Lieber Wellblechpiste als Butterfahrt!!
Bagan/Myanmar
       
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Thailand & Myanmar - Februar/März 2014

Durch Thailand zur Myanmar-Grenze

Nach dem erstaunlich zügigen Grenzübergang Kambodscha-Thailand folgen wir unseren alten Spuren bis in die Gegend des Geschichtsparks Phanom Rung. Neben der kleinen, durchaus sehenswerten Tempelruine Kuti Reusi Khok Meuang lassen wir uns für die nächsten Tage nieder, lassen die letzten Eindrücke aus Kambodscha sacken, stellen unseren Kambodscha-Bericht fertig, genießen die Ruhe und das interessante Dorfleben. Auch ist es Zeit, 'mal wieder ein Brot zu backen. Obwohl wir nicht sehr hoch sind, fallen die Temperaturen nachts bis unter 10 Grad - wir brauchen unsere Daunendecken und morgens die Heizung; tagsüber steigen die Temperaturen auf 28 Grad. Die Köhler unter den Dorfbewohnern, die neben dem Reisanbau auch vom Verkauf von Holzkohle leben, sind schon früh am Morgen auf den Beinen: Das Innere eines aus Lehm errichteten Meilers wird durch ein Mannloch dicht mit Holz befüllt. Danach wird das Loch mit einem Schlamm-Stroh-Brei verschlossen. Aus einer kleinen Öffnung ragt ein Holzscheit als Lunte, die gezündet wird. Eine Öffnung im oberen Bereich des Meilers dient als Zugloch. Nach 2 Tagen werden alle Öffnungen verschlossen, nach zwei weiteren Tagen wird das Mannloch wieder freigelegt und nach dem Abkühlen die fertige Holzkohle in Säcke gefüllt. Das Ganze ist eine ziemlich harte und vor allem auch schmutzige Arbeit. Das Köhler-Ehepaaar freut sich über den warmen Tee, den wir ihnen bringen.

Nach 6 Tagen geht es weiter, zunächst nach Nakhol Ratchasima, wo wir im Tesco Lotus-Supermarkt einen Großeinkauf tätigen. Da wir zwischen 13 und 17:00 h hier sind, gibt es kein Bier oder sonstigen Alkohol zu kaufen, da sind die Thais leider sehr strikt. Wir fahren weiter nach Phimai, wo wir die von einer Mauer umgebene, sorgfältig restaurierte Khmer-Tempelanlage (das Khmer-Imperium ragte einstmals weit in das heutige Thailand hinein) in einem wunderschönen Park mit altem Baumbestand besuchen. Unser Nachtplatz liegt mitten im Stadtzentrum, und der Lärm treibt uns früh am nächsten Morgen aus den Federn. Richtung Norden erreichen wir über Chaiyaphum den Tatton- Nationalpark, der am Rande der Laenkha-Bergkette liegt und u. a. für seinen gleichnamigen Wasserfall berühmt ist. Es ist schön hier auf unserem Platz oberhalb des Flusses! Es gibt viele Wanderwege, gute Sanitäranlagen und kleine Restaurants. Aber einen Tag lang müssen wir hart arbeiten. Unser Warmwasser-Boiler ist undicht, was wir glücklicherweise noch rechtzeitig bemerken. Rolf baut den Boiler aus, Wäsche muss gewaschen werden, und wir haben Marmeladen-Alarm: nur noch ein Glas ist vorhanden! Also wird auch eine Pamelo-Marmelade gekocht. Erst als alles erledigt ist, haben wir Zeit und Muße für Spaziergänge und Entspannung. Nach zwei Tagen folgen wir der Straße nach Norden. In den Ebenen gibt es Kautschukplantagen und Reisfelder, und dort, wo es reichlich Wasser gibt, sind die frischen grünen Reispflanzen bereits gesetzt; auf den Höhen wird Ananas angebaut. Sonst ist alles sehr trocken, die Bäume haben ihre Blätter abgeworfen und sind übervoll mit Samen. Auf Straßenschildern wird oft vor Elefanten gewarnt, wir bekommen aber leider keinen zu Gesicht. Auf unserem schönen Standplatz im Nam Nao-Nationalparkwald stehen wir wieder auf 1.000 m Höhe, und morgens um 07:30 h erreicht das Thermometer nur 9,5 Grad C. Dafür sind die Temperaturen tagsüber bei unseren Wanderungen sehr angenehm.

Sehr schön ist es hier, und wir verlassen den Park nur ungern, aber wir müssen am 5.2. an der Grenze zu Myanmar sein. Die Fahrt durch die Berge Richtung Sukhothai beschert uns durch die Laubfärbung eine Art "Indian Summer". Die sog. "grüne Route", die bei Lam Sak beginnt und durch den Thung Salaengluang-Nationalpark führt, ist auf der gesamten Strecke eine Baustelle und beeinträchtigt erheblich die Schönheit der Natur. Am Abend erreichen wir Alt-Sukhothai und finden unseren ersten Standplatz vor dem Tempel Wat Si Chum, später stehen wir neben dem Wat Sorasak. In den nächsten fünf Tagen erkunden wir Alt-Sukhothai zu Fuß oder per Fahrrad und lernen die ersten Mitglieder unserer Gruppe kennen, zwei französische Familien, die mit uns durch Myanmar fahren werden. Die Ruinen von Sukhothai ("wachsendes Glück") gehören seit 1991 zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Stadt wurde zwischen 1237 und 1257 gegründet und war für 120 Jahre Hauptstadt von Thailand (Siam) unter der Herrschaft von vielen Königen. Der berühmteste war König Ramkhamhäng, der das thailändische Alphabet schuf und dessen Inschriften als erste thailändische Literatur gelten. Man könnte meinen, dass wir mittlerweile genug von Tempeln und Ruinen haben, aber Sukhothai ist erstens wieder ganz anders als z. B. Angkhor und zweitens bei weitem nicht so überlaufen. Auf dem 45 qkm grossen Gebiet leben außerhalb der alten Stadtmauern (Kernbereich) die Menschen ganz normal zwischen den Ruinen in ihren Häusern. Wir radeln also in aller Ruhe von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten und durch die wunderschönen Parks mit altem Baumbestand - u. a. riesige alte Mangobäume. Im 12 km entfernten Neu-Sukhothai gibt es Möglichkeiten zum Einkaufen, und tatsächlich erhalten wir in einem von Chinesen geführten Geschäft Hilfe zur Reparatur unseres Boilers. Die Verständigung ist sehr gut, da fast alle Familienmitglieder gut Englisch sprechen. Hier erleben wir nicht zum ersten Mal, welchen großen Wert Chinesen auf eine gute Ausbildung ihrer Kinder legen. Rolf kann nun den Boiler wieder einbauen, und unsere Warmwasserversorgung ist wieder hergestellt. Wobei gesagt werden muss, dass wir warmes Wasser (zum Duschen) auf dieser Reise nur sehr selten gebraucht haben. In einem BIG C-Supermarkt decken wir uns noch einmal mit allem ein, was wir in Myanmar vielleicht nicht erhalten werden.

Sukhothai/Thailand  

Mehr Bilder gibt es HIER!!

 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; wir haben uns überall sehr sicher gefühlt; alle Koordinaten WGS84

Kuti Reusi Khok Meuang: schöner Platz neben kleinem Khmer-Tempel; N14 30.056 E102 58.576; keine Versorgungen, ruhig

Phimai: Parkplatz vor dem Khmer-Tempel; N15 13.152 E102 29.698; alle Versorgungen, laut

Tatton Nationalpark: schöner Platz oberhalb des Flusses; N15 58.771 E102 01.937; alle Versorgungen, ruhig

Nam Nao Nationalpark: sehr schöner Zeltplatz; N16 44.271 E101 34.460; einige Versorgungen, ruhig

Sukhothai 1: schöner Platz neben einem Tempel; N17 01.613 E99 41.695; keine Versorgungen, ruhig

Sukhothai 2: schöner Platz neben einem Tempel; N17 01.364 E99 42.299; alle Versorgungen, etwas Verkehrslärm

Mae Sot: Parkplatz des Centara-Hotels; N16 43.466 E98 35.141; alle Versorgungen, etwas Verkehrslärm


Myanmar - Von der Thai-Grenze nach Rangun/Yangon


Myanmar ruft! Doch langsam: Das Land gestattet die Einreise mit dem eigenen Fahrzeug nur in Begleitung eines burmesischen Führers und zusätzlich eines Polit-Aufpassers in deren eigenem Fahrzeug - macht mit Fahrer also 3 Begleitpersonen! Das ist schlimmer als in China, wo ein Führer genügte, der auch in unserem Wagen mitfahren durfte. Und es ist extrem teuer! Dank der Hinweise von Reisenden und über das Internet haben wir Kontakt mit Jörn Schlag (joern.schlag@web.de) aufgenommen, der anbot, eine sich über das Internet zusammengefundene Gruppe von Wohnmobilisten von Thailand durch Myanmar nach Indien zu führen. Jörn hat einschlägige Erfahrungen mit der Organisation von Myanmar-Durchquerungen, da er 2012/2013 im Seabridge-Auftrag eine geführte Wohnmobil-Tour von Europa nach Thailand begleitet hat. Ab der indischen Grenze würde jeder aus unserer Gruppe seine Reise individuell fortsetzen. An der indischen Grenze würde dann eine ebenso zustande gekommene Gruppe von Indienreisenden warten, die durch Myanmar nach Thailand wollen. Für beide Gruppen eine Alternative zur äußerst aufwändigen Verschiffung zwischen Indien und Südostasien. Da wir nicht vorhaben, nach Indien weiterzureisen, vereinbaren wir mit Jörn, sowohl die Hin- als auch die Rückreise mitzumachen, um einen einmonatigen Aufenthalt in Myanmar hinzubekommen.
Myanmar ist nach Indonesien der zweitgrößte Staat Südostasiens und grenzt an Thailand, Laos, China, Indien, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Es ist ein Vielvölkerstaat mit rund 54 Millionen Einwohnern, dem über Hundert verschiedenen Ethnien angehören. Die größte Ethnie ist mit 70 % Bevölkerungsanteil die der Birmanen. Die Shan sind mit 8,5 % die zweitgrößte Volksgruppe und leben überwiegend in ihrem eigenen Bundesstaat, dem "Shan-State", in Höhen ab etwa 1000 m. Die am meisten verbreitete Religion ist der Buddhismus (87 % der Bevölkerung). Schlagzeilen jüngeren Datums machten Nachrichten von Übergriffen auf die moslemische Minderheit, bei denen der buddhistische Klerus eine erschreckende Rolle gespielt haben soll. Das Land wird seit 1962 von einer Militärdiktatur beherrscht. Daran änderte auch der am 4. Februar 2011 als Staatsoberhaupt eingesetzte zivile Präsident nichts. Trotz dieses Schachzugs zur Ruhigstellung von Kritikern aus dem Ausland (im Land gibt es keine Kritiker, die werden sofort (mund-)tot gemacht), ist das Militär unverändert die einzige Macht im Lande. Politische Nachrichten, die uns zu Haus über Myanmar erreichen, sind meist negativ. Über Menschenrechtsverletzungen und Verfolgung von Oppositionellen wird berichtet. Trotz Bemühungen um einige eher oberflächlichen Demokratisierungsschritte, wie die Freilassung der Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus dem Hausarrest, ist Myanmar unverändert ein autoritäres Regime. Darüber waren wir uns vor Antritt der Reise im Klaren. Die Tatsache, dass sich das Land langsam neuen Tourismusformen (Reisende mit eigenem Fahrzeug) öffnet, darf kaum als Änderung der politischen Verhältnisse überbewertet werden.

Am 6.2. überqueren wir in Mae Sot mit 7 weiteren Fahrzeugen die Grenze zu Myanmar. Wir lernen die zwei burmesischen Begleitpersonen und ihren Fahrer kennen, und die Grenzformalitäten werden uns abgenommen (was zur Abwechselung 'mal ganz nett ist!). Wir dürfen nun wieder auf der rechten Straßenseite fahren, denn seit 1970 herrscht in Myanmar Rechtsverkehr. Es heißt, ein Wahrsager habe dem damaligen Machtinhaber Ne Win, ein extrem abergläubischer Mensch, ein besseres Karma vorhergesagt, wenn er das Land rechts bewege. Also mussten alle von einem Tag auf den nächsten rechts fahren. Fast alle Fahrzeuge haben das Steuerrad auch heute noch auf der rechten, nach der Umstellung somit falschen Seite, denn entweder sind es Fahrzeuge aus dem Altbestand, also aus der Zeit vor der Umstellung, oder sie werden als Gebrauchtwagen aus Thailand oder Japan bezogen. Die Burmesen scheinen sich daran gewöhnt zu haben.

Wir bleiben für eine Nacht im quirligen Grenzort Myawaddy im gleichnamigen Hotel (s. u.). Wir besorgen uns die einheimische Währung (Kyat), was inzwischen als Zeichen einer vorsichtigen Landesöffnung problemlos an ATMs möglich ist und schlendern über den Markt. Sofort fällt uns auf, dass der überwiegende Teil der Menschen traditionell mit dem sog. Longyi gekleidet ist: zusammengenähte Stoffbahnen, die bis zu den Füßen reichen und in der Taille bei den Frauen übereinander geschlagen und bei den Männern vorn verknotet werden. Für die Männer sind Karo-, Rauten- und Streifenmuster vorgesehen, für die Frauen Blumenmotive, verschlungene Muster oder auch schlicht Einfarbiges. Auch das birmanische Make-up fällt uns sofort auf. Sowohl Frauen und Kinder, seltener Männer tragen im Gesicht Thanaka-Paste auf, die aus dem geriebenen Holz des Thanaka-Baums und Wasser hergestellt wird. Sie wird großflächig auf dem Gesicht verteilt oder in hübschen Mustern aufgetragen, schützt vor der Sonne und dient gleichzeitig als Schmuck.

Von Jörn erhalten wir eine burmesische SIM-Karte für unser Mobiltelefon, werden jedoch in den nächsten vier Wochen feststellen müssen, dass sowohl das internationale Telefonieren als auch Internetverbindungen fast nie funktionieren. Das ist offensichtlich von der Regierung so gewollt. Jörn hat zwar den Ablauf der Reise vorher mit den Burmesen abgestimmt, aber trotzdem müssen wir oft Abweichungen akzeptieren. Die erste Änderung trifft uns dann auch sofort: Nach der Einreise sollte es gemäß dem Plan noch heute über die Dawna-Bergkette nach Hpa-An gehen. Die Bergstrecke ist eine tagesweise richtungswechselnde Einbahnstraße, deren heutige Fahrtrichtung nach Westen gestern willkürlich und ohne Erklärung von den Behörden geändert wurde. Wir müssen also eine Nacht in Myawaddy verbringen, um morgen eine Strecke von satten 470 km direkt nach Yangon (früher Rangun) zurückzulegen, da wir den heutigen Tag dann „verloren“ haben werden. Das schreckt uns zunächst nicht sehr, da wir die Straßenverhältnisse noch nicht kennen. Fakt ist, dass wir am nächsten Morgen um 06:00 h rollen und 14 Stunden bis Yangon brauchen werden. Die Bergstrecke ist extrem schlecht, die burmesischen Fahrer rücksichtslos. Rolf muss in einigen Kurven reversieren, denn unser Wendekreis ist für die Spitzkehren zu groß, und auch das wird sofort zu riskanten Überholmanövern genutzt. Kein Wunder, dass immer wieder Fahrzeuge auf der Strecke liegen bleiben, was zu Staus und Wartezeiten führt. Die erste Zwangspause nutzen wir, um zu frühstücken und die schöne Berglandschaft zu betrachten. Nach 123 km und 4 ½ Stunden Fahrt erreichen wir Hpa-an. Ohne Pause geht es weiter - gegessen wird während der Fahrt! Die Straßen sind bis auf wenige Abschnitte schlecht bis sehr schlecht bis sehr sehr schlecht. Die schöne landwirtschaftlich genutzte Gegend rechts und links können wir nicht genießen, das verschieben wir hoffentlich auf die Rückfahrt. Ab Thaton umfahren wir den Golf von Martaban und gelangen vor Bago auf die Beton-Autobahn nach Yangon. Unsere burmesischen Begleiter in ihrem eigenen Fahrzeug überholen uns immer wieder, lassen sich dann wieder zurückfallen, um sicher zu sein, dass alle "Schäfchen" noch da sind. Es ist bereits dunkel, als alle Fahrzeuge am Treffpunkt am Stadtrand von Yangon ankommen. Im Konvoi fahren wir mit eingeschalteten Warnblinkern, damit wir uns im dichten Verkehr nicht verlieren, zum Parkplatz eines Hotels. Der uns zugesagte Platz im Stadtpark neben der Shwedagon-Pagode steht kürzestfristig nicht zur Verfügung, da angeblich dort Vorbereitungen für den (offensichtlich erst seit kurzem bekannten....) Nationalfeiertag in der nächsten Woche getroffen werden müssen. Alle sind kaputt und müde von der langen Fahrt, und Meckern nützt in einem autoritären Regime sowieso nichts. Wir müssen uns zähneknirschend fügen.

Zwei Tage bleiben wir nun in Yangon, der größten Metropole Myanmars mit ca. 5 Mio Einwohnern. 1885 wurde Yangon während der britischen Kolonialzeit zur Hauptstadt erklärt und blieb es bis 2006. Aus dieser Zeit sind noch einige wenige Kolonialgebäude an den breiten Straßen des Zentrums erhalten. Mit dem Taxi fahren wir in die Innenstadt - und was fällt uns zuerst auf? Es gibt keine Motorräder! Während ganz Asien, auch Myanmar außerhalb von Yangon, auf zwei Rädern unterwegs ist, gähnt uns in Yangons Straßen eine vollkommene Motorradleere an! Ein hoher General soll in einen Unfall mit einem Moped verwickelt worden sein. Daraufhin wurden Zweiräder kurzerhand verboten. Dass Motorräder auch bestens für Attentate geeignet sind, dürfte ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Unser Rundgang beginnt an der Sule-Pagode. Wir laufen durch das indische Viertel entlang vieler Garküchen, Obststände und kleinen Geschäften. Im riesigen überdachten Bogyoke Aung San-Markt gibt es so ziemlich alles zu kaufen. Von Dingen für den täglichen Bedarf bis hin zu Souvenirs, Schmuck und Edelsteinen, Holzschnitzarbeiten, Stoffen und Kleidung. Stundenlang könnte man durch den Markt laufen und immer wieder Neues entdecken. An einem der zahlreichen Obststände, wo frisch gepresster Saft ohne Zucker und Eis zubereitet wird, machen wir unsere Pausen und beobachten wohlhabende Burmesen. Denn nur die können es sich leisten, hier einzukaufen.

Ein absoluter Höhepunkt ist der Besuch des Nationalheiligtums von Myanmar, der Shwedagon-Pagode. "Pagode" bezeichnet einen einzeln stehenden Stupa (der in Myanmar "Zedi" genannt wird), meint aber auch die Gesamtheit eines buddhistischen Heiligtums. Und das ist gut so, denn sonst würde "Pagode" der Shwedagon nicht gerecht: hier gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende von Stupas! Sie ist der wichtigste Sakralbau und das religiöse Zentrum Myanmars. Sein Stupa gilt als Wahrzeichen des ganzen Landes und ist einer der berühmtesten der ganzen Welt. Noch heute überragt die Pagode, die auf einem Hügel errichtet wurde, alles in Yangon, auch die ersten Hochhäuser. Wann genau der Stupa entstanden ist, darüber streiten sich die Gelehrten, der Legende nach soll es 486 v. Chr. gewesen sein. Zur Shwedagon-Pagode pilgern Buddhisten aus allen Teilen der Welt, und auch uns zieht die prachtvolle Anlage in ihren Bann. 10 m war der Stupa anfangs nur hoch und wuchs im Laufe der Jahrhunderte bis auf eine heutige Höhe von 99,36 m. Die Diamant-Kugel an der Spitze ist mit 3.351 Diamanten besetzt, der 13 m hohe Schirm darunter besteht aus 500 kg Gold und 83.850 Juwelen und 4.016 goldenen Glocken. Der gesamte Stupa ist mit 13.000 Platten belegt, deren Goldgewicht 9,75 to beträgt. Alle drei Jahre wird das Gold abgenommen und der gesamte sonstige Stupa neu vergoldet. Kenner behaupten, Myanmar hätte in seinen buddhistischen Heiligtümern eine zweite Finanzreserve schlummern! Und wer finanziert das alles? Noch heute ist es für Pilger, egal ob arme oder reiche, eine Selbstverständlichkeit, Blattgold und Geld für den Erhalt und die Verschönerung der Pagode zu stiften.

Überall auf dem riesigen Komplex sitzen Gläubige beim Gebet. Andere bringen Blumen und Schirmchen zur Verehrung der zahlreichen Buddhastatuen. Der große Stupa steht auf einer achteckigen Plattform, denn die burmesische Woche kennt acht Tage, denen jeweils mythologische Tiere zugeordnet sind. Der Mittwoch, das sind zwei Tage! Der Vormittag gehört dem Elefanten ohne Stoßzähne, der Nachmittag dem mit Stoßzähnen. Das Meerschweinchen symbolisiert den Freitag. Neben der großen Stupa befinden sich Hunderte kleinerer Stupas, zahlreiche Andachtshallen, Schreine, Gedenksäulen, Buddhastatuen, der obligatorische Buddha-Fußabdruck und eine Wunscherfüllungsstelle auf dem Areal. Auch für die birmesische Freiheitsbewegung hat die Shwedagon grosse Bedeutung: 1920 planten hier Studenten den ersten anti-britischen Streik, und die Oppositionsführerin und Nobelpreisträgerin Aug San Suu Kyi hielt 1988 hier ihre erste öffentliche Rede, bevor sie ab Jui 1989 nach der Gründung der "National League for Democracy" vom Militär unter Hausarrrest gestellt wurde. Tage könnte man hier verbringen, um auch Details aufzunehmen! Aber wir reisen in einer (Zwangs-)Gruppe mit engem Zeitplan.

  Rangun/Myanmar  

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; sie sind eher von akademischem Interesse, da alle Nachtplätze vorab genehmigt werden mussten; alle Koordinaten WGS84:

Myawaddy: Parkplatz des Myawaddy-Hotels; N16 41.264 E98 30.523; alle Versorgungen, laut

Rangun/Yangon: Parkplatz des Golf-Hotels; N16 54.491 E96 06.750; alle Versorgungen, nur nachts ruhig


 

Myanmar - Von Rangun zum Inle-See

Nach zwei Tagen Yangon rollen wir bereits wieder um 06:30 h los, denn wir sind nicht die Schnellsten. Wir müssen grundsätzlich bis auf wenige Ausnahmen nicht im Konvoi fahren, jedoch abends am vorher bekannt gegebenen Nachtplatz eintreffen. An der Mautstation nach Norden will man uns zunächst nicht passieren lassen. Die Verständigung ist schwierig, angeblich dürfen keine großen Fahrzeuge auf der Autobahn fahren (was, mit Ausnahme von Bussen, stimmt, wie uns später bestätigt wurde; unsere Gruppe hat jedoch eine Sondergenehmigung). Es gibt ein Hin und Her und Telefonate mit unserem Führer und Jörn. Schließlich wird die Schranke für uns geöffnet. Der Stationschef kommt leicht verlegen herbeigeschlendert, und mit der Ermahnung, wir sollen langsam und ganz rechts fahren, entlässt er uns. Na ja, wir fahren wie immer. Wie auch an dieser Autobahnauffahrt, müssen wir im ganzen Land Straßenmautgebühren zahlen. Da man keine Wohnmobilen kennt, ist der Betrag oft Ermessenssache. Zu Beginn zahlen wir immer den geforderten Preis, später diskutieren wir, so dass wir im Ergebnis für die Hinfahrt durch Myanmar insgesamt 76.500 Kyat (1 EUR = 1300 Kyat) und für die Rückfahrt nur 36.400 Kyat zahlen. Nun sind wir grundsätzlich bereit, für gute Straßen auch gute Gebühren zu zahlen, aber die meisten Mautstraßen in Myanmar sind es nicht wert. Die Autobahn wird auch von Fußgängern, Fahrradfahrern und Ochsenkarren benutzt. Auf dem Seitenstreifen sehen wir plötzlich eine große Menschenmenge. Alle sind festlich gekleidet, und die Kinder tragen prachtvolle Kostüme. Wir steigen aus und folgen der Prozession zu einem Tempel. Alle scheinen sich zu freuen, dass wir Interesse zeigen. Man führt uns herum, wir dürfen überall fotografieren. Natürlich müssen wir auch hier im Tempelbereich die Schuhe ausziehen. Die Mönche erhalten bei solchen Zeremonien von den Eltern der Kinder zubereitete Speisen und dürfen sich ordentlich satt essen. Auch wir werden zum Essen mit den Mönchen eingeladen, müssen aber aus Zeitmangel höflich ablehnen. Anschließend führt man uns zu drei Arbeitselefanten, die nun für uns für einen Ausritt von Staub und Dreck befreit werden. Jumbo ist danach (fast) sauber, wir hätten nun eine Dusche bitter nötig. Erneut lehnen wir dankend ab! Auf der Autobahn geht es weiter nach Norden in die 2006 aus dem Boden gestampfte Hauptstadt Nay Pyi Taw ("Sitz der Könige"). An dieser neuen Hauptstadt mit einer Fläche von 4.600 qkm (5x Berlin!) wurde seit 2000 soweit wie möglich im Verborgenen gebaut. Als Grund für den extrem kostspieligen Hauptstadt-Umzug wurde die aus allen Landesteilen leicht zu erreichende zentrale Lage genannt. Der wahre Grund dürfte sein, dass alle neuen Regierunggebäude im Sinne eines langen Machterhalts bunkerähnlich gebaut wurden. Das Stadtgebiet ist gegliedert in Regierungsviertel, Wohngebiete, Militärzonen, Einkaufszentren sowie Hotel- und Freizeitgebiete. Dazwischen befinden sich künstliche Seen, Parks und breit angelegte, bis zu 12-spurige Straßen. Eine der Shwedagon ähnliche Pagode, nur 30 cm kürzer, wurde 2009 eingeweiht. Bei der Fahrt durch die Stadt scheint diese wie ausgestorben, es ist gespenstisch. Es sind kaum Menschen zu sehen, und die breiten Straßen gehören uns allein.

Am nächsten Tag liegt (natürlich!) wieder eine lange Fahrt vor uns, so dass wir um 07:00 h starten. Über Tatkon und Yamethin geht es bis Pyawhave nach Norden und dann nach Osten über die bis zu 2000 m hohe Shan-Bergkette zum Inle-See im Shan-State. Dieser Bundesstaat ist nur sehr eingeschränkt zu bereisen, denn noch immer, insbesondere im Grenzgebiet zu Thailand, gibt es bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Separatisten und der Zentralregierung. Der Wunsch nach einem eigenen Staat, machthungrige Warlords, Drogenhandel - eine undurchsichtige Melange! Es ist eine sehr schöne Strecke durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet entlang von vielen kleinen Dörfern. Die Motorisierung ist hier in den ländlichen Gebieten noch nicht so weit fortgeschritten wie in anderen asiatischen Ländern. Viele Menschen sind zu Fuß, per Fahrrad, mit dem Ochsenkarren oder Einspänner unterwegs. Immer wieder passieren wir kleine Bautrupps, die Straßenbauarbeiten in archaischer Weise ausführen: große Steine werden mit dem Hammer zu Schotter zerkleinert und auf den zu reparierenden Straßenabschnitt verteilt, worüber Teer gegossen wird; darüber eine Feinschotterschicht, die per Walze (das einzige technische Gerät) geglättet wird. Bei dieser Arbeitsweise wundern wir uns nicht mehr über die Bodenwellen! Überhaupt wirken die Straßen alle wie aus der Kolonialzeit, an denen seit 65 Jahren nur noch herumgeflickt wird. Dass fast nur junge Frauen diese harte Arbeit ausführen und uns dennoch freundlich zuwinken und anlächeln, erstaunt uns sehr. Zwangsarbeit? Unsere Führer weisen das entrüstet zurück! Die Fahrt auf der sich durch die Berge windenden Straße ist mühsam. In Kalaw, ein ehemaliger englischer Luftkurort auf 1.320 m Höhe, in dem es nichts Britisches mehr zu finden ist, bummeln wir über den Markt und kaufen Obst und Gemüse ein.

Nach einer langen Tagesfahrt erreichen wir Nyaungshwe an einem Zufluss des Inle-Sees. Am Rande eines Fußballplatzes, auf dem am späten Nachmittag junge Mönche trainieren, schlagen wir für die nächsten zwei Tage unser Lager auf. Der Inle-See, der, umringt von den Shan-Bergen, auf einer Höhe von 900 m liegt, ist der zweitgrößte See des Landes, 22 km lang und 11 km breit. Seit 1985 stehen See und die umliegenden Feuchtgebiete unter Naturschutz. Die Menschen, die rund um den See und in Stelzendörfern auf dem See leben, nennen sich Intha ("Menschen vom See"). Sie sind Fischer, Bauern oder Handwerker und leben inzwischen auch ganz wesentlich vom Tourismus.

Wir starten am nächsten Tag zu einer ganztägigen Bootstour gemeinsam mit vier Mitreisenden. Auf dem Weg zum Bootshafen durchqueren wir den ganzen Ort, der sich trotz der Touristen eine erstaunliche Authentizität bewahrt hat. Überall in Gassen und auf dem Markt werden Betelprieme angeboten: ein paar Stücke der Betelnuss werden mit flüssigem, gelöschtem Kalk bestrichen und in ein Pfefferblatt eingewickelt - die 3 Grundbestandteile des Betel-Priems. Da diese Dröhnung bitter schmeckt, werden auf Wunsch des Kunden weitere Zutaten (Kautabak, Anis, Kardamon, Zimt, Ingwer, Muskatnuss, Fenchel, Minze oder Lakritze) hinzugefügt. Betelpriemkauen regt an, steigert die geistige Leistungsfähigkeit und beugt Ermüden vor. Auf der Minusseite bei langjährigem Genuss stehen angegriffene Zähne. Aufgrund der schwarz-roten Verfärbung des Mundraums und der Zähne hat man bei Betelnuss-Kauern den Eindruck, dass sie Blut im Mund haben, vor allem wenn sie den roten Saft ausspucken.

In einem Longtailboat geht es zunächst 4 km den Fluss hinunter zum See, und schon tauchen die ersten Fischer auf, die wegen ihrer einzigartigen einbeinigen Rudertechnik berühmt sind. Der Rudernde steht am Heck des Bootes. Werden die Hände beim Fischen benötigt, so wird ausschließlich mit einem Bein gerudert. Der Gleichgewichtssinn dieser Menschen ist einfach phänomenal! Am und auf dem See gibt es viele Sehenswürdigkeiten, u. a. die am Westufer des Sees liegende Phaung Daw U-Pagode und der dahinter liegende sehr sehenswerte und authentische Markt. Die Stelzendörfer beherrbergen viele Handwerksbetriebe, wie Webereien, Holzschnitzereien sowie Messing- und Silberschmieden. Über einen 8 km langen Flussarm gelangen wir zum kleinen Dorf Indein, in dessen Nähe sich ein großes Pagodenfeld befindet. Die unzähligen Stupas – einige strahlen restauriert in goldenem Glanz, andere sind zerfallen – stammen vermutlich aus dem 17. Jh., als Indein Sitz eines Shan-Fürsten war. Uns gefällt es gut hier! Zurück auf dem See besichtigen wir das Kloster Nga Phe Chaug Kyaung auch als „Kloster der springenden Katzen“ bekannt. Die Katzen jedoch springen nicht mehr, sondern liegen faul herum und lassen sich von den Touristen fotografieren. Zu guter Letzt besuchen wir die "schwimmenden Gärten". Die Seebewohner bauen hier Gemüse, Früchte und Blumen an. Basis dieser schwimmenden Felder ist eine sehr fruchtbare, halbwegs feste Masse aus Erde und Wasserhyazinthen, die mittels Bambuspfählen am Seeboden verankert werden. Durch das milde Klima kann mehrmals jährlich geerntet werden. Ein sehr schöner und interessanter Seeausflug!

    Inle-See/Myanmar  
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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; sie sind eher von akademischem Interesse, da alle Nachtplätze vorab genehmigt werden mussten; alle Koordinaten WGS84:

Nay Pyi Taw : Parkplatz des Sky Palace-Hotels; N19 42.417 E96 06.898; alle Versorgungen, ruhig

Nyaungshwe/Inle-See: sehr staubiger Fußballplatz; N20 39.770 E96 56.236; keine Versorgungen, außerhalb der Spielzeit ruhig


 

Myanmar - Vom Inle-See nach Bagan

Am nächsten Tag erreichen wir am späten Nachmittag nach einer wiederum langen Fahrt Bagan. Seit Beginn der Reise versuchen wir, hier in Bagan bleiben zu können, unsere Gruppe ziehen zu lassen, hier auf die Gruppe, die dann aus Indien kommt, zu warten, um dann mit ihr wieder nach Thailand zurückzukehren. Immer wieder werden wir bei unseren Führern vorstellig, sich um eine geänderte Aufenthaltsgenehmigung für uns zu bemühen, und wir haben die Hoffnung schon aufgegeben. Am Morgen der Weiterreise zur indischen Grenze erhalten wir - inzwischen unerwartet - die behördliche Genehmigung, in Bagan bleiben zu dürfen! Darüber sind wir hellauf begeistert, denn wir wissen (Rolf war als Backpacker 1982 schon einmal hier), dass Bagan einen längeren Aufenthalt mehr als wert ist. Außerdem sind wir auch deshalb heilfroh, weil sonst die knochenharte Tour auf Spitzenstraßen zur indischen Grenze und zurück unabwendbar gewesen wäre! Wir verabschieden uns von unseren Mitreisenden und lassen uns für die nächsten 13 Tage in Bagan nieder, davon quartieren wir uns für 7 Tage in ein Hotel ein. Das Servicepersonal muss sich erst daran gewöhnen, dass wir Nudelsuppe und Fried Rice vom Frühstücksbuffet verschmähen und statt dessen mitgebrachte Tupperschalen mit Käse und Schinken auf unseren Tisch stellen. Und nun haben wir unglaublich viel Zeit, uns die alte Königsstadt Bagan und und die Umgebung in aller Ruhe anzusehen.

Durch die bis zu 3000 m hohen Berge im Westen Myanmars, die die Monsunwolken abhalten, liegt Bagan in einer Savannen ähnlichen Trockenzone. Durch das Grün der recht anspruchlosen Bäume, wie Akazien, Niem oder Tamarinde sowie der Zuckerpalme und den riesigen teils blühenen Kaktusbäumen wirkt die Landschaft jedoch nicht karg, sondern harmonisch im Einklang mit den roten Ziegelsteingebäuden der Pagoden. In der Zeit von 1044 bis 1312 wurden auf dem 40 qkm grossen Areal unter der Herrschaft von 13 Königen unzählige religiöse Stätten errichtet. 2.230 Monumente, Tempel, Stupas, Klosteranlagen, Schreine, Bibliotheken und Ordinationshallen, sind noch heute zu sehen. Von einigen wenigen ist nur noch ein Haufen aus Ziegelsteinen übrig, das seinerzeit bevorzugte Baumaterial. Viele Gebäude wurden und werden rekonstruiert, jedoch nicht immer originalgetreu, was die UNESCO veranlasst, Bagan nicht ins Weltkulturerbe aufzunehmen, und auch die Archäologen sind entsetzt. Uns berührt das aber genauso wenig wie die Burmesen, die heute Unsummen für eine Restaurierung spenden. Nach dem buddhistischen Glauben erhöht Freigiebigkeit die Chancen auf eine Wiedergeburt als Mensch (und nicht als Kakerlake!), vorausgesetzt, das Geben geschieht uneigennützig.

Um in dem riesigen Areal mobil zu sein, mieten wir uns ein E-Bike, dessen Batterien wir am Ende eines jeden Tages neu laden lassen müssen. Lieber hätten wir ein Motorrad, aber das dürfen Touristen nicht mieten, angeblich aus Sicherheitsgründen. Der wahre Grund ist wohl, dass man sich mit einem Motorrad sehr viel weiter durch das Land bewegen könnte, da man überall Treibstoff kaufen kann, und unter dem Helm der Ausländer nicht sofort zu erkennen ist. Wir verzichten hier darauf, die von uns besuchten bekannten und weniger bekannten Monumente aufzulisten. Nur soviel: nach jedem Ausflug sind wir immer wieder aufs Neue begeistert von Details der Architektur, den alten Wandmalereien, den Buddha-Statuen und dem religiösen Treiben in den erneut geweihten Heiligtümern. Die Burmesen sind freundlich und hilfsbereit, weisen uns immer wieder auf Besonderheiten hin. Oft folgt dann anschließend der Versuch, uns ein Souvenir zu verkaufen, aber das gehört eben dazu. Und es gibt wirklich schöne Dinge in Bagan zu kaufen, so dass wir nicht immer widerstehen können (s. u.). Und wir haben auch noch etwas Platz im Auto.

In einer Klosteranlage gelangen wir durch einen schräg nach oben verlaufenden Tunnel auf steiler Treppe auf eine Terrasse mit Blick über Bagan. Eine ältere Dame wartet am Ende des Tunnels und hilft uns über die letzten sehr steilen Stufen und mit ihrer Lampe später beim Abstieg. Für alle Besucher hat sie einige Worte in deren jeweiliger Landessprache parat. In Deutsch stehen "Guten Tag/Danke/Vorsicht Stufe/Kopf einziehen" auf ihrem Repertoire. An einer anderen Tempelanlage spricht uns ein kleiner Junge auf Englisch an. Als er hört, dass wir aus Deutschland kommen, holt er 1,20 EUR aus seiner Tasche und bittet uns, diese in Kyat zu tauschen. Unser Argument, dass wir erst einmal nicht nach Deutschland zurückkehren, spornt ihn nur dazu an, uns seine sämtlichen Währungen zu präsentieren, von denen wir doch wohl irgendeine gebrauchen können! Wie wäre es mit Südafrikanischen Rand? Seine Geschäftstüchtigkeit beeindruckt uns, und er bekommt seine Kyat.

Myanmar, besonders Bagan, ist für seine kunstvollen Lackarbeiten bekannt. Wir besuchen so einen Handwerksbetrieb, um uns die aufwendige Herstellung von Schalen, Bechern, Gefäßen und Schmuck anzusehen. Es wird für jeden Gegenstand, z. B. eine Schale, zunächst aus Bambus ein Grundgerüst angefertigt. Auf dieses wird in mehreren Schichten ein zäher Lack aufgetragen, der aus dem Thitsi-Baum gewonnen wird, und der an der Luft aushärtet und sich schwarz verfärbt. Danach wird für eine Schmuckfarbe ein Muster eingeritzt (jetzt beginnt die Kunst), anschließend die ganze Schale mit Farbe überzogen. Nach dem Trocknen wird diese wieder abgeschliffen, so, dass sie nur in den Einritzungen haften bleibt. So werden in mehreren Arbeitsgängen verschiedene Farben (rot, grün, gelb, gold) aufgebracht. Je feiner und farbenprächtiger, desto wertvoller ist der Gegenstand. Bei schwarz-goldenen Lackarbeiten wird Blattgold in das geritzte Muster gedrückt und das überschüssige Gold mit Wasser und einem Schwamm entfernt. Wir sind beeindruckt, und Schalen, Becher und Armreifen wechseln ihren Besitzer.

Bagan liegt am 2.170 km langen Irrawaddy/Ayeyarwady. Es wird Wäsche gewaschen, gebadet und die Zähne werden geputzt. Frauen tragen auf ihren Köpfen mit Schotter gefüllte Körbe über eine Planke zu einem Lkw - kein Mann lässt sich blicken. Immer wieder fällt uns auf, dass harte körperliche Arbeit Frauensache ist! Offene Boote fungieren als Flussfähren und legen erst ab, wenn nach Zustieg genügend vieler Passagiere der Freibord auf 10 cm geschrumpft ist. Wieder einmal sind es nicht die Sehenswürdigkeiten, die uns ein Land und seine Menschen näher bringen, sondern solche Momente, die wir aufgrund des Zeitmangels in Myanmar viel zu selten erleben. Gut, dass wir in Bagan so viel Zeit hatten!

    Bagan/Myanmar  
Mehr Bilder gibt es HIER!!
 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; sie sind eher von akademischem Interesse, da alle Nachtplätze vorab genehmigt werden mussten; alle Koordinaten WGS84:

Bagan 1 : staubiger Platz am Irrawaddy-Ufer; N21 07.751 E94 51.257; keine Versorgungen, ruhig

Bagan 2 : Parkplatz des luxuriösen Aureum-Hotels; N21 10.387 E94 54.194; alle Versorgungen, ruhig

Bagan 3 : Parkplatz des Sky Palace-Hotels, wir haben dort ein Zimmer gemietet; N21 08.043 E94 51.456; alle Versorgungen, ruhig

Bagan 4 : Parkplatz des luxuriösen River View-Hotels; N21 10.140 E94 51.355; alle Versorgungen, ruhig


 

Myanmar - Zurück nach Thailand

Nach 13 Tagen trifft die neue Gruppe aus Indien ein, und nun sind es 17 Autos, 2 Motorräder und ein Fahrrad und eine bunt gemischte Truppe aus Deutschland, England, Türkei, Neuseeland, Frankreich, Belgien, Italien und Ungarn. Mit den neuen Reisefreunden fahren wir in unseren eigenen Spuren über den Inle-See und der neuen Hauptstadt Nay Pyi Taw zurück Richtung Thailand. Wie von uns gewollt, gibt uns das die Gelegenheit, Eindrücke zu vertiefen. Auch Yangon wäre nun wieder anzusteuern, doch am Abend in Nay Pyi Taw gibt es plötzlich neue Entwicklungen: unsere Führer eröffnen uns, dass wir, falls gewünscht, auf Yangon verzichten, alternativ den "Goldenen Felsen" bei Kyaikhtiyo besuchen könnten! Die Mehrheit entscheidet sich nach längerer Diskussion, Yangon auszulassen und statt dessen zum "Goldenen Felsen" zu fahren. Uns kann das nur Recht sein, denn diese Sehenswürdigkeit haben wir noch nicht besucht. Außerdem verkürzt das die folgende Tagesetappe beträchtlich, wir haben also mehr Zeit und genießen die Fahrt, halten häufiger an, um zu fotografieren und legen Pausen ein. Wir sehen Frauen beim Setzen neuer Reispflanzen - was für eine Arbeit bei diesen riesigen Flächen!

Am Nachmittag erreichen wir den 10 km nördlich von Kyaikhto gelegenen Ort Kinpun, der Ausgangspunkt für den Besuch des hochheiligen "Goldenen Felsens" ist. Unser Führer erwartet uns bereits am Parkplatz eines Guesthouse, der extrem staubig und total vermüllt ist – "local style" nennt er das! Wir machen einen kleinen Rundgang durch den Ort, der hauptsächlich aus Unterkünften, Restaurants und Souvenirläden besteht. Der Renner sind aus Bambus hergestellte Kriegsspielzeuge, offensichtlich ist das mit Buddha vereinbar. Es werden jedoch auch recht bizarre Dinge für die traditionelle Medizin angeboten.
Am nächsten Morgen beginnt um 06:45 h unser Abenteuer an der Abfahrtsstelle der Klein-Lkws, die darauf warten, Pilger auf den Berg Kyaikhtiyo zu bringen. Auf der Ladepritsche sind schmale Bänke (bei Glück mit Rückenlehnen) montiert, auf denen 5 Personen Platz haben. Aber es wird ordentlich geschubst, so das auch 6-7 Personen nebeneinander sitzen (müssen), einige haben auch noch Kinder auf ihrem Schoß. Der Vorteil ist, wie wir später auf der haarsträubenden Bergstraße merken, dass man nicht hin- und herrutschen kann! Erst als das Fahrzeug übervoll besetzt ist, geht es in rasanter Fahrt über 15 km die teils sehr steile Serpentinenstraße hinauf. Ab und zu gibt es Wartezeiten, die von Mönchen für Bitten um Spenden genutzt werden. Nach ca. 1 Std. kommen wir heil an der Endstation an und freuen uns schon auf die Rückfahrt....! Den letzten Kilometer, den man auch in einer von 4 Männern getragenen Sänfte zurücklegen könnte, gehen wir nun zu Fuß, vorbei an Verkaufsständen und Restaurants. Vor der letzten Treppe heißt es wieder Schuhe und Strümpfe ausziehen. Dann erblicken wir von Weitem eine der heiligsten buddhistischen Stätten Myanmars, den "Goldenen Felsen", der an der Kante eines steilen Abhangs balanciert und den ein 6 m hoher Stupa krönt. Dem Glauben nach bleibt der Felsen nur durch ein einziges Haar Buddhas, das genau an der richtigen Stelle platziert ist, im Gleichgewicht! Hunderte von Pilgern (an Spitzentagen sollen es 40.000 sein!) strömen in das weitläufige, geflieste Areal, Großfamilien mit Kind und Kegel, Mönche, kahl geschorene Nonnen in rosa Roben und westliche Touristen, die aber deutlich in der Minderheit sind. Dem goldenen Felsen dürfen sich nur Männer nähern, die dort beten und weiteres Blattgold an ihn heften. Wir beobachten das Spektakel und genießen die Aussicht auf die umliegenden Berge. Dann die Rückfahrt! Dank funktionierender Bremsen, die fürchterlich nach verbrannten Belägen stinken, kommen wir heil unten an.

Noch am Nachmittag verholen wir nach Hpa-an, wo wir unsere letzte Nacht auf Myanmar-Boden verbringen. Am nächsten Tag liegt erneut die üble Bergstrecke über das Grenzgebirge vor uns (diesmal als Einbahnstraße in W-O-Richtung), daher starten wir ein letztes Mal auf dieser Reise um 06:00 h. Den Grenzort Myawaddy erreichen wir am frühen Nachmittag. Unser Führer erledigt wiederum die Myanmar-Grenzformalitäten für uns - man könnte sich an so einen Service gewöhnen....! Wir verabschieden uns von ihm und reisen nach 28 Tagen ohne Probleme wieder nach Thailand ein.

    Kyaikhto/Myanmar  
Mehr Bilder gibt es HIER!!
 

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Die Nachtplätze dieses Reiseabschnitts in chronologischer Reihenfolge; sie sind eher von akademischem Interesse, da alle Nachtplätze vorab genehmigt werden mussten; alle Koordinaten WGS84:

Kinpun: staubiger Parkplatz eines Guesthouse; N17 23.978 E97 04.599; alle Versorgungen, ruhig

Hpa-An: Parkplatz des Zwekabin-Hotels; N16 50.460 E97 37.391; alle Versorgungen, ruhig


 

Fazit

Um es vorweg zu schicken: Myanmar hat uns mit mehr Fragen als Antworten entlassen. Hätten wir geahnt, welche Strapazen auf uns zukommen, hätten wir diese Reise vielleicht nicht gemacht. Das Strapaziöse waren die langen Tagesetappen - absolut (Zusammenlegen von zwei Etappen zu einer) und relativ (als Folge der schlechten Straßenverhältnisse). Deshalb sind wir im Nachhinein froh, es nicht gewusst und die Reise mitgemacht zu haben! Denn das, was wir gesehen haben, war zum Teil sehr exotisch, hochinteressant und deshalb sehenswert - ein extrem anderes asiatisches Land! Unser langer Bagan-Aufenthalt hat für vieles entschädigt. Wären wir allerdings mit unserem Wunsch, dort zurückbleiben zu dürfen, an den Hürden einer autoritär-zentralistischen Administration gescheitert, wäre die Reise der pure Stress geworden. Denn unser Ziel war es ja, soviel wie möglich von Myanmar zu sehen und nicht, auf dem schnellsten Wege nach Indien zu kommen. Die Menschen sind uns immer freundlich und hilfsbereit begegnet - in den Touristenorten. Auf den platten Land dagegen, wo wir Dank unserer eigenen Mobilität überall und jederzeit anhalten konnten, und wo die letzte Langnase vermutlich vor 10 Jahren durchgekommen ist, wurde aus der Freundlichkeit schiere Begeisterung! Individualtourismus mit dem eigenem Fahrzeug ist erst seit 2013 möglich, also quasi taufrisch. Für die Menschen im Lande dürfte das Auftauchen eines Winsen-Luher-Kennzeichens vermutlich ein starkes Indiz für den hoffentlichen Beginn einer neuen politischen Ära sein. Nach unserer Einschätzung allerdings sollte man seine Erwartungen auf eine baldige vollständige Öffnung und freies Fahren dämpfen, denn jeder unserer Gesprächspartner aus dem Tourismusbereich wich dieser Frage aus. Sollte es aber geschehen, dann nichts wie hin! Es gibt nicht mehr viele Länder, die dem Besucher eine Zeitreise in die Vergangenheit bieten können.

Wir werden in den nächsten Wochen den äußersten Norden Thailands bereisen, nach unseren Informationen ein ganz anderes Thailand im Vergleich zum Süden. Ob unsere Einschätzung richtig ist, erfahrt Ihr im nächsten Bericht!


Viele Grüße, Bettina & Rolf

(Sop Ruak/Goldenes Dreieck, Thailand, im März 2014)