchten, den einen oder anderen Dollar („Wir nehmen auch Pesos!“) aus uns zu quetschen, werden wir heute ausnahmslos freundlich durchgewunken. Auch nach weiteren 1,5 Monaten im Land müssen wir diesen Eindruck nicht revidieren. 2.) Die (Asphalt-)Straßenqualität hat in den vergangenen 13 Jahren enorm zugenommen. Auf dem späteren langen Weg nach Westen in die Anden haben wir nur einen 60 km langen Schlaglochstraßenabschnitt zu bewältigen, klassischerweise an der Grenze zwischen zwei Provinzen.
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Pleiten, Pech und Pannen In Mercedes ist der von uns angesteuerte Campingplatz geschlossen. Als wir versuchen, in einer Nebenstraße am Ortsrand einen Platz für die Nacht zu finden, werden wir von einem Herrn beobachtet, der uns einlädt, auf seinem (sehr) großen Grundstück zu übernachten. Später begrüßt uns auch seine Frau, die sehr gut Englisch spricht und uns viele Tipps für die Weiterreise gibt. Am nächsten Morgen geht es früh und ohne Frühstück los unsere Gastgeber müssen zeitig zu einer Familienhochzeit in der fernen Provinzhauptstadt Corrientes aufbrechen. 10 km außerhalb von Mercedes halten wir am Straßenrand zum Frühstücken. Ein Pickup hält neben uns, der Fahrer ruft „Guten Morgen“. Es ist Jens, der Besitzer der Estancia, vor der wir stehen. Seine Mutter ist Deutsche; er verbrachte seine Kindheit in Wilhelmshaven, lebt jedoch seit 30 Jahren mit seiner Familie in Mercedes. Jens spricht noch Deutsch; Englisch und Spanisch sind ihm aber vertrauter. Wir unterhalten uns sehr angeregt und tauschen Kontaktdaten aus. Jens bietet an, sich bei auftretenden Problemen jederzeit an ihn zu wenden. Es kenne in Nordargentinien Gott und die Welt und könne in so einem Fall sicherlich behilflich sein. Beim Abschied und nach einem Blick auf unsere Räder kommt seine Frage, wer bei Bedarf so einen Reifen wechselt? Rolf antwortet mit Blick auf Bettina wie immer, dafür habe er sein Service-Personal. Haha, good joke! Noch ahnen wir nicht, dass nur 70 km weiter das „Service-Personal“ zum Einsatz kommen muss! Unser Tagesziel ist der Mburucuya Nationalpark. Zunächst jedoch gilt unsere Aufmerksamkeit einer besonderen Sehenswürdigkeit: Westlich von Mercedes befindet sich der Schrein von „Gauchito Gil“, schon von weitem durch auffällige rote Fahnen zu erkennen. Viele Legenden ranken sich um diese Figur: War er nun der Rächer der Enterbten, Witwen und Waisen, war er eine Art Robin Hood, ein Deserteur, ein Verfolgter aus politischen und/oder amourösen Gründen? Nichts Genaues weiß man nicht. Fest steht, dass dieser Antonio Mamerto Gil Núñez tatsächlich gelebt hat und an einem 8. Januar in der Nähe von Mercedes getötet wurde (wahrscheinlich im Streit um eine Frau). Ob in den 1840ern oder erst 1870ern ist ungewiss. Gewiss ist, dass er in ganz Argentinien als Volksheiliger und Held verehrt wird. Im gesamten Land sieht man die roten Fahnen über kleinen, manchmal auch beeindruckend großen Schreinen flattern, die dem Gauchito geweiht sind. Sie stehen an Kreuzungen der Landstraßen, in den Arme-Leute-Vierteln und vor Privathäusern. Zum Hauptschrein bei Mercedes pilgern jährlich Hunderttausende, um dort Kerzen anzuzünden, zu beten, um Hilfe zu bitten und für erhaltene Hilfe zu danken. Dabei wird mit dem zum Kauf angebotenen semi-religiösen Kitsch reichlich Umsatz gemacht. Wir setzen teilbeeindruckt und ohne eine Kerze angezündet zu haben (was sich als Fehler herausstellen wird) unsere Fahrt fort. Denn was wir auf unseren Reisen mit dem MAN in den letzten acht Jahren nicht erlebt haben, passiert jetzt auf der Piste hinter Chavarria: Der hintere linke Reifen verabschiedet sich ohne Vorwarnung, Gott sei Dank bei relativ geringer Geschwindigkeit. Rolf hatte ein im Rhythmus der Radumdrehungen zischendes Geräusch gehört. Bettina steigt aus, bemerkt einen ca. 10 cm langen Riss in der Reifenflanke, und als Rolf das Fahrzeug auf eine ebene Fläche stellen will, um den Reifen wechseln zu können, löst sich der gesamte Reifen auf wenigen Metern vollständig auf (siehe Foto)! So etwas haben wir bisher noch nicht gesehen, geschweige denn erlebt. Nun, hilft alles nichts, die Arbeit ruft! Bei sengender Sonne und viel Staub, denn große Viehtransporter fahren immer wieder an uns vorbei (nur wenige nehmen Rücksicht und fahren langsamer), benötigen wir 4 Stunden für den Reifenwechsel. Als wir es geschafft haben, sind wir froh und stolz und gönnen uns erst einmal eine Dusche am Straßenrand. Es ist Freitag der 13. Dezember. Wir sind natürlich überhaupt nicht abergläubisch. Es sei denn, es handelt sich um Freitag den 13.! Wir hatten wirklich großes Glück im Unglück. Auf der Asphaltstraße bei höherer Geschwindigkeit wären wir wohl nicht so glimpflich davongekommen.
Bei Jens Wir beschließen, nach Mercedes zurückzufahren, um uns dort um einen neuen Reifen zu bemühen, denn ohne ein Reserverad geht es nicht weiter. Wir erinnern uns an Jens: Kurz vor Mercedes rufen wir ihn an, schildern ihm unser Pech. Sofort bietet er uns an, auf seine Farm zu kommen, es gäbe genügend Platz, und wir seien herzlich willkommen. Jens hatte schon beim Kennenlernen angedeutet, dass er über ein gut funktionierendes Netzwerk verfügt, und noch am selben Abend lässt er seine Kontakte spielen. Und tatsächlich schafft er es, innerhalb von nur einer Woche 4 neue Michelin-Reifen der Dimension 14R20 aus Buenos Aires nach Mercedes bringen zu lassen. Ha! wird nun der aufmerksame Leser rufen: 1 kaputter Reifen und dafür 4 neue? Ja, wir haben zu unseren (über einen Zwischenhändler) von der Bundeswehr gekauften Überschuss- Reifen kein Vertrauen mehr. Sie müssen weg! Und wir würden nach diesen Erfahrungen auch niemandem empfehlen, beim Reifenkauf auf diese Art Geld zu sparen. Wir können Jens und seiner Familie für die enorme Hilfe und großzügige Gastfreundschaft nicht genug danken! Außerdem ist es ein Erlebnis, in die Familie bis hin zum Kennenlernen von Schwiegervater eingeführt zu werden. Von Jens’ argentinischer Frau Veronica erfahren wir, dass es speziell hier in der Provinz Corrientes üblich ist, dass die Dame vom Herrn zur Begrüßung geküsst wird, egal, ob man sich ½ Minute oder 20 Jahre kennt. Rolf hat keine Probleme damit, sich diese Gepflogenheit umgehend zu eigen zu machen, getreu nach dem Motto: „In Rome do as the Romans do.“ Während der Zeit auf der Estancia gelingt es uns, trotz der Anspannung (ist die Reifengröße lieferbar, was kosten sie, wie lange dauert es etc.?) die wunderschöne Umgebung zu genießen. Wir sitzen am Abend mit Jens beim Bier zusammen, klönen und schauen den Tausenden uns umschwirrenden Glühwürmchen zu. Dabei fällt uns der Unterschied zwischen einerseits langsamen, relativ schwach, aber rhythmisch blinkenden (Locksignal zwischen Geschlechtspartnern) und andererseits schnellen Tieren mit sehr viel hellerem Dauerlicht auf. Wir lernen, dass das „Falsche Glühwürmchen“ sind: ein recht großer Käfer, dem durch diesen „Leuchtfeuer“-Trick die echten Glühwürmchen zum Opfer fallen. Von Jens lernen wir auch einiges über seinen landwirtschaftlichen Betrieb: Während die unmittelbaren Nachbarn 32.000 und 65.000 ha groß sind, hat seine Estancia „nur“ 2.500 ha was für traditionelle, extensive Rinderhaltung zu wenig ist. Deshalb hat Jens sich spezialisiert, und zwar auf die Zucht von Hochleistungsrindern, deren Sperma und Eizellen er verkauft. Und tatsächlich sind die Rinder um uns herum nach unserer laienhaften Einschätzung die prachtvollsten, die wir je gesehen haben. Ein weiteres, wachsendes Standbein bisher wurden 1000 ha mit Setzlingen bestückt ist Forstwirtschaft in Form von Eukalyptus- Plantagen. Eukalypten sind schnell wachsende Bäume, die bereits nach 11 Jahren für Papier und Holzfasern geerntet werden. Aus den Baumstümpfen wachsen bis zu vier neue Triebe, von denen man den besten sich zu einem neuen Baum entwickeln lässt. Dieses Procedere lässt sich noch einmal wiederholen, so dass eine Pflanzung drei Ernten innerhalb von 33 Jahren ermöglicht, wovon die erste die beste Holzqualität hat.
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Abstecher in die Ibera-Sümpfe Da wir nach einigen Tagen ziemlich sicher wissen, wann die neuen Reifen in Mercedes eintreffen werden, nutzen wir die Tage, um trotz fehlendem Reserverad noch einmal die Sümpfe „Esteros del Ibera“ zu besuchen. Die Piste dorthin ist nicht die beste, so dass wir für 120 km 4 Stunden benötigen. Einer der Zugänge zu den Sümpfen, der Ort Carlos Pellegrini, hat sich mit seinen sandigen Straßen nur insofern verändert, dass er in den 12 Jahren nach unserem ersten Besuch durch gewachsene Bäume grüner geworden ist und einen neuen, großzügig angelegten Campingplatz bekommen hat. Natürlich machen wir wieder eine Bootstour auf der Lagune und stellen fest, dass es weniger Tiere, vor allem weniger Alligatoren gibt. Um nicht in den allgemeinen Niedergangschor einzustimmen: Das mag auch an der heißen Jahreszeit liegen. Wir sind trotzdem wieder begeistert, genießen auch die wunderschönen Sonnenuntergänge.
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Zum Mburubuya Nationalpark - 2. Versuch Zurück in Mercedes sind die neuen Reifen eingetroffen. Wir erleben etwas Neues, denn Jens hat für uns einen mobilen Reifendienst beauftragt, der zum Kunden kommt. Zugegeben, die Oberarme des allein arbeitenden Chefs sind etwas dicker als Rolfs. Trotzdem bleibt es beeindruckend, wie er mit den 120 kg schweren Reifen und 175 kg schweren Kompletträdern hantiert! Und er liefert Top-Arbeit! Auch die Bezahlung der Reifen im devisenbewirtschafteten Argentinien klappt schließlich. Die gesamte Story werden wir irgendwann persönlich erzählen. Nur soviel: Es war filmreif! Am Abend vor unserer endgültigen Abreise schauen wir uns mit Jens beim Bier in seinem Kino-Raum einen Film mit Tom Hanks über den Gefangenenaustausch auf der berühmt-berüchtigten Glienicker Brücke in Berlin zu Zeiten des Kalten Krieges an. Ein etwas unglücklicher Zufall, denn unsere Gedanken kehren zu unserem im Juni verstorbenen Freund Heinz zurück, der in Groß Glienicke gelebt hat. Er fehlt uns. Unser Ziel sind erneut die Ibera(„leuchtendes Wasser“ in der Guarani-Sprache)-Sümpfe, diesmal deren Westen. Über 700.000 ha umfasst das Gebiet, ca. 150.000 ha haben mittlerweile Nationalpark-Status. Dazu gehört auch das „Portal Carambola“, das wir nach einer mühsamen Fahrt auf ruppiger Piste erreichen. Es ist schön hier. Im flachen Sumpfgebiet erheben sich „Montes“; das sind nur ca. 1 Meter geringfügig höher liegende Flächen, auf denen im Sumpf auch Büsche und Bäume wachsen können. Bis auf einige Tagesbesucher sind wir die einzigen Übernachtungsgäste, und wir genießen die Ruhe bis abends, mit Einbruch der Dunkelheit, um Fressfeinden weniger Chancen zu geben, die Frösche mit ihrem lauten Konzert beginnen. Wir mögen diese Geräuschkulisse. Nach zwei Tagen starten wir einen neuen Versuch, zum Nationalpark „Mburucuya“ (inzwischen können wir das richtig aussprechen) zu gelangen. In Concepcion decken wir uns in einem kleinen Supermarkt mit Lebensmitteln ein. Der Strom fällt aus, nichts geht mehr. Die Kunden warten geduldig bei entspanntem Plausch, bis Kasse und Waage wieder funktionieren bloß keinen Stress! Die letzte Strecke zum Park verläuft über eine sandige Piste. Er ist benannt nach der Passionsblume, die jedoch zu dieser Jahreszeit nicht blüht, und liegt im Sumpfgebiet der „Esteros de Santa Lucia“, ca. 60 km westlich der „Esteros del Ibera“. Einst bedeckte der Rio Parana dieses Gebiet. Als er sich vor 15.000 Jahren zurückzog, ließ er riesige Sümpfe, Feuchtwiesen, Flüsse und Lagunen zurück ein Eldorado für Flora und Fauna. Das Gebiet des heutigen Mburucuya- Nationalparks waren ursprünglich zwei Estancias, beide im Besitz der dänischen Familie Pedersen. Als die nach dem 2. Weltkrieg nach Dänemark zurückkehren wollten, überschrieben sie die Flächen dem argentinischen Staat mit der Auflage, daraus einen Nationalpark zu schaffen. Wir sind die einzigen Besucher, durchstreifen subtropische Wälder, kommen zu wunderschönen Lagunen und wandern entlang von mit hohen Gräsern bewachsenen Feuchtwiesen, auf denen hundertjährige Palmen stehen. Nachdem Rolf fast auf eine Schlange getreten wäre, richten sich unsere Blicke häufiger nach unten. Es ist sehr heiß, obwohl wir früh am Morgen gestartet sind. Und einmal falsch abgebogen (eine Abkürzung genommen, wie wir es von Holger gelernt haben), und schon verlaufen wir uns! Bald ist unser Wasservorrat erschöpft. Nach ca. 10 km Fußweg stoßen wir auf eine Sandpiste und sind ganz sicher, dass der Weg nach links uns zum Wagen zurückbringen wird. Zufällig kommen zwei Motorradfahrer vorbei. Nein, zurück zum Camp geht es nach rechts, nur ca. 7 km, aber wir könnten gerne mitfahren! Wir sind so erledigt, dass die 7 km über eine ungepflegte Sandpiste auf dem Sozius eines Kleinmotorrads fast ein Genuss sind! Im Mburucuya verbringen wir auch Weihnachten. Am 24. Dezember gibt es am Nachmittag Kaiserschmarrn. Am Abend genießen wir statt Gänsebraten und Rotkohl Reis à la Mexicana mit Hühnchen und lauschen dabei dem Konzert der „3 Tenöre“ aus dem Jahr 1998 in Paris. Nach zwei Tage fahren wir über flimmsige Brücken und sandige Pisten zu einem nördlichen Zugang in das Sumpfgebiet „Esteros del Ibera“, zum „Portal Cambyreta“. Die Piste hat es wirklich in sich: Für 30 km benötigen wir zwei Stunden, allerdings müssen vom Service-Personal auch 7 Gatter geöffnet und wieder geschlossen werden. Das Tor zum Camp ist für unseren Wagen zu niedrig ist (2,80 m), aber wir finden davor einen super Stellplatz. Wasserschweine, die wir mögen sind unsere direkten Nachbarn, doch in der Tageshitze lässt sich kein Schwein sehen: Sie liegen im Wasser oder in Schlammkuhlen, um ihre Haut vor der gleißenden Sonne zu schützen. Sie gehören zur Gruppe der Meerschweinchen, können allerdings bis zu 70 kg schwer werden. Es macht also keinen Sinn, Andrea und Udo eines dieser süßen kleinen Dinger mitzubringen. Wir lernen ein Paar aus Kolumbien kennen, das seit 11 Monaten unterwegs ist und gerade die Kinder zu Besuch hat. Nach unserem seit einiger Zeit üblichen Nachmittagsritual (kalter Kakao) machen wir einen ersten, allerdings nur kurzen Rundgang, denn ein Blick auf den sich verfinsternden Himmel verheißt nichts Gutes. Bald kommt heftiger Wind auf, und um uns herum blitzt und donnert es. Dummerweise stehen wir auf einer kilometergroßen, flachen freien Fläche, und Rolf macht sich für den Fall eines Blitzeinschlags Sorgen um die 28 Steuergeräte in unserem Wagen! Der Himmel verfärbt sich rot, dann erscheint ein wunderschöner Regenbogen, und Gewitter und Regen ziehen an uns vorbei. Die Nacht ist wieder ruhig, aber es hat sich hinter der Wetterfront auf herbstliche 26 Grad abgekühlt ;-)
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Durch Misiones Am 28. Dezember genießen wir das letzte Frühstück mit unseren Nachbarn, den Schweinen. Es ist wieder sehr heiß geworden, aber zu duschen macht wenig Sinn, denn auf der Rückfahrt sind wieder sieben Gatter zu öffnen und zu schließen. Wir folgen bald der Ruta 12 nach Osten und befinden uns in der Provinz „Misiones“, in der im frühen 17 Jh. um die Provinzhauptstadt Posada herum viele Jesuiten-Missionen zum Schutz oder zur noch besseren Ausbeutung der indigenen Guaranis (hier streitet die Wissenschaft) entstanden. Zwei dieser Missionen besuchen wir: Während „Santa Ana“ fast völlig zerfallen ist und von der Natur zurückerobert wurde, ist „San Ignacio“ in Teilen noch recht gut erhalten und lässt die enormen Ausmaße der ehemaligen Mission erkennen. Über 4000 Menschen lebten einst hinter diesen Mauern, doch nach der Vertreibung der Jesuiten aus Südamerika im Jahr 1767 verfielen die Stätten schnell. 250 Jahre später sind sie eine Touristenattraktion.
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Zu den Iguazu-Fällen Am 29. Dezember erreichen wir Puerto Iguazu. Einige Arbeiten sind fällig, wie Wäsche waschen (aufgrund defekter Waschmaschine manuell), Fotos bearbeiten und am Bericht arbeiten. Aber der Hauptgrund unseres erneuten Besuches sind natürlich die Wasserfälle, die sich Argentinien und Brasilien teilen. Früh am Morgen starten wir, werden gegen einen Obolus von einem Ehepaar mitgenommen, das im Park arbeitet. Während des Gesprächs hören wir zum wiederholten Male Klagen über die finanzielle Situation Argentiniens, und dass man von der Rente kaum leben kann, und dass sich mit der neuen Regierung auch nichts ändern wird. Am Parkeingang müssen wir uns in eine bereits sehr lange Besucherschlange einreihen. Wir besuchen die Fälle nach 2008 ein zweites Mal. Aufgrund ausgebliebener Regenfälle in Brasilien stürzt heute weit weniger Wasser die Fälle hinab für denjenigen, der zum ersten Mal dieses Spektakel sieht, allerdings immer noch spektakulär. Leider gibt es im Gegensatz zu 2008 auch fast keine Schmetterlinge zu sehen. Ob wegen der relativen Trockenheit oder der drastisch angestiegenen Zahl an Touristen (wir gehören ja auch dazu), wissen wir nicht. Etwas anderes hat dagegen explosionsartig zugenommen: Das Aufnehmen von Selfies mit merkwürdigen Grimassen und Verrenkungen vor dem eigentlich doch viel wichtigeren Hintergrund. Naja, wir müssen ja nicht mehr alles verstehen! Trotz der Hitze lassen wir keinen Rundgang aus und erreichen erst am späten Nachmittag ziemlich groggy unseren Campingplatz. Den Silvester-Abend verbringen wir bei 38 Grad im lauwarmen Swimmingpool. Auch der 2. Januar ist ein wichtiger Tag: Udo wird 50 Jahre alt, und kurz nach Mitternacht bringen wir ihm ein Geburtstagsständchen aus der Ferne.
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Zu den Anden Wir verlassen Iguazu und zwar nicht nach Norden, nach Brasilien, wie wir es einmal ins Auge gefasst hatten, sondern wegen der hohen Temperaturen zurück nach Süden. Dabei statten wir den „Saltos de Mocona“ noch einmal einen Besuch ab. Während wir vor 11 Jahren noch auf üblen Pisten zu den Wasserfällen gelangt sind, gibt es heute eine perfekt ausgebaute Asphaltstraße dorthin. Ein großes Besucherzentrum und ein Restaurant sind entstanden, und zu den Saltos (Wasserfällen) im Rio Uruguay gelangt man nur noch mittels einer teuren 20minütigen Bootsfahrt. Da wir die Fälle seinerzeit zu Fuß durch den steinigen Fluss, uns an (teils fehlenden) Seilen entlang hangelnd, erreicht haben, ist uns die Bootstour nicht abenteuerlich genug. Außerdem führt der Fluss wenig Wasser wir verzichten. Stattdessen folgen wir einer Piste gen Norden, die wir hinsichtlich ihres Zustands schlecht, hinsichtlich der Zahl der damals gesehenen Schmetterlinge sehr gut, in Erinnerung haben. Mit Freude stellen wir fest, dass sich nicht alles geändert hat: Die steinige, teils steile Piste durch dichten Dschungel der Sierra Misiones hinauf bis auf 500 m ist immer noch so mies wie damals (für 60 km benötigen wir 4 Stunden), und auch die bunten Schmetterlinge sind immer noch so zahlreich. Über Corrientes (Landeshauptstadt der gleichnamigen Provinz Corrientes) machen wir uns auf den langen Weg nach Salta in den Anden-Vorbergen. Das Aufregendste, was es von dieser Fahrt zu berichten gibt, ist eine grottenschlechte 60 km lange Trümmerasphaltstrecke ab Monte Quemado bis zur Provinzgrenze zwischen Corrientes und Salta in Taco Posco. Um den tiefen Schlaglöchern auszuweichen, fahren Lkws und Pkws Slalom. Wir übernachten zweimal auf Tankstellen, was auch nicht das Gelbe vom Ei ist, aber es gibt manchmal eben keine Alternative. Am 13. Januar erreichen wir Salta, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Dort, wo sich viele Reisende treffen, ist nun auch unser Standplatz für die nächsten vier Tage: auf der riesigen Freizeit-Anlage „Balneario Municipal“, die wir von zwei Aufenthalten während früherer Südamerika-Reisen kennen. Trotz der Höhe von inzwischen 1.200 m ist es immer noch sehr heiß, allerdings nicht mehr so feucht. Das ändert sich jedoch sehr schnell, wenn es einmal wieder heftig regnet. Das riesige Schwimmbecken ist zu unserer Überraschung tatsächlich mit Wasser gefüllt, was wir noch nicht erlebt haben. Bei den hohen Temperaturen ist das Bad gut besucht, und auch wir nutzen die Chance, uns ab und zu ins erfrischende Nass zu stürzen. Die Argentinier nennen ihre Stadt auch gerne „Salta La Linda (Salta die Schöne)“. Und tatsächlich trägt das Zentrum der Stadt diesen Namen zu Recht mit ihren wunderschönen, mit Palmen, Orangenbäumen und blühenden Bäumen bewachsenen Plätzen, umgeben von alten Kirchen und Kolonialgebäuden. Wir bummeln durch die Stadt, lassen uns immer mal wieder in Cafés nieder und besuchen das Archäologische Museum „Museo Arqueologia de Alta Montana“ – machen Genussurlaub!
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Doch die Zukunft wirft ihre Schatten voraus: Wir werden, sobald wir weiter nach Westen fahren, sehr schnell in große Höhen kommen, und zur Vorbereitung decken wir uns auf dem bunten Markt „Mercado Municipal“ mit Coca-Blättern ein. Aufgegossen wie ein Tee haben sie uns schon damals vor der Höhenkrankheit bewahrt. Ob das auch diesmal klappt, erfahrt Ihr im nächsten Bericht . Bis dahin alles Gute, Bettina & Rolf (San Pedro de Atacama/Chile, im Februar 2020)
Nordost-Argentinien (2019) Nordost-Argentinien