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Durch Uruguay - November/Dezember 2019 Montevideo Hola amigos, nach der Frachtschiffreise sind wir heilfroh, wieder in den eigenen vier rollenden Wänden unterwegs zu sein. Und zwar zunächst in Uruguay. Ein Land, das wir nicht kennen, mit Ausnahme eines kurzen Landgangs in Montevideo während unserer ersten Frachtschiffreise 2007 von Hamburg nach Buenos Aires. Uruguay ist das zweitkleinste Land Südamerikas (das kleinste ist Surinam), ist flächenmäßig halb so groß wie Deutschland und grenzt im Norden und Osten an Brasilien und im Westen an Argentinien. Die Bevölkerung liegt bei nur 3,5 Mio., ca. 50 % davon leben in Montevideo. Man kann also nicht gerade von Überbevölkerung reden. Es ist ein mäßig hügeliges Land die höchste Erhebung ist der Cerro Catedral mit satten 514 m. In Montevideo decken wir uns zunächst mit Lebensmitteln ein, besorgen uns eine SIM-Karte und erkunden die Stadt. Unser aufgefrischter Eindruck deckt sich mit dem von 2007: Sie ist nett, mit einigen hübschen Art Deco-Gebäuden, aber nicht umwerfend.
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Vorbereitungen Nach zwei Tagen steuern wir ca. 80 km östlich Montevideo das von einer deutschen Familie betriebene „UY-Storage“ an, ein auf die Bedürfnisse von Langzeitreisenden mit eigenem Fahrzeug spezialisiertes kleines Unternehmen: Campingplatz, Service-Werkstatt und Langzeit-Fahrzeugunterstellung. Bei Felix und Timo und der gesamten Familie fühlen wir uns sofort wohl und gut aufgehoben. Auch reservieren wir einen Hallenstellplatz für unseren Heimaturlaub im nächsten Jahr. Viele Reisende treffen sich hier, so gibt es viel zu erzählen und Erfahrungen auszutauschen. Und wieder stellen wir fest, wie klein die (Reise-)Welt doch ist: Wir treffen hier Bärbel und Burghard Recker (Innovation Campers), von denen Rolf vor 30 Jahren einen Landcruiser gekauft hat. Burghard erinnert sich sogar noch an das Modell und die Farbe des Autos!
Entlang der Atlantikküste Ganze fünf Tage bleiben wir, machen gemächlich (schließlich wollen wir uns ab jetzt in der Disziplin des Genussreisens üben) unseren Wagen wieder reisefertig, bis es entlang der Atlantikküste Richtung Nordosten geht. Wir finden aufgrund der dünnen Besiedlung (s. o.) immer schöne und einsame Standplätze, jedoch beeinträchtigt trotz des sonnigen Wetters ein heftiger kühler Wind aus der Antarktis unser Wohlbefinden. Die Laguna Rocha ist bekannt wegen der großen Zahl hier lebender Schwarzhalsschwäne, die sich jedoch in der Mitte der Lagune aufhalten, und wir sie daher nur aus der Ferne zu sehen bekommen. Neben dem Parque Nacional Santa Teresa liegt das ab 1762 erbaute Fort gleichen Namens. Nach der Besichtigung lernen wir Monika und Friedhelm aus Hamburg kennen, die mit einem Leihwagen unterwegs sind, und mit denen wir uns sehr nett unterhalten. Am nächsten Tag erreichen wir den Doppelort Chuy/Chui. Auf der einen Seite der Hauptstraße ist Uruguay (Chuy), auf der anderen Brasilien (Chui), und innerhalb der Stadtgrenzen behindert kein Grenzzaun o. Ä. das freie Pendeln zwischen beiden Ländern. Die Einwohner, aber auch wir nutzen die jeweiligen Preisvorteile des einen oder anderen Landes: Auf der brasilianischen Seite tanken wir 500 l Diesel, denn Treibstoff ist in Brasilien wesentlich günstiger als in Uruguay. Am Rio Chui, dessen Mitte die Grenze zwischen Uruguay und Brasilien bildet, übernachten wir. Hier sehen wir auch zum ersten Mal die riesigen, gut getarnten Gemeinschaftsnester der lustigen, aber auch ständig lärmenden grünen Sittiche hoch oben in den Eukalyptusbäumen.
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Durchs Landesinnere 1 Geplant hatten wir, am nächsten Tag nach Brasilien auszureisen, entscheiden uns aber spontan, doch noch mehr von Uruguay zu erkunden. Also ab ins Landesinnere, zunächst zur „Laguna Merin“, nach dem Titicaca-See der zweitgrößte See Südamerikas wer hätte es gewusst? Teile des Seeufers sind ausgedehnte Feuchtgebiete, Eldoraden für eine vielfältige Vogelwelt, leider bedroht (natürlich, heutzutage ist alle noch verbliebene Natur bedroht) durch den immer weiter um sich greifenden Reisanbau. Um den Rio Cebollati zu überqueren, müssen wir eine kleine Fähre nehmen. Das maximale Transportgewicht beträgt 10 to. Nun, das wiegt bereits unser Wagen ohne Copilotin. Hinzu kommen zwei Motorräder und sieben Personen, die der Fährmann nicht zurücklassen will. Er sagt: „no problema“. Wir vertrauen ihm und gelangen trotz des starken Windes, mit dem das schwache Motörchen unseres Schubverbandes mächtig zu kämpfen hat, sicher auf die andere Seite. Auf dem Weg zum „Parque Nacional Quebrada des los Cuervos“ gelangen wir auf eine Höhe von 500 m. Wieder führt uns die Fahrt durch eine grüne, sanft hügelige Landschaft, die wir so lieben, mit Rinder- und Schafweiden (und Zäunen) bis zum Horizont. Sie und der Wind erinnern uns manchmal an Patagonien. Nachts kühlt es nun bis auf 8 Grad ab. Die Gehöfte liegen weit voneinander entfernt, und wieder finden wir schön gelegene, einsame Plätze zum Übernachten. Ab und zu kommen Gauchos auf Pferden vorbei. Auch zwei ältere Herren, allerdings im Pick-up, um eine Runde zu schwätzen. Ob wir etwas benötigen? Nein, Danke? Na gut, adios! Sie brausen davon, nur um 10 Minuten später wieder zurückzukommen, um uns ihren geplünderten Garten auf den Tisch zu legen: Salat, Zuccinis, Möhren, Zwiebeln, Eier und ein Bier für Rolf. Und wieder sind sie weg, nur um nach weiteren 10 Minuten erneut aufzutauchen: Sie hätten vergessen, uns zu fragen, ob wir Fleisch haben wollen! Wir sind von der Gastfreundlichkeit der Uruguayer ungemein beeindruckt! Von der 175 m tiefen Schlucht „Quebrada de los Cuervos“ dagegen weniger. Beim Frühstück am nächsten Morgen besucht uns ein Gürteltier und kommt Bettinas Füßen recht nahe. Aber die stehen nicht auf seinem Speiseplan. Diese für uns sehr exotischen Tiere finden wir immer wieder faszinierend. Wir kommen durch ein namenloses Dorf, wo gerade ein kleines Rodeo stattfindet. Das lassen wir uns nicht entgehen. Ein- bis Zweihundert Menschen haben sich versammelt, um begeistert zuzusehen, wie junge Gauchos sich freiwillig auf ein wildes Pferd setzen, um sich wie verrückt durchschütteln und/oder abwerfen zu lassen.
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Durchs Landesinnere 2 In Minas de Corrales besichtigen wir die Ruinen einer alten Goldgewinnungsanlage, neben denen wir sehr ruhig übernachten konnten. Zum hübschen Tal (und gleichnamigen Ort) „Valle Eden“ ist es nun nicht mehr weit. Seinen Namen bekam es von britischen Ingenieuren, die im ausgehenden 19. Jahrhundert ganz wesentlich Uruguays Schienennetz verlegt haben. Alte Waggons stehen noch auf den Abstellgleisen der Bahnstation. Aber heutzutage ist der Ort bekannt als der Geburtsort der singenden Tangolegende Carlos Gardel. Zumindest behaupten die Uruguayer das und haben ihm in der winzigen Häuseransammlung sogar ein Museum gewidmet. Allerdings gibt es über seinen tatsächlichen Geburtsort unterschiedliche Auffassungen. Die Argentinier, die Carlos Gardel ebenfalls für sich vereinnahmen, behaupten, er sei 1890 in Toulouse geboren worden und bereits im zarten Alter von nur 2 Jahre mit seiner Mutter nach Argentinien gezogen. Er selbst beantwortete Fragen zu seinem Geburtsort stets mit: „Ich wurde in Buenos Aires geboren, im Alter von 2 ½ Jahren.“ Auf unserem Weg zur argentinischen Grenze übernachten wir oberhalb des Rio Del Medio, wo uns zwei beachtlich große Echsen besuchen. Kurz vor Salto sehen wir nach unendlichen Rinderweiden nach langer Zeit einmal wieder Obstbaumplantagen und Gemüsefelder. Nach einem kurzen Besuch in Salto (zur Vorbereitung für die Einreise in das devisenbewirtschaftete Argentinien noch einmal US-Dollar „tanken“) überqueren wir am 11. Dezember mit dem Rio Uruguay die Grenze zu Argentinien.
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Fazit: Uruguay hat uns gut gefallen! Es ist zwar ohne spektakuläre Sehenswürdigkeiten, aber es ist ein wohlorganisiertes, friedliches und angenehmes Reiseland für unseren Wiedereinstieg nach Südamerika genau das Richtige. Die Verkehrsdichte ist auf überwiegend guten Straßen so gering, dass man sich als Europäer fragt, auf welchen Planeten man verschlagen wurde: Fahrer entgegenkommender Fahrzeuge grüßen sich fast immer. Die Menschen sind sehr nett und sehr gastfreundlich. Die Landschaft gefällt uns. Ja, sie ist menschengemacht, denn große Teile von Uruguay bestehen aus sanft-hügeligen Rinder- und Schafweiden, auf denen sich trotz Zäune auch die Nandus wohlfühlen: Erstaunt beobachten wir, wie sich die zahlreichen großen Laufvögel durch die allgegenwärtigen Stacheldrahtzäune fädeln. Auch hat uns die sonstige Vogelvielfalt in vielen Gegenden sehr gefallen. Wir sind keine militanten Tierschützer, aber nachdem wir gesehen haben, wie vergleichsweise artgerecht die Rinder hier gehalten werden, kommen uns, wie schon bisher auch, weiterhin keine Steaks aus industrieller Landwirtschaft auf unsere heimischen Teller. Die Weinanbaugebiete, die sich inzwischen auch international eines gewissen Rufs erfreuen, konnten wir leider nicht besuchen: Bettina hat zum letzten Geburtstag einige Weinkrimis bekommen, und sieht nun hinter jedem Weinstock die Mörder – wie schade! Wie es uns in Argentinien ergangen ist, erfahrt Ihr im nächsten Bericht . Muchos saludos y hasta pronto. Bettina & Rolf (Ituzaingo/Argentinien, im Januar 2020)
Rodeo/Uruguay (2019) Uruguay