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Argentiniens Atlantikküste – der Süden (Dezember 2021 bis Januar 2022) Wir verlassen Gaiman und folgen südwärts einer Piste, anfänglich durch das fruchtbare Chubut-Tal. Unser Tagesziel liegt wieder an der Küste: In Punta Tombo befindet sich Patagoniens größte Brutkolonie von Magellan-Pinguinen. Ab Mitte November schlüpfen die Küken, um dann ab Januar/Februar zum ersten Mal ins Meer zu watscheln. Uns begeistern diese possierlichen Tiere immer wieder aufs Neue! Viele von ihnen werden von uns unter das Objektiv genommen. Auch die selten zu sehenden Maras (Pampashasen) leben hier und haben Nachwuchs. Nach einer Nacht auf einem viel zu teuren Campingplatz (lediglich ein Platz auf einer Wiese mit Plumpsklo der groben Art) erreichen wir Camarones an der gleichnamigen Bahia. Aufgrund des noch einmal heftiger gewordenen Sturms hängt enorm viel Staub und Sand in der Luft: Das gegenüberliegende Bahia-Ufer ist schon bald nicht mehr zu sehen. Es ist Silvester, aber, wie üblich auf Reisen, verschlafen wir den Übergang in das Neue Jahr. In weiser Voraussicht trinken wir bereits um 20:00 h Ortszeit (24:00 h deutsche Zeit) ein Glas Sekt mit guten (nicht nur Reise-)Wünschen für das kommende Jahr. Eine weitere Pinguin-Kolonie befindet sich im Reserva Natural Cabo Dos Bahias. Neben einem Gürteltier und einer großen Herde Guanakos erwarten uns auch hier viele, inzwischen ordentlich große Pinguin-Küken. Auch sie werden von den Eltern noch gefüttert und warten hungrig auf deren Rückkehr vom Fischfang. In einiger Entfernung liegen wieder Hunderte von Seelöwen auf einem Felsvorsprung. Obwohl ein heftiger und kühler Wind weht, verbringen wir knapp außerhalb des Schutzgebiets auch den nächsten Tag an der schönen Bucht. Wir fahren weiter nach Süden Richtung Rada Tilly. Auf dem Weg dorthin steuern wir eine Estancia an der Bahia Bustamente an, wo es einen Campingplatz samt Restaurant geben soll. Die Vorfreude auf ein leckeres Auswärtsessen endet am verschlossenen Gatter (cerrado!). Da die RP1 bisher eine überwiegend ordentliche Piste war, entschließen wir uns, statt auf die Asphaltstraße zurückzukehren, ihr und damit der Küste weiter zu folgen. Das stellt sich als ein Fehler heraus: Nach 20 km (zu spät zum Umkehren) ist klar: Die RP1 wird auf diesem südlichen Abschnitt nicht mehr gepflegt und kaum noch genutzt; sie befindet sich in einem üblen Zustand. Die Ländereien aller Estancias am Wege, fast alle verlassen, sind durch geschlossene Gatter auf der Piste voneinander getrennt. Sie sind zur Durchfahrt zu öffnen und anschließend wieder zu schließen - in unserer altmodisch-arbeitsteiligen Ehe üblicherweise ein Beifahrerinnenjob. Da sich wegen des heftigen Winds (er bläst seit gestern in Sturmstärke) die Beifahrertür nicht öffnen lässt, muss Rolf diese Aufgabe übernehmen. Achtmal kämpft er gegen den Wind an. Schon bald sind Fahrerkabine, Kameras und wir total eingesandet. Der Sturm reißt, ohne dass Rolf es bemerkt, bei einem solchen Manöver die auf seinen Kopf geklemmte Lesebrille weg. Es ist reiner Zufall, dass Bettina den Abflug beobachtet, doch der Wind hat die Brille inzwischen weit versetzt. Eine angsterfüllte (Rolf ist ohne Lesebrille noch blinder als einäugig) Suchaktion beginnt Bettina verlässt dafür ebenfalls durch die Fahrertür die Kabine. Nach bangen Minuten finden wir die nur geringfügig angeknackste Leseprothese! Entnervt erreichen wir endlich die Asphaltstraße, die uns über Comodoro Rivadavia nach Rada Tilly auf einen Campingplatz bringt. Nach einer Dusche ist die Welt wieder in Ordnung. Am Abend sitzen wir mit den Schweizern Isabel und Manuel (nach Birgitt und Peter in Uruguay Touristen Nr. 3 und 4 aus Europa) zusammen und tauschen Reiseerlebnisse aus. Bevor wir am nächsten Tag weiterfahren, muss die Fahrerkabine entsandet und gesäubert werden. Und dabei hilft was? Richtig: Druckluft, die wir ja an Bord haben! Durch eine schöne Landschaft zwischen Küstengebirge und Meer geht es weiter nach Süden. Hinter Galeta Olivia erblicken wir am kiesigen Strand eine große Seelöwen-Kolonie. Wir finden einen Pfad hinab zum Wasser und können die aus der Nähe respektheischenden Kolosse portraitieren. So nahe an die Tiere heranzukommen, ist ein großes Glück. In Jaramillo biegen wir zur Küste ab, folgen 100 km der perfekten Straße durch eine öde Landschaft, bis wir Puerto Deseado erreichen. Wie fast alle Orte, die wir nach 14 Jahren ein zweites Mal besuchen, ist auch er moderner geworden. Unverändert ist er ein wichtiger Fischereihafen mit einer großen Zahl hier beheimateter Fischtrawler. Auf dem Campingplatz werden wir direkt mit den Folgen von Corona konfrontiert: Als wir dort ein zweites Mal übernachten wollen, ist er wegen eines Corona-Falls unter den Mitarbeitern geschlossen. Den Touranbieter „Darwin Expeditions“ gibt es auch nach 14 Jahren noch! Wie damals buchen wir eine Bootstour in das „Reserva Natural Ria Deseado“. Es handelt sich um ein 42 km langes untergegangenes Flussdelta, das durch den Anstieg des Meeresspiegels versalzte. Der Fluss, der Rio Deseado, beginnt nur wenige Kilometer weiter westlich und fließt unterirdisch nach Westen (!) in den Lago Buenos Aires. Die brütende Tierwelt in und auf den Sandsteinfelsen des Ria Deseado beeindruckt uns auch beim zweiten Besuch: Blauaugen- und Grau-Kormorane, letzte sind mit ihren schicken roten Füßen ausgesprochen lustig anzusehen; auf einer kleinen Felseninsel liegen Seelöwen-Familien in der Sonne; am kiesigen Strand einer Insel schauen wir Magellan-Pinguinen zu, die zwischen den Büschen ihre Brutplätze haben; und auf der Rückfahrt begleiten uns Commerson-Delfine. Wir sind erneut so begeistert, dass wir für den nächsten Tag eine weitere Bootstour zur „Isla Pingüino“ buchen. Die Abfahrtszeit richtet sich nach der Tide; der Hub beträgt hier immerhin 5 m. Um 08:00 h starten wir bei bestem Wetter und werden erneut mit einer vielfältigen Tierwelt belohnt. Auf dem offenen Meer queren wir einen Sardinenschwarm und um uns herum stapeln sich Möwen, Pinguine und Kormorane im Jagdfieber. Auf der Insel leben neben Magellan-Pinguinen auch die frech aussehenden Maccaronis, die behände von Fels zu Fels hüpfen (im Englischen heißen sie deshalb auch „Rockhopper“). Es lässt sich nicht verheimlichen: Pinguine gehören neben Kamelen und Wasserschweinen zu unseren Lieblingstieren. Eine große Kolonie ausschließlich männlicher Seelöwen liegt dösend am steinigen Strand. Dabei stolziert ihre Lieblingsspeise, Pinguine, auf dem Weg zum Fischen vor ihren Nasen vorbei. Knapper Wohnraum (wie in Hamburg) lässt solche Zwangsgemeinschaften entstehen, denn sie alle brauchen im einen oder anderen Lebensabschnitt festen Boden unter den Füßen und Flossen. Die großen Skuas, deren Brutgebiet wir durchqueren, greifen uns an, um ihre Küken zu schützen. Auf der Rücktour begleiten uns zum Abschied ein letztes Mal (verflucht fixe, kaum zu fotografierende) Commerson- und Austral-Delfine, Seelöwen, Kormorane und Pinguine, die traurig hinter uns herwinken, denn nun werden wir die Atlantikküste endgültig verlassen. Wir bedanken uns für die ausgezeichnete Führung der beiden Mitarbeiter von Darwin Expeditions. Zwei weitere Tage bleiben wir im wunderschönen Naturreservat (Campingplatz geschlossen, siehe oben) und wenden uns endgültig nach Westen ins Landesinnere.
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Die Anden auf der anderen Seite Argentiniens warten auf uns! Doch darüber erfahrt Ihr alles im nächsten Bericht ! Bis dahin viele Grüße, Bettina & Rolf (Rio Mayo/Argentinien, im Februar 2022)
Tango-Lernen in San Clemente Del Tuyu/Argentinien 2021 Tangokurs in San Clemente Del Tuyu
Argentiniens Atlantikküste – der Mittelabschnitt (Dezember 2021) Hinter Bajo de Fontin beginnt das von uns bereits auf der ersten Reise vor 14 Jahren so geliebte Patagonien. Wir mögen die nur mit kleinen Büschen bewachsene sanft hügelige Landschaft, in die sich die kurvenreichen Pisten harmonisch einfügen. Es gibt auch öde Streckenabschnitte und sehr schlechte Pisten, auf denen uns die Seele aus dem Leib und die Plomben aus dem Gebiss geschüttelt werden. Dann endet vorübergehend, aber abrupt unsere Liebe zu Patagonien. Schon lange nicht mehr haben wir auf einer Reise so oft den Reifendruck herab-, herauf-, herab- und wieder heraufgesetzt. Der Wind weht ständig und heftig bis stark bis sehr stark bis sehr sehr stark. Ohne Ausnahme ist „intelligentes Parken“ angesagt: Den Wagen der Windrichtung angepasst so abstellen, dass mindestens eine Tür der Fahrerkabine geöffnet werden kann. Wenn der Wind nicht bläst, stimmt etwas nicht, und der Blick geht unruhig zum Horizont, ob sich irgendeine Wetterkapriole auf uns zubewegt. Auf dem Camino de la Costa, der oberhalb einer Steilküste entlang des Golfo San Matias verläuft, stürmt es heftig, geschätzt Bft. 8; wir fahren heftigsten Schlingerkurs. In den Felswänden sind Hunderttausende von Felsensittichen beheimatet. Wohnungsmangel gibt es nicht: Zur Brutzeit werden von den Vögeln metertiefe Gänge in die Lehm- oder Sandsteinwände gegraben. Wir stoppen am grobschlächtigen Denkmal „Memorial Malvinas“. Der Disput zwischen Argentinien und Großbritannien über die Falkland-Inseln hat eine lange Geschichte. Im 1982 von Großbritannien gewonnenen Falkland-Krieg gab es viele Tote und Verwundete auf beiden Seiten. Bis heute beansprucht Argentinien die Inseln für sich, was im ganzen Land mit Denkmälern, Plakaten, entsprechend benannten städtischen Parks etc. den Bürgern immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Bei Punta Permeja hat sich eine riesige Seelöwenkolonie etabliert - es sind die ersten, die wir auf dieser Reise sehen. Einen Nachtplatz finden wir oberhalb der Steilküste. Der starke Wind lässt unseren Wagen heftig wackeln „Ist ganz harmlos!“ Bettina nörgelt so lange, bis Rolf den Wagen umstellt. Nun ist es viel angenehmer. Am nächsten Morgen wundern wir uns über den regen Verkehr auf der ruppigen Piste. Alle fünf Minuten fährt ein Auto vorbei. Die Erklärung bekommen wir später an der Bahia Rosas, wo die Steilküste in einen flachen Strand übergeht. Hier in der „Zona de Pescas“ stehen Angler dicht an dicht und werfen ihre Ruten aus. Hinter dem 10-Häuser-Ort Bahia Creek endet die Piste, die unter Dünen begraben wurde. Jeder, der weiter will, muss über den weichen Strand fahren. Wir schaffen es, aber nur mit Ach und Krach, denn wir sind diesmal zu faul, den Reifendruck zu reduzieren. Wir erreichen die Zufahrt zur Halbinsel Valdes und verbringen zwei Tage am Golfo Nuevo. Die Hoffnung, noch Wale anzutreffen, haben wir schon früh aufgegeben - sie sind bereits auf ihrem langen Rückweg in die Antarktis. Aber schließlich leben auch andere Tiere auf Valdes und machen einen Besuch lohnend: Orkas, Seeelefanten, Seelöwen, Pinguine, Guanakos, Nandus und last not least Merino-Schafe. Das Wetter ist fantastisch, strahlend blauer Himmel. Statt Wale im Meer wuseln kleine und größere Hamster um uns herum und leisten uns beim Frühstück Gesellschaft. Wir erreichen die Parkgrenze zum Naturreservat und UNESCO-Naturerbe auf der Halbinsel. Der Eintritt beläuft sich auf überschaubare 1600 Pesos (ca. US$ 8) pro Person bei unbegrenzter Aufenthaltsdauer. Im Informationszentrum erhalten wir Broschüren und Erläuterungen. Wir dürfen lediglich im Hauptort Puerto Piramides übernachten, müssen also nach Ausflügen über die nicht gerade kleine Halbinsel immer dorthin zurückkehren. Letztere befindet sich vollständig im Privatbesitz von 60 Estancias, die in der Hauptsache Schafzucht betreiben zur Gewinnung feiner Merino-Wolle für Bettinas Pullover. Allerdings sehen wir kaum Schafe, dafür umso mehr die hübschen und grazilen Guanakos. Faszinierend, wie sie lässig und aus dem Stand die 2 m hohen Zäune überspringen! Auch Nandus laufen uns ständig über den Weg. Wie schon vor 14 Jahren verblüfft uns die Nandu- Gewohnheit, dass eine Henne ihre eigenen, dazu viele Küken anderer Muttertiere in einem „Kindergarten“ zusammenhalten und durch die Fährnisse des jungen Lebens bringen. Das können schon ’mal bis zu 30 Küken sein! Die anderen Weiber amüsieren sich derweil oder widmen sich wichtigeren Aufgaben? Scherz beiseite: Wir haben noch nicht herausbekommen, was welche Weibchen zur Übernahme dieser Aufgabe veranlasst. Bis auf wenige hügelige Bereiche ist die Halbinsel flache Steppe mit niedrigen Büschen, die dem ständig stürmischen Wind standhalten können, dazu bei Vorhandensein von Wasser einige Grasflächen. Wir fahren zunächst zum Aussichtspunkt auf die kleine Insel „Isla de los Pajaros“; die angeblich dort lebenden Vögel sehen wir aus der Entfernung nicht. Der unermüdliche Abenteurer Saint Exupery, der Patagonien innigst liebte, ließ sich von der Form der Insel zu einer Zeichnung in seinem Buch „Der kleine Prinz“ inspirieren. In Puerto Piramides ist der Campingplatz geschlossen, aber ein Parkplatz am Hafen ist für Wohnmobile ausgewiesen. Drei Tage bleiben wir und fahren zu Beobachtungsplätzen für Seelöwen und Magellan-Pinguine. Die Zufahrten zu den farbenprächtigen Salinas (sie liegen bis zu 40 m unter dem Meeresspiegel) sind gesperrt - Privatbesitz. Am Heiligabend, wir übernachten wie vorgeschrieben in Puerto Piramides, ertönt um 24:00 h eine Sirene, und ein kurzes Feuerwerk ist zu sehen. Am einzigen Weihnachtstag der Argentinier, am 25. Dezember, verlassen wir den Nationalpark und bleiben noch einen Tag am Golfo Nuevo. Bettina badet das erste Mal auf dieser Reise im Meer und empfindet es so knapp vor der Antarktis als sehr erfrischend. Im modernen Puerto Madryn gehen wir nach langer Zeit auf einen Campingplatz und erledigen Hausarbeit: Wassertank auffüllen, Klo entleeren, Wäsche zum Waschen geben, Geld beschaffen. Einige sonnenhungrige argentinische Touristen verteilen sich entlang der langen Sandstrände; es ist inzwischen Ferienzeit. Heiß ist es, wenn der Wind von Norden weht; sofort kühlt es ab, wenn er auf Süd dreht. Wir verlassen die Stadt und erreichen westlich von Trelew den kleinen Ort Gaiman, eine wunderschöne grüne Flussoase im Chubut-Tal. Die Feuerwehr betreibt zwecks Nebeneinkunft einen kleinen Campingplatz, und auf dem lassen wir uns am Rio Chubut nieder. Die ersten Waliser, die 1865 in Puerto Madryn landeten, erreichten auf der Suche nach Wasser das Chubut-Tal und ließen sich auch an diesem Ort nieder, der heute Gaiman heißt. Nur noch wenige Gebäude erinnern an die Zeit der Pioniere, geblieben jedoch ist der traditionelle „Te Gales (Gälischer Tee)“. Mangels Tourismus hat als einziges das Teehaus „Ty Guyn“ geöffnet, in dem wir uns niederlassen. Wir erwarten fälschlicherweise Butter-Scones mit Erdbeermarmelade und Sahne, denn in unserer Erinnerung verwechseln wir den „Te Gales“ mit dem schottischen „High Tea“. Stattdessen werden wir, neben einer Kanne Tee, mit einer gigantischen Tortenplatte der kalorienreichsten Art quasi erschlagen! Wir schaffen nicht einmal die Hälfte, der Rest wird uns eingepackt wir lieben Argentinien (zumindest meistens). Erst nach zwei weiteren Tagen haben wir alles vertilgt! Einst führte eine Meterspur-Eisenbahnlinie durch Gaiman. Aus dieser Zeit ist lediglich das alte Bahnhofsgebäude von 1909 erhalten geblieben, in dem ein kleines Museum das Leben der einstigen Pioniere anhand von Gebrauchsgegenständen und Fotos nachvollziehbar macht. Der Museumskurator erläutert gerade einem Paar aus Wales, das auf den Spuren ihrer im 19. Jahrhundert hierher ausgewanderten Vorfahren wandelt, die technische Einrichtung des ehemaligen Bahnhofgebäudes, als wir zufällig dazustoßen. Spontan werden wir eingeladen, uns der Führung in einem herrlichen Mix aus Spanisch, Englisch und Walisisch anzuschließen. Wir haben nicht alles verstanden, lernen trotzdem viel über das harte Leben der Pioniere.
Argentiniens Atlantikküste – der Norden (Dezember 2021 bis Januar 2022) Wie im letzten Bericht geschildert, sind wir gegen eine kleine Gebühr von US$ 200 (PCR-Tests; Big Business, dieses Test- Geschäft!), aber ansonsten problemlos nach Argentinien eingereist. Was fällt uns als erstes auf? Sämtliche Polizisten des Landes mussten sich scheinbar einer Gehirnwäsche unterziehen! Wir beginnen unsere Argentinien-Reise in Entre Rios, die Provinz mit der bekanntlich korruptesten Polizei. Gedanklich sind wir bereits auf die Diskussionen an den zahlreichen Polizei-Checkpoints eingestellt, wo man uns für alle denkbaren Vergehen um (vorzugsweise) US$ zu erleichtern versuchen wird. Entre Rios ist auch die Provinz mit der ultimativen Touristen-Überrumpelung: Das Vorzeigen eines Leichensacks bei Polizeikontrollen! „Was! Sie haben keinen Leichensack dabei? Wie wollen Sie die Leiche Ihrer Frau/Ihres Manns nach einem Unfall ordnungsgemäß verstauen? Doch bleiben Sie ruhig! Mit US$ 50 (ohne Quittung) lässt sich das Problem beheben!“ Wir kennen den Trick und haben einen (in dieser Provinz tatsächlich vorgeschriebenen) Leichensack dabei. Alles überflüssig! Die Zahl der Kontrollposten wurde drastisch reduziert, und an den wenigen besetzten werden wir ausnahmslos sehr freundlich und zuvorkommend durchgewunken. Im gemütlichen Colon auf dem Westufer des Rio Uruguay decken wir uns mit Lebensmitteln ein und besorgen uns eine Claro- SIM-Karte für Argentinien. Die freizuschalten gestaltet sich als sehr schwierig: Bei der Aktivierung einer Pre-Paid-Karte muss eine Ausweisnummer eingegeben werden, doch unsere Passnummer passt nicht in die argentinische Systematik. Niemand kann uns helfen; selbst ein Claro-POS ist überfordert! In einem Elektroladen, der auch Handys repariert, versuchen wir erneut unser Glück, schildern unser Problem. Der Besitzer telefoniert mit Claro, verlässt mit unserem Handy für zwei Minuten das Geschäft und kehrt mit einer freigeschalteten SIM-Karte und zugehöriger Telefon-Nr. zurück. Wie er das geregelt hat, bleibt uns ein Rätsel. Tatsache ist: Die SIM funktioniert bis heute! Am Abend freuen sich alle Flussmücken bereits auf unser Blut. Nachdem Rolf die Kabine eingesprüht hat (wir haben noch ein Hammer-Mittel aus Australien an Bord), sind wir von Leichen umgeben. Auch wir sind wohl etwas betäubt, denn wir schlafen tief und fest. Buenos Aires umfahren wir weiträumig und erreichen nach zwei langen Fahrtagen das Pampa-Städtchen Chascomus an der gleichnamigen Laguna Grande. Aufgrund eines Feiertages füllt sich der Campingplatz zusehends mit Familien und Jugendgruppen. Grilldüfte schweben über den Platz, und diverse Musiken erfreuen zeitgleich unsere Ohren. Wir können es kaum glauben: Nicht nur in den wohlhabenden Ländern der 1. Welt ist in den letzten 10 Jahren die Zahl der Wohnmobile explodiert. Das Phänomen hat auch vor Argentinien nicht Halt gemacht! Auch wenn die Mehrzahl der Argentinier immer noch in Zelten campieren die Vielzahl an Wohnmobilen ist beeindruckend, viele davon auf alten Bus-Chassis. Erstaunlich diszipliniert werden Masken getragen und Abstände eingehalten: Das Corona-Verhalten der Menschen in diesem Teil Südamerikas ist bei weitem vorsichtiger und rücksichtsvoller als in Europa ganz entgegen dem Ruf des disziplinlosen Südländers. Unsere Campingnachbarn sind freundlich. Wir spüren sogar eine gewisse Begeisterung, wieder europäische Touristen zu sehen; auch auf den Straßen blinken uns bei hochgerecktem Daumen viele Fahrzeuge an. Ganz offensichtlich sieht man uns als Vorboten der Rückkehr einer gewissen Normalität. Was ebenso offensichtlich nicht der Fall ist: Während unserer bislang 8 Wochen im Land sind uns in Summe nur 10 europäische Touristen begegnet. Nach einer Fahrt durch eine flache Weidelandschaft, durchzogen von kleinen Flüssen und Sumpfgebieten und bevölkert (neben Rindern) von Störchen, Löfflern, Reihern und Nandus (straußenähnliche Laufvögel), erreichen wir bei San Clemente de Tuyu die Atlantikküste. Der Club de Pesca Punta Rasa betreibt einen Campingplatz, und auf dem bleiben wir drei Tage. Kreischend schwirren grüne Sittiche um uns herum, beäugt von einer schläfrigen Eule, und Angler versuchen Ihr Glück. Wir machen Spaziergänge und lassen uns in den nahegelegenen Termas Marinas inmitten eines Vergnügungsparks im wohltemperierten Wasser einweichen (Masken dürfen abgelegt werden). Bei der Gelegenheit stellen wir fest, dass die dicksten Frauen die knappsten Bikinis tragen. Tangas erfreuen sich bei Damen weit überdurchschnittlichen Leibesumfangs besonderer Beliebtheit. Das ist nichts für Anhänger einer veralteten Ästhetik! Ab San Clemente folgen wir der Küste nach Süden, eine Strecke, die Neuland für uns ist. Nach der Kirche ist man immer schlauer: Diesen Küstenabschnitt bis hinter Bahia Blanca hätten wir nicht bereisen müssen. Hässliche „Klein- und Groß- Riminis“ reihen sich wie auf einer Perlenschnur. In den Orten ist von den Stränden wenig zu sehen, denn sie sind unter Liegestühlen verschüttet. Noch sind diese nicht belegt, denn die Ferienzeit/Hauptsaison beginnt erst kurz vor Weihnachten, doch die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Die Reiseführerbeschreibungen einiger „gemütlicher kleiner Fischerdörfer“ gehören zu einer untergegangenen Epoche - sie wurden vom Massentourismus vollkommen entstellt. Die Hafenstadt Bahia Blanca umfahren wir weiträumig, gelangen kurz dahinter an eine Provinzgrenze = Fruchtgrenze. Frisches Obst und Gemüse? Nur bis hierher! Der Senor fragt Bettina, ob wir Früchte und Gemüse mitführen. „No, Senor!“ Können diese grünen Augen lügen? „Buen viaje!“ Noch sind wir ca. 20 km von der Küste entfernt, aber schon weit im Inland queren wir (inzwischen bewachsene) Dünengürtel. Südlich von Mayor Buratovich finden wir einen hübschen Platz an der Laguna Salada, auf der Flamingos, Schwäne und andere Wasservögel zuhause sind. Entlang der Laguna gibt es Picknick- Plätze, Feriendomizile, Restaurants und sogar eine Disco. Alles ist Corona-bedingt geschlossen, und außer uns gibt es nur eine Handvoll Besucher. Diese Pandemie ist wie ein Scheinwerfer mit starken Lichtern (kaum Menschen) und Schatten (Disco geschlossen). Mit über 30 Grad ist es sehr heiß; erst ein für eine Stunde tobender Regensturm bringt etwas Abkühlung.
-PUERTO DESEADO- Argentinien
-PUERTO MADRYN- Argentinien
BUENOS AIRES Argentinien
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