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Durch Deutsch-Brasilien Blumenau (Dezember 2022) Blumenau ist unser erstes Ziel im Inland. Mitten in der Stadt gibt es eine perfekte Campingmöglichkeit beim „Centro Cultural 25 de Julho“. Von Josie-Marie und ihrem Mann Ingo werden wir auf Deutsch herzlich begrüßt. Sie leben in 5. Generation in Brasilien, und im Kulturzentrum werden deutsche Sprache und Traditionen gepflegt. Zum Zentrum gehört auch ein großes Restaurant „Heimat“, in dem wir sehr gut essen können. Am reichhaltigen Büffet finden wir brasilianische Klassiker wie Schweinebraten, Spätzle und Boeuf-Stroganoff. Umgeben ist das Zentrum von hässlichen Hochhäusern, doch ein Nebenfluss des Rio Itajai Acu ist die Grundstücksgrenze, und der hat einen langgezogenen Dschungelstreifen durch die Stadt gelegt. Neben exotischen Pflanzen gibt es in ihm, mitten in der Stadt, eine erstaunliche Tierwelt aus großen Echsen, Agutis (große Nager, haben Ähnlichkeit mit Pampashasen), sowie Wasserschweinen, die alle ab und zu vom Fluss heraufkommen und uns besuchen. Blumenau wurde 1850 von dem deutschen Chemiker Dr. Hermann Bruno Otto Blumenau und 17 weiteren Kolonisten gegründet. 1860 übergab Dr. Blumenau die kleine Kolonie dem brasilianischen Kaiserreich und wurde von diesem als Direktor eingesetzt. Mit der Stadtgründung 1880 wurde er auch zum Bürgermeister ernannt. Heute zählt die Stadt über 400.000 Einwohner, viele davon mit europäischen Wurzeln. Einige davon lernen wir im Kulturzentrum kennen, denn wir werden zu den Proben des Männer- und Gemischten Chors eingeladen. Deutsche und brasilianische Weihnachtslieder werden eingeübt, für ein Weihnachtskonzert in zwei Wochen. In Blumenau, aber auch im 25 km entfernten Pomerode stößt man überall auf deutsche Namen sowie auf zahlreiche Gebäude im Fachwerkstil. Legendär ist das seit 1984 alljährlich stattfindende Oktoberfest. Ins Leben gerufen wurde es zur Deckung des gigantischen Finanzbedarfs für den Wiederaufbau der Stadt nach der großen Überschwemmung von 1983. Der Fluss neben dem Kulturzentrum war damals um unvorstellbare 15 m angestiegen! Zurzeit ist auf dem Oktoberfest-Gelände „Vila Germanica“ ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, den wir natürlich heimwehkrank (lechz, Glühwein haben sie aber nicht) besuchen. In einer Halle gibt es sogar eine echte Eislauffläche! Nach einigen Tagen treffen Dorli und Wolfgang aus der Schweiz ein. Schön, einmal wieder Reiseerlebnisse austauschen können! Neun Tage bleiben wir ( teilweise   unfreiwilligerweise,   siehe   hier ) in Blumenau, und wir gehören schon fast zum Inventar. Der Blumenau- Besuch war in jeder Beziehung spannend, und den angenehmen und interessanten Teil des Aufenthalts wollen wir ganz bestimmt nicht missen!
Bei den Donauschwaben in Entre Rios (Dezember 2022) Wir verlassen Blumenau, zuversichtlich, dass alle   Fahrzeugprobleme erst einmal (nach dem Problem ist vor dem Problem!?) behoben sind. Wir rollen weiter nach Westen. Campingplätze sind rar in diesem Teil Brasiliens, genauso, wie Touristen rar sind, und deshalb übernachten wir einmal auf der Wiese neben einem Restaurant, das nächste Mal auf einer Tankstelle. Stets sind die Menschen ausgesprochen freundlich und hilfsbereit: Wir sind mit einem ausgeprägten Habacht-Gefühl nach Brasilien eingereist und haben uns ob der netten Menschen, die uns ganz überwiegend begegnet sind, deutlich entspannt. Ganz anders als im sonstigen Südamerika ist es in Brasilien üblich, schon mittags ausgiebig zu essen. In den Restaurants wird häufig ein umfangreiches Buffet angeboten. Einige Male nutzen wir zur Freude unserer Gaumen diese Gelegenheit, weichen damit von unserer Gewohnheit ab, erst am Abend warm zu essen. Wir haben es nie bereut. Hinter Jaocaba biegen wir nach Norden ab, und am späten Nachmittag, es wird Zeit, sich um unseren Nachtplatz zu kümmern, treffen wir in Entre Rios ein. Hier soll es einen Campingplatz geben. Den finden wir nach dem Erbringen umfänglicher Pfadfinderleistung (wann begreifen die Stadtverwaltungen endlich, dass sie die Alleebäume nicht einfach wuchern lassen dürfen, wenn sie Besucher mit etwas größeren Wohnmobilen empfangen wollen) - und werden von Caroline und Walter auf Deutsch begrüßt! In keinem unserer Reiseführer erwähnt und vollkommen unerwartet, sind wir in einer Ecke Brasiliens gelandet, in der sich in den 1950ern Donauschwaben niedergelassen haben. Die Folge: In Entre Rios sprechen noch sehr viele Menschen sowohl den Donauschwäbisch-Dialekt, als auch (Hoch-)Deutsch! Portugiesisch? Überflüssig und gut für uns! Hier in Kurzform die bewegte Geschichte der Donauschwaben, die im „Heimatmuseum/Museo Historico de Entre Rios“ ausführlich dargestellt ist: Donauschwaben ist ein Sammelbegriff für im 18. Jahrhundert ausgewanderte Deutsche in die Länder der Österreich-Ungarn-Doppelmonarchie. Nach der Vertreibung der Türken vom Balkan Ende des 17. Jahrhunderts versuchten die Habsburger als Nachfolgemacht die Gebiete neu zu besiedeln. Im Laufe des 18. Jahrhunderts gelangten über 150.000 Kolonisten aus deutschen und österreichischen Territorien in die Gebiete des historischen Ungarn. Die Siedler stammten in ihrer überwiegenden Mehrzahl aus den südwestlichen deutschen Ländern: Rheinpfalz, Elsass, Lothringen, Baden und Württemberg, in geringerer Zahl aber auch aus Bayern, Österreich und Böhmen. Sowohl die Madjaren als auch die Südslawen nannten sie von Anfang an „Schwaben“, obwohl nur ein Teil von ihnen aus dem heutigen Schwaben stammte. Allmählich ging diese Bezeichnung auch in den eigenen Sprachgebrauch über. Aber erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden diese Schwaben zur Unterscheidung von den Schwaben in Baden-Württemberg zuerst von den Volkskundlern und Historikern und dann allgemein als Donauschwaben bezeichnet. Zu Ende des Ersten Weltkriegs verlor Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebietes, was zu einer Dreiteilung der Donauschwaben führte: Rund 550.000 blieben bei Ungarn, 330.000 kamen zu Rumänien und 510.000 zu Jugoslawien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entzog die Regierung Rumäniens den rund 300.000 nichtgeflüchteten Banater Schwaben alle staatsbürgerlichen Rechte und enteignete sie. Ungarn erreichte 1945 auf der Potsdamer Konferenz, dass es seine Schwaben nach Deutschland aussiedeln durfte; 220.000 Ungarn-Deutsche wurden vertrieben, ihr bewegliches und unbewegliches Vermögen wurde beschlagnahmt. Rund 195.000 Donauschwaben Jugoslawiens wurden kollektiv zu Volksfeinden erklärt, man entzog ihnen die staatsbürgerlichen Rechte und verfügte ihre völlige Enteignung. Als die Regierung Brasiliens Anfang der 1950er Jahre für 2000 Familien eine Einwanderung anbot, nahmen 500 vertriebene Familien aus Mittel- und Osteuropa diese Gelegenheit wahr. Die „Schweizer Europahilfe“ stellte rund 9 Mio. Schweizer Franken für Landkauf, Transporte, Ankauf von Maschinen und Aufbau einer Siedlung zur Verfügung. Auch Brasilien unterstützte die Kolonisation finanziell. Die Siedlung umfasst bis heute „Fünf Dörfer“, die alle nach dem gleichen, auf dem Reißbrett entworfenen Plan, gestaltet sind. Fünf Dörfer, in denen die ursprünglichen Siedler eines jeden aus fünf verschiedenen geografischen Herkunftsgebieten stammten. In jedem Dorf wurde (und wird noch immer!) ein anderer Donauschwaben-Dialekt gesprochen. Karin, Walters Schwester und ehemalige Journalistin, erzählt von ihren vergeblichen Versuchen, für eine lokale Wochenzeitschrift eine einheitliche Schriftsprache zu entwerfen. Die Donauschwaben hatten keine, und jedes Dorf mit seinem Idiom hätte eine eigene erfordert! Eines war den Siedlern von Beginn an klar: Nur gemeinsam würden sie es schaffen. Dafür sorgte zu einem erheblichen Teil eine neu gegründete Genossenschaft „Agraria“, der heute die meisten der Donauschwaben angehören, und die inzwischen über 1000 Mitarbeiter hat. In erster Linie wird Landwirtschaft betrieben: Weizen, Braugerste, Sojabohnen und Mais. Dank des gemäßigten Klimas auf einer Höhe von ca. 1200 m sind zwei Ernten pro Jahr möglich. „Agraria“ ist mittlerweile der größte Malzproduzent Südamerikas. Die Donauschwaben wirtschafteten und wirtschaften immer noch sehr erfolgreich. Auch wir als Fremde bemerken den Wohlstand, der hier zu Hause ist. Caroline und Walter sowie deren Familien und Freunde kümmern sich rührend um uns, gewähren uns Einblicke in ihr Leben und das der Donauschwaben, die, wie wir schnell feststellen, ein außerordentlich fleißiges und gastfreundliches Volk sind. Jeder Tag bietet Interessantes für uns: Walter führt uns sein Agrarflugzeug vor, sein Vater Siegfried macht mit uns eine Sightseeing-Tour durch die „Fünf Dörfer“, lässt uns seine Traktor-Kollektion bestaunen und macht Rolf mit Steffen bekannt, so dass die beiden sich intensiv über Unimogs austauschen können. Immer hat man Zeit für uns. Beim Bierfest im „Centro do Eventos“ probieren wir hochprozentiges (9,5 %) Bier und sind schon nach einem Glas erledigt. In Carolines Restaurant „Cafe & Brot“ wird jeden Tag mittags ein extrem leckeres Buffet angeboten, und wir ändern unsere Essgewohnheiten erneut. Unser Plan, nur eine Nacht zu bleiben, löst sich in Wohlgefallen auf; es werden acht Nächte! Die Weiterreise, auch wegen des angenehmen Klimas, fällt uns nicht leicht, aber wir möchten noch vor Weihnachten in Foz Do Iguacu ankommen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil viele unserer Gesprächspartner der festen Überzeugung sind, dass es nach der Machtübergabe Bolsonaro>>Lula am 1. Januar zu einem Militärputsch samt Bürgerkriegs-ähnlichen Übergriffen kommen wird. Wir beschließen, Brasilien vorher zu verlassen. Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen machen wir uns auf die Weiterreise.
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Bis dahin bleibt gesund und schickt uns ein paar Minusgrade, denn in Paraguay werden wir demnächst mit 36 C zu kämpfen haben. Viele Grüße, Bettina & Rolf (Hohenau/Paraguay, im Januar 2023)
Foz Do Iguacu/Brasilien 2022 Foz Do Iguacu/Brasilien
--FOZ DO IGUAÇU-- Brasilien
--ENTRE RIOS-- Brasilien
----BLUMENAU---- Brasilien
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Foz Do Iguacu (Dezember 2022) Unterwegs nach Foz Do Iguacu, in Cascavel, wo wir außerhalb der Stadt am Lago Municipal einen Übernachtungsplatz finden, erstrahlt am Abend auf der Staumauer eine dekorative Weihnachtsbeleuchtung mit Musikuntermalung. Auf der Ruta 277, nun wieder in niedrig gelegenen heißen Gefilden, geht es durch kleine und größere Orte und, vor allem, durch riesige Sojabohnen-Felder. Nach den USA ist Brasilien der weltweit zweitgrößte Sojaproduzent. Nach den letzten 150 km erreichen wir das unattraktive Foz Do Iguacu. Doch wir sind nicht wegen der Stadt hier, sondern um die Wasserfälle zu besuchen, nach zwei Besuchen (2008 und 2019) der argentinischen Seite diesmal die brasilianische. Wir fahren zum Visitor Center des Nationalparks und dürfen auf Nachfrage die nächsten zwei Nächte auf dem leeren Busparkplatz übernachten. Doch zunächst besuchen wir den überaus sehenswerten Vogelpark „Parque des Aves“. Gegründet wurde er 1994 von einem Ehepaar (sie, Anna, aus Deutschland, er, Dennis, aus Simbabwe) auf einem 16 Hektar großen Grundstück mit (geschütztem) Atlantischen Regenwald. Ihr Ziel war und ist es, bedrohten Vögeln des brasilianischen Atlantischen Regenwalds eine Heimat zu geben. Die meisten Vögel leben in großen begehbaren Volieren, so dass Beobachten und Fotografieren möglich sind. Dieser Vogelpark gefällt uns sehr viel besser als der auf argentinischer Seite. Den zweiten Tag unseres Foz Do Iguacu-Aufenthalts widmen wir den gigantischen Fällen. Und wir hören schon Eure Frage: „Welche Seite ist schöner?“ Unsere salomonische Antwort: „Beide!“ Doch natürlich gibt es Unterschiede: Das beginnt damit, in Argentinien sofort hinter dem Eingang zu Fuß die ersten Fälle erreichen und, wenn man will, zu Fuß das ganze riesige Areal mit ständig sich ändernden Blicken auf Hunderte von Fällen durchstreifen zu können. In Brasilien steht erst einmal eine 14 km-Busfahrt an, die den Besucher zum Startpunkt einer deutlich kürzeren Wanderung bringt. Konter: Während man auf der argentinischen Seite die Fälle meist nur von oben in die Schlucht unter sich stürzen sieht, erblickt man sie auf der brasilianischen Seite frontal: Die Wasserwände stürzen von weit oberhalb des Betrachters auf das Niveau des eigenen Standorts herunter das ist einfach nur spektakulär! Auch die atemberaubenden Dimensionen der uns gegenüber liegenden argentinischen Fälle erschließen sich nur aus dieser Perspektive. An Tieren sehen wir Koatis, einige Echsen, wenige Vögel, dafür aber wieder viele Schmetterlinge. 2019, zu einem fast identischen Zeitpunkt im Jahresverlauf, glaubten wir sie ausgestorben. Kaum zu glauben: Auf der Rückfahrt mit dem Shuttle-Bus läuft ein Jaguar über die Straße! Unser 5. Leopard/Jaguar in 40 Reisejahren. Ja, es war gut, unseren Horizont mit dem Besuch der brasilianischen Seite erweitert zu haben. Am 22. Dezember verlassen wir Foz Do Iguacu und damit Brasilien und stürzen uns in das Abenteuer des dreistündigen Grenzübergangs nach Paraguay. Doch das ist eine Geschichte für sich, und die erzählen wir Euch im nächsten Bericht.
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