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Argentiniens südliche Anden - El Calafate und Umgebung (Januar 2022) Unser nächstes Ziel ist El Calafate, am Südufer des Lago Argentino und am Rande des Nationalparks „Los Glaciares“ gelegen. Der zweitgrößte Nationalpark Argentiniens zieht sich über 170 km an der chilenischen Grenze entlang. Auf einem Campingplatz im Ort treffen wir endlich wieder auf Reisende aus der Heimat. Von Bettina und Norbert werden wir zum Tee und Klönen eingeladen. Mit ihnen und Angelika und Herbert haben wir bei einem gemeinsamen Abendessen in einem kleinen Restaurant viel zu erzählen und zu lachen - eine schöne Abwechselung in diesen kontaktarmen Corona-Zeiten. El Calafate, 1927 gegründet, hat sich von einem kleinen Ort zu einem beliebten Touristenzentrum entwickelt, nachdem 1960 die Straße zum Perito Moreno-Gletscher fertiggestellt worden war. Für uns ist es aber auch ein Ort, in dem wir uns mit begehrten Lebensmitteln eindecken: leckerer Käse sowie Brot und Apfelstrudel aus einer deutschen Bäckerei. Aber natürlich besuchen wir ein zweites Mal bei strahlendem Wetter eine der größten Touristen-Attraktionen Argentiniens, den bekanntesten der 13 mächtigsten Gletscher des Nationalparks, den Perito Moreno. Auch hier hat sich einiges verändert in den letzten 14 Jahren. Von einem großen Parkplatz fahren Shuttle-Busse hinauf zu den Aussichtsplattformen mit Blick auf diesen immer wieder beeindruckenden Gletscher, dessen Zunge in den Lago Argentino hineinragt. Benannt wurde er nach Francisco Pascasio Moreno (1852-1919). Perito heißt im Spanischen Sachverständiger, eine Amtsbezeichnung, die Moreno als Würdigung seiner Verdienste als Anthropologe und Entdecker erhielt. Er unternahm zahlreiche Expeditionen zur Erforschung von Flora und Fauna, vor allem in Patagonien. Die letzte machte er 1912 als Begleiter des damaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt. Wir bleiben noch einige Tage im Nationalpark am uns bis dahin unbekannten Lago Roca, der mit dem Lago Argentino verbunden ist. In 20 km Entfernung sehen wir von unserem Stellplatz weit hinter dem See immer noch die gezackte Eisoberfläche des Gletschers Perito Moreno. Wunderschön ist es hier und, ungewöhnlich für Patagonien, fast windstill - ein Bilderbuchwetter. Beim Abendessen herrschen draußen um 20:30 h immer noch 24 Grad. Zurück in El Calafate ist es immer noch so warm, dass Bettina ein Sommerkleid trägt, und wir uns über ½ kg total leckerer Eiscreme hermachen. Isabel und Manuel, die uns in Trelew das erste Mal begegnet sind, treffen wir auf ihrem Weg nach Ushuaia in der Stadt. Wenn diese Touristen-Hotspots für wenig gut sind - die Chancen stehen nicht schlecht, an ihnen Overlander zu treffen.
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Wir rollen ab jetzt wieder nach Norden. Wie und wohin, darüber erfahrt Ihr mehr im nächsten Bericht ! Bis dahin alles Gute, bleibt gesund und optimistisch, Bettina & Rolf (Chos Malal/Argentinien, im Februar 2022)
Perito Moreno-Gletscher/Argentinien 2022 Perito Moreno-Gletscher
Argentiniens südliche Anden - El Chaltén und Umgebung (Januar 2022) Wir folgen der Ruta 40 nach Süden. Unsere Annahme, dass diese im südlichen Argentinien inzwischen vollständig asphaltiert sei, stellt sich als Irrtum heraus: Ab dem Abweig zum Lago Cardiel wird sie über 70 km zur üblen Piste. Weit im Westen sind bereits die schneebedeckten Andengipfel auszumachen. Unterwegs werden wir von einer Motorrad-Gruppe gestoppt: Ob wir ein defektes Motorrad zum nächsten Ort verladen können. Nein, soviel Platz haben auch wir nicht, und hier in der Pampa gibt es auch keine ADAC-Rufsäule. Auf so einer grobsteinigen Piste ist das Fahren mit einem Motorrad bestimmt kein Vergnügen. Über Tres Lagos erreichen wir bald das Tal des Rio de las Vueltas und den ca. 100 km langen Lago Viedma, in den südlich von El Chaltén der gleichnamige Gletscher kalbt. El Chaltén, erst 1985 gegründet, hat sich seit 2007, als wir das erste Mal hier waren, von einem winzigen Ort mit unbefestigten Straßen und einfachen Quartieren zu einem modernen Ort mit Unterkünften in jeder Preislage entwickelt. Dass die Straßen nun asphaltiert sind, ist bei dem stetigen Starkwind ein Riesenvorteil. Auf 500 m liegt El Chaltén am Fuß des bizarren und äußerst beeindruckenden Fitz Roy-Massivs (3.405 m), benannt nach dem Kapitän der BEAGLE (Darwins Forschungsschiff), der den Berg von Ferne erblickte. Er war ein heiliger Ort der Tehuelches, einer der Indianerstämme Patagoniens. Heute ist er eine Herausforderung für Bergsteiger. Von El Chaltén führen viele Trekking- und Wanderwege und Klettertouren in die Bergwelt. Und auch wir unternehmen zwei Wanderungen. Zunächst geht es über Stock und Stein stetig bergauf, durch die von uns geliebten Südbuchenwälder zur „Laguna Capri“. Leider sind die Berge mit Wolken verhangen. Kurz nach unserer Rückkehr zum Wagen beginnt es zu regnen - Glück gehabt! In der Nacht kühlt es stark ab. Um sechs Uhr wachen wir auf und blicken aus dem Schlafzimmerfenster auf die vergletscherten Berge um uns herum, von der aufgehenden Sonne in gleißendes Licht getaucht. Unsere dicken Jacken werden hervorgeholt, denn heute geht es auf unsere zweite Wandertour, zum „Sendero Mirador del Torre“. Es ist eine ziemliche Kraxelei, aber die Mühe lohnt sich, denn die bizarren Gipfel der Berg um uns herum sind nahezu wolkenfrei. Am Mirador lernen wir Gonzalo und seine Familie kennen. Er und seine Kinder sprechen Englisch, und es ergeben sich interessante Gespräche. Gonzales gibt uns seine Telefonnummer mit der Bemerkung: „Nun habt Ihr neue Freunde in Buenos Aires.“ Wie herrlich unkompliziert das Leben manchmal sein kann! In der Nacht regnet es, und bis auf 800 m herab hat es geschneit. Als wir El Chaltén verlassen, sind die gestern noch grünen Berghänge weiß bestäubt.
Argentiniens südliche Anden - quer durch das Land (Januar 2022) Wir verlassen die Atlantikküste, um Teile von Argentiniens Westen noch einmal oder neu zu erkunden. Die öden 100 km zurück zur Ruta Nacional 3 (RN3) fahren wir nun ein zweites Mal, anschließend nach Süden bis zum Abzweig zum Nationalpark „Bosques Petrificados“. Nach 50 erträglichen Pistenkilometern erreichen wir das gleichnamige Naturmonument, den Versteinerten Wald. An einer riesigen Ur-Lagune, die heute einer Mondlandschaft ähnelt, liegen die versteinerten Araukarienstämme, bis zu 42 m lang und mit einem maximalen Durchmesser von 1,5 m. Nach einem Vulkanausbruch in der Jurassic-Periode vor ca. 150 Mio. Jahren wurden die umgestürzten Bäume durch Silikate in der vulkanischen Asche versteinert. Fossilien von Meerestieren beweisen, dass vor 40 Mio. Jahren, als die Bäume längst versteinert waren, hier ein Ozean das Land bedeckte - wir wandern auf einstigem Meeresboden. Es stürmt so heftig, dass wir Mühe mit dem Laufen haben. Im Park dürfen wir nicht übernachten. Außerhalb finden wir in einer trockenen Lagune einen Nachtplatz und hoffen, dass es nicht regnen wird die Umgebung würde sich in bodenlosen Schlamm verwandeln. Prompt fallen nachts die ersten Tropfen! Wir schrecken aus dem Schlaf, doch nach wenigen Minuten dreht der Himmel den Hahn wieder zu. Wir legen uns wieder Schlafen und haben am nächsten Morgen auch keine Probleme beim Hinausfahren. Wir folgen der Ruta 49 bis zur Ruta 12. Erst nach vielen Kilometern verlassen wir den Nationalpark und durchqueren eine fantastische Landschaft mit bizarren Bergformationen. Die Ruta 12 stellt sich als sehr üble Piste heraus. Rolf setzt den Reifendruck noch weiter herab, trotzdem kommen wir nur langsam voran. Auch der Wind in Sturmstärke macht trotz der niedrigen Geschwindigkeit das Lenken des Wagens zu einer permanenten Habacht-Aufgabe. Eine aufgelassene Estancia bietet uns einen düster-romantischen und windgeschützten Nachtplatz. Die Hausquelle ist noch intakt und versorgt uns mit Wasser es gefällt uns hier. In den Räumen der Estancia-Ruine wachsen inzwischen Bäume und Büsche; die Natur holt sich alles zurück. Erinnerungen an Ruinen in Kambodscha werden wach. Ok, die Kapokbäume in Angkor waren beeindruckender. Dennoch ist auch dies ein perfekter Ort, um sich abends unter einem gigantischen Sternenhimmel über einem Glas Bier auszumalen, wie es den einst hier lebenden Menschen ergangen sein mag. Was hat sie bewogen, sich hier im Nichts eine Existenz aufzubauen? Mit einem modernen Geländewagen benötigt man einen Fahrtag bis zur nächsten Ansiedlung, mit Pferd und Wagen werden es mehrere Tage gewesen sein. Woran sind sie gescheitert? Der schlechte Zustand der Ruta 12 ändert sich auch am nächsten Tag nicht. Seit dem Verlassen der Versteinerten Wälder haben wir kein anderes Fahrzeug gesehen, und das wird sich bis zum Eintreffen am Abend in Gobernador Gregores auch nicht ändern. Das aus alten Saharazeiten altbekannte Ziehen in der Magengrube stellt sich ein: Bloß keine ernsthafte Panne hier draußen! Aber die exotische Landschaft entschädigt uns. Es geht über weite Ebenen und durch enge Täler, begrenzt von ganz unterschiedlich-farbigen Berg- und Felsformationen. Es ist halbwüstenähnlich, und Tafelberge wie vom Planet der Affen begleiten uns. Aber sobald freies Wasser in Gestalt eines kleinen Rinnsals auftaucht, erwachen Flora und Fauna zum Leben. Dann grünt und blüht es auf einer Breite von wenigen Metern, und kleine Vögel schwirren umher. Wir passieren Eingangstore zu entfernt gelegenen Estancias, deren Gebäude schon mal bis zu 37 km von der Einfahrt entfernt liegen können. Und all diese riesigen Flächen sind eingezäunt! Wer es nicht selbst gesehen hat, wird kaum glauben, dass das gesamte Land eingezäunt ist. Nach 245 Kilometern, für die wir sieben Stunden benötigen, erfreuen sich unsere Augen am Anblick der (nur teilweise) grünen Flussoase Gobernador Gregores, wo wir zwei Tage bleiben, Vorräte und Treibstoff aufstocken und uns entspannen.
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---EL CALAFATE--- Argentinien
---EL CHALTÉN--- Argentinien
GOBER. GREGORES Argentinien