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Thailand & Kambodscha - November 2013 bis Januar 2014

Durch Thailand zur kambodschanischen Grenze

Am 14. November verlassen wir Malaysia und reisen in Thailand ein. Obwohl wir jeder ein 3-Monats-Visum haben, wollen die Beamten trotz längerer Diskussion unserem Fahrzeug nur einen 4-Wochen-Aufenthalt zubilligen. Später beim Zoll in Krabi haben wir dann großes Glück, auf einen sehr netten Beamten zu treffen, der uns razfaz eine Aufenthaltsgenehmigung bis Ende April 2014 erteilt. Er kennt die Situation von den Yachten, die hier in der Marina oft für ½ Jahr „geparkt“ werden. Schließlich haben wir ja auch eine (Land-)Yacht.

Unser zweiter Thailand-Aufenthalt beschert uns zu Beginn zeitweise heftige Regenfälle. Wir folgen teilweise unseren alten Spuren und erkunden Neues an Thailands Küsten. Wobei sich unser erster Eindruck, dass die bis auf wenige Ausnahmen gnadenlos zugebaut sind und weiter werden, bestätigt. Wir fahren zunächst durch wunderschöne Karstlandschaften an die Westküste, zur Andamanensee hinüber. Am Hat Samran Beach können wir erleben, dass eine Wattwanderung nicht nur an der Nordsee möglich ist. Und wir staunen wieder einmal, was Mensch so alles an Getier isst. Von den Franzosen sagt man, dass sie alles essen, was nicht schnell genug laufen kann. Hier essen sie alles, sogar was nicht laufen kann....! Wir bleiben dann doch lieber bei Fried Rice und Chicken Satay. Überall stoßen wir auf Kautschukplantagen. Thailand ist weltweit die Nr. 1 bei Naturkautschuk. Die Gummibäume produzieren eine milchige Flüssigkeit, die als Kautschuk bekannt ist. Die Bäume werden „angezapft“ und die Milch in kleinen Gefäßen aufgefangen. Die Ernte vieler Bäume wird mit Ameisen- oder Essigsäure als Gerinnungsmittel versetzt und in flache Pfannen gegossen. Nach ein paar Stunden werden die noch feuchten Kautschukplatten ausgepresst und dann zum Trocknen aufgehängt. In einem kleinen Familienbetrieb können wir dieses Verfahren beobachten. Hier entsteht der Rohstoff für die weiterverarbeitende Gummiindustrie. Es ist für uns immer wieder interessant, die Herkunft von für uns alltäglichen Dingen kennen zu lernen.

Einige ungemütliche Regentage verbringen wir in der Marina „Krabi Boat Lagoon“. Inmitten der tollen Yachten aus aller Welt befinden wir uns in bester (Fernreise-)Gesellschaft. Und das abendliche Zusammensitzen mit den Seglern und Austauschen von Erlebnissen macht uns viel Spass - "Wie verhält sich der MAN eigentlich bei einer Halse?".

Nach Umfahren der Ao Phang-Nga-Bucht erreichen wir Khao Lak, wo wir am Bang Niang Beach die Schweizer Familie Rico, Madeleine & Girls, unterwegs nach Australien sowie Ana-Laura und Hubert treffen, die wir bereits im Februar 2013 hier kennen gelernt haben. Diese Beach sowie Khao Lak sind sehr touristisch und nicht unser Ding. Aber für die Vorteile, gleichgesinnte Reisende zu treffen (der Stellplatz ist in der "Szene" bekannt), das Meer und eine gute Infrastruktur direkt vor der Nase zu haben (Restaurants, gut sortierte Märkte, leckerer Käse beim Italiener, Wasser-Bringeservice bis vor die Haustür) nehmen wir die Nachteile in Kauf. Man kann eben nicht alles haben! Hier erfahren wir auch zum ersten Mal von den in Bangkok ausgebrochenen Unruhen, die sich später auch auf andere Landesteile ausweiten. Es hat bereits 4 Tote gegeben. Am 2.12. werden die Demonstrationen unterbrochen - bis zum Geburtstag des Königs am 5.12. herrscht „Waffenstillstand“. Wir verfolgen die Lage weiter, so gut es geht, aber nach unserer Einschätzung stehen die Zeichen langfristig auf Sturm.

Haben wir schon gesagt, dass wir nach Kambodscha unterwegs sind? Deshalb müssen nach einer Woche phlegmatischen Strandlümmelns die Räder wieder rollen. Bei Hat Bang Ben finden wir neben einem schönen langen, einsamen Strand auch ein winziges Fischerdorf, wo es wieder Neues für uns zu entdecken gibt: Die Fischer holen große Quallen aus dem Meer, die dann in Becken mit unterschiedlich starken Salzlösungen eingelegt, dann zerkleinert und in Säcke gefüllt werden. Es stinkt entsetzlich, und mit Händen und Füßen erklären uns die freundlichen Fischer, was sie hier treiben: Verkauft werden die gepökelten Quallen als Nahrungsmittel (wie Chips zum Bier) und an die Kosmetikindustrie nach Korea und Japan.

Am Fluss Pak Chan entlang, der die Grenze zu Myanmar bildet, geht es bis Nong Pak Bang. Ab hier führt uns die Straße an den Golf von Thailand, zum Südchinesischen Meer. Im Kite-Surf-Paradies Hat Thung Wua Laen schauen wir den tollkühnen Surfern zu, mieten uns ein Motorrad und erkunden die Gegend, bevor es uns weiter treibt und wir 8 km nördlich von Prachuap Khiri Khan den wunderschönen Teakholztempel Wat Ao Noi an der gleichnamigen Bucht besuchen. Der Tempel ist von einer riesigen neunköpfigen Naga umgeben, und im Inneren sind die Wände mit Flachreliefs bedeckt, die die vorherigen Leben Buddhas darstellen. Auch die über schweißtreibende steile Stufen zu erreichende oberhalb der Bucht liegende Höhle ist mit ihrem liegenden Riesen-Buddha sehr beeindruckend. Am frühen Morgen des nächsten Tages machen wir einen Abstecher zum Grenzmarkt Dan Singkhon, wo Birmanen und Thais auf einem riesigen Gelände direkt am Grenzposten so ziemlich alles anbieten. Spezialitäten sind Hartholzmöbel und Orchideen. Schade, dass unser Wohnmobil bereits eingerichtet ist, und wir für Orchideen auch keine Verwendung haben. So erstehen wir nur eine Waschschüssel, Obst und hübsche Armbänder aus bunten Steinen.

Wir umfahren nun zügig den Großraum Bangkok, und erst viele Kilometer östlich entkommen wir dem Smog der Stadt, und der Himmel wird wieder sichtbar. Vor der Ausreise nach Kambodscha legen wir einige Kilometer südöstlich Trat am uns schon bekannten schönen Strand beim "Roten Kreuz-Zentrum" einen Arbeitstag ein – Bastelarbeiten am Auto sind durchzuführen, Wäsche ist zu waschen, und ein Brot ist zu backen. Dann endgültiger Aufbruch zum ca. 40 km entfernt liegenden Grenzort Hat Lek. Auf dem Weg dorthin passieren wir Thailands engste Stelle, wohl nur noch ca. 100 m breit. Tschüß Thailand - wir werden uns wiedersehen!

  Klostertempel Wat Ao Noi        

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84

Nam Khang Tunnel : Parkplatz vor der alten Guerilla-Basis; N6 34.491 E100 34.522; tagsüber Toiletten und kleines Restaurant, nachts ruhig - wenn es nicht gerade regnet, und die Frösche einen Heidenspektakel machen

Pak Bara: Strand neben der Straße; N6 51.216 E99 43.644; alle Versorgungen, laut

Hat Samran: gepflegter Strand; N7 14.116 E99 32.164; alle Versorgungen, nachts ruhig

Pak Meng: schöner Strand einige km nördlich beim Trang-Aquarium; N7 32.033 E99 18.577; keine Versorgungen, ruhig

Hat Yao: an der mäßig hübschen Beach; N7 18.599 E99 23.689; alle Versorgungen, nachts ruhig

Krabi Boat Lagoon: Yachthafen; N8 00.555 E98 57.683; alle Versorgungen, ruhig

Thai Muang: sehr schöner, kilometerlanger Strand; N8 24.290 E98 14.718; einige Versorgungen, ruhig

Khao Lak: schöner, aber touristischer Strand an der Bang Niang-Beach; N8 40.430 E98 14.547; alle Versorgungen, ruhig

Hat Bang Ben 1: schöner Platz neben einigen Fischerhütten; N9 37.445 E98 28.100; keine Versorgungen, ruhig

Hat Bang Ben 2: schöner Platz am kilometerlangen Strand; N9 37.000 E98 27.915; einige Versorgungen, ruhig

Tang Wua Laen: schöner Platz am Strand neben der Straße; N10 34.273 E99 16.487; alle Versorgungen, nur nachts ruhig

Ban Krut: schöner Platz am Strand neben einem geschlossenen Restaurant, vermutlich Privatgrund; N11 20.184 E99 33.617; alle Versorgungen, ruhig

War Ao Noi: auf dem Tempelgelände, wir haben den Mönch um Erlaubnis gefragt; N11 51.734 E99 49.280; keine Versorgungen, ruhig und atmosphärisch

Hat Chao Samran: mittelprächtiger Platz am Strand; N13 01.248 E100 04.743; alle Versorgungen, ruhig

Hat Khung Wima: Parkplatz am schönen Strand; N12 36.393 E101 52.376; alle Versorgungen, nur nachts ruhig

Ko Chang: "Wiese" an der Ostküste; N12 06.920 E102 20.573; keine Versorgungen, ruhig, nur zur Not

50 km südöstlich Trat: großes Gelände des thailändischen Roten Kreuzes mit schönem Strand; N11 58.708 E102 46.074; einige Versorgungen, ruhig

 

 

Kambodscha - der Süden


Die Ausreise aus Thailand erfolgt problemlos und zügig. Die Einreise am 19. Dezember nach Kambodscha dauert etwas länger, gestaltet sich aber auch, nun, sagen wir, überwindbar. Zu unserem Ärger schiebt sich ein Schlepper in die Abwicklung, ohne dass wir es merken: der erste uniformierte Beamte, mit dem wir zu tun haben, lässt, ohne uns einen Hinweis zu geben, einen Zivilisten (Zivilkleidung im Dienst ist hier oft ein Zeichen von besonders hohem Rang) unsere Pässe an sich nehmen. Der verschwindet damit, wuselt herum und präsentiert uns 1/2 Stunde später unsere Visa (die von lokal höchster Stelle abgesichert total überteuert sind: statt der offiziellen US$ 20,- knöpft man uns umgerechnet € 30,- in Thai-Baht ab) und hält anschließend zu unserer Verblüffung die Hand auf. Naja, er hat seine Sache gut gemacht, 5 US-Dollar war seine Rennerei wert. US-Dollar!? Ja, Kambodschas Schattenwährung! Und gar nicht sooo "Schatten"! Ganz offiziell werden Dollar und die Landeswährung "Riel" nebeneinander verwendet und Wechselgeld ist meisten etwas von beidem - beim Nachzählen immer wieder eine Runde Gehirnjogging. Wir erfahren, gegen eine Gebühr natürlich, dass wir total gesund sind, nachdem uns ein kontaktloses Thermometer vor die Stirn gehalten wurde. Alles gut. Und damit kein falscher Eindruck entsteht: Wir beobachten nicht etwa Korruptionserscheinungen, sondern die einfachen Spielregeln einer "Commission-based Economy".


Wir sind nun in Kambodscha angekommen. Das Land liegt zwischen Thailand, Laos und Vietnam, mit einem kurzen Küstenanteil am Golf von Thailand. Die Hauptstadt Phnom Penh liegt im Süden des Landes. Das Landschaftsbild wird durch eine Zentralebene geprägt, die teilweise von Gebirgen umgeben ist. Nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich im Jahre 1953 folgten stabile Phasen, aber auch jahrzehntelange Bürgerkriege, die viele Opfer unter der Bevölkerung forderten und schwere Schäden an der Wirtschaft hinterließen. Das Hineinrutschen in den Vietnamkrieg und die Diktatur der Roten Khmer von 1975 bis 1979 gaben dem Land den Rest. Immer noch liegen Millionen von Minen und Blindgängern unentdeckt in den ländlichen Gebieten, Menschen ohne Gliedmaßen sind ein alltäglicher Anblick. Ein Land mit einer äußerst schweren Hypothek, das wir bereisen wollen.
Wir müssen uns erst einmal wieder an den Rechtsverkehr, genau genommen an den Universalverkehr gewöhnen, denn die Khmer fahren überall - wie und wo es gerade oder auch nicht passt. Aufgrund der Armut des Landes müssen wir mit schlechten Straßenzuständen rechnen, aber zum Trost können wir uns Dank der Franzosen nun auf knuspriges Baguette freuen. Die Strecke führt uns zunächst auf schlechter Straße durch eine schöne Gegend bis auf eine Höhe von 314 m entlang des bewaldeten Botom Sakor-Nationalparks, durch das größte noch zusammenhängende Regenwaldgebiet Südostasiens. Unser Ziel ist Chi Phat, ein abgelegenes kleines Dorf im äußersten Südwesten, das wir nur über kilometerlange extrem staubige Pisten durch Zuckerrohrplantagen erreichen. Auf der Dorfwiese finden wir einen Nachtplatz und sind natürlich die Zirkusattraktion. Um die Dorfbewohner von ihrem Stammgeschäft, illegaler Holzeinschlag und Wilderei abzubringen, wurde hier durch eine Hilfsorganisation der sogenannte Ökotourismus (nicht die "Big Boys", sondern kleine Familienbetriebe einer Dorfgemeinschaft führen das Tourismusgeschäft) ins Dorf gebracht, der sich auch gut etabliert hat. Es gibt einfache Guesthouses und kleine Restaurants und Läden, und es werden Wander-, Fahrrad- und Bootstouren von ½ bis zu mehreren Tagen angeboten. Und man kann hier sehr gut das einfache Leben der Landbevölkerung kennen lernen. Die Familien leben zwar in sehr einfachen Häusern, aber es geht ihnen offensichtlich so gut, dass alle ordentlich gekleidet sind und die Kinder zur Schule gehen. Hier leidet niemand Hunger. Ein Rundgang durch das Dorf führt uns über eine Hängebrücke zu einer Eco-Lodge. Wir hoffen auf Kuchen mit Äpfeln aus ökologischem Anbau und Soya-Sahne und werden tief enttäuscht. Zum Essen müssen wir zurück ins Dorf, dort gibt es Flied Lice. Auf unserer Bootstour auf dem Stung Proat am nächsten Morgen, die bereits um 06:00 h beginnt, sind wir dankbar, warme Sachen zu tragen, denn es ist kühl und feucht. Wir sind froh über die ersten wärmenden Sonnenstrahlen.


Weiter Richtung Süden umfahren wir die Bucht Chhak Kampong Som und kommen zwei Tage vor Heiligabend in Sihanoukville an der Otres-Beach an. Auf dem Gelände eines Restaurant unter französischer Leitung dürfen wir auf einer großen Wiese am Strand stehen. Allerdings ist der Platz nicht ohne Mühe zu erreichen: Da die Kabel tief hängen, steigt Bettina aufs Dach, um die Hindernisse mit einem Besenstiel anzuheben. Aber das klappt alles wunderbar, und wir haben den schönsten Strand unserer bisherigen Reise gefunden! Am Heilignachmittag lassen wir uns den Rest unseres Dresdner Christstollens schmecken, trinken dazu statt Glühwein eiskalten Kakao. Das Heiligabendessen genießen wir zusammen mit Irene und Hans aus der Schweiz, die wir im Februar 2012 im Oman kennen gelernt haben. Die Freude und Verblüffung, uns hier am anderen Ende der Welt wiederzutreffen, ist groß, weil die Welt eben klein ist!

So sehr uns dieser Platz auch gefällt, nach einigen Tagen wollen wir weiter. Ein letztes Bad im Meer, dann geht es weiter nach Osten zum Bokor-Nationalpark. Unser Ziel ist die auf 1.080 m Höhe liegende alte Bokor Hill Station, die in den frühen 1920er Jahren von den Franzosen errichtet wurde. Mit jedem der 32 km, die es über die inzwischen von Chinesen perfekt ausgebaute Straße hinaufgeht, wird es kühler. Die meisten Gebäude der Station sind verfallen oder zerstört. Das Bokor Palace-Hotel, 1925 eröffnet, sollte renoviert werden. Es wurde neu verputzt, dann wurden die Arbeiten eingestellt, und es gleicht zur Zeit eher einem Betongebäude. Nur die Mauern der kleinen katholischen Kirche mit ihrer Patina aus rostroten Flechten sind im Originalzustand. Wir machen einen Rundgang über das Gelände und gehen zum Sonnenuntergang auf die Terrasse des Hotels. Von ihr haben wir einen fantastischen Blick auf die tief unter uns liegende Küstenebene und das Meer. Die Temperaturen sinken nachts auf 10 Grad, und wir brauchen nach langer, langer Zeit einmal wieder unsere Daunendecken! Auf unserer Rückfahrt ins Tal kommen wir wieder an einem riesigen, von Chinesen erbauten Hotelkomplex vorbei. Es heißt, dass die Chinesen hier eine richtige Stadt aus dem Boden stampfen wollen, die Anfänge sind bereits gemacht. Und das alles in einem Nationalpark! China und ein korruptes Land - dann geht einfach alles!


Unser nächstes Ziel liegt nur ca. 10 km weiter östlich. Es ist Kampot am Preaeck Tuek Chhu-Fluss. Im vor kurzem eröffneten "Two Moons"-Hotel am Flussufer gestatten uns die liebenswürdigen Besitzerinnen Amelie und Kamala, auf dem Hotelparkplatz zu stehen. Und der Koch des Hotel-Restaurants, Raymond aus Schweden, verwöhnt uns mit leckerem Essen. Sechs Tage bleiben wir und erkunden die Gegend und die kleine, für kambodschanische Verhältnisse sehr saubere Stadt zu Fuß, per Fahrrad und per Tuk-Tuk. Und wir treffen endlich einmal wieder gleichgesinnte Reisende, Gunilla und Wilfried, mit denen wir einen schönen Abend lang klönen und Erfahrungen austauschen. Es gibt auch Supermärkte, wo wir uns mit Wein, französischer Pastete und Käse eindecken. Mit einem Tuk-Tuk geht es über holprige, staubige und enge Pisten zu einem Tagesausflug durch die umliegenden Dörfer, wo wir ausgiebig das kambodschanische Landleben erkunden. Der Reis ist zu dieser Zeit bereits abgeerntet, und nun werden einige Felder zum Anbau von Gemüse genutzt. In den Dörfern fallen uns große Scheunen auf, die unter dem Dach rundherum Löcher haben. Es handelt sich um Pseudohöhlen für Schwalben, die mit Vogelstimmen vom Band angelockt werden und hier ihre Nester bauen sollen. Denn diese Nester sind eine hochbezahlte Delikatesse, der gesundheits- und (natürlich) potenzfördernde Wirkung nachgesagt wird. Eine gute Einnahmequelle für die Landbevölkerung, denn die Chinesen sind bereit, dafür ein Vermögen hinzulegen. Der Besuch einer Kampot-Pfefferfarm gehört für uns unbedingt zum Ausflug. Nachdem von den Roten Khmer alle Pfefferfarmen zerstört wurden (es sollte Reis und kein Pfeffer angebaut werden), haben sich glücklicherweise wieder einige Farmen für den Anbau dieser weltweit nachgesuchten Köstlichkeit etabliert. Vor dem Bürgerkrieg war kein Restaurant in Paris einen Pfifferling wert, bereitete es nicht seine Speisen mit Kampot-Pfeffer zu. Ein ausführlicher Rundgang und Gespräch mit dem irischen (!) Besitzer geben uns einen guten Einblick über Wachstum und Ernte. In wilder Form rankt sich die Pfefferpflanze wie Wein um vorhandene Bäume. Auf der Farm, die wir besuchen, ranken sich die Pflanzen um gemauerte Ziegelsäulen, da diese viel mehr Stauden tragen können als ein Baum/Pfahl. Es wird grüner, schwarzer, roter und weißer Pfeffer verkauft, wobei der grüne der frische Pfeffer ist, der nur bis zu drei Tage nach dem Pflücken konsumiert werden kann. Schwarzer Pfeffer ist sonnengetrockneter Grüner Pfeffer, während Roter Pfeffer das an der Staude voll ausgereifte und anschließend ebenfalls sonnengetrocknete Pfefferkorn ist. Auch der weiße Pfeffer ist voll ausgereift, ist also eigentlich Roter Pfeffer (so wie der Schwarze Pfeffer ja eigentlich Grüner Pfeffer ist, alles klar?) und wird so lange in heißem Wasser eingeweicht, bis die äußere Haut sich ablöst. Die verbleibenden weißen Körner werden dann in der Sonne getrocknet. Natürlich können wir nicht widerstehen, Pfeffer aus Kampot zu kaufen. Roter und weißer Pfeffer werden also zukünftig wie in den Pariser Lokalen auch unsere Maschener Küche auf eine höhere Ebene heben! Unser Ausflug führt uns zum Schluss nach Kep. Kep war in den 50er und 60er Jahren eine Art St. Tropez Kambodschas, die Franzosen nannten es "Kep-sur-mer". Hier hatte die Kolonialelite, nach der Unabhängigkeit die Geldelite, ihre Sommerresidenzen, von denen heute nur noch Ruinen stehen. Der Bürgerkrieg und die Khmer Rouge machten dem luxuriösen Leben ein Ende. Einen schönen Strand gibt es jedenfalls hier nicht, dafür viele Restaurants, die als Spezialität Krebse auf der Speisekarte anbieten. Na, wir können nicht widerstehen.


Durch endlose Reisfelder kehren wir nach Hause zurück, wo wir uns nach dieser langen Tour mit dem Tuk-Tuk erst einmal von der dicken roten Staubschicht befreien und unsere Wirbelsäulen einrenken lassen müssen. Es heißt, dass Reis neben Bekleidung, Holz und Gummi einer der wichtigsten Exportartikel Kambodschas ist. Wenn wir allerdings einem Artikel in der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift „Kampot Survival Guide“ Glauben schenken wollen (und wir neigen dazu, nachdem wir die Straßen Kambodschas kennen gelernt haben), so ist der wichtigste Exportartikel ein anderer, nämlich: „Pot holes. The pot hole was invented in Cambodia and is still it’s greatest export. Initially devised for traffic control its popularity recently soared with Cambodia’s adoption of “free range golf”. A game where you hit a golf ball in any direction with the intent to end it’s travel in a pot hole.”


Auch den Jahreswechsel, den wir nur Dank eines Anrufs unserer Freundin nicht verschlafen, verbringen wir in Kampot.

 
    Sihanoukville        

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Tatai: östlich der Brücke am Fluss; N11 33.856 E103 07.890; keine Versorgungen, ruhig

Chi Phat: auf dem Südufer des Phipot; N11 19.547 E103 31.263; keine Versorgungen, ruhig

Sihanoukville: Otres-Beach, schöner Platz am Strand bei Chris ("Quennco Palm Beach"); N10 34.966 E103 32.651; alle Versorgungen, ruhig

Bokor Hill Station: Parkplatz vor der Ruine des Bokor Palace-Hotels; N10 37.399 E104 01.614; keine Versorgungen, ruhig und kalt

Kampot: Parkplatz des "Two Moons-Hotels"; N10 36.026 E104 10.993; alle Versorgungen, nur nachts ruhig

 

 

Kambodscha - Phnom Penh und Umgebung

Phnom Penh, die Haupstadt Kambodschas, einst „Perle Asiens“ genannt, liegt mit ca. 1,5 Mio Einwohnern an den Ufern des Tonle Sap, der hier in den Mekong mündet. Nach der Eroberung der Stadt durch die Roten Khmer verfiel sie. Mit dem Fall Phnom Penhs begann eines der blutigsten Kapitel der Geschichte Kambodschas. Die Roten Khmer setzen die radikalen Ideen ihres "Bruder Nummer 1", später als Pol Pot bekannt geworden, vom kommunistisch-primitivistischen Bauernstaat konsequent um. Die Bevölkerung wurde gezwungen, die Hauptstadt binnen 48 Stunden zu verlassen. Sie sollten auf dem Lande als Bauern und Arbeiter eingesetzt werden. In den folgenden vier Jahren wurden vor allem der gebildete Teil der Bevölkerung (das Tragen einer Brille reichte) und Regimekritiker (nicht zuletzt auch aus den eigenen Reihen) von den Roten Khmer ermordet. Nach Vertreibung der Roten Kmer durch die Vietnamesen begann sich die Stadt langsam zu erholen, und heute explodiert sie in eine neue turbokapitalistische Zeit hinein.

Wir kümmern uns zunächst um die Beantragung unserer Visa für unsere Reise nach Myanmar. Selbstverständlich hat die Myanmar-Botschaft am heutigen Freitagnachmittag bereits geschlossen und öffnet erst am Montagmorgen wieder ihre Tore. Und so nutzen wir das Wochenende, um einige der Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. So auch den Königspalast, der 1813 erbaut wurde und aus mehreren Gebäuden auf einem Riesenareal besteht. Nur Teile sind für die Öffentlichkeit zugänglich, denn im "off-limits"-Teil lebt der heutige König Sihamoni, Sohn des legendären Prinz Sihanouk. Besonders schön sind der Thronsaal und die Silberpagode, deren Boden mit 5000 massiven Silbertafeln bedeckt ist - insgesamt 5 Tonnen Silber! Ein goldener Buddha im Innern ist mit 9000 Diamanten bestückt, der größte mit 25 Karat! Nicht kleckern - klotzen! Wir hätten doch heute nichts zu bestaunen, wenn die Menschenschinder der Weltgeschichte ihre Völker nicht ausgepresst hätten!

Wir erklimmen die Stufen zum 1372 errichteten Wat Phnom Penh, dem die Stadt der Legende nach ihren Namen verdankt. Viele Menschen kommen hierher, um zu beten und um Glück und Erfolg zu bitten. Gegen eine kleine Spende darf man einen Vogel frei lassen, der dann – gut trainiert – wieder in den Käfig zurückkehrt. Im zugehörigen chinesischen Tempel staunen wir einmal mehr über das Glaubensgerüst der (ethnischen) Chinesen: Je ein rohes Ei und ein Steak in die Mäuler der Steinlöwen - und alles wird gut! Das Gebäude des Zentralmarktes, 1935-1937 im Art Déco-Stil errichtet, beeindruckt uns weniger, dafür umso mehr das reichhaltige Angebot im Lebensmittelbereich. Im Supermarkt in der Lucky Mall decken wir uns endlich wieder einmal mit Käse und französischen Pasteten ein – und Haribo-Gummibärchen.

Phnom Penh ist heute nach kambodschanischen Verhältnissen eine moderne Stadt. Eine Stadt allerdings, in der die Gegensätze von Arm und Reich kaum krasser sein könnten. In den engen Straßen liegen Designer-Boutiquen und einfachste Garküchen nebeneinander. Neben klapprigen Fahrrädern, Tuk-Tuks und Mopeds parken Nobelkarossen auf den Bürgersteigen. Horden von Bettlern, die sich einen Hauch von Selbstwertgefühl dadurch erhalten, dass sie Postkarten, Reiseführer o. Ä. verkaufen neben Restaurants, die heute gerade Weinverköstigung anbieten. Auf Dauer kann das u. E. nicht gut gehen. Trotzdem fühlen wir uns bei unseren Rundgängen durch die (Innen-)Stadt, auch nach Einbruck der Dunkelheit, anfänglich niemals unsicher oder gar bedroht. Doch während unseres Aufenthaltes streiken und demonstrieren die Textilarbeiter/innen, um die Erhöhung ihres Mindestmonatslohns von umgerechnet 80 EUR auf 160 EUR durchzusetzen. Plötzlich nimmt die Präsenz an Unruheniederschlagungs-Polizei (Riot Police) merklich zu. Die Regierung lässt sich von den betroffenen Unternehmen (viele davon aus Südkorea) unter Druck setzen, billigt zwar 90 EUR zu und schießt/knüppelt die nicht zufriedengestellten Demonstranten zusammen. Ergebnis: 5 Tote und Dutzende von Verletzten. Am nächsten Tag ist die Stadt ein Pulverfass: Überall stehen hitzig diskutierende Gruppen beieinander; ein Tuk-Tuk-Fahrer hält uns aggressiv eine Zeitungsseite mit den den Bildern der Toten vor das Gesicht, und in der Nacht ziehen lärmende Jugendbanden an unserem Wagen vorbei. Man muss es nicht herausfordern: Am nächsten Morgen wechseln wir in das Hotel Cambodiana. Warum gerade dorthin? Wegen der 8 Sterne? Nein, der Parkplatz hat einfach die richtigen Ausmaße für unser Vehikel.

Das Leben in so einer Stadt stumpft ab. Muss es auch, denn sonst könnte man z. B. nicht mit den Tuk-Tuks fahren - ein Muss bei den Entfernungen und dem Klima. Denn dabei haben wir bei dem enormen Verkehr ständig den Tod vor Augen: durch entgegenkommende Fahrzeuge, da unser Fahrer mal wieder (eigentlich ständig) auf der falschen Seite fährt (rechts, links - vollkommen ohne Bedeutung, taugt nicht mal als Empfehlung) oder alle roten Ampeln ignoriert. Inzwischen lassen wir uns in die ungefederten Sitze fallen und nehmen alles recht gelassen.

Eine deprimierende Erfahrung sind die Besichtigung des Völkermord-Museums Tuol Sleng und der "Killing Fields" bei Choeung Ek. Umso deprimierender, als das Treiben auf Phnom Penhs Straßen eine Ahnung davon aufkommen lässt, dass diese Dinge sich jederzeit wiederholen können. Tuol Sleng, eine einstige Schule, war unter Pol Pot das Foltergefängnis S21, in dem die Menschen grausam zu Tode gefoltert wurden. Wer nicht durch die Folter starb, wurde auf den Killing Fields vor der Stadt hingerichtet - und zwar mit allem, mit dem ein Mensch sich töten lässt, denn die Munition für den Gnadenschuss war einfach zu teuer - und in Massengräbern verscharrt. Insgesamt forderte das Regime Pol Pots ca. 2 Millionen Opfer, etwa 1/3 der Bevölkerung. Sie hatten der Partei nicht genug gehuldigt oder gehörten der falschen Klasse, der Bourgoisie an, wobei es für diese Einschätzung ausreichte, lesen zu können, eine Fremdsprache zu sprechen oder eine Brille zu tragen. Viele andere starben auf dem Land an Entkräftung und Krankheiten als Folge der harten Arbeit und des Hungers. Denn Mao Tse-Tung hat Pol Pot zwar unterstützt, aber eher im Geiste, denn er ließ sich jedes gelieferte Gewehr und jede Patrone durch Reis bezahlen, der der Bevölkerung fehlte.

Am Montagmorgen stehen wir vor der Myanmar-Botschaft, mit uns noch 2 weitere Antragsteller - kein wirklicher Andrang. Verbal wedeln wir mit einer mittleren Dollar-Note, doch keiner der Botschaftsangestellten geht das Risiko ein, mit ein paar Dollar aufzufliegen und nach Myanmar zurückgeschickt zu werden. Denn hier ist Himmel und nicht in Rangoon/Yangon! Die Visa werden nicht vor Freitagnachmittag fertig sein - Punkt um! Nochmals 5 Tage Phnom Penh? Niemals! Wir verlassen die Stadt Richtung Norden, und über eine sehr schlechte (siehe pot holes) und staubige Straße fahren wir nach Kampong Chhnang am Tonle Sap-Fluss. Kampong Chhnang ist ein mittelgroßer Ort mit einem quirligen Fischereihafen, einem Markt, viel Lärm und viel Exotik. Wir machen einen ausgiebigen Rundgang. In der Ferne sehen wir unser erstes Schwimmemdes Dorf. Es ist schon spät und deshalb übernachten wir (unbehelligt) mitten im Geschehen. Am nächsten Tag verholen wir 70 km nach Nordwesten, an das saisonale Ufer des Tonle Sap-Sees. In Kampong Luong machen wir eine Bootstour durch so ein Schwimmendes Dorf. Alles, was zum Leben benötigt wird, schwimmt hier – Wohnhäuser, Läden, Cafés, Friseur, Tankstellen, Karaoke-Bars, Restaurants, Telefonläden und Werkstätten. Strom? Ja, wenn man einen Generator hat! Souvenirläden suchen wir vergeblich.

Der Tonle Sap-See bietet jedes Jahr ab Juni weltweit ein einzigartiges Naturphänomen: Von Norden wird der See durch mehrere Zuflüsse gespeist, im Süden tritt der gleichnamige Fluss aus, der in Phnom Penh in den Mekong mündet. Der Mekong führt zu dieser Zeit auf Grund der Monsunregenfälle und durch das Schmelzwasser aus dem Himalaya bis zu viermal mehr Wasser als in den trockenen Monaten. Da Kambodscha großteils ein sehr flaches und ebenes Land ist, drängt das Wasser des Mekong in den Tonle Sap-Fluss, und dieser wechselt die Fließrichtung! Die Wassermassen drängen zurück in das Becken des Tonle Sap und lässt den See von 3.000 qkm zur Trockenzeit auf 25.000 qkm Wasseroberfläche anwachsen! Die Wassertiefe steigt von 2–3 m auf 14 m an! Im September ist knapp ein Drittel der landwirtschaftlichen Anbaufläche Kambodschas von Wasser bedeckt. Erst im November, wenn der Mekong-Wasserspiegel wieder sinkt, wechselt der Fluss erneut die Richtung, und das Wasser des Sees fließt langsam wieder ab. Jetzt beginnt die Fischereisaison. Der See ist immer noch einer der fischreichsten der Erde, weltweit kommt ca. die Hälfte des Fischfangs aus Binnengewässern aus dem Tonle Sap. Heute ist dieses "Paradies", wie könnte es anders sein, bedroht. Vor allem durch Mekong-aufwärts gelegene Industrieanlagen in Thailand und China, aber auch durch Staudammprojekte - der Energiehunger SO-Asiens ist ungestillt. Wer dieses einzigartige Ökosystem noch erleben will, muss sich beeilen.

Auf dem Weg zurück nach Phnom Penh machen wir einen Tag Pause im kleinen Dorf Ondong Rossey, berühmt für seine Töpferarbeiten. Fast in jedem Haus werden diese Arbeiten durchgeführt, und zwar ausschließlich in Handarbeit, von der Aufbereitung des Tons über das Formen von Töpfen und Figuren bis zum Verzieren, Brennen und Bemalen. Die Dorfbewohner freuen sich über uns interessierte Besucher. Wir können nicht widerstehen und kaufen einen Tonelefanten und eine Vase in der Hoffnung, dass beides den Transport auf Kambodschas Straßen heil übersteht. (Nachtrag: diese Hoffnung hat sich wortwörtlich z. T. bereits zerschlagen!) Auch Zuckerpalmen wachsen hier, die zur Gewinnung von Palmzucker und Palmwein genutzt werden. Das übermäßige Konsumieren dieses leicht alkoholischen Getränks durch die männlichen Dorfbewohner veranlasst dann wohl auch die Polizei, uns am Abend von unserem Standplatz am Tempel in die Einfahrt eines Wohnhauses zu komplimentieren, da sie um unsere Sicherheit fürchtet. Wir sind zwar nicht beglückt, aber Ratschläge soll man (und in diesem Fall: können wir) nicht ausschlagen. Die Nacht ist kurz, denn bereits um 05:30 h beginnen die Töpferarbeiten. Das ist gut so, denn heute ist Donnerstag, und wir müssen nach Phnom Penh zurück, um morgen unsere Myanmar-Visa abzuholen. Um es kurz zu machen: erst, als wir unsere Pässe mit den 28 Tage-Visa in Händen halten, glauben wir, dass die ganze Aktion erfolgreich war!

Phnom Penh    
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns mit einer Ausnahme (siehe Text) überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Phnom Penh 1: Parkplatz vor dem Königspalast; N11 33.681 E104 55.920; alle Versorgungen, laut

Phnom Penh 2: Parkplatz der "Naga World", südl. des Hotel Cambodiana ; N11 33.496 E104 56.136; alle Versorgungen, nur nachts ruhig

Kampong Chhnang: Parkplatz am Nordende des Marktes neben der Polizei; N12 16.100 E104 40.860; alle Versorgungen, laut

Kampong Luong: Parkplatz eines ehemaligen Guesthouse; N12 32.364 E104 12.584; einige Kioske in der Nähe, ruhig

Ondong Rossey: Privatgrund, nachdem die Polizei uns vom Tempel vertrieben hat; N12 15.078 E104 37.963; keine Versorgungen, ruhig


 

Kambodscha - der Norden

Wir fahren auf dem Nordostufer des Tonle Sap-Flusses und -Sees nach Siem Reap, in der Hoffnung, dass die Straße auf dieser Seite besser ist als auf der Südwestseite, die wir bei unserem Ausflug zur Genüge kennengelernt haben. Diese Hoffnung stirbt schnell. Die Strecke bis Siem Reap (ca. 300 km) ist eine einzige Baustelle, auf der nur an wenigen Abschnitten gearbeitet wird. Wir haben uns inzwischen zu wahren Fährtensuchern entwickelt, immer Ausschau haltend nach Bodenwellen, Schlaglöchern, Absätzen vor Brücken usw.. Achtung, Gummiabriebstreifen auf dem Asphalt(-Rest)!? Bedenklich, künden vermutlich eine üble BodenRatatazongwelle an. Ja, wir sind schon ganz gut, manchmal eben noch etwas zu langsam! Wenn wir die Straße einfach vergessen, ist die Überlandstrecke sehr schön. Auf vielen Reisfeldern wachsen bereits wieder frische grüne Setzlinge, auf anderen wird noch mit Wasserbüffeln gepflügt. Auf den Märkten wird viel Obst und Gemüse angeboten, und die Mangobäume tragen bereits große grüne Früchte. Aber die Strasse erfordert fast unsere gesamte Aufmerksamkeit. Nach 4 ½ Std. für 160 km sind wir geschafft und wir und die Fahrerkabine mal wieder total rötlich-braun eingestaubt. Für die direkt an der Straße lebenden Menschen muss das furchtbar sein. Fast alle tragen Gesichtsmasken, wobei wir hinsichtlich ihrer Wirksamkeit äußerst skeptisch sind. Unser Tagesziel ist der Phnom Santuk, der heiligste Berg dieser Region. Statt den Aufstieg zu Fuß über 809 Treppenstufen zu nehmen, fahren wir über eine schmale Straße hinauf zum Gipfelplateau in 207 m Höhe. Wir werden sogleich von Affen begrüßt, die neugierig durch unsere Dachklappe und Fenster hineinschauen. Neben vielen Tempeln, Stupas und Buddha-Figuren befindet sich hier auch noch ein aktives Kloster mit Nonnen und Mönchen. Unser Abend wird begleitet vom Beten der Nonnen und Mönche - im Schein ihrer Taschenlampen, denn Strom gibt es hier oben nicht. Am nächsten Tag begleiten uns auf den ersten Kilometern Dutzende von Steinmetzbetrieben, die Buddhas, Buddhas und nochmals Buddhas herstellen. Der Bedarf ist hoch, auf dem Phnom Santuk konnten wir uns davon überzeugen! Dann liegen noch einmal ca. 150 km Baustelle bis Siem Reap vor uns.

Siem Reap ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, liegt am gleichnamigen Fluss und unweit des Tonle Sap-Sees. Wir suchen uns zunächst einen Standplatz für die nächsten Tage und finden diesen auf dem Parkplatz des Nationalmuseums, nachdem uns der Direktor die Erlaubnis erteilt hat. Bei unseren Rundgängen kommt uns die Stadt nicht unbedingt riesig vor, hat aber immerhin knapp 140.000 Einwohner. Alles wirkt überschaubar und das, obwohl Siem Reap Dank dem Angkor-Tourismus die am stärksten boomende Stadt ganz Kambodschas ist. Auf den Märkten und in den Supermärkten kann man fast alles einkaufen, und Restaurants und Cafés gibt es in Hülle und Fülle. Wir bewegen uns zu Fuß oder per Tuk-Tuk und fühlen uns auch in der Dunkelheit nicht unwohl. Hier können wir auch mal wieder unsere Wäsche abgeben, die wir ausgezeichnet gewaschen zurück erhalten. Das ist nach unseren Erfahrungen in Südostasien durchaus nicht selbstverständlich.

Nach Siem Reap kommen die meisten Touristen nur aus einem Grund, nämlich um die Tempel von Angkor zu besuchen, das Achte Weltwunder und UNESCO-Weltkulturerbe. Um uns auf die Tempelanlagen einzustimmen, besuchen wir zunächst unseren Gastgeber, das Nationalmuseum. Teuer, aber lohnenswert, denn die Khmer-Zeit ist sehr anschaulich und ansprechend darstellt, thematisiert nach Epochen, Religionen und Königen. Die Region um Angkor hatten sich die Siamesen in einem Feldzug unter den Nagel gerissen und gehörte noch bis 1907 zu Siam/Thailand. Die Franzosen konnten die Thais (vermutlich mit dem Finger am Abzug) dafür gewinnen, das Gebiet und damit die Tempel von Angkor an Kambodscha zurückzugeben. Ob sich die Thais darauf eingelassen hätten, wenn sie schon damals die heutige wirtschaftliche Bedeutung Angkors erahnt hätten? Die Region Angkor, die vom 9. bis 15. Jh. das Zentrum des Khmer-Reichs bildete, hat eine Gesamtfläche von 200 qkm. 1000 Tempel und Heiligtümer unterschiedlicher Größe wurden bisher entdeckt. Davon ist Angkor Wat der größte und auch das größte Sakralbauwerk der Welt. Die Mehrzahl der Tempelanlagen waren hinduistischen Göttern gewidmet, vor allem Shiva. Der Grundriss praktisch aller Tempel entspricht der Weltsicht des Hinduismus: Im Zentrum steht der höchste Turm (Prasat) mit dem zentralen Heiligtum als Repräsentation des Berges Meru (im Himalaya), auf dem die Götter wohnen. Der Hauptturm ist umgeben von vier kleineren Türmen, den Bergen neben Meru. Die Türme sind Lotusknospen nachempfunden. Die äußere Begrenzung bilden schließlich Wassergräben, die den Ozean darstellen. Mit Beginn des 13. Jh. begann der Buddhismus sich zu verbreiten, er wurde unter König Jayavarman VII sogar Staatsreligion. Dies und ein kurzes Wiederaufflackern des Hinduismus mit einhergehenden Bilderstürmerzeiten haben den Architekturschätzen erheblichen Schaden zugefügt. Nicht weniger schlimm waren die Vietnamesen, die Thais, Pol Pot, ..... Heute ist der überwiegende Teil der Bevölkerung Kambodschas Anhänger des Buddhismus.

Nun sitzen wir also vor einem Tempelplan und dem Reiseführer, und müssen entscheiden, welche der vielen Tempelanlagen wir bestaunen sollen. Wir entscheiden uns schließlich für: Ta Prohm, Banteay Kdei, Angkor Wat, Angkor Thom (Bayon, Baphuon, Elefantenterasse), Preah Khan, Banteay Srei. Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, welche der Tempelanlagen uns nun am besten gefallen hat. Jedes Bauwerk hat seine eigenen Besonderheiten und Highlights, sogar wir als Laien erkennen das. Ta Prohm zeigt auf eindrucksvolle Weise die zerstörerische Kraft des mächtigen Kapokbaums, der die Gebäude umschlingt und selbst die stärksten Mauern sprengt. Banteay Kdei ist ein nicht restaurierter und wenig besuchter Tempel, hoch atmosphärisch und schon deshalb sehenswert. Angkor Wat ist natürlich ein Muss und erschlägt allein durch seine schiere Größe. Der Hauptturm hat eine Höhe von 65 m. Inschriften zufolge haben 300.000 Arbeiter und 6.000 Elefanten an der Anlage gearbeitet. Uns beeindrucken besonders die kunstvoll geschnitzten Flachreliefs an den Wänden der 800 m umfassenden Außengallerien. Wunderschön anzusehen sind auch die in den Stein gemeißelten mehr als 2000 Apsaras (göttliche Tänzerinnen), von denen jede einzigartig ist. Die gewaltige Anlage Angkor Thom betreten wir über eine Brücke, gesäumt mit Dämonen und Göttern aus Stein, um dann vor einem der mächtigen fünf Eingangstore zu stehen, die je mit vier riesigen Gesichtern in jede Himmelsrichtung schauen. Die gleichen Gesichter sind auch auf den Türmen im Bayon zu sehen. Sie stellen Bodhistavas dar (nach höchster Erkenntnis strebende Wesen, auf dem Weg zur Tugendvollkommenheit des Buddhaseins). Im Preah Khan sind die schönen Farben des roten Sandsteins und die vielen Schnitzereien besonders gut erhalten. Auch wurde er nicht totrestauriert und ist deshalb sehr atmosphärisch. Banteay Srei ist einer der kleinsten Tempel, aber wohl der kunstvollste. Die Mauern des roten Sandsteins sind mit besonders feinem Reliefdekor verziert. Diese Kunstwerke sind so fein herausgearbeitet, dass sie eher wie geschnitzt als in Stein gemeißelt wirken. Er ist der letzte unserer besuchten Tempel, und wir können auf dem Parkplatz auch übernachten. Und nun können wir auch keine alten Steine mehr sehen!

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Norden, zur Grenze Thailands. Kurz vor Erreichen der Grenze passieren wir den Ort Anlong Veng. Dieses malariaverseuchte Dschungelgebiet war das letzte Refugium der Roten Khmer. Hierher hatte sich Pol Pot mit seiner engsten noch lebenden Führungsriege und seinen Guerillakämpfern zurückgezogen. Unterstützt von den USA und Thailand hat er hier bis zu seinem mysteriösen Tod 1998 gelebt. Heute weisen Hinweisschilder zu den früheren Residenzen der Schlächter - kein Grauen, mit dem sich nicht Geld verdienen ließe!

Wir erreichen den Grenzort Choam und sind eine halbe Stunde später in Thailand. Noch nie haben wir einen Grenzübergang in dieser Region so zügig gemeistert!

              Unterwegs nach Siem Reap              
Mehr Bilder gibt es HIER!!
   
 

Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84:

Wat Phnom Santuk : auf dem Gipfelplateau, Zufahrt für große Fahrzeuge eng; N12 38.746 E105 00.108; keine Versorgungen, ruhig

Siem Reap: Parkplatz des Nationalmuseums, wir haben die Erlaubnis vom Management eingeholt; N13 22.033 E103 51.565; alle Versorgungen, laut

Banteay Srei Tempel: Parkplatz; N13 35.840 E103 57.981; einige Versorgungen, ruhig; das Wachpersonal wollte uns nach Einbruch der Dunkelheit verscheuchen; dass wir nur zu zweit sind (zu schwach, um Artefakte aus der Tempelanlage zu stehlen) und aus Deutschland stammen (alle Deutschen sind ehrlich) hat uns gerettet


 

Fazit

Wie die meisten Touristen, die nach Kambodscha kommen, hatten auch wir die Sehenswürdigkeiten von Angkor sowie Phnom Penh vor Augen. Dass Kambodscha sehr viel mehr zu bieten hat, durften wir bei unseren Erkundungen der ländlichen Gebieten erfahren. Trotz der oft ärmlichen Verhältnisse sind die Menschen in keiner Weise aufdringlich, sehr freundlich und hilfsbereit - wollen aber, ganz anders als in Laos, dass der Fremde den ersten Begrüßungsschritt macht. Die Dörfer und die oft versteckt liegenden und wenig besuchten Tempeln und Höhlen, das ist das wahre Kambodscha. Oft haben wir über Staub und Dreck geschimpft, aber uns am Ende des Tages über hinzu gewonnene Erfahrungen gefreut. Kambodscha ist eine Reise sehr wert und erhält von uns einen mittleren Platz im oberen Segment unserer Lieblingsreiseländerliste.

Noch etwas haben wir während unserer Zeit in Kambodscha gelernt: Wir glauben, gerade das Ende einer Ära mitzuerleben, das Ende des Reisens. Begonnen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als betuchte Zeitgenossen sich auf die Spuren der "Entdecker" setzen, endet sie jetzt, mit dem Eintreffen chinesischer Reisegruppen. Wer die erlebt hat und an immer mehr Reisezielen dieser Welt erlebt, der beschließt eines Tages, sich aus der Mediathek zu bedienen. Ihr glaubt uns nicht? Wartet ab, bis Ihr die Kathedrale von, sagen wir, Reims mit einer 500köpfigen (das sind nur 10 Gruppen à 50) Meute teilen müsst, die sich quer durchs Kirchenschiff zubrüllt, wie toll das hier alles ist; die dauernd kräftig auf den Marmorboden rotzt, denn es ist frisch im Inneren; die in Trauben auf dem Hochaltar hockt, denn von dort oben bekommt man das beste Foto; die Euch ständig non-verbal (denn Ihr sprecht ja kein Mandarin und sie nichts anderes) auffordern, doch von ihren ein Gruppenfoto zu machen, dabei strecken sie alle ihre Finger zum Victory-Zeichen aus und alle brüllen "Cheese" (dann auslösen); die.... usw..

So, und jetzt freuen wir uns erst einmal auf Thailand und zwar auf ein für uns neues Thailand, abseits der Küsten und des Massentourismus. Doch darüber im nächsten Bericht mehr.

Bis dahin alles Gute, auf dass Euer milder Winter nicht demnächst mit dreifacher Härte zuschlägt,


Bettina & Rolf

(Prasat Muang Tam/Thailand, im Januar 2014)