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Wieder in Uruguay oder Tücke der Technik (November/Dezember 2022) Liebe Freundinnen, liebe Freunde, nach den Sommermonaten in der Heimat sind wir wieder unterwegs. Von Hamburg fliegen wir über Paris und Sao Paulo nach Montevideo/Uruguay. Mit einem Mietwagen fahren wir die letzten 80 km zu UY- Storage östlich von Montevideo, wo unser Wagen steht, bereit, erneut bezogen zu werden. Wie immer am Beginn einer Reise gibt es einiges zu erledigen: Einkäufe, Aufladen der SIM-Karte (die alte ist noch gültig) usw.. Prima, dass wir für diverse Besorgungsfahrten den Mietwagen haben. Mit unserem vierrädrigen Reisefreund gibt es allerdings Probleme: hier ein kurzer Abriss unserer TGT. Wobei TGT, wie weniger wohlwollende Seelen vielleicht meinen könnten, nicht für T atter G reis T our, sondern für T echnische G räuel T our steht. 1. November: Als wir unseren MAN zum ersten Mal 10 m bewegen, um unseren Wassertank aufzufüllen, begrüßen uns sieben Steuercomputer des Wagens mit Fehlermeldungen. 8. November: Wir fahren zu MAN in Montevideo. Dort kennt man unser Fahrzeugmodell nicht (es scheint nirgendwo in Südamerika verkauft zu werden, nur die schweren Baureihen laufen hier), aber immerhin gedeiht die Diagnose so weit, dass eine leere Stützbatterie im Fahrtenschreiber als Finsterling erkannt wird. Die Batterie wird ersetzt, der Fahrtenschreiber weigert sich, wieder lebendig zu werden. Wir werden mit den Fehlermeldungen weiterfahren können, allerdings unter Verzicht auf einige „Komfortfunktionen“: Tachoanzeige (wer interessiert sich hier schon für Geschwindigkeiten?); ABS (hatte unser 1. Käfer auch nicht, überflüssig); Drehmomentbegrenzung (wer braucht denn sooo was?); Ganganzeige unseres 9- Gang-Getriebes (absolute Dekadenz: Der erfahrene Trucker (Rolf) weiß durch Handauflegen, in welchem Gang er fährt); weitere, nicht erwähnenswerte Überflüssigkeiten. 16. November: Wir befinden uns kurz vor der brasilianischen Grenze. Unsere in Australien montierten vorderen Stoßdämpfer verabschieden sich schlagartig auf beiden Seiten. Wir fahren 100 km wieder zurück Richtung Montevideo, zu einer freien LKW-Werkstatt, die uns MAN-Montevideo in einem Telefonat empfohlen hat. Man kümmert sich sofort um unser Problem: Die Stoßdämpfer sind einstellbar, werden ausgebaut und in die härteste Stellung gebracht. Eine Verbesserung hat sich nach 30 km Fahrt wieder verflüchtigt. 24. November: Bereits in Brasilien kommen wir an einer Volkswagen-MAN-Werkstatt vorbei, und wir sprechen wegen unserer Dämpfer vor, die den Namen nicht mehr verdient haben. Auch hier kümmert man sich sofort um uns. Die Verständigung ist äußerst schwierig: Die Mechaniker und Rolf haben ständig ihr Smartphone mit einem Online-Übersetzer in der Hand. Schon mal eine technische Diskussion damit geführt? Ein Erlebnis! Der Teile-Manager geht tief in sein Lager und kommt mit einer ganzen Kollektion von VW-LKW-Dämpfern zurück. Jetzt rächt sich, was seinerzeit in Australien ein Segen war: Damals haben wir das Fahrwerk an der Vorderachse modifizieren lassen, um endlich adäquate Dämpfer für australische Pisten montieren zu können. Die Modifikation verhindert nun, dass wir Standarddämpfer verwenden können. Die Antwort der MAN-Jungs: „Wo ist das Problem? Wir kennen eine kleine Dreherei, die werden uns bis morgen früh vier Adapter machen. Denn heute passiert sowieso nichts mehr, wir schließen den Laden um 15:00 Uhr: Brasilien bestreitet heute sein erstes Fußballspiel, und alle Mitarbeiter haben frei bekommen. Also bis morgen früh müsst Ihr Euch schon gedulden. Übernachten? Kein Thema! Ihr könnt natürlich auf dem Firmengelände bleiben. Wir haben einen hohen Zaun und einen Watchman. Hier steht ihr sicher!“ 25. November: Morgens um 9:00 Uhr treffen die Drehteile ein, um 10:00 Uhr sind die neuen Dämpfer montiert. Irgendwann in dunkler Vergangenheit habe wir einen der Federwegbegrenzungsanschläge an der Vorderachse verloren. Rolf fragt nach Ersatz, aber leider hat man nichts Passendes, außerdem werden die Puffer hier geschraubt, während sie bei MAN nur noch eingeclipst werden. Warum bloß werden bei deutschen Produkten nur noch Billigstlösungen verbaut? Doch wieder: Wo ist das Problem? Kurzerhand wird ein Puffer eingeklebt! Gegen Mittag rollen wir vom Hof mit Stoßdämpfern, die den Namen wieder verdient haben. 6. Dezember: Wenn der Wagen warm ist, kann Rolf ihn im Stillstand faktisch nicht mehr schalten. Bei jedem Schaltvorgang, sei es der erste Gang, sei es der Rückwärtsgang, muss er den Motor stoppen, kann dann mit Glück einen Gang einlegen (oft funktioniert auch das nicht), um dann den Motor wieder zu starten. Das ruft bei den heißblütigen Brasilianern in diversen Verkehrssituationen laute Ungeduld hervor. Wir befinden uns inzwischen in Blumenau, einer Stadt, deren Ursprünge auf eine Kolonisierung durch deutsche Auswanderer in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Recht häufig treffen wir hier auf Menschen, deren Deutsch zwar veraltet und eingerostet, mit denen eine Kommunikation aber 1000mal besser als mit dem Online-Übersetzer ist. Wir fahren zu VW-MAN-Breitkopf. Auch hier kümmert man sich sofort um uns. Das Getriebe wird ausgebaut und die Kupplung inspiziert: Ein Teil der Federn der Andruckplatte sind verzogen, und deshalb trennt die Kupplung nicht mehr sauber. Zwei Nächte campen wir auf dem Firmengelände, bis neue Teile eingetroffen sind - wieder haben wir viel Geld gespart …. ;-) Wenn wir die Sauberkeit und Sorgfalt der Arbeiten und das Miterledigen von Kleinigkeiten, die im Verlauf der Demontage und Montage auffallen, bewerten sollten, kämen wir aus dem Schwärmen nicht mehr heraus! 10. Dezember: Wir rollen wieder unter eigenem Dampf!
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Uruguays Atlantikküste (November 2022) Endlich starten wir zu neuen Abenteuern Richtung Brasilien. Entlang der Uruguay-Atlantikküste fahren wir nach Nordosten und besuchen uns unbekannte Orte, wie Punta Del Este und Cabo Polonia. Punta Del Este ist der berühmteste Badeort Uruguays und zählt laut Reiseführer zu den schicksten und exklusivsten der Welt. Genau das Richtige für uns! Überzeugt Euch anhand der Fotos! Das Interessanteste ist der kleine Fischmarkt im Yachthafen. Während Fischer ihren Fang säubern, warten Seelöwen und Möwen sehnsüchtig auf die Abfälle. Wir erinnern uns an ähnliche Szenen vor vielen Jahren auf dem Fischmarkt von Valdivia in Chile. Cabo Polonia ist eine wilde (vermutlich illegal errichtete, aber von den Behörden geduldete) Ansammlung von zusammengeschusterten Ferienhäusern und -hütten auf einem Küstenfelsplateau und darf von Besuchern nicht mit dem eigenen Fahrzeug angesteuert werden. Wir schließen uns also einer geführten Tour an. Igitt! Naja, es geht ja nur um den Transport. Auf der Ladefläche eines uralten Armee-LKWs sitzen wir dichtgedrängt mit jungen Leuten und holpern auf sandigen Pisten (wären für uns ein Klacks gewesen) vorbei an Wäldern, später durch ein großes Dünengebiet in den komplett auf Sand gebauten „Ort“. Einst ein kleines Fischerdorf ohne Frischwasser und elektrischen Strom, entwickelte sich im Laufe der Jahre ein alternativer Touristenort mit einfachen und zum Teil auch besseren Unterkünften, Restaurants und Bars, Restaurants und Bars und Restaurants und Bars. An der Spitze der Halbinsel befindet sich der im Jahr 1881 in Betrieb gegangene Leuchtturm Faro de Cabo Polonia. Davor räkeln sich auf den Felsen Seelöwen in der Sonne. Um die Küstenlandschaft mit seinen Feuchtgebieten, Wanderdünen und Stränden zu schützen, wurde das Gebiet 2009 zum Nationalpark erklärt, die Shanty Town aber bis heute noch nicht verscheucht. Wir bummeln durch die wilde Hüttenansammlung, lassen uns in einem Café mit San Moritz-Preisen nieder, bevor es per Stinke-LKW wieder zurückgeht. Unweit der brasilianischen Grenze bleiben wir noch ein paar Tage auf einem schönen Stellplatz an der Laguna Negra, die wir bis auf wenige Tagesgäste für uns haben. Hier lernen wir Euginia und Rodrigo aus Brasilien kennen, die wir später wiedertreffen werden. Bevor wir Uruguay verlassen, besuchen wir noch einmal die im 18. Jahrhundert von Portugiesen erbaute Festung Fortaleza Santa Teresa. Im Verlauf von 200 Jahren geriet sie mehrmals unter wechselnde Kontrolle von Portugal/Brasilien und Spanien. Nach der Staatsgründung Uruguays verfiel das Fort, bis ab 1928 die Restaurierung erfolgte. Es ist heute eines der wenigen Denkmäler der Kolonialzeit.
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Nun heißt es für uns: Auf nach Westen, nach Foz Do Iguacu. Endlich wollen wir auch die brasilianische Seite der berühmten Fälle kennenlernen. Doch darüber im nächsten Bericht mehr. Wir wünschen Euch einen milden Winter, ein erbauliches Weihnachtsfest und nur das Allerbeste, vor allem Gesundheit, für das neue Jahr, Bettina & Rolf (Entre Rios/Brasilien, im Dezember 2022)
Blumenau/Brasilien 2022 Brasilien: MAN TGM13.290 von unten
----BLUMENAU---- Brasilien
RIO GRANDE D. S. Brasilien
MONTEVIDEO Uruguay
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Südbrasiliens Atlantikküste (November 2022) Am 17.11. fahren wir zur Uruguay-Grenzstation. Unsere Reisepässe und das Fahrzeugpapier werden ausgestempelt. Kurz dahinter im Zentrum des Grenzorts Chuy/Chui verläuft die Staatsgrenze in der Mitte der Hauptstraße: links ist Chuy/Uruguay, rechts ist Chui/Brasilien. Wenn man sich um 180 Grad dreht, ist es natürlich umgedreht! Der Ort platzt aus allen Nähten mit Duty Free Shops, Restaurants und Supermärkten. Wir haben Mühe, an einem ATM brasilianisches Geld (Real) zu bekommen: Die Banco Brasil akzeptiert keine internationalen Kreditkarten; bei einer anderen Bank, zu der wir uns durchfragen müssen, gelingt es. Zwei Kilometer hinter dem Ort erreichen wir den brasilianischen Grenzposten in einem modernen Gebäude. Wir sind baff: Die Beamten sprechen Englisch! Wir erhalten eine Aufenthaltsdauer für uns von 90 Tagen; die Fahrzeuggenehmigung ist an die Aufenthaltsgenehmigung der Menschen gekoppelt. Wir wollen zunächst die Küstenregionen kennenlernen und werden feststellen, dass es 1000 km lange, breite und weiße Sandstrände gibt, die jetzt, in der Nebensaison, wenig frequentiert sind. Nun ist es nicht unser Ding, stundenlang am Strand zu liegen, aber gelegentliche Strandspaziergänge sind immer wieder schön. Gleich im ersten Ort, Hermenegildo, stoßen wir an unsere sprachlichen Grenzen. Die portugiesische Schreibweise ähnelt zwar sehr stark der spanischen, aber die Aussprache unterscheidet sich dramatisch. In seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“ bringt Pascal Mercier es auf den Punkt: „Ein Fluss von Zischlauten, die Vokale sind kaum hörbar und am Ende wieder ein rauschendes Schschsch.“ Unser Spanisch wird oft verstanden, und wenn nicht, wozu gibt es Online-Übersetzer. Auf Bettinas Frage an einen Herrn, ob er Englisch spricht, antwortet dieser voller Inbrunst „Ja!“ und zieht sein Handy aus der Tasche; Sprachen zu lernen wird überflüssig. Im Ort kaufen wir eine SIM-Karte von Claro für unser Mobiltelefon, können dann aber die Karte nicht aktivieren. Dazu ist die Eingabe einer nationalen Identifikationsnummer erforderlich, die wir nicht haben. Ausländische Reisepassnummern werden nicht angenommen. Wir befinden uns erst einmal in der kommunikativen Diaspora. Überhaupt in der tiefsten Vergangenheit, denn wir fahren ja auch ohne ABS .... ;-) Auf dem Weg nach Norden queren wir das Feuchtgebiet Taim, das zwischen zwei Lagunen liegt und ein Zufluchtsort für viele Vögel und die von uns so geliebten Wasserschweine (Capibaras) ist. Die Stadt Rio Grande durchfahren wir zum Glück an einem Sonntag mit wenig Verkehr. Nach Sao Jose bringt uns eine Fähre über den Canal Miguel Da Cumha, der die Lagoa Dos Patos mit dem Atlantik verbindet. Wir treffen hier erneut auf Euginia und Rodrigo, essen in einer Bar eine Kleinigkeit und unterhalten uns gut, da die beiden ausgezeichnet Englisch sprechen. Rodrigo schafft es auch, unsere SIM freizuschalten. Super! Wir stehen wieder in Verbindung mit der weiten Welt! Wir verabschieden uns von den beiden und wollen in Kontakt bleiben. Weiter nach Norden geht es auf einer schmalen Landzunge zwischen Lagune und Atlantik: Südlich von Porto Alegre haben Meeresströmungen enorm lange Sandbänke geschaffen, die mehrere sehr große Süßwasserlagunen vom Meer abriegeln. Die längste, Lagoa dos Patos, ist über 250 km lang! Wir bleiben immer wieder in kleinen Küstenorten, von denen sich einer an den nächsten reiht. Ca. 80 % der Gebäude sind Ferienhäuser, die nur während der Saison bewohnt sind. In Farol de Santa Marta steht der höchste Leuchtturm Südamerikas und der dritthöchste der Welt, 1890 von Franzosen aus Stein, Sand und Walöl gebaut Grund genug hierzubleiben, oder? Nein, der Ort und die Umgebung sind wirklich hübsch. Doch seit einigen Tagen regnet es immer häufiger, und bei 28 Grad steigt die Luftfeuchtigkeit auf über 90 %! In Garupaba, ein bei Surfern beliebter Ort, bleiben wir nur, weil wir uns hier mit Euginia und Rodrigo verabredet haben. Das Wetter bleibt mit heftigen Regenfällen miserabel, viele Straßen der Region sind unpassierbar, es hat bei Erdrutschen viele Tote und Verletzte gegeben, der Campingplatz ist extrem teuer und der Ort sehr touristisch. Wir beschließen, die Küstenregion bei Itajai zu verlassen und nach Westen ins Landesinnere abzubiegen.