Lieber Wellblechpiste als Schreibtisch!!
Laos
       
  Gesamtreiseroute  
 
 
 
 
  
 
 
Zum Vergrößern auf die Karte klicken >>>>>>  
     

       
English Version by Google

Laos - November 2012 bis Januar 2013

Nordlaos 1

Mein Gott, sind wir froh, in Laos endlich wieder führerfrei reisen zu können. Und endlich auch wieder unter freundlichen Menschen zu sein! Und selbst die laotischen Schriftzeichen erscheinen uns viel harmonischer als die kantigen chinesischen, und auch die laotische Sprache klingt mit ihrem leichten Singsang viel angenehmer. Und – last not least - sind nach Rolfs Meinung die Laotinnen viel hübscher als die Chinesinnen ….!

Dass die Menschen hier so freundlich und fröhlich sind, ist einfach ein Wunder! Denn die Geschichte, insbesondere die jüngere, ist eine Kette aus Kriegen, Fremdherrschaft und Revolutionen, die das kleine Land schrecklich gebeutelt haben. Der Schrecken aller Schrecken begann 1964, als das neutrale Laos durch die Ruchlosigkeit der Vietnamesen und Amerikaner in den Vietnamkrieg hineingezogen wurde. Neun Jahre lang wurde es, u. a. auch um die nordvietnamesischen Waffentransporte auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad zu unterbinden, heftigst bombardiert. Soweit heute bekannt, warf die US-Luftwaffe in einem völkerrechtswidrigen unerklärten Krieg in knapp 600.000 Einsätzen 2 Mio. Tonnen Bomben und Minen über dem kleinen Land ab – mehr als während des gesamten Zweiten Weltkriegs über den Kriegsschauplätzen in Europa und Fernost abgeworfen wurden! Noch heute sind große Gebiete insbesondere im Osten des Landes mit Blindgängern und Minen verseucht, die noch auf Jahrzehnte Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern werden. Der Kampf gegen den Kommunismus mit Millionen von Toten und unter Zerstörung von Landschaft und Kultur hat nichts gebracht. 1975 kommen die Kommunisten mehr oder weniger legal an die Macht, deklarieren die Demokratische Volksrepublik Laos, beenden 650 Jahre Monarchie, und jeder 10. Laote verlässt das Land. Über Kommunismus redet trotz der gelegentlichen Hammer und Sichel-Flagge heute niemand mehr. Wie in China, hat sich der „sozialistische Kapitalismus“ als Wirtschaftsform etabliert. Aber ebenfalls wie in China, hat sich die LRVP als unangefochtene Einheitspartei eingegraben, die keinen Gedanken daran verschwendet, ihre Macht mit irgendeiner anderen politischen Gruppierung zu teilen. Ist Laos also doch nur so eine Art Mini-China (Schluck!)? Wir sind gespannt!

Die Einreise nach Laos ist erfrischend unkompliziert: (verlängerbare) 30 Tage-Visa gibt es für korrekte US$ 32,-pro Person an der Grenze, für kleines Geld schließen wir eine 30 Tage-Autoversicherung ebenfalls hier ab, die wir in Luang Prabang später ebenfalls verlängern. Der Zoll ein paar Kilometer weiter landeinwärts will eine kleine Gebühr für das „Temporary Import Permit“ des Autos sehen, kein Blick in den Wagen, keine Fragen nach dem Woher und Wohin, ein freundliches „Willkommen in Laos und gute Reise!“, und das war es! Wir spüren eine enorm wohltuende Zurückhaltung, und Laos schafft es schon auf den ersten Metern, sich in unsere Herzen einzuschleichen! Das wird mit jedem Kilometer mehr, denn die geringe Verkehrsdichte macht nach China das Fahren zum Genuss. Und auch der Dieselpreis von umgerechnet EUR 1,00/Liter lässt bei uns keinen Groll aufkommen, nachdem wir gerüchteweise gehört haben, dass er in heimischen Gefilden bereits die EUR 1,60-Grenze geknackt haben soll. Was uns in den Dörfern sofort auffällt, sind die vergleichsweise vielen Kinder. Ganz offensichtlich gibt es weder harte sozio-politische noch ökonomische Randbedingungen, die maßgeblichen Einfluss auf die Nachwuchszahl nähmen. Wir bereisen zunächst den Norden des Landes und suchen einen Ort, wo wir uns nach der anstrengenden China-Reise erholen und entspannen können. Zunächst bleiben wir drei Tage in Luang Namtha, wo wir einen sehr schönen Platz am Ufer des Nam Tha neben dem „Boatlanding Guesthouse“ finden. Das gute Essen, das wir in China vermisst haben, finden wir nun endlich hier: frisch und knackig mit wenig Fett zubereitetes Gemüse mit Hühnchen-, Rind oder Schweinefleisch. Aber auch Fisch steht oft auf dem Speiseplan. Und wir entdecken unsere Liebe zu Klebreis! Dazu werden kleine, köstlich aromatische Bananen, leckere Ananas und Melonen sowie andere tropische Früchte auf den Märkten und am Straßenrand angeboten – Vitaminmangel ist also keine wirkliche Bedrohung.

Laos Landesfläche entspricht zwei Drittel Deutschlands, und Berge und Hochplateaus nehmen 80 % davon ein. Und so gelangen wir abseits des Mekong immer sofort in bergiges Gebiet. So auch, als wir Luang Namtha in Richtung Südosten verlassen. Da, wo die Chinesen mit einigen gigantischen Tunnels und Brücken eine Schnellstraße durch die Berge geklotzt hätten, windet sich hier die teilweise sehr schlechte Straße bis auf 1.100 m hinauf und lässt bei ihrer unendlichen Schlängelei kein Vorgebirge aus. Es scheint, dass nicht die Effizienz, nicht die möglichst kürzeste Verbindung, sondern der Rhythmus der Berge und Täler die Straßenbauer inspiriert hätte – wir kommen nur sehr langsam, aber mit vielen neuen Eindrücken voran. Erschrocken sind wir vom Ausmaß der Rodungen! Die vor 20 Jahren noch dicht bewaldeten Berge sind vielfach kahl, bestenfalls mit etwas Buschwerk bewachsen. Nicht einmal für Plantagen taugen die schnell ausgelaugten Böden noch! Und das Roden geht in den abgelegenen Landesteilen im Osten angeblich unter der "Schirmherrschaft" der laotischen Armee unvermindert weiter, denn Chinas Hunger nach Rohstoffen ist ungestillt ….! Traditionsgemäß siedeln die nördlichen Bergvölker - ethnisch ist Nordlaos ein Flickenteppich - auf den Bergrücken, und auf den schmalen nutzbaren Flächen neben dem Abgrund haben sie ihre Bambushäuser auf Stelzen errichtet. Arm sind sie. Die Minoritäten nur wenige Kilometer weiter nördlich in China waren sichtbar wohlhabender. Die Ortschaften sind gesichts- und geschichtslos, denn nachdem die Amerikaner sie seinerzeit „erfolgreich in die Steinzeit zurückgebombt“ hatten, mussten mit ganz wenigen Ausnahmen fast alle Städte bis hinunter zu kleinen Landflecken neu aufgebaut werden. Von Oudomsay aus machen wir einen kurzen Abstecher nach Muang La, wo uns allerdings heftiger Regen erwischt, so dass wir am nächsten Morgen Mühe haben, vom schlammigen Parkplatz wegzukommen. Der rote Lehm, der unter unseren Schuhen klebt, lässt uns gleich einige Zentimeter größer werden, und unser Auto nimmt eine rötliche Färbung und viele Kilo Zusatzgewicht an.

    Nordlaos    

Mehr Bilder gibt es HIER!!

   
 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Luang Namtha: neben dem Boat Landing Guesthouse; N20 56.826 E101 24.309; alle Versorgungen in der Umgebung, ruhig

Muang La: Restaurantparkplatz am Fluss; N20 52.108 E102 07.207; alle Versorgungen in der Umgebung, ruhig

 

 

Luang Prabang

In Luang Prabang sehen wir ein zweites Mal auf dieser Reise den mit 4000 km zwölftlängsten Fluss der Welt, den hier bereits sehr viel mächtiger gewordenen Mekong. Außerdem erwartet uns wieder gutes Wetter, das uns mit Ausnahme zweier Regentage für den Rest der Laos-Reise nicht mehr verlassen wird. Nach einigem Suchen und mit viel Glück finden wir einen wunderschönen Platz auf dem parkähnlichen Gelände eines Schullandheimes direkt neben dem Thongbay-Guesthouse, das mit seinen Bungalows in einem herrlich angelegten tropischen Garten liegt. Besitzerin und die Mitarbeiter sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, und ihre leckeren Crèpes und frisch gepresster Zitronensaft verführen uns immer wieder, auf der Terrasse am Fluss zu sitzen, uns zu entspannen und den Fischern auf dem Nam Khan-Fluss zuzusehen. Auch das Essen im Guesthouse ist so gut, dass Bettina ihre Küche vorerst schließt.

Luang Prabang, monarchietreu und stramm antikommunistisch, gehörte zu den wenigen Städte, die während des II. Indochinakrieges nicht von den Amerikanern in Grund und Boden gebombt wurden. Die einstige, 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Königsstadt, deren historisches Zentrum auf einer Halbinsel zwischen Mekong und Nam Khan liegt, zieht uns sofort in ihren Bann. Recht schnell merken wir, dass hier die Uhren anders ticken, nämlich angenehm viel langsamer - und wir passen uns diesem Rhythmus gerne an. Die laotische Gewohnheit allerdings, schon mit den Hähnen vor 06:00 h auf den Beinen zu sein, nehmen wir nicht an. Wir stehen manchmal trotz der dann schon merklich gestiegenen Temperaturen erst um 9:00 h auf, frühstücken in aller Ruhe und überlegen dann, ob wir wirklich noch etwas unternehmen wollen/müssen/können. Ihr könnt Euch aber sicherlich vorstellen, dass wir so ein faules Leben nicht lange durchhalten, zumal es in und um Luang Prabang herum sehr viel zu sehen gibt. Die Stadt ist in Bans (Dörfer) unterteilt, von denen jedes sein eigenes wunderschönes Wat (Klostertempel) besitzt, die bei näherem Hinsehen alle ihre Besonderheiten aufweisen. Die ca. 250 Mönche aus den Klöstern ziehen jeden Morgen bei Tagesanbruch durch die Strassen, um in ihren Bettelschalen Klebreis als Almosen von den Anwohnern (und zunehmend Touristen) entgegenzunehmen. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1975 wurde diese Almosenabgabe verboten. Stattdessen sollten die Mönche durch Landbestellung und Tierzucht ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten, „nicht mehr auf den armen Bauern schmarotzen“, was jedoch eine Verletzung ihrer klösterlichen Gelübde bedeutete. Nach allgemeinem Protest der Gläubigen über diese Entscheidung wurde das Verbot 1976 schon wieder aufgehoben. Und 1992 tauschte die Regierung im Landeswappen sogar Hammer und Sichel durch das „Pha That Luang“ aus, das heiligste buddhistische Symbol des Landes.

Überall sehen wir, dass der Buddhismus im täglichen Leben unvermindert eine wichtige Rolle einnimmt. Allein die unglaublich vielen großen Tempel im Stadtzentrum, aber auch auf dem Lande sprechen eine deutliche Sprache. Und auch die Geisterverehrung ist allgegenwärtig und steht in diesem Teil der Welt in keinem Widerspruch zum Buddhismus. Ein gutes Beispiel für dieses Nebeneinander ist das sog. „Geisterhaus“, das man neben jedem Gebäude sieht. Die oft reich geschmückten und bunten Miniaturtempel werden für den Hausgeist errichtet und sollen ihm als Wohnung dienen, und ihm werden Weihrauch, Getränke und Essbares geopfert.

Der Blick vom 100 m hohen Berg Phou Si auf die Stadt und den ehemaligen Königspalast mit dem Mekong im Hintergrund ist einfach grandios - trotz hängender Zunge, denn es waren wieder einmal viele Treppenstufen zu erklimmen. Aber auch die Märkte sind für uns magische Anziehungspunkte: der Morgenmarkt für das Praktische und Notwendige im Leben, der Nachtmarkt für das Überflüssige aber Schöne, wo man seine Moneten zusammenhalten muss, um nicht in einen Souvenirkaufrausch zu verfallen.

Denn Laos ist berühmt für sein Kunsthandwerk, u. a. auch für seine kunstvollen Seidenarbeiten. Hier in Luang Prabang können wir in einer Manufaktur von der Seidenraupe bis zum Webstuhl die Arbeitsabläufe verfolgen. Die Seidenspinner sind recht kleine, unscheinbare Nachtfalter/Motten, welche die Eier legen, aus denen die Seidenraupen schlüpfen. Diese werden nun dreimal täglich mit Blättern des Maulbeerbaumes gefüttert, denn nur diese werden von den wählerischen Raupen gefressen. Viermal häutet sich die Raupe und nach ca. 30 Tagen beginnt sie, sich in einen Kokon einzuspinnen. Der Kokon von ca. 2-3 cm Länge und ca. 1 cm Durchmesser ist je nach Seidenspinnerart von gelber, weißer oder grüner Farbe und besteht aus einem bis zu 1,5 km (!) langen Seidenfaden. Acht Tage nach dem Einspinnen verpuppt sich die stark geschrumpfte Seidenraupe, und nach weiteren acht Tagen würde der Schmetterling schlüpfen und durch ein ausgeschiedenes Sekret den Seidenfaden in viele kurze, also wertlose Stücke auftrennen, würde der Kokon nicht vorher in kochendes Wasser getaucht und die Puppe getötet. Von diesem Kokon lässt sich nun der hauchfeine, jedoch extrem reißfeste Seidenfaden abwickeln, der anschließend verzwirnt wird. Für hochwertige Seide werden zum Färben ausschließlich Naturfarben verwendet, die auch nach Jahrzehnten farbstabil bleiben – faszinierend, welch wunderschöne Farben aus Pflanzen und Mineralien entstehen können! Wir können auch den Weberinnen bei der Arbeit zusehen, die im traditionellen Stil hochwertige Textilien herstellen. Nachdem wir gesehen haben, welche Konzentration, wieviel Geschick und Zeit erforderlich sind, diese komplizierten Muster zu weben, wundern wir uns nicht mehr über die geforderten Preise. Wir können trotzdem nicht widerstehen, eine dieser wunderschönen Decken zu erwerben.

Über eine extrem wackelige Bambusbrücke erreichen wir das kleine Dorf Xangkhong auf dem gegenüber liegenden Nam Khan-Ufer. Aus der Rinde des Maulbeerbaumes wird hier handgeschöpftes Papier hergestellt, aus dem viele schöne Dinge, darunter auch hübsche Laternen gefertigt werden. Die haben es uns natürlich auch angetan – gut, dass unser Wagen noch 3,5 Tonnen Traglastreserven hat ;-) ….! Der Rückweg wird ein sehr langer, denn wir müssen leider miterleben, wie nach dem heftigen Regen der letzten Nacht der stark gestiegene Wasserspiegel des Nam Khan unsere am Morgen genutzte Bambusbrücke ratzfatz wegspült!

Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt in einem Langboot den Mekong flussauf zur Pak Ou-Höhle, in der mehr als 4.000 große und kleine Buddhas von Gläubigen aufgestellt wurden. Auf dem anderen Flussufer wird gerade der Elefant gebadet, auf dem wir anschließend einen Ritt durch Wälder und Dörfer machen. Wir sind nicht unglücklich, dass der für 1 Std. angekündigte Ritt auf der unbequemen, stark schwankenden Holzbank nur 30 min dauert. Auf der Rückfahrt machen wir bei einem kleinen Dorf fest, das sich u. a. auf das Brennen von Lao-Lao (Whisky aus Reis) spezialisiert hat, neben Bier das beliebteste Rauschmittel der Laoten. Nachdem wir das ca. 50 %ige Gesöff mit eingelegtem Skorpion, Kobra, Gecko, Bärentatzen etc. probiert haben, entscheiden wir uns aus Tierschutzgründen für den leckeren nur ca. 15 %igen Reislikör.

Luang Prabang gefällt uns so gut und unser Erholungsbedürfnis nach der China-Reise ist so groß, dass wir in der Stadt regelrecht hängenbleiben. Doch schließlich wird der Ruf nach neuen Abenteuern so laut, dass wir Abschied von ihr und der liebenswerten Crew des Thongbay Guesthouse nehmen. Vielleicht kommen wir eines Tages hierher zurück!?

  Luang Prabang/Laos     Elefantenreiten      
   

Mehr Bilder gibt es HIER!!

   
Ein Video gibt es HIER!!
 
           

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; alle Koordinaten WGS84:

Luang Prabang: Traumplatz in einem kleinen Park neben dem Thongbay-Guesthouse oberhalb des Nam Khan; N19 53.058 E102 08.739; alle Versorgungen in der Umgebung, ruhig


 

Nordlaos 2

Wir fahren durch bergiges Gebiet Richtung Südosten nach Phonsavan, zur „Ebene der Tonkrüge“. Die „Ebene“ ist eher ein von hohen Bergen umgebenes hügeliges Gebiet, und die Krüge unbekannten Ursprungs sind auch nicht aus „Ton“, sondern aus Stein gefertigt. Archäologen vermuten, dass sie aus der südostasiatischen Eisenzeit stammen und zwischen 500 v. Chr. und 200 n. Chr. entstanden sind. Sie finden sich in einem Hunderte von Quadratkilometern großen Gebiet, das während des Vietnam-Krieges besonders erbittert umkämpft war und mehrfach an kommunistische Streitkräfte verloren ging. Entsprechend heftig waren die amerikanischen Bombardements. Von den bis heute bekannten 90 Fundstätten wurden bisher nur 7 von Blindgängern befreit, von denen wir eine besichtigen. 334 Krüge und Krugfragmente sind hier neben vielen Bombenkratern zu bestaunen. Ein Wunder, dass nicht alle durch Bomben verloren gingen. Ein dem Zivilisationspessimismus förderlicher, sehr nachwirkender Besuch, denn: heute Weltkulturerbe, gestern kultureller Kollateralschaden bei dem legitimen Versuch, das Kommunistengeschmeiß auszumerzen ….! Am späten Nachmittag suchen wir uns einen Nachtplatz, den wir auf einer großen Wiese vor dem Flughafen-Terminal aus Bambus finden. Leider will die Polizei uns dort nicht nächtigen lassen. Na gut, dafür haben wir ja Verständnis, Flughäfen, so klein sie auch sein mögen, sind eben immer sicherheitsrelevant. Also drehen wir eine Stadtbesichtigungsrunde und finden einen weiteren schönen Übernachtungsplatz neben einem kleinen See. Wir richten uns häuslich ein und sitzen mit Rosemarie und Werner aus der Schweiz, die sich zu uns gesellt haben, gerade beim Sundowner-Bier zusammen, als 6 Polizisten auf ihren Mopeds anrücken. „Aus Sicherheitsgründen“ will man uns dort auch nicht übernachten lassen. Rolfs Einwand, er wäre nach einigen Bierchen leider ziemlich betrunken und könne auf keinen Fall mehr fahren, ruft bei den Polizisten nur ein leises Lächeln hervor. Alle Proteste nutzen nichts - wir werden zum „sicheren“ Busbahnhof eskortiert, wo wir übernachten dürfen/müssen.

Südlich Vang Vieng haben wir mehr Glück: Wir finden einen traumhaften Platz am Ufer des Nam Lik. Das klare Wasser – die meisten laotischen Flüsse sind eher schlammig-gelb - lässt uns sofort in die Fluten springen und Wäsche waschen. Auch die Bewohner eines irgendwo versteckten Dorfes kommen zum Waschen hierher, Wasserbüffel ziehen vorbei, und ein Fischer auf dem gegenüberliegenden Ufer erfreut uns beim Netzauswerfen mit seinem melodischen Gesang. Traumhaft!

                Ebene der Tonkrüge/Laos                  
Mehr Bilder gibt es HIER!!
     

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; alle Koordinaten WGS84:

Phonsavan: Busbahnhof - die Polizei wollte uns sonst nirgendwo übernachten lassen; N19 25.951 E103 10.512; Toiletten, nur nachts ruhig

Kasi: Guesthouse-Parkplatz; N19 14.160 E102 15.673; alle Versorgungen in der Umgebung, nur nachts ruhig

Senxoum: wunderschöner Platz am Ufer des Nam Lik; N18 36.858 E102 26.724; keinerlei Versorgung, ruhig


 

Zentrallaos

Ca. 100 km weiter südlich erreichen wir wieder den Mekong und die Hauptstadt Vientiane. Auf der anderen Seite des Flusses liegt nun Thailand. Dass Vientiane laut Reiseführer relativ autofrei sei, stimmt wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr. Staus in den engen Strassen veranlassen uns, das Auto stehen zu lassen und per Tuk-Tuk ins Zentrum zu fahren, was allerdings nicht ohne viel Staubschlucken abgeht. Wir besuchen neben dem Wat Si Saket, dem ältesten Tempel der Stadt, und dem früheren Königlichen Tempel Haw Pha Käo auch das Nationalmuseum. Ein Teil des Museums widmet sich mit alten Fotos den schrecklichen Kolonial- und Kriegszeiten. Wie glücklich können wir uns schätzen, von solchen Schrecken bis jetzt verschont geblieben zu sein!

Nach zwei Tagen verlassen wir Vientiane nach Osten (Großstädte sind nicht unser Ding), und bald führt uns eine sehr schmale, von Bambus überwucherte Piste zum Wasserfall Tad Leuk. In schöner Umgebung eine gute Gelegenheit zum Baden und Wäschewaschen. Wir lernen hier den deutschen Mitarbeiter einer laotischen Reiseagentur kennen, die mit einer Exkursion einer Gruppe laotischer Jugendlicher den Naturschutzgedanken näher bringen will. (Geld-)Mittel für acht Exkursionen dieser Art wurden ihr von der dem deutschen Entwicklungshilfeministerium unterstehenden GIZ (ex-GTZ) gebilligt. Selbstverständlich ist auch ein Animateur dabei, damit die Kinder sich nicht langweilen, und alle Zelte, in denen die Kleinen übernachten, leuchten in den herrlichen FDP-Farben gelb und blau. Ein Schelm, der an einen Zufall glaubt!

Entlang einer Bergstraße, vorbei an bizarren Karstbergen, kommen wir in ein breites Tal, an dessen Ende sich eines der eindrücklichsten Naturwunder befindet, die Höhle Tham Khonglor. Es ist nicht nur eine einfache Höhle! Es ist ein unterirdischer Fluss, denn der Nam Hinboum verschwindet hier am Fuß einer Steilwand in einem Bergmassiv. Und diesem Flusslauf unter Tage folgen wir nun in einem kleinen Boot mit zwei Bootsführern über nicht enden wollende 7 (sieben) km! Der mal breite, mal schmale Wasserlauf windet sich durch gigantische Felsklüfte, die Decke teils viele Meter hoch – man könnte ein Hochhaus hineinstellen, und der Lampenkegel verliert sich im Nichts -, teils so niedrig, dass wir den Kopf einziehen müssen. Unterwegs müssen zwei Stromschnellen überwunden werden, und wir müssen aussteigen, um das Boot über die Felsen zu ziehen - das alles im Schein zweier mickeriger Kopflampen unserer Bootsführer. In einem riesigen Hohlraum haben sich durch das durch das Deckgestein sickernde Wasser fantastische Stalaktiten und Stalagmiten gebildet. Dann, nach 1 Stunde tiefster Dunkelheit, ist der andere Höhlenausgang erreicht, und es eröffnet sich uns eine zauberhafte Flusslandschaft vor einer traumhaft schönen Bergkulisse. Wir dürfen Licht tanken, und dann geht es für die Rückfahrt noch einmal für eine Stunde in das schwarze Loch. Für uns Nervenkitzel, für die Bewohner der beiden neben den Höhlenausgängen liegenden Dörfern die ganz normale Verkehrsader, denn der Weg über die Berge würde heute auch motorisiert noch einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Wir bleiben noch einen Tag in diesem abgeschiedenen Tal und lassen auf langen Spaziergängen das beschauliche laotische Landleben auf uns wirken. Alle 100 m watschelt eine Enten-/Gänse-/Hühner-/Schweine-/Ziegen-/Wasserbüffelschar über die Straße und jeder, ob Rad-, Motorrad- oder Autofahrer, steigt in die Bremsen und sorgt dafür, dass keine der Kreaturen zu Schaden kommt – irgendwie berührt das uns Hektiker aus dem Westen sehr!

Wir kehren zurück zur 13S, fahren auf ihr weiter nach Süden und folgen weiterhin dem Lauf des Mekong. Über Thakhek gelangen wir nach Savannaketh, wo wir uns im dortigen Konsulat unsere Visa für Thailand besorgen.

                Vientiane/Laos                
Mehr Bilder gibt es HIER!!
   
 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; alle Koordinaten WGS84:

Vientiane: wir haben versprochen, unseren Standplatz auf Privatgrund als Geheimnis zu bewahren, sorry ....!

Tad Leuk-Wasserfall: Parkplatz; N18 23.654 E103 04.342; Toiletten, ruhig

Konglor-Höhle: Parkplatz; N17 57.409 E104 45.551; nur ein paar Kioske, ruhig

Tkakhek: Parkplatz der "Thakhek Travellodge"; N17 23.839 E104 49.522; alle Versorgungen in der Nähe, nachts ruhig


 

Südlaos

80 km südlich Savannaketh gelangen wir auf einer ziemlich üblen staubigen Piste zu den alten Khmer-Ruinen von Heuan Hin. Wir erwarten einen einsamen stillen Ort am Mekong, wohin sich ganz selten einmal ein Altsteinliebhaber verirrt, und wo wir vielleicht die Nacht verbringen können. Aber nichts da, es kommt eben oft anders, als man denkt! Es findet nämlich gerade ein Fest statt - mit Essständen, Kinderkarussell, lauter Musik und allem, was sonst noch so dazu gehört. Und die Mönche aus dem nahe gelegenen Tempel integrieren sich perfekt in den Trubel. Mehr aus Neugier, und weil das laotische Landleben es uns angetan hat, folgen wir der staubigen Piste durch die Dörfer und landen in einem kleinen Ort mit einem idyllischen kleinen See und einer wunderschönen Tempelanlage (That Phon). Neben dem Tempel etablieren wir uns für die Nacht. Wir beherrschen nur wenige laotische Worte, aber die reichen auch hier, um den vorbeikommenden, fast immer erst einmal sehr zurückhaltenden und freundlichen Dorfbewohnern einen gewaltigen Redeschwall zu entlocken. Insbesondere einem! Er zeigt uns einen goldgesprenkelten Stein, und seinen Worten entnehmen wir, dass er eine Stelle kennt (gar nicht weit weg!), wo ganz viele ganz große Brocken dieser Art herumliegen! Eine Goldmine!! Wir lehnen sein Kaufangebot dankend ab. Zuviel Stress auf unsere alten Tage! Und wohin mit der Knete!?

In Pakse fahren wir über die Laotisch-Japanische Brücke auf das Mekong-Westufer. Dem folgen wir bis Champasak, ein kleiner Ort, der uns einen traumhaften Platz am Fluss beschert. Wir sind hierher gekommen, um die 10 km weiter südlich am Fuß des heiligen Phou Pasak-Berges liegenden Weltkulturerbe-Ruinen des uralten Khmer-Heiligtums Wat Phou Champasak aus der Angkor-Zeit zu besuchen. Sanskrit-Inschriften zufolge wurde der Tempel ab Mitte des 5. Jh. als Hindu-Tempel errichtet und in späteren Jahrhunderten in ein buddhistisches Heiligtum umgewandelt. Die gesamte Anlage dehnt sich über drei Ebenen aus, die über steile, nicht normgerechte Treppen zu ersteigen sind, nachdem man eine von steinernen Lotusknospen flankierte Prozessionsallee entlang gegangen ist. Wir sind von der Lage der Anlage, insbesondere aber von den kunstvollen Steinmetzarbeiten tief beeindruckt. Wunderschön zur Atmosphäre der Ruinen passen die Frangipani-Bäume (der laotische Nationalbaum) mit seinen hübschen weiß-gelben Blüten.

Kurz vor der kambodschanischen Grenze zerfasert der Mekong auf einem Abschnitt von 50 km in eine Vielzahl großer und kleiner Arme mit vielen, vielen Inseln dazwischen. Deshalb trägt das Gebiet auch den passenden Namen „Si Phan Don = Viertausend Inseln“. Auf einer dieser Inseln wollen wir Weihnachten verbringen, und so geht es nach einigen Tagen weiter nach Ban Hat, wo uns wieder so ein Überbleibsel aus dem Indochina-Krieg, auch Fähre genannt, auf die größte der „4.000 Inseln“, nach Don Khong bringt. Im kleinen Ort Muang Khong finden wir einmal wieder einen idyllischen Platz am Mekong, dessen Wasser in der Sonne glitzert. Der große Buddha im Tempel hinter uns bewacht uns, und neben uns bietet uns der Pavillon eines wohl nur in der Regenzeit benutzten Fähranlegers einen prima Terrassenplatz mit unverbaubarem Mekong-Blick. So lässt es sich aushalten! Besonders freut es uns, dass auch hier, wie schon in Champasak, Rosemarie und Werner wieder zu uns stoßen, mit denen wir schöne Weihnachtstage verbringen. Wir genießen das Beisammensein und machen u. a. gemeinsam eine bezaubernde Flussfahrt durch die Welt der „4000 Inseln“. Auf Don Khon wandern wir über eine wackelige Hängebrücke zu den Stromschnellen Tad Somphamit (hier „Wasserfall“ genannt). Zwischen den Felsen sind riesige Bambusreusen aufgestellt, von denen jede zu Beginn der Regenzeit angeblich täglich eine halbe Tonne Fisch einbringen kann.

Unsere letzten Laos-Tage vor der Ausreise nach Thailand verbringen wir auf dem 1000 m hohen Bolaven-Plateau. Anfang des 20. Jahrhunderts führten die Franzosen den Kaffeeanbau hier ein, und nach langer Kriegsunterbrechung produziert die Region heute einige der besten Kaffeesorten (Arabica und Robusta) der Welt. Bereits ab einer Höhe von 600 m haben Bauern kleine Plantagen angelegt. Die Erntezeit ist gerade vorbei, und überall liegen die Kaffeekirschen oder auch – je nach Verarbeitungsmöglichkeit der Bauern - Kaffeebohnen zum Trocknen aus, die dann zur weiteren Verarbeitung an Großhändler und die großen Kaffeeunternehmen verkauft werden. Wir genießen den laotischen Kaffee in einer kleinen Kaffeebar in Ban Saen Vang am Tad Hang-Wasserfall. Der Kaffee wird hier täglich frisch geröstet, und der Eiskaffee ist wirklich köstlich, obwohl sein Genuss uns laut Inhaber als Kaffeebanausen entlarvt. Macht nichts! Auf der Kaffeeplantage „Suan Sinouk“ mit angeschlossenem Hotel erleben wir den Übergang in das neue Jahr auf frischen 1.000 m Höhe (tagsüber angenehme 25 Grad, nachts nur noch 9 Grad – brrrrr). Das laotische Personal ist schon am Silvester-Nachmittag angeheitert, schafft es aber dennoch, für uns ein gutes Abendessen zu zaubern.

    Südlaos    
Mehr Bilder gibt es HIER!!
   
 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; alle Koordinaten WGS84:

Tat Phon: sehr schöner Platz neben dem Tempel; N16 22.099 E105 01.706; einige Kioske, ruhig

Savannakhet 1: Parkplatz am Mekong; N16 33.388 E104 44.707; alle Versorgungen in der Nähe, nur nachts ruhig

Savannakhet 2: schöner Platz neben dem That Ing Hang-Tempel außerhalb der Stadt; N16 36.481 E104 51.062; nur ein paar Kioske, ruhig

Champasak: sehr schöner Platz hinter der Touristeninformation am Mekong; N14 54.009 E105 52.921; alle Versorgungen in der Nähe, ruhig

Muan Khong/Don Khong: schöner Platz neben dem alten Bootsanleger am Mekong; N14 06.993 E105 51.327; alle Versorgungen in der Nähe, ruhig

Tad Lo: schöner Platz am Fluss; N15 31.954 E106 16.414; alle Versorgungen in der Nähe, ruhig

Lakhao Village: schöner Platz auf dem Gelände einer Kaffeeplantage (Sinouk Coffee Resort); N15 23.207 E106 22.439; alle Annehmlichkeiten, ruhig

Tad Yeuang: neben dem Eingang zum Wasserfall; N15 10.964 E106 08.498; alle Versorgungen in der Nähe, nach 17 h ruhig


 

Noch ein Fazit

Nach fast zwei Monaten im Lande können wir die ganz oben gestellte Frage bejahen: Laos ist zum Teil eine Art Mini-China: die Menschen können und sollen wie in China wirtschaftlich frei agieren, soweit die weitverbreitete Korruption, mit der wir als Besucher aber erfreulicherweise nicht in Berührung gekommen sind, dem nicht wie in China Grenzen setzt. Wie in China hält eine Einheitspartei die politischen Zügel straff in der Hand. Erfreulicherweise enden damit aber auch schon die Gemeinsamkeiten: Im Gegensatz zu China, das in großen Landesteilen beim Reisenden nie einen Zweifel aufkommen lässt, sich durch ein stark industrialisiertes Land zu bewegen, ist Laos sogar längs der Hauptverkehrsachsen noch sehr ursprünglich. Aber der wertvollste Schatz sind seine extrem liebenswerten Menschen! Wir haben die unkomplizierte und entspannte laotische Lebensauffassung und ganz besonders die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Laoten sehr gemocht und fügen Laos gerne der Liste unserer Lieblingsreiseländer hinzu - Prädikat „Sehr besuchenswert“! Dabei hat uns der Norden besser gefallen als der Süden. Er ist klimatisch angenehmer, sowohl kulturell als auch landschaftlich abwechselungsreicher und einfach auch sauberer – die Tieflandlaoten haben ein gestörtes Verhältnis zu Müll, nämlich keines, und deshalb liegt er auch überall herum. Die Ausreise nach Thailand – und das passt zu Laos – ist Minutensache: Wir geben das „Temporary Import Permit“ für unser Auto ab, lassen unsere Reisepässe ausstempeln – und: „Sabqai-dii/Auf Wiedersehen“ Laos, vielleicht kehren wir eines Tages tatsächlich zurück!?

Und nun sind wir in Thailand, haben erste Eindrücke gewinnen können und bereits im Golf von Thailand gebadet. Doch darüber im nächsten Bericht mehr!

Einen heizkostengünstig-milden und erkältungsfreien Restwinter wünschen Euch

Bettina & Rolf

Am Strand südlich Trat/Thailand, im Januar 2013