Reiseroute - bitte klicken Für weitere Fotos bitte klicken
Ab Mendoza verlassen wir unseren Nordkurs und rollen ab jetzt ein Stück nach Westen. Wie und wohin, darüber erfahrt Ihr mehr im letzten Bericht ! Bis dahin alles Gute, bleibt gesund und optimistisch, Bettina & Rolf (Soca/Uruguay, im März 2022)
Perito Moreno-Gletscher/Argentinien 2022 Unterwegs auf der Ruta 40
Argentiniens Westen - zwischen Bariloche und Mendoza (Februar bis März 2022) Mit weiteren 90 Tagen Aufenthaltsgenehmigung in der Tasche verlassen wir Bariloche. Einige der Pisten im Seengebiet sind in sehr schlechtem Zustand, aber die schöne Landschaft entschädigt zum Teil zumindest die Beifahrerin. Rolf muss sich sehr auf die Piste konzentrieren. Am Ostrand des „Parque Nacional Lanin“ erreichen wir Junin de los Andes am Rio Chimehuin, und auf dem auf einer Flussinsel gelegenen Campingplatz quartieren wir uns ein. Beim Bummel durch die Stadt geraten wir unerwartet in das Festival „Fiesta Provincial de Puestero (Hirte)“. Um die Plaza herum sind Marktstände errichtet. Von einer Bühne werden von wichtigen Persönlichkeiten bedeutende Reden gehalten. Die Gebirgsjäger der örtlichen Garnison und Behördenvertreter marschieren auf und werden von der Bevölkerung kräftig beklatscht. Amateurgruppen sind wie zum Karneval kostümiert und warten auf das Startsignal, durch den Ort zu ziehen. Aufgrund von Corona wären wir nicht gezielt zu dieser Veranstaltung gegangen, aber nun ist es doch eine interessante und willkommene Abwechslung. Auf dem Campingplatz lernen wir die netten Sayaka (sie) und Taka (er) aus Japan kennen, unterwegs in einem Mercedes G (!). Beide sprechen Englisch (sie sind beeindruckt von unseren Japanischkenntnissen: „Sayonara!“), und wir tauschen Kontaktdaten aus. Weiter nördlich werden wir uns erneut über den Weg laufen. Bevor wir die Stadt verlassen, besuchen wir den religiösen Skulpturenpark „Via Christi“ am Rande der Stadt. Auf den verschlungenen Wegen inmitten von Kiefernwäldern wird der Lebens- und Leidensweg Christi mittels großer Steinskulpturen dargestellt. Auch ohne perfekte Spanischkenntnisse und mit reduzierter Bibelfestigkeit verstehen wir die Intentionen der Künstler und sind von der Anlage beeindruckt. Daneben werden auf Reliefs sowohl sozialkritische Themen als auch die Eroberung durch die Spanier thematisiert. In einem Punkt gibt es aber bei uns eine Sender-Empfänger-Störung: Weltweit tragen christlich-religiöse Darstellungen zu 99 % europäische Gesichtszüge. Die Skulpturen in diesem Park sollen eine gewollte Ausnahme sein die Erschaffer hätten ihren Werken indianische (Mapuche-)Züge mitgegeben. Die können wir trotz intensiven Hinschauens nicht entdecken. Oberhalb des Rio Alumine, zunächst Asphalt, dann Piste, geht es weiter Richtung Norden. Ihr werdet es inzwischen bemerkt haben: Wir lieben Rüttel-Schüttel-Staub-Pisten. Kurz vor Alumine finden wir einen Stellplatz direkt am Fluss. Der Staub, der sich nach der Vorbeifahrt eines Wagens auf der Piste auf unsere Käsebrote legt, ist der Preis der Schönheit. Am folgenden Morgen geht es (Ihr ahnt es bereits) auf einer üblen Piste in den „Parque Nacional Lanin“ zum Lago Roca-Choroy. Dabei streifen wir einige Gemeinden der hier beheimateten Mapuche-Indianer. Die Menschen betreiben Campingplätze, organisieren Wanderungen und Ausritte und bieten Handwerkliches und Lebensmittel an. Der See liegt auf einer Höhe von 1200 m und ist bis zu den Berggipfeln hinauf von Araukarienwäldern umgeben. Dieser faszinierende, für die Mapuche heilige immergrüne Baum wächst sehr langsam, kann eine Höhe von bis zu 40 m erreichen und 1200 Jahre alt werden wenn man ihn lässt. Auch der zurzeit stürmisch wehende Wind bewegt die harten Zweige nur wenig. Im englischsprachigen Raum ist die Araukarie unter dem Namen „Monkey Puzzle Tree“ bekannt. Dieser Name, der im Deutschen zu „Affenbaum“ wurde, stammt aus dem 19. Jahrhundert, als frühe englische Reisende feststellten, selbst für einen Affen sei es unmöglich, diesen Baum mit seinen dichtstehenden spitzen Blättern (die seine Nadeln sind, denn die Araukarie gehört zu den Koniferen) zu erklimmen. Wir lernen das argentinische Paar Monika und Ricardo mit russischen und italienischen Wurzeln kennen und tauschen Souvenirs aus Argentinien und Hamburg aus. Leider kommen wir wegen der Corona-Situation recht selten in Kontakt mit Argentiniern sie sind genauso vorsichtig wie wir. In der Nacht regnet es seit Monaten einmal wieder. Vorteil: Die Piste ist nicht mehr so staubig. Nachteil: Der Wagen wird dreckiger. Zurück in Alumine geht nach kurzem Donnergrollen ein heftiger Hagelschauer auf uns nieder. Innerhalb kürzester Zeit sind die Straßen weiß. Wegen der 10 mm-Hagelkörner befürchten wir Arges für unsere Solarpaneele, aber alles geht gut. Wir nutzen das auf den Stadtbereich begrenzte schnelle Mobilnetz und buchen für Ende März Heimflüge. Auf dem Weg nach Villa Pehuenia am Nordwestende des Lago Alumine regnet und hagelt es immer wieder. Es ist kühl geworden, auch tagsüber erreichen die Temperaturen nur noch 16 Grad; wir tauschen kurze gegen lange Hosen aus. Wir sind immer noch in Mapuche-Land, denn nach ihrer Vertreibung aus der Provinz Buenos Aires im 19. Jahrhundert haben sie sich auch hier niedergelassen. In den nächsten Tagen bleibt das Wetter unbeständig. Auf dem Weg nach Las Lajas geraten wir auf 1800 m Höhe in Schneeregen bei nur 2 Grad, und dichte Wolken verhindern Aussichten auf die schöne Landschaft. Eigentlich wollen wir eine Abkürzung über die Ruta 23 nach Chos Malal nehmen, aber laut Information aus Villa Pehuenia ist die Straße gesperrt. Ein großes Schild „Cerrado“ an der Kreuzung unterstreicht das und zwingt uns auf einen langen Umweg über Zapala. Später hören wir von Sayaka und Taka, dass sie problemlos das Schild ignoriert haben. Wir als ordentliche Deutsche verhalten uns natürlich vorschriftsmäßig, und noch in der Schule haben wir gelernt, dass die Japaner die Preußen Ostasiens seien – tz, tz, tz! Chos Malal ist, wie die meisten argentinischen Orte, nicht sonderlich attraktiv. Corona-bedingt finden wir erst nach langem Suchen ein nettes Café.
Argentiniens Westen - El Calafate bis Bariloche (Februar 2022) Nach einem letzten Blick auf den Lago Argentino verlassen wir El Calafate und folgen unseren Spuren zurück nach Gobernador Gregores. Das 100 km entfernte Fitz Roy Massiv ist bei fantastischer Fernsicht bereits von der Ruta 40 zu sehen. Der Rio Leone, der vom Lago Viedma kommend in den Lago Argentino fließt, begleitet uns lange. Es weht ein heftiger Wind, als wir am Hotel „La Leone“ eine Kaffeepause einlegen. Wir müssen aufpassen, dass uns die leckeren Alfajores (Apfelstrudel ist out) nicht aus der Hand wehen. Nach 360 km, davon 70 km üble Piste (der letzte nicht-asphaltierte Abschnitt der Ruta 40 im südlichen Argentinien), sind wir bei unserem Eintreffen in Gobernador Gregores geschafft. Am nächsten Tag decken wir uns mit Lebensmitteln ein, denn wir wollen einige Tage im uns unbekannten „Parque Nacional Perito Moreno“ verbringen. Zu beiden Seiten wird das weite grüne Tal des Rio Chico, der später zum Rio Belgrano wird, messerscharf von trockener Steppe begrenzt. Als wir den Abzweig zum Nationalpark erreichen, erwartet uns eine 90 km lange, wieder einmal üble Piste. So übel, dass Rolf zweimal den Reifendruck reduziert. Nun schweben wir zwar immer noch nicht wie auf Wolke 7 dahin, aber es ist nun wesentlich angenehmer für Mensch und Maschine. Die Registrierung beim Parkranger ist langwierig und aufwändig. So viele persönliche Fragen mussten wir noch nie beantworten nicht einmal Google will wissen, wen sie von unserem Ableben informieren sollen. Die Erklärung kann nur sein, dass wir die Gefahren eines Aufenthalts unterschätzen ....;-) Im Park gibt es drei Campmöglichkeiten, und wir steuern einen Platz am Lago Belgrano an. Angesichts der wunderschönen Landschaft, die sich vor uns auftut, vergessen wir bald die üble Piste. Nachts regnet es, auf den umliegenden Bergen hat es geschneit, sodass diese weiße Hauben tragen. Es ist unverändert bewölkt, als wir uns bei nur 11 Grad auf eine 10 km lange Wanderung auf der in den Lago Belgrano hineinragenden Halbinsel machen. Vorgestern noch trugen wir in El Calafate sommerliche Kleidung, heute müssen wir uns vor dem kalten Wind mit dicken Jacken und Mützen schützen. Egal, in welche Richtung wir laufen, der Wind kommt immer von vorn. Und es klart nicht auf. Was soll auch der langweilige, ewig strahlend blaue Himmel? Erfreuen wir uns an den mit Wolken verhangenen Bergen, aus denen ab und zu Schneefelder hervorblitzen, wenn nicht Regenausläufer mit horizontalen Tropfen uns an den näherkommenden Herbst erinnern. Die Bäume der Südbuchenwälder sind fast alle abgestorben. Ob die Unmengen gefräßiger Raupen, die sich über die Blätter hermachen, die Killer sind, wissen wir nicht. Dann sehen wir entzückt in der Ferne unseren Wagen, wo uns im „Cafe Sparthmann“ ein reichhaltiges Kuchenangebot erwartet. Neben Apfelstrudel (noch aus El Calafate) und Alfajores gibt es auch Media Lunas. Allein der hübsche Name dieses leckeren Gebäcks animiert zum Kauf. Angelika und Herbert treffen ein, und wir verbringen hier und später am Lago Burmeister zwei unterhaltsame Abende, wegen der Außentemperaturen in unserem beheizten rollenden Heim. Am nächsten Tag verholen wir durch ein weites Tal mit kleinen Seen, Flüssen und Sumpfzonen zum Lago Burmeister. Ein Paradies für Flamingos, Gänse und Enten. Beim Spaziergang entlang des aufgepeitschten Sees müssen wir hart gegen den Wind ankämpfen. Die Südbuchen sind hier nicht befallen; sie sind herrlich grün (wir mögen diese knorrigen Bäume mit ihren kleinen Blättern), viele Moose blühen, Ibisse fliegen kreischend umher. Es war ein materialmordender, aber schöner Abstecher in den Nationalpark. Als wir ihn am nächsten Morgen verlassen, strahlt der Himmel blau, es gibt kaum noch Wind, und still ruht der See. Nach weiteren 90 km Rüttelpistenrückweg stoßen wir wieder auf die Ruta 40 und Asphalt, der jedoch immer wieder durch Schotterabschnitte unterbrochen wird. Mitten in der Pampa liegt der kleine Ort Bajo Caracoles, den man kaum als solchen bezeichnen kann. Vielleicht 10 Häuser gibt es, aber ein legendäres Hotel und die einzige Tankstelle auf einst vielen hundert Kilometern Piste machte ihn zu einem wichtigen Stopp an der Ruta 40. Heute hat der Asphalt Bajo Caracoles erreicht. Alle sind viel schneller unterwegs, und die meisten Reisenden fahren vorbei, um noch einen größeren Ort (Perito Moreno im Norden oder Gobernador Gregores im Süden) zu erreichen. Bajo Caracoles stirbt. Wie bei unserem ersten Besuch vor 14 Jahren übernachten wir hier, denn für uns ist es der Ausgangspunkt zu einem weiteren Besuch der „Cueva de las Manos (Höhle der Hände)“. Auf einer ordentlichen Piste erreichen wir am nächsten Tag nach 50 km den kleinen Parkplatz vor dem Eingang zur Höhle, eine der wichtigsten kulturellen und archäologischen Stätten Südamerikas. Seit 1999 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir schließen uns notwendigerweise einer Tour an: Ein schmaler Pfad führt an überhängenden hohen Felswänden entlang, auf denen sich ca. 800 Handabdrücke und Felsmalereien befinden, die vor 13000 bis 1300 Jahren entstanden. Die Erschaffer dieser wunderschönen historischen Zeugnisse einer frühen Kultur Südamerikas verwendeten rote, orange, schwarze, weiße und grüne Pigmentfarben, die aus Mineralien und Calafate-Beeren mit Schichten von Guanaco-Fett und –Urin hergestellt wurden. Unter uns, am Grund der 270 m tiefen grandiosen Schlucht, fließt der Rio Pinturas durch eine atemberaubende Landschaft – es war gut, noch einmal hierher gekommen zu sein! 20 km weiter südwestlich finden wir durch Zufall den traumhaften Canadon Caracoles Chico, ein ausgetrockneter, von einer Salzkruste bedeckter Flusslauf, an dessen Rand wir in Gesellschaft einer Guanaco-Herde übernachten. Um die Cueva de las Manos von der anderen Seite der Rio Pinturas-Schlucht zu sehen, fahren wir in den „Parque Patagonia Argentina“ und folgen einer holperigen, teils schmalen Piste durch hügeliges Gelände, vorbei an teilweise ausgetrockneten Lagunen. In einigen gibt es noch einen Rest von Feuchtigkeit, die Guanacos und Nandus anzieht. Am Ende der Piste bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Cueva, die wir gestern besucht haben. Ein steiler Pfad mit Treppen führt uns hinab in das wirklich beeindruckende Tal, durch das sich der mit Galeriewäldern gesäumte Rio Pinturas windet. Bevor wir den Park verlassen, folgen wir dem 5 km langen Rundweg „Tierra de Colores“ durch und vorbei an unglaublich farbintensiven, bizarren Fels- und Sandsteinformationen. Vom Plateau (hechel, keuch) bietet sich ein grandioser Rundumblick auf diese bunte Welt.
Für weitere Fotos bitte klicken
----MENDOZA---- Argentinien
---BARILOCHE--- Argentinien
---EL CALAFATE--- Argentinien
Perito Moreno (nicht mit dem Gletscher zu verwechseln; Perito Moreno war ein argentinischer Geograph, Anthropologe und Entdecker und Namensgeber einer Vielzahl von Städten, Bergen, Gletschern etc.) ist ein touristisch unbedeutender Ort. Wir wollen von hier aus weiter nach Los Antiguos am riesigen Lago Buenos Aires, an der Grenze zu Chile. Die wollen wir wenn möglich überqueren, um bei der Wiedereinreise nach Argentinien frische 3-Monats-Visa zu erhalten unsere jetzigen laufen Anfang März ab. Leider stimmt nichts von dem, was man uns in der Touristeninformation über die gegenwärtigen Einreiseformalitäten nach Chile erzählt. Ein PCR-Test ist nach wie vor erforderlich, und für den müssten wir entgegen den Beteuerungen seitens der Touristeninformation zurück nach Perito Moreno. Auch eine angeblich mögliche Visaverlängerung bei der Migracion am argentinischen Grenzposten entpuppt sich als Latrinenparole. Wir drehen gefrustet um und bleiben zwei Tage in Los Antiguos, wo, wie könnte es anders sein, ein stürmischer Wind weht. Der Ort und die Gegend sind berühmt für Kirschbaumplantagen. Von den leckeren Früchten gehen 4 kg in unseren Besitz und anschließend in unsere Mägen über. Zurück auf der Ruta 40 erreichen wir nach drei Tagen über Rio Mayo und Gobernador Costa (zwei ärmliche Orte) auf einer öden Strecke Trevelin, wo sich wie in Gaiman in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Waliser angesiedelt haben. Auch hier wird die Tradition des „Te Gales“ hochgehalten, und so genießen wir im Teehaus „Nain Maggie“ wie vor 14 Jahren noch einmal diverse Kuchenköstlichkeiten mit Tee. Und auch diesmal wieder sind wir von den Mengen überfordert! Kein Problem: Der Rest wird eingepackt, das kennen wir schon. 2007 haben wir es nicht geschafft, aber diesmal fahren wir nach Esquel zur Bahnstation des „Viejo Expreso Patagonico (Alter Patagonien-Express)“, wo die Schmalspurbahn „La Trochita (Spürchen)“ abfährt. Einst pendelte sie, nach über 20jähriger Bauzeit erst 1945 fertiggestellt, über 402 km zwischen Esquel und Ingeniero Jacobacci und sollte die Erschließung dieser entlegenen Ecke Argentiniens fördern. Der forcierte Straßenbau zu Beginn der 1970er führte langsam aber sicher ihr Ende herbei. Ohne Paul Theroux‘s berühmte Reisebeschreibung „Der alte Patagonien-Express“, eine Liebeserklärung an das zierliche 750 mm-Schmalspurbähnlein, die bis heute Touristen in diese ferne Gegend lockt, hätte La Trochita vermutlich den Weg wie so viele andere alte Eisenbahnlinien Argentiniens genommen: Schrott. Seit 1999 ist La Trochita ein Nationales Historisches Monument. Auch wir haben Paul Theroux’s Buch (mehrfach) gelesen, und deshalb stehen wir früh am Morgen auf dem Bahnsteig und warten auf den Trillerpfiff des Stationsvorstehers. Das dauert, und wir haben alle Muße, die von Henschel in Deutschland gebaute Dampflok zu bewundern. Sie feiert in diesem Jahr ihren 100sten Geburtstag! Dampfend und qualmend fährt sie (Schadstoffklasse Euro -7) durch hübsche, teilweise grüne Täler und die im Gegensatz dazu trockenen Berge der Voranden nach Nahuel Pan, eine winzige Mapuche-Siedlung und erster Halt nördlich von Esquel. Hier ist leider die Endstation des Zugs für Touristen, die hier Handwerkliches und Essen kaufen können. Wir verlassen Esquel und gelangen durch ein schmales, aber sehr grünes Tal nach Cholila, wo von 1901-1905 die berühmt- berüchtigten Halunken Butch Cassidy und Sundance Kid lebten. Die nicht sehr beeindruckende und auch nicht originale Hütte der beiden kennen wir und durchfahren den Ort. Unser Ziel am Ende einer sehr schmalen Piste entlang des Rio Camileufo ist der Lago Cholila. Nach langer Zeit in Staub und Dreck (seit unserer Ankunft vor 2,5 Monaten hat es zweimal kurz geregnet!) stehen wir endlich wieder auf einer grünen Wiese unter Bäumen! Wir genießen zwei schöne Tage am von hohen Bergen umgebenen See. Zurück auf der Ruta 40 geht es durch eine sehr hübsche Mittelgebirgslandschaft mit bewaldeten Berghängen und üppig grünen Tälern nach El Bolson. Es ist selbstverständlich, dass wir Claudia und Klaus besuchen, die seit vielen Jahren hier leben. 2007 hatten wir sie kennengelernt und 2008 für einige Monate unseren Wagen während unseres Heimataufenthaltes bei ihnen untergestellt. Auf ihrem Anwesen hat sich nicht viel verändert, und Klaus unterhält seine Gäste immer noch mit Geschichten. Hier treffen wir nach langer Zeit auch wieder auf Individualreisende aus Deutschland: Monika und Sepp und den Einzelreisenden Helmut. Am Abend sitzen wir zusammen und tauschen Erlebnisse aus. El Bolson ist zwar in den letzten 14 Jahren gewachsen, aber einen Touch von Esoterik und Laissez-faire hat der Ort immer noch. Er zieht nach wie vor insbesondere junge Leute an. Auf den Märkten wird viel Gesundes und Handwerkliches angeboten. Auch gehäkelte Bikinis aus den Hippie-Zeiten der 1970er sind noch zu haben! Zu Bettinas großer Freude existiert der Bioladen „Verde Menta“ noch, wo sie alle 14 Jahre (das nächste Mal also 2036) eine Antifaltencreme „Crema de Ordene“ kauft. Rolf meint, sie wirkt, und Bettina ist ausnahmsweise bereit, ihm zu glauben. Nach einem letzten Bummel durch die Stadt und über den bunten Markt verabschieden wir uns von Claudia und Klaus und den neuen Reisefreunden und setzen unsere Reise nach Norden fort. Schon bald erreichen wir den „Parque Nacional Nahuel Huapi“ der sich über 130 km östlich der Anden entlangzieht. Er ist Argentiniens erster, 1934 gegründeter Nationalpark. Viele Flüsse und Seen durchziehen ihn, und von letzteren ist der Lago Nahuel Huapi der größte. Einige Tage verbringen wir an mehreren davon, in sehr schöner Landschaft gelegen und oft von Südbuchenwäldern gesäumt. Auch viele Argentinier nutzen in den Schulferien dieses Feriengebiet, sodass viele Campingplätze gut belegt sind. Am südlichen Ende des Lago Nahuel Huapi liegt von hohen Bergen umgeben San Carlos de Bariloche. Diesen sehr touristischen und überlaufenen Ort fahren wir gezwungenermaßen an, um bei der Migracion unsere Argentinien-Visa verlängern zu lassen. Nur mit Glück finden wir am Stadtrand einen Parkplatz. Das Verfahren bei der Migracion ist recht aufwändig, u. a. werden von allen Fingern Abdrücke genommen. Das entsprechende Gerät funktioniert nur nach gutem Zureden und mit „deutscher Wertarbeit“: Erst mit bereitstehender Nivea-Creme gelingen alle Fingerabdrücke!
Für weitere Fotos bitte klicken
Als die Sonne wieder lacht, machen wir uns auf den Weg zum Vulkan „El Tromen“. Vor uns liegt im Norden ein mit hohen Vulkanen geradezu gespickter Landstrich, und schon bald tauchen die schneebedeckten Gipfel vor uns auf. Direkt gegenüber dem Vulkan auf 2200 m Höhe lassen wir uns neben einem einfachen Refugio für Wanderer und Bergsteiger nieder. Zwei wunderschöne Tage verbringen wir hier mit Wanderungen. Dabei kreisen Kondore über uns im strahlend blauen Himmel. Einst war hier ein kleines Skigebiet. Doch nachdem vor ca. 10 Jahren der Schnee begann auszubleiben, wurden die Sessellifte am Cerro Wayle entfernt. Aber das leerstehende ehemalige Restaurant ist noch vorhanden, und die Terrasse, auf der einst der Apres-Ski tobte, dient uns als perfekter windgeschützter Frühstücksplatz. Gauchos treiben Herden mit Ziegen, Schafen und Kühen zu anderen Weideplätzen an uns vorbei und grüßen freundlich. Der 4114 m hohe El Tromen brach vor 500 Jahren zuletzt aus. Die Lavaströme sind deutlich sichtbar und wurden bis heute von der Vegetation nicht zurückerobert. Das sog. „El Escorial (Schlackenhalde)“ sehen wir uns aus der Nähe an: 32 qkm Lava hat der Vulkan hier ausgespuckt. Wir lernen die Bergsteiger Rosa Maria, Florencia und Patricio kennen und werden von ihnen zum Abendessen eingeladen. Patricio kocht einen sehr leckeren Linseneintopf vegetarisch, aber auch nur deshalb, weil das mitgebrachte Fleisch verdorben ist. Wir steuern Bier, Tee, Stühle und einen Tisch bei. Obwohl es in der Refugio-Hütte sehr kalt ist und alle dick eingemummelt sind, wird es ein wunderbarer unterhaltsamer Abend mit vielen Geschichten, denn alle drei sprechen vorzügliches Englisch. Die Nacht ist schon lange hereingebrochen, als wir zum Wagen zurückkehren und uns das Licht der Milliarden Milchstraßensterne im kristallklaren Himmel den Weg weist. Während die drei am nächsten Morgen zur Besteigung des El Tromen aufbrechen, geht es für uns durch eine wunderschöne Landschaft entlang der Anden weiter nach Norden. Wir kommen in tiefere Lagen, und auf nur noch 1200 m wird es mit 24 Grad wieder warm. Wir queren den Rio Barrancas und damit die Grenze zur Provinz Neuquen. Die sehr kurvige Piste führt uns durch ein riesiges Vulkangebiet. Uralte erkaltete Lava windet sich die Berghänge hinunter und säumt die Piste. Wir übernachten neben der Schlucht „La Pasarela“; tief unten fließt der Rio Grande, John Wayne lässt Euch nicht grüßen. Es geht durch ein weites grünes Tal, an dessen Ufern sich Weiden und Sumpfgebiete ausdehnen. Im winzigen Ort Bardas Blancas kann Bettina in einem Kiosk tatsächlich Eier, Brötchen, Salami und Äpfel kaufen kulinarisch sind die nächsten Tage gerettet! Nach einigem Rauf und Runter liegt unser Ziel unter uns, die riesige Laguna Llancanelo; leider ist sie nach diesem extrem trockenen Sommer bis auf etwas Restwasser trocken. Bei der Rangerstation des Reserva Natural etwa 11 km Luftlinie westlich der Lagune dürfen wir übernachten. Beim Frühstuck am nächsten Morgen leisten uns Hamster und ein Gürteltier Gesellschaft. Endlich einmal nach Millionen Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden wieder wildlebende Säugetiere! Wir erkundigen uns beim Ranger nach dem Zustand der Ruta 183, die auf dem Lagunenostufer nach Norden führt. Er wirft einen fachmännischen Blick auf unsere Fahrmaschine: „No problema (kein Problem)“! Nach vielen Kilometern einsamster Piste kommen wir in einen verlassenen Ort, den wir fälschlicherweise für El Puente halten. Laut unserer Papierkarte zweigt hier die Ruta 183 ab, in unserer Digitalkarte ist sie leider nicht verzeichnet. Während wir rätselraten, trifft eine lustige Männertruppe auf Dirtbikes ein, und sie klärt uns auf: Wir sind mitnichten in El Puente, sondern im Minenort Puerto Corales, der nach Aufgabe der Mine Ethel nur noch aus Ruinen besteht. Die Jungs aus Agua Escondida sind sehr freundlich und hilfsbereit: Wir erfahren, dass die Ruta 183 wegen der Regenfälle der vergangenen Woche nicht befahrbar ist und beschreiben uns den Weg zur Ruta 180 nach Norden. Eine Woche später fragen sie per Mail an, ob wir die Piste gefunden hätten ausgesprochen nett! Da wir immer weiter nach Osten abdriften, erblicken wir die Lagune nur noch aus der Ferne. Wirklich besuchenswert ist sie wohl nur im Frühling, wenn sie mit Wasser gefüllt ist, und viele Vögel hier brüten. Nach zwei Tagen erreichen wir den Stausee Embalse Nihuil und den gleichnamigen Ort. Durch den heftigen Wind ist die Luft sogar am Strand voller Dreck, aber die Tagesausflügler scheint das nicht zu stören. Uns schon: Wir verholen auf einen oberhalb des Sees gelegenen Campingplatz, betrieben von der Caritas. Am Morgen versammeln sich die Angestellten noch zu (nach unserer Definition) nachtschlafender Zeit für eine halbe Stunde zum Gebet. Bettina schnorchelt, Rolf lauscht andächtig. Eine teils schlechte Piste schraubt uns über viele Serpentinen hinunter auf 900 m in die Schlucht des Canon del Atuel, eine optisch äußerst reizvolle Straßenverbindung zwischen den Stauseen El Nihuil und Valle Grande. Es ist eine spektakuläre Fahrt mit grandiosen Ausblicken auf bizarre bunte Felsformationen. Diverse Aktivitäten, wie Rafting, Reiten und Wandern, machen das östliche Ende des langen schönen Tals zu einem Touristen-Hotspot, trotzdem finden wir einen hübschen staubfreien Platz auf einer Wiese am Fluss. Auf direktem Weg geht es am nächsten Tag über San Rafael nach Mendoza, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, die eines der wichtigsten Weinanbaugebiete Argentiniens ist. Am nördlichen Stadtrand finden wir einen Campingplatz und fahren per Taxi (mit Taxameter!) zur Stadtbesichtigung. Viele große Plätze, Parkanlagen und Alleen machen die Stadt zu einer grünen Oase. Zufällig sind wir in das Wochenende mit dem wichtigen Fest „Fiesta de la Vendimia (Weinlese)“ geraten. Einheimische Touristen bevölkern die Stadt, um sich Umzüge anzusehen und an Veranstaltungen teilzunehmen, darunter die Wahl der Weinkönigin. Vor der Endauswahl am Samstagabend paradieren die lokalen Schönheiten diverser Weinstädte in einem Umzug durch die Stadt. Auf Plakaten kann man ihre Portraits überall bewundern. Rolf meint, es lohne nicht, zum Königinnenfinale zu gehen, die Mädels sähen alle gleich aus. Man müsste sie zu allererst mal abschminken. Auch aufgrund von Corona verzichten wir auf die Teilnahme an irgendeinem der Events und belassen es beim Bummeln durch Straßen, über Plätze und durch Parks. 1861 wurde Mendoza durch ein Erdbeben schwer beschädigt, sodass nur noch wenige alte Gebäude vorhanden sind. Eines davon erregt unsere Aufmerksamkeit: Es ist ein ehemaliges Bankgebäude und heute das Kulturministerium mit einer aufwändig verzierten Fassade. Ein gut gekleideter Herr beobachtet unser Interesse und lädt ein, uns das Innere des Gebäudes zu zeigen. Wir sind baff und nehmen das Angebot gerne an! Unser Führer ist dem Sicherheitspersonal am Eingang offensichtlich wohl bekannt und nonchalant eskortiert er uns in die öffentlich nicht zugänglichen, sehr schönen Räume. Später tippen wir darauf, den Chauffeur eines der hohen Beamten, vielleicht sogar des Kulturministers kennengelernt zu haben. Natürlich gibt es wie in fast allen Städten Argentiniens auch hier eine San Martin-Statue, dazu eine nach ihm benannte Plaza und/oder Straße. Denn Jose Francisco de San Martin war einer der bedeutendsten Generäle Südamerikas im Befreiungskrieg vom spanischen Joch zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Insgesamt gefällt uns Mendoza nur mittelprächtig.
Für weitere Fotos bitte klicken