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Wieder in Uruguay (November 2021) Ihr erinnert Euch bestimmt an unseren Bericht aus dem Frühjahr 2020. Damals haben wir am 23. März überstürzt Uruguay verlassen, da die Grenzen und nur Stunden später der Flughafen in Montevideo Corona-bedingt geschlossen wurden. Unseren Wagen stellten wir, immerhin noch wie geplant, 80 km nordöstlich von Montevideo bei den Brüdern Felix, Michael und Timo von „UY-Storage“ ab; er wartet seit dieser Zeit auf unsere Rückkehr. Zwei Anläufe haben wir seitdem unternommen, nach Uruguay zurückzukehren. Der eine brachte uns ins Elbsandsteingebirge , der andere in die Elb-   und   Havelauen . Bis Uruguay haben wir es nicht geschafft …. ;-) Als uns die Nachricht erreicht, dass die Grenzen nach Uruguay zum 1. November 2021 auch für Touristen wieder geöffnet würden (also viel später als jeder erhofft hat), buchen wir spontan Flüge. Am 14. November, nach nunmehr 20 Monaten, kehren wir nach Montevideo und per Mietwagen zu UY-Storage und unserem Wagen zurück. Schön, nach so langer Zeit einen alten Freund wieder in die Arme zu nehmen …. ! Nun tut einem Alten, Freund oder nicht, eine lange Standzeit gar nicht gut, sodass Arbeiten anstehen: Die Starterbatterien hatten ihren Geist aufgegeben und wurden von den UY Storage-Jungs bereits getauscht; auch ein Ölwechsel wurde gemacht, es wurden aber 2 l zuviel eingefüllt, mussten wieder abgelassen werden. Die großen Batterieblöcke aus der Wohnkabine haben wie durch ein Wunder überlebt. Vier Lampen (zwei Seitenleuchten, zwei Positionsleuchten oben am Heck) hatten sich verabschiedet. Die zugehörigen Kabelverbindungen wurden seinerzeit vom Kabinenbauer verlegt, also nicht von Rolf. Das handwerkliche Niveau war, wie wir nun wissen, unterirdisch. Wir haben lange gesucht, den Fehler zu finden: Mehrere Verbindungen waren nur gequetscht und standen im Wasser. Dazu war ein Kabel durchkorrodiert. Klassischer Mehrfachfehler, den zu finden gedauert hat, und der nur mit Lötkolbenschwingen und Kabelverlängerungen (Flickwerk) zu beheben war. Die Gasfedern für die Dachluke der Fahrerkabine haben ihren Geist aufgegeben. Die hier Beschafften passen nicht. Wir haben uns eine Notlösung einfallen lassen. Das Auto musste von innen grundgereinigt werden, da wir seinerzeit wegen Zeitmangels keine Reinigung mehr geschafft haben. Der Wasserfilter musste ausgewechselt werden. Dann stand eine Orgie mit dem Hochdruckstrahler an. Neben diesen notwendigen Arbeiten gab es noch viele Dinge zu erledigen wie z. B. uns neu zu verproviantieren und all das zu beschaffen, das wir zu Hause vergessen haben …. ! Nicht ganz einfach in der Pampa: Die nächste "Stadt" mit etwas mehr als Grünhöker und Schlachter ist 50 km entfernt. Gut, dass wir in der 1. Woche einen Mietwagen hatten. Von den im Wagen zurückgebliebenen Lebensmitteln haben es zu unserer Freude zwei Gläser Marmelade (Mango und Pflaume) überlebt, handproduziert im Februar 2020 in San Pedro de Atacama, Chile. Vorerst also kein Marmeladen-Alarm! Von Timos und Felix’ Familien werden wir erfreut begrüßt, sind wir doch Vorboten einer neuen alten Normalität. Claudia und Felix haben vor 5 Monaten ein drittes Kind bekommen. Ein weiterer Bruder, Michael, lebt nun auch mit Frau und Kind auf dem Riesenareal. Auch die Menagerie hat sich vergrößert. Die hübsche braune Kuh Tanja besucht uns ab und zu. Andere Reisende, deren Fahrzeuge ebenso hier abgestellt sind, treffen ein, und es gibt allerhand zu erzählen. Die Stimmung unter Reisenden hat sich durch die Corona-Situation seit dem letzten Aufenthalt spürbar verändert: Es herrscht Nervosität. Man ist unsicher, wie sich die Dinge entwickelt werden, wie sich die Menschen in den Nachbarländern mit offenen Grenzen (momentan nur Argentinien und Paraguay) den Europäern gegenüber verhalten werden. Oder ob sich Argentinien bei wachsenden Inzidenzen (danach sieht es weltweit aus) wieder als Falle erweist. Aber alle, die aus Europa kommen, sind auch erleichtert, dass die Inzidenzen in Uruguay vergleichsweise extrem niedrig sind; über 80 % der Bevölkerung sind zweifach geimpft. Es gelten strikte Regeln, die erstaunlich diszipliniert eingehalten werden: Wir beobachten, wie eine mehrköpfige Familie ohne Masken einen Supermarkt betreten will. Ein Sicherheitsmensch pfeift sie zurück und verwehrt ihnen den Zugang. Murrend, aber ohne weiteres Aufsehen zu erregen, verlassen sie das Geschäft. Auch das gute Wetter trägt zu unserem Wohlbefinden bei. Vieles grünt und blüht, so in kräftigen Rottönen die Bougainvillea, dazu die lilafarbenen Jacaranda-Bäume, Wiesen voller gelb blühender Butterblumen es herrscht Frühling an der Grenze zum Frühsommer. Zwischen den arbeitsreichen Tagen machen wir Ausflüge in die Umgebung, mit dem Mietwagen u. a. nach Piriapolis und mit dem eigenen Wagen einen Testlauf nach La Paloma, beides Orte an die Atlantikküste. Die Strände füllen sich langsam, einige Mutige wagen sich zum Baden ins Meer. Nach 10 Tagen deklarieren wir uns trotz ungelöster technischer Probleme als „reisefertig“: Sehr störend ist der schnelle Druckverlust. Nach nur wenigen Stunden ist der Luftdruck soweit abgefallen, dass wir erst einmal pumpen müssen, um die Feststellbremse lösen zu können. Nicht wirklich gut, sollte in der Nacht einmal ein/e Notstart/Flucht erforderlich werden. Aber wir können kein Leck finden. Wir stürzen uns für den zweiten in Uruguay vorgeschriebenen PCR-Test ins Getümmel von Montevideo, bestehen ihn erfolgreich (negativ) und decken uns mit Lebensmitteln ein. 600 l Diesel sind schon seit fast zwei Jahren (Gott sei Dank ohne Dieselpest) an Bord - die Reise kann beginnen. An das neue alte Leben in unserem Womo gewöhnen wir uns schnell. Ein immer mehr von uns geschätzter großer Vorteil sind die altersgerechten kurzen Wege: Vom Wohn-/Schlafzimmer zur Küche und zum Bad sind es nur wenige Schritte. Viele Dinge befinden sich in Armesreichweite. Es sei denn, man benötigt gerade etwas, das sich im untersten Staukasten hinten links in der dritten Schicht von oben befindet. Das geschieht jedoch gaaaanz selten!
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Am Rio Uruguay (November 2021) Zunächst fahren wir nach Nueva Helvecia zum Campingplatz/Hotel Suizo des Schweizer Namensvetters Rolf. In seinem Restaurant hatten wir kurz vor unserer Ausreise im März 2020 sehr gut gegessen. Das wollen wir wiederholen, aber leider musste Rolf pandemiebedingt das Restaurant schließen. Am Nachmittag treffen überraschend Birgitt und Peter ein, die wir im Oktober/November 2019 auf der Schiffsreise von Hamburg nach Montevideo kennengelernt und mit denen wir seitdem Kontakt gehalten haben. Beim fröhlichen Wiedersehen gibt es viel zu berichten. Während die beiden zunächst Uruguay und danach den ihnen unbekannten Norden Argentiniens bereisen wollen, zieht es uns Richtung Süden nach Patagonien. Aber zunächst bleiben wir in Uruguay, fahren in Richtung Nordwesten zum Stausee Lago Palmar, durch den der Rio Negro fließt. Im Parque Bartolome Hidalgo wacht der freundliche Javier mit seiner Familie über das Gelände. Das Gespräch zwischen ihm und Bettina wird von seiner Frau per Video aufgenommen. Vermutlich erscheint es demnächst im lokalen Fernsehsender. Einige Tage später erreichen wir den Rio Uruguay, den Grenzfluss zu Argentinien. Ihm wollen wir im weiteren Verlauf der Reise stromaufwärts folgen. In der Karte haben wir Nuevo Berlin gefunden den Ort wollen wir sehen! Doch so eine Überraschung: Nichts deutet auf Berlin oder auch nur Deutsches hin, ja, der Ort erscheint uns zunächst trostlos und ohne jegliche Infrastruktur zu sein. Aber dann entdecken wir doch einige Einkaufsmöglichkeiten, u. a. eine Art Sportgeschäft, in dem wir eine Yoga-Matte aus China für unsere täglichen Gymnastikübungen erstehen. Erst nach dem Kauf entdecken wir den Aufdruck, diese Matte unbedingt vor Gebrauch abzuwaschen und wegen der austretenden giftigen Dämpfe mehrere Tage zu lüften. Das tun wir, werden die Matte trotzdem bald vernichten, da es Rolf nach ihrer ersten Benutzung speiübel wird. Wie schon bei unserer ersten Reise durch Uruguay gefallen uns die verkehrsarmen Überlandfahrten gut. Fahrer entgegenkommender LKWs grüßen sich. Kühe und Kälber grasen gemeinsam auf den Weiden. Alles wirkt friedlich und harmonisch, sodass man den Eindruck gewinnen könnte, die Welt sei im Lot; wir genießen die wiedererlangte Freiheit des Reisens. Stromauf erreichen wir San Javier. Der Ort wurde von russischen Einwanderern gegründet, die 1913 im 5 km entfernten Puerto Viejo per Schiff anlandeten. An die alte russische Heimat erinnern Wandgemälde und die hübschen bunten Matrjoschkas. In einem Restaurant werden Piroggen und das russische Nationalgetränk Kwas angeboten. Beides hätten wir gern genossen, aber das Restaurant ist geschlossen, wie so vieles andere auch. Im Vergleich zu Nuevo Berlin zeigt sich wieder einmal, dass deutsche Auswanderer Weltmeister im Assimilieren sind. In Puerto Viejo wird der riesige parkähnliche Campingplatz gerade renoviert, die Sanitäranlagen wurden bereits erneuert. Wie bereits auf anderen Plätzen sind wir auch hier bis auf wenige Tagesgäste fast allein. Die Menschen begegnen uns überall freundlich und interessiert. Kurz vor Salto im Norden des Landes (dem einzigen zurzeit geöffneten Grenzübergang nach Argentinien) finden wir bei den Termas Dayman einen Standplatz auf einer Wiese oberhalb des Rio Dayman. Gemeinsam mit einem brasilianischen Paar, wie wir nach Patagonien unterwegs, bleiben wir zwei Tage und bereiten den Grenzübergang nach Argentinien vor. Die heißen Quellen besuchen wir aufgrund der ohnehin hohen Lufttemperaturen von über 30 C nicht. Es bewahrheitet sich die vertraute Lebensregel, dass es umso wärmer wird, je weiter man nach Norden kommt. Um die Termas herum reiht sich ein Hotel/Restaurant an das nächste. Während der Saison und/oder in Nicht-Corona-Zeiten muss hier der Bär los sein. Aber zurzeit ist das meiste verwaist, wenige Restaurants und Läden sind geöffnet. Allerdings finden wir in einem Allerweltsladen eine Damen-Schlabberhose in Größe XXXL in grellem Orange (Hare Krishna-Style) für Rolf. Die Verkäuferin bietet Bettina eine kleine Größe an. Als wir ihr erklären, dass die Hose als Pyjama-Ersatz für Rolf gedacht ist, amüsiert sie sich köstlich. Vermutlich stellt sie sich vor, wie Rolf nachts leuchtet. In Salto ist ein erneuter PCR-Test, diesmal für Argentinien, fällig. Er kostet die Kleinigkeit von US$ 100 pro Person keine Krise, an der sich nicht exzellent verdienen ließe! Und dann geht es früh am Morgen des 4. Dezembers zur Puente Salto Grande, über den Damm im Rio Uruguay. Auf der Westseite befinden wir uns bereits in Argentinien, wo die Ausreise- und Einreiseformalitäten für beide Länder erledigt werden. Es verläuft alles recht einfach, entspannt und zuvorkommend. Da wir die 70 bereits überschritten haben (Kinder, wie die Zeit vergeht!), mussten wir uns nicht innerhalb von 48 Stunden vorher online für die Einreise nach Argentinien registrieren (wir sind alt, nix Computer; etwas Humpeln vor dem Schalter hilft), sondern nur ein wesentlich einfacheres Blatt Papier ausfüllen. Wir erhalten keinen Ausreisestempel aus Uruguay, aber einen Einreisestempel nach Argentinien, Aufenthaltserlaubnis für Menschen 90 Tage, für den Wagen sensationelle 8 Monate. Und nun wollen wir in Argentinien Bekanntes und Unbekanntes bereisen.
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Doch darüber im   nächsten   Bericht mehr! Bis dahin alles Gute, ein Frohes Fest und nur das Beste (vor allem Gesundheit) im neuen Jahr, Bettina & Rolf (Laguna Salada/Argentinien, im Dezember 2021)
Festung Königstein/Deutschland 2020 Flughafen Madrid/Spanien
------SALTO------ Uruguay
NUEVA HELVECIA Uruguay
MONTEVIDEO Uruguay